BARF für Katzen: Pro und Contra

Wer seine Katze barfen möchte, sollte die Vor- und Nachteile dieser Ernährung genau abwägen. Denn ohne geeignete Informationen kann BARF der Gesundheit schaden.

Katze greift nach rohem Fleisch © istockphoto, darkbird77

Immer mehr Katzenbesitzer entscheiden sich dafür, ihre Katzen nach der BARF-Methode zu ernähren. Doch was genau steckt hinter BARF und wieso soll es der Katze guttun? Warum BARF so beliebt ist und worin die Vor- und Nachteile des "Barfens" liegen, erfahren Sie hier. 

Was ist BARF?

Die Abkürzung BARF leitet sich aus dem Englischen "Bones And Raw Food" her, was auf Deutsch meist mit "Biologisch Artgerechtes Rohes Futter" oder "Biologisch Artgerechte Rohfütterung" übersetzt wird.

Hinter BARF steckt die Idee der natürlichen Ernährung aus frischen und rohen Zutaten, die in der Regel vom Besitzer selbst zu einer ausgewogenen Futterration für die Katze zubereitet werden. Es gibt verschiedene Arten des Barfens, die sich im verfütterten Rohfleischanteil und der Verwendung von Supplementen unterscheiden.

Warum sollte man Katzen barfen?

Die heutige Hauskatze stammt ursprünglich von der afrikanischen Wildkatze ab und unterscheidet sich in ihrem Charakter und der Physiologie trotz Domestikation kaum von ihren Vorfahren. Egal ob Groß- oder Kleinkatze, sie alle sind Raubtiere, die in freier Natur ihre Beutetiere jagen und sich von ihnen ernähren. 

Ihr Verdauungstrakt ist also daran angepasst, den Bedarf an Nährstoffen und Flüssigkeit größtenteils über erlegte Tiere zu decken. Diese werden mit Haut und Haar verspeist, das heißt, dass die Katze vor allem Fleisch, Innereien und Knochen zu sich nimmt. Diese enthalten alle wichtigen Nährstoffe, die eine Katze zum Leben braucht. 

Das grundlegende Ziel des Barfens besteht nun darin, die Ernährung unserer Hauskatzen möglichst naturnah zu gestalten und dabei auf die grundlegenden, natürlichen Nahrungsbedürfnisse der Katze einzugehen. 

BARF: Was wird gefüttert?

Basis des Barfens einer Katze ist die Fütterung mit rohem Fleisch. Hinzu kommen Supplemente, also Ernährungsbestandteile, die die Katze neben Fleisch noch braucht.

Zu den Supplementen zählen:

  • Innereien und Blut
  • Fisch
  • Gemüse 
  • Getreide
  • Öle und Kräuter
  • Mineralstoffe

Bei der Fütterung und Supplementierung muss stets darauf geachtet werden, dass die Katze mit ausreichend Taurin, einer für Katzen essenziellen Aminosäure, versorgt wird.

5 Vorteile der Rohfütterung von Katzen

Barfen entspricht also der natürlichen Ernährung von Katzen. Aber ist es auch gut für ihre Gesundheit? Für viele Katzenbesitzer stellt sich deshalb die Frage nach dem Pro und Contra von BARF. Im Folgenden zeigen wir zunächst, welche Vorteile die Rohfütterung bei Katzen hat.

1. Kontrolle über die Inhaltsstoffe des Futters

Es gibt sehr viele verschiedene Arten und Hersteller von Fertigfutter für Katzen, das jedoch nicht immer so gesund ist, wie es in der Werbung behauptet wird. Oftmals sind viele künstliche Zusatzstoffe enthalten, die die Katze nur schwer oder gar nicht verdauen kann. Zudem enthält fertiges Katzenfutter teils kein ausgewogenes Nährstoffverhältnis. 

Da die Futtermittelhersteller nicht verpflichtet sind, die Zutatenliste auf die Verpackung zu drucken, weiß man letztendlich nicht genau, was und wie viel überhaupt im Futter enthalten ist. Beim Barfen hingegen können die Zutaten und auch deren Qualität überwacht und selbst zu einer Futterration zusammengestellt werden.

2. Gesundheitlicher Nutzen von BARF

Viele Katzenbesitzer wechseln zur Rohfütterung, weil ihr Tier gesundheitliche Probleme aufweist. Die Katze bekommt beim Barfen die Ernährung, die individuell an ihre Bedürfnisse angepasst ist und sich somit positiv auf ihre Gesundheit und ihren Körper auswirkt. 

Vor allem Katzen, die an bestimmten Erkrankungen wie Diabetes oder Nierenerkrankungen leiden, profitieren sehr von der Rohfütterung, da diese die Krankheit verlangsamen, verbessern und sogar heilen kann.

3. Bessere Verdauung dank Rohfütterung

Der Organismus und der Verdauungstrakt der Katze sind geschaffen für die Verwertung von Fleisch, das den Stoffwechsel deswegen kaum belastet. Im Gegensatz zu vielen künstlich hergestellten Zusatzstoffen oder industriell veränderten Zutaten ist Fleisch leicht verdaulich und passiert den Darm der Katze rasch. 

Dies bringt auch für den Halter einen positiven Effekt mit sich, da sich das Kotvolumen der Katze verringert und im Allgemeinen auch weniger geruchsintensiv ist.

4. Feuchtigkeitsgehalt des Futters

Generell neigen Katzen dazu, zu wenig Flüssigkeit aufzunehmen. Beim Barfen muss man sich hingegen keine Gedanken um die ungenügende Aufnahme von Flüssigkeit machen, da das Futter in der Regel einen hohen Feuchtigkeitsgehalt aufweist und somit den Bedarf der Katze deckt.

5. Gut für die Zähne

Rohfütterung hat eine positive Wirkung auf das Gebiss, weil die Katze die (meist größeren) Futterbrocken kauen muss und somit die Zähne gut gereinigt werden. Im Gegensatz dazu besitzt normales Trockenfutter für Katzen zu kleine Futterbröckchen und wird deshalb nur wenig gekaut oder einfach geschluckt. Zusätzlich ist die Katze durch die anstrengende Kautätigkeit beschäftigt und auch ausgelasteter. 

4 Nachteile der Rohfütterung

Das Barfen von Katzen bietet jedoch nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile, die man kennen sollte, wenn man sich für eine Ernährungsumstellung seiner Katze auf BARF entscheidet. Im Folgenden erfahren Sie, was gegen BARF bei Katzen spricht.

1. Aufwändige Vorbereitung: Informationen einholen

Bevor man seine Katze nach dem Prinzip des Barfens füttert, muss man sich ein umfangreiches Grundwissen aneignen, um die Ernährungsbedürfnisse der Katze verstehen und praktisch umsetzten zu können. Leider kann man in der Rohfütterung vieles falsch machen, wenn das nötige Wissen oder das Interesse, sich ausführlicher mit den Bedürfnissen seiner Katze zu beschäftigen, fehlt. 

Aus diesem Grund ist es unbedingt erforderlich, sich in Büchern oder anderen vertrauenswürdigen Quellen über die Ernährungsgrundlagen, die Inhaltsstoffe der Zutaten und die Physiologie der Katze zu informieren. Denn auch eine Rohfütterung kann, wenn sie auf Dauer einseitig und unausgewogen ist, genau wie Fertigfutter zu einer Fehlversorgung der Katze und zu ernährungsbedingten Krankheiten führen. 

Barfen ist also nichts für Uninformierte!

2. Kosten von BARF für Katzen

Die Kosten einer Rohfütterung sind in etwa mit den Kosten eines High-Premium-Futters zu vergleichen – je nachdem, auf welche Qualität man beim Kauf der einzelnen Zutaten Wert legt. Die Preise liegen beim Barfen pro Katze bei circa 0,50 bis 0,85 Euro pro Tag. Im Monat sollten pro Katze also etwa 15 bis 25 Euro für BARF veranschlagt werden.

3. Hoher Zeitaufwand beim Zubereiten

Da man das Katzenfutter selber macht und seiner Katze kein Futter aus der Dose serviert, muss man die Zutaten dementsprechend erst kaufen und dann zu einer Mahlzeit verarbeiten. Viele Besitzer nehmen diesen zusätzlichen Zeitaufwand aber gern in Kauf, um ihrem Stubentiger eine bestmögliche Ernährung zu garantieren.

4. Risiko der Übertragung von Krankheitserregern

Durch die rohen Zutaten beim Barfen können Krankheitserreger wie Bakterien (zum Beispiel Salmonellen), Viren (zum Beispiel das Aujetzky-Virus, der Erreger der "Pseudotollwut") oder Parasiten (unter anderem die Erreger von Toxoplamose) übertragen werden.

  • Salmonellen und Toxoplasmose-Erreger können von der Katze über rohes Fleisch aufgenommen werden. Jedoch ist die Katze aufgrund ihrer aggressiven Magensäure und ihres kurzen Darmtraktes in der Regel gut von einer Infektion geschützt. Bei alten, sehr jungen oder schwachen Tieren hingegen können diese Erreger jedoch zu einem Problem werden, weswegen man bei diesen Risikogruppen nicht barfen sollte.
  • Parasiten wie Würmer können ebenfalls durch den Verzehr von rohem Fleisch übertragen werden – die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber bei gekauftem Fleisch sehr gering, da es im Zuge der Verarbeitung eingefroren und somit jegliche Würmer und Wurmeier abgetötet werden. Nichtsdestotrotz sollte man vor allem bei Freigängerkatzen (soweit es möglich ist) den Kot kontrollieren und sie regelmäßig vom Tierarzt entwurmen lassen. 
  • Das Aujetzky-Virus ist für die Katze besonders gefährlich, da es meist innerhalb weniger Tage zum Tod des Tieres führt. Es wird hauptsächlich über (Wild-)Schweinefleisch übertragen, kann aber durch Erhitzen abgetötet werden. Um trotzdem auf Nummer sicher zu gehen, sollte kein rohes (Wild-)Schweinefleisch unbekannter Herkunft oder vom Jäger, sondern nur kontrolliertes Fleisch beim Barfen verfüttert werden. 

Auf den Geschmack gekommen?

Wer sich nun für die BARF-Ernährung seiner Katze entscheidet und diese ausprobieren möchte, sollte sich zuerst in Büchern oder bei Leuten mit langjähriger BARF-Erfahrung über den Umstieg informieren. Es gibt auch Tierärzte, die die man diesbezüglich um Rat fragen kann, jedoch kennen sich nicht alle mit der Thematik aus. 

Prinzipiell muss die Umstellung auf BARF nicht vom Tierarzt überwacht werden, es sei denn, die Katze hat ein gesundheitliches Problem, das regelmäßiger Kontrolle bedarf. Barfen kann zwar helfen, gesundheitliche Probleme bei Katzen zu lindern, ersetzt jedoch keine tierärztliche Behandlung.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Theresa Kohl

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