Die 12 größten Mythen der Katzenernährung

Zur Ernährung von Katzen gibt es viele Gerüchte. Kann Fertigfutter wirklich süchtig machen und schützt Trockenfutter vor Zahnstein? 12 Mythen im Fakten-Check.

Katzen beim Fressen © Silke Hamann

Rund um die Ernährung von Katzen gibt es viele Gerüchte, welche bei so manchem Katzenbesitzer die Auswahl des Katzenfutters beeinflussen. Wir wollen mit den zwölf häufigsten Mythen rund ums Thema Katzenernährung aufräumen.

1. Fertigfutter enthält alles, was die Katze braucht

Falsch! Leider hält nicht jedes Fertigfutter für Katzen das, was die Werbung verspricht. Es gibt kaum industriell hergestelltes Futter, das so ausgewogen ist, dass man es einer Katze ein Leben lang füttern könnte. 

Ganz im Gegenteil: Die meisten Fertigfutter aus dem Supermarkt enthalten zu viele Kohlenhydrate, zu wenig Eiweiß und unausgewogene Spurenelement- und Mineralstoffverhältnisse. Zusätzlich sind oft viele Zusatzstoffe und künstliche Vitamine enthalten, die die Katze schlechter oder nur kaum verdauen und verwerten kann. 

Natürlich gibt es auch Fertigfutter, die eine hochqualitative Nährstoffzusammensetzung besitzen und die man deshalb auch ruhigen Gewissens an seine Katze verfüttern kann. Jedoch gilt dies nicht für alle Fertigfutter. Daher muss viel Recherche betrieben werden, um gutes von schlechtem Fertigfutter unterscheiden zu können.

Mit der alleinigen Fütterung eines ungeeigneten Fertigfuttermittels an seine Katze riskiert man einen Mangel oder schädlichen Überschuss an Vitaminen und Nährstoffen.

2. Kohlenhydrate sind die wichtigste Energiequelle für Katzen

Falsch! Der Stoffwechsel der Katze ist seit Jahrtausenden daran angepasst, seinen Energiebedarf hauptsächlich aus tierischen Eiweißen zu beziehen. Kohlenhydrate hingegen kann die Katze (vor allem in hohen Mengen) nur sehr schwer verdauen und verwerten. Dennoch enthalten viele Fertigfutter einen hohen Getreideanteil, da Getreide als Zusatz einerseits billig ist und andererseits das Futtervolumen erhöht.

3. Milch ist gut für Katzen

Ja und nein. Für Katzenbabys ist die Muttermilch unumgänglich, um sie mit allen wichtigen Nährstoffen und vor allem Proteinen für ihr Wachstum zu versorgen. Um den Milchzucker (Laktose) darin abzubauen, besitzen sie ein Enzym, die so genannte Laktase. Wenn die Kätzchen älter und langsam von der Mutter entwöhnt werden, nimmt auch die Laktase-Aktivität im Magen ab. 

Bekommen die dann erwachsenen Katzen wieder Milch (meist handelsübliche Kuhmilch), die von Natur aus viel Milchzucker enthält, kann dieser nicht ausreichend abgebaut werden. Dies führt bei der Katze zu Verdauungsproblemen, Blähungen und Durchfall. Aus diesem Grund sollte erwachsenen Katzen keine Milch – auch nicht mit Wasser verdünnt – gegeben werden. 

Wenn man den Stubentiger trotzdem mit Milch verwöhnen möchte, kann man spezielle Katzenmilch verwenden, die laktosereduziert und somit gut verdaulich für die Katze ist.

4. Die Verdauung der Katze hat sich inzwischen an Fertigfutter angepasst

Falsch! Durch die Domestikation konnten äußere Merkmale wie Fellfarbe, Felllänge, Körperbau und das Wesen der Katzen verändert werden. Der Stoffwechsel und die Verdauung blieben von dieser Entwicklung aber ausgenommen. 

Hinzu kommt, dass die Anwendung von Fertigfuttermittel, wie wir es heute kennen, erst eine Erscheinung der letzten 50 bis 60 Jahre ist. Fertigfutter existiert also zu kurz, um eine evolutionäre Änderung der Physiologie von Katzen bewirken zu können.

5. Trockenfutter reinigt die Zähne und schützt vor Zahnstein

Falsch! Normales Trockenfutter trägt kaum zur Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch bei, da die meist Futterbröckchen zu klein sind und deswegen von vielen Katzen einfach ohne Kauen geschluckt werden. Es gibt jedoch spezielle Leckerchen und andere Produkte, die aufgrund ihrer Form und Beschaffenheit die Zähne reinigen und der Bildung von Zahnstein vorbeugen sollen. 

Tipp: Im Gegensatz zu Nassfutter besitzt Trockenfutter einen viel niedrigeren Feuchtigkeitsgehalt, was zu einer unzureichenden Flüssigkeitsaufnahme der Katze über ihre Mahlzeiten führt. Darum sollte man der Katze neben dem Trockenfutter immer ausreichend frisches Wasser bereitstellen, damit sie ihren täglichen Flüssigkeitsbedarf decken kann.

6. Rohes Fleisch als Futter kann Krankheiten übertragen

Ja und nein. Es besteht das Risiko, dass beim Verzehr von rohem Fleisch Parasiten, Bakterien oder andere Krankheitserreger auf die Katze übertragen werden. Jedoch haben Katzen in der Regel keinerlei Problem damit, da ihr Verdauungstrakt daran angepasst ist: Der pH-Wert im Magen einer Katze liegt bei unter 1, das heißt, dass das Milieu darin sehr sauer ist. Parasiten und anderen Keimen bietet der Katzenmagen somit nur wenig Überlebenschancen. 

Abgesehen davon können vor allem Parasiten und Wurmeier durch Einfrieren des Fleisches, was im Zuge der Fleischverarbeitung für den Menschen gemacht wird, effektiv abgetötet werden.

Eine Ausnahme gibt es in Bezug auf die Sicherheit von rohem Fleisch: das sogenannte Aujeszky-Virus, das in rohem Schweinefleisch und in Wildschweinfleisch zu finden sein kann. Das Virus führt nach wenigen Tagen zum Tod der Katze. Aus diesem Grund sollten die oben genannten Fleischarten besser gemieden werden.

7. Ein Hungertag schadet einer Katze nicht

Falsch! Katzen sind in freier Natur den ganzen Tag mit Beutebeschaffung beschäftigt und kennen keine Fastentage. Sie fressen zudem mehrere kleine Mahlzeiten am Tag, weswegen ihr Verdauungstrakt ideal daran angepasst ist. Kommt es zur Futterabstinenz, leiden die Katzen an Übersäuerung, bekommen Bauchschmerzen, sind ruhelos, können nicht schlafen oder übergeben sich sogar.

8. Knochen zu füttern ist  gefährlich, weil diese splittern

Ja und nein. Knochen sind im rohen Zustand elastisch und verhältnismäßig weich. Erst durch weitere Verarbeitung (Braten, Kochen etc.) wird ihnen das Wasser entzogen und sie werden spröde. 

Verfüttert man also beispielsweise die Knochenreste vom Brathähnchen zu Mittag an seine Katze, ist die Gefahr gegeben, dass die Knochen splittern. Werden aber rohe Knochen verfüttert, wie es zum Beispiel beim Barfen der Fall ist, so sind die Knochen für die Katze unschädlich. Genauso wie Großkatzen, die Beutetiere samt ihrer Knochen fressen, können auch Hauskatzen rohe Knochen gefahrlos fressen.

9. Zu viel Eiweiß ist ungesund und belastet die Nieren

Falsch! Durch ihre Physiologie ist die Katze daran angepasst, viel hochwertiges Eiweiß zu sich zu nehmen und dieses zu verwerten. Denn Beutetiere wie zum Beispiel Mäuse oder andere Kleintiere sind sehr proteinreich. 

Was die Nieren der Katze hingegen sehr belastet, sind die qualitativ minderwertigen Eiweiße aus mancher industriell gefertigten Nahrung. Zusätzlich sorgt der hohe Getreideanteil für einen Phosphorüberschuss, der eine Belastung für die Niere darstellt und Entzündungen fördert.

10. Fertigfutter enthält Suchtstoffe

Falsch! Drogen in der Tierfutterproduktion sind verboten und daneben auch viel zu teuer und überflüssig für die Futtermittelhersteller. Denn Katzen fressen nur das, was ihnen schmeckt und was sie gewohnt sind. Wenn eine Katze also ein neues Futter zunächst verschmäht, dann nicht, weil das bisherige Katzenfutter Sucht- oder Lockstoffe enthält, sondern weil Katzen Gewohnheitstiere sind.

11. Katzen können genauso gut Hundefutter fressen

Ja und Nein. Wenn die Katze gelegentlich vom Hundefutter nascht, ist das in der Regel kein Problem. Auf Dauer jedoch oder als alleinige Ernährung sollte dies unbedingt vermieden werden, da Hundefutter für Katzen einen viel zu hohen Kohlenhydrat- und zu niedrigen Eiweißanteil enthält. 

Abgesehen davon braucht die Katze auch einen großen Anteil an Taurin, einer Aminosäure, die sie im Gegensatz zum Hund nicht selbst herstellen kann und die deswegen im Hundefutter kaum bis gar nicht enthalten ist. Bei einer alleinigen Ernährung mit Hundefutter drohen einer Katze aufgrund des Taurinmangels Blindheit und Herzmuskelschwäche.

12. Nassfutter enthält mehr Fleisch als Trockenfutter 

Falsch! Es gibt sehr wohl Nassfutter, das einen deutlich geringeren Fleischanteil als so manches Trockenfutter hat. Somit lässt sich diese Aussage nicht pauschalisieren. Der Fleischanteil hängt einzig und allein von der Zusammensetzung des Futters ab und diese kann bei Trocken- sowie auch bei Nassfutter deutlich variieren.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Theresa Kohl

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