Pferde richtig anweiden – so geht's!

Nicht nur im Frühling sollte man ein Pferd schrittweise anweiden, auch nach einer Kolik oder Hufrehe kann dies nötig sein. Ein Zeitplan regelt das tägliche Grasen.

Pferd beim Anweiden © Silke Hamann

Die meisten Pferde dürfen im Winter nicht auf die Weide, da diese starke Schäden nehmen könnte und das Grasen in der kalten Jahreszeit auch ein gewisses Risiko für die Pferde bereithält. Die Pferde könnten beim Laufen auf gefrorenem Boden wegrutschen oder in Löcher treten und sich dabei verletzen. Außerdem vertragen viele Pferde kein gefrorenes Gras, da es Verdauungsstörungen verursachen kann.

Im Frühjahr ist die Freude der Pferde, wieder auf die Weide zu kommen, daher umso größer. Ein langsames Anweiden ist jedoch nötig, um die Pferde wieder an das saftige Futter zu gewöhnen. Hier finden Sie Tipps, wie Sie Pferde richtig anweiden.

Die 5 wichtigsten Fragen rund ums Anweiden

Für die Pferde kann es im Frühling gar nicht schnell genug wieder auf die Koppel gehen. Doch für den Besitzer stellen sich gleich mehrere Fragen:

  1. Warum muss man Pferde anweiden?
  2. Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Anweiden?
  3. Wie weide ich mein Pferd richtig an?
  4. Wie lange muss ich mein Pferd anweiden?
  5. Worauf sollte ich besonders achten?

Gerade, wenn Sie beim Anweiden von Pferden noch ungeübt sein sollten, ist es ratsam, sich vorher gründlich zu informieren. Im Folgenden finden Sie Antworten zu den oben genannten Fragen und Tipps rund ums Anweiden.

Warum muss man Pferde anweiden?

Es ist wichtig, Pferde langsam anzuweiden, da sie ein empfindliches Gleichgewicht von Mikroorganismen in ihrem Dickdarm haben. Der Dickdarm ist bei Pferden ein äußerst wichtiger Bestandteil des Magen-Darm-Traktes, was sich an den Folgen einer Störung dieses Gleichgewichts gut verdeutlichen lässt.

Wenn Pferde zu schnell oder zu stark in ihrer Ernährung umgestellt werden, gerät ihre Darmflora aus dem Gleichgewicht, was zu folgenden weiteren Erkrankungen führen kann:

  • Kolik (in allen Ausprägungen, einschließlich Darmverlagerungen durch Aufgasungen)
  • Hufrehe (erneuter Schub oder Neuerkrankung)
  • Durchfall (einschließlich Malabsorptionssyndrom und Kotwasser)

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Anweiden?

Ab wann man mit dem Anweiden von Pferden beginnt, ist unterschiedlich. In der Regel beginnen die meisten Pferdehaltungen im März langsam mit dem Anweiden. Der richtige Zeitpunkt hängt jedoch ganz maßgeblich vom Wetter und der Bodenbeschaffenheit ab. 

Ein durch Regen stark aufgeweichter Boden ist nicht zum Anweiden von Pferden geeignet, da diese zu Beginn vermehrt laufen und ihre uneingeschränkte Bewegung genießen. Dies führt auf eingeweichtem Boden jedoch zu häufigem Wegrutschen und damit zu Verletzungen. 

Zudem trägt die Weide dabei erhebliche Schäden davon, sodass sie den Sommer über eventuell nicht genug Gras zur Verfügung stellen kann. Dies führt wiederum zu einem erhöhten Risiko für Pferde mit Hufrehe, da bei Stress für das Gras mehr Fruktane darin zu finden sind. Zudem nehmen die Pferde mehr Erde und Sand auf, was eine Sandkolik begünstigt.

Wie weide ich mein Pferd richtig an?

Wie Sie Ihr Pferd richtig anweiden, hängt vor allem von der Vorgeschichte Ihres Pferdes ab. Hatte Ihr Pferd schon mal eine Hufrehe oder hat es eine Stoffwechselstörung wie das Equine metabolische Syndrom (EMS) oder die Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID oder Cushing Syndrom), sollten Sie beim Anweiden deutlich vorsichtiger sein, als bei Pferden ohne Vorbelastung.

Bei Pferden mit entsprechender Vorerkrankung ist es wichtig, mit nicht gestresstem Gras anzufangen, also sollte es nicht zu kurz sein. Außerdem sollte auf die Temperaturen geachtet werden: Wenn es morgens kalt ist und zudem die Sonne stark scheint, kann das Gras zwar viel Energie speichern, aber es kann nicht wachsen. Daher speichert es die Energie im Halm zwischen. Dadurch sind besonders viele Fruktane (Energiespeicherform) im Gras enthalten. 

Dies sollte allerdings nicht nur bei Pferden mit PPID (Cushing-Syndrom) oder Pferden nach Hufrehe-Erkrankung, sondern bei allen Pferden beachtet werden, da auch sie bei hohen Fruktan-Konzentrationen leicht an Hufrehe, Darmstörungen und Stoffwechselstörungen erkranken können. 

Wie lange muss ich mein Pferd anweiden?

Die Dauer des Anweidens wird davon bestimmt, wie schnell sich der Organismus Ihres Pferdes auf die doch erheblichen Veränderungen zu Beginn der Weidesaison eingestellt hat. Das frisch aufgewachsene Gras enthält sehr viel Wasser, Energie und Eiweiß. Dies muss der Körper des Pferdes verwerten können. Nach der Fütterung im Winter mit Heu oder Heulage und Kraftfutter stellt dies jedoch eine sehr große Veränderung dar, an welche sich die Darmflora erst anpassen muss. 

Damit es nicht zu Fehlvermehrung von einigen Bakterien in der Darmflora kommt, sollte das Anweiden schrittweise und langsam steigernd vorgenommen werden. So werden Risiken wie Durchfall, Blähungen und Kolik vermieden.

Diese Umstellung der Darmflora dauert bei Pferden unterschiedlich lang, meist jedoch circa drei bis vier Wochen, sofern das Pferd keine Vorerkrankungen hat, oder besonders empfindlich ist.

Individueller Zeitplan zum Anweiden sinnvoll

Generell ist es sinnvoll, sich einen Plan für das Anweiden zu machen, in dem festgelegt ist, wie viel beziehungsweise wie lange ein Pferd täglich grasen darf. So verliert man nie den Überblick und auch andere wissen, wie weit man ist, wenn man es mal nicht selbst schafft, das Pferd rauszustellen.

Um das Anweiden gesunder Pferde etwas besser darstellen zu können, haben wir einen beispielhaften Zeitplan für Sie zusammengestellt:

  • Tag 1-5: 15-20 Minuten Weidegang am Tag
  • Tag 6-14: jeden Tag um 15 Minuten erhöhen
  • Tag 15-30: jeden Tag um 30 Minuten erhöhen

Danach kann ein gesundes Pferd problemlos für einige Stunden auf die Weide.

Anweiden unterbrechen – Plan anpassen

Muss man das Anweiden unterbrechen, beispielsweise wegen starker Wetterumschwünge, die ein Rausstellen der Pferde verhindern, muss dies im anschließenden Verlauf des Anweidens berücksichtigt werden. Das Pferd sollte dann nicht so weiter angeweidet werden, wie es eigentlich gedacht war. Stattdessen geht man besser zwei bis drei Schritte im Anweideplan zurück, um die Darmflora des Pferdes nicht zu stark zu belasten.

Worauf sollte ich besonders achten?

Der wichtigste Punkt, auf den Sie beim richtigen Anweiden achten müssen, ist Ihr Pferd. Sie müssen sich beim Anweiden vor allem auf dessen Bedürfnisse konzentrieren, da jedes Pferd unterschiedlich auf die Umstellung reagiert:

  • Pferde mit einer Vorerkrankung wie beispielsweise Kolik oder Hufrehe müssen sehr viel langsamer als ein gesundes Pferd angeweidet werden. 
  • Ein Pferd, das schnell unter Verdauungsstörungen leidet, braucht häufig ebenfalls länger, um richtig angeweidet zu werden. 
  • Andere Pferde wiederum reagieren stärker auf die veränderte Nährstoffzufuhr. Sie fangen zum Beispiel an, Erde oder nur ganz bestimmte Pflanzen zu fressen. Auch möglich ist, dass diese Pferde übermäßig viel am Salzleckstein lecken, wenn sie wieder in die Box geholt werden. Betroffene Pferde können dann zum Beispiel durch Zugabe bestimmter Mineralien oder Kräuter unterstützt werden
  • Wieder anderen Pferden macht die Umstellung fast gar nichts und sie brauchen nur wenige Tage, bis sie sich an die neue Situation angepasst haben.

Die Bedürfnisse Ihres Pferdes sind also das Wichtigste, das Sie beim Anweiden beachten sollten, wenn Sie es richtigmachen wollen.

Richtig anweiden nach einer Kolik

Es gibt auch Pferde, die nicht nach der Winterperiode, sondern im Sommer nach einer Krankheit wieder angeweidet werden müssen. Hierbei ist die Art der Krankheit besonders zu beachten. Häufig trifft dies auf Pferde nach einer Kolik zu. Dann spielt es eine wichtige Rolle, ob das Pferd operiert wurde und wie lange es wegen der Kolik nicht auf die Weide konnte. 

Bei einem Pferd, das nach einer Kolik angeweidet werden soll, funktioniert das Anweiden im Grunde ähnlich wie bei einem Pferd, das zu Verdauungsstörungen neigt. Es sollte also langsamer und in kleineren Schritten angeweidet werden, also zum Beispiel sollte die Fresszeit pro Tag nur um fünf Minuten gesteigert werden.

Wurde das Pferd wegen einer Kolik operiert, sollte mit dem Anweiden gewartet werden, bis die OP-Wunde so gut verheilt ist, dass sie nicht mehr aufreißen kann. Hier ist es auch sinnvoll, dem Pferd zusätzlich zum langsamen Anweiden, nur kleine Stücke der Weide abzuteilen, damit unkontrollierte Bewegung die Naht nicht schädigt.

Anweiden von Pferden mit PPID

Auch Pferde mit Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (Cushing-Syndrom) oder mit equinem metabolischem Syndrom sollten deutlich langsamer angeweidet werden. Zudem dürfen diese Pferde – oft auch über die ganze Saison – täglich nicht so lang auf die Weide, ähnlich wie Pferde mit Hufrehe.

Pferde mit PPID sind aufgrund der Stoffwechselveränderungen leichter aus dem Gleichgewicht zu bringen und sie erkranken damit in der Folge leichter an einer Hufrehe. Um dieses Risiko zu senken, muss man ein solches Pferd im Minuten-Takt anweiden. Das heißt nur eine Minute zu Anfang und pro Tag nur eine Minute mehr.

Rehepferde anweiden

Ein Pferd mit Hufrehe muss ebenfalls sehr langsam angeweidet werden (täglich nur eine Minute mehr). Hierbei bietet sich auch oft das Tragen einer Fressbremse (Maulkorb) an, da die Pferde so effektiv weniger Gras aufnehmen können. Das ermöglicht auch einen Weidegang, der sonst vielen Rehepferden komplett verweigert werden müsste.

Denn bei Pferden mit Hufrehe muss je nach Einzelfall überlegt werden, ob das Pferd überhaupt noch auf die Weide darf, da auch bei noch so starken Begrenzungen häufig ein erneuter Schub auftritt. Dies sollte man dem Pferd unbedingt ersparen.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Ann Christin Leitow

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