Häufige Gefahren für Pferde durch Gifte im Alltag

Pferd knabbert an Zaun mit giftigem Lack © istockphoto, ballycroy

Nicht nur beim Ausritt oder auf der Weide kann ein Pferd mit giftigen Stoffen in Kontakt kommen. Auch im normalen Futter können sich Stoffe befinden, die für Pferde giftig oder schädlich sind. Zudem werden nicht alle Vergiftungen bei Pferden durch Pflanzen ausgelöst – auch Pestizide oder Holzschutzmittel stellen beispielsweise mögliche Gefahren dar. Im Folgenden stellen wir Ihnen weitere mögliche Ursachen einer Vergiftung bei Pferden vor.

Gefahren im Heu

In Bezug auf mögliche Gift im Pferdefutter muss bedacht werden, dass nahezu alle Giftpflanzen, die auf Wiesen oder am Weiderand wachsen, auch im Heu vorkommen können. In getrocknetem Zustand sind sie jedoch meistens schwer auszumachen. Auch dem Pferd wird im Heu eine Selektion, also das Aussortieren giftiger Pflanzen, noch einmal deutlich erschwert.

Zudem ist die toxische Wirkung vieler Pflanzen im Heu sogar noch größer. Durch den Wasserentzug während der Trocknung wird das Gift konzentriert. Bei Verdacht auf Kontamination des Heus sollte eine Probe in ein Labor oder Tierernährungsinstitut eingeschickt und gründlich auf Giftpflanzen untersucht werden.

Eine weitere Gefahr im Heu bergen tote Tiere. Dabei handelt es sich in der Regel um verendete Mäuse oder Ratten. In den Kadavern kann sich das Bakterium Botulinum vermehren, welches das Toxin Botulin (besser bekannt als "Botox") bildet. Schon bei äußerst geringer Kontamination kann es nach Fressen des Heus bei einem Pferd zu einer schlaffen Lähmung und zum Tod kommen.

Giftige Wirkung von Gras

Doch auch ganz normales, frisches Gras kann unter bestimmten Umständen eine toxische Wirkung für Pferde haben. Gras und Klee enthalten Fruktan. Dies gehört zu den Kohlenhydraten und wird im Pferdedarm sehr schnell abgebaut.

Die Stoffe, die dabei ins Blut gelangen, wirken verengend auf die Blutgefäße und können Hufrehe auslösen, wenn zu viel Fruktan aufgenommen wurde. Diese Gefahr besteht vor allem bei Ponys, die sich gerne mit Gras "überfressen". Der Fruktangehalt im Gras ist zudem je nach Jahreszeit und Nutzung der Weide unterschiedlich.

Aber auch die Belastung mit sogenannten Endophyten stellt ein Problem dar. Diese Organismen leben innerhalb der Gräser und erhöhen deren Widerstandsfähigkeit. Daher treten sie vor allem auf "gestressten" Wiesen auf, etwa wenn oft gemäht wird oder wenn der Boden oder die Wasserversorgung schlecht sind. Nehmen Pferde diese Endophyten mit dem Gras auf, kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen.

Pilze im Pferdefutter

Auch ein Pilzbefall sollte im Zusammenhang mit Vergiftungen durch Futter bei Pferden bedacht werden. Schimmelpilze bilden Mycotoxine, die zu den bekannten Lebensmittelvergiftungen führen können. Daher sollte immer darauf geachtet werden, dass kein schimmeliges Futter verfüttert wird.

Das Mutterkorn ist ein hochgiftiger Pilz, der Getreide befällt. Die von ihm gebildeten Alkaloide führen bei Pferden zu schweren Vergiftungserscheinungen und zum Abort (Frühgeburt). Befallenes Getreide muss umgehend entsorgt werden. Der schwarze Pilz ist jedoch so klein, dass er oft nur mit der Lupe deutlich zu erkennen ist.

Kein Futter für andere Tiere verwenden

Futterzusätze für andere Tiere können für Pferde ebenfalls giftig sein. Beispielsweise reagieren sie sehr empfindlich auf die unter anderem in Geflügelfutter eingesetzten Kokzidiostatika. Kokzidiostatika sind Futtermittelzusatzstoffe gegen Parasiten. Man sollte daher zur Pferdefütterung niemals Tierfutter verwenden, welches nicht ausdrücklich für Pferde geeignet ist.

Vorsicht beim Ausreiten

Pestizide und Schädlingsbekämpfungsmittel stellen eigentlich für alle Tiere eine Gefahr dar. Man sollte daher nicht über frisch gespritzte Felder reiten oder sein Pferd am Wegesrand grasen lassen.

Bisse von Schlangen oder anderen giftigen Tieren spielen in Deutschland so gut wie keine Rolle. Wer Urlaub im Ausland macht, sollte sich aber im Vorfeld informieren.

Der Weidezaun

Auch beim Weidezaun und den Holzelementen am Stall können Gefahren für das Pferd lauern. Schon bei der Materialwahl sollte man aufpassen. So ist beispielsweise Robinienbaumholz, welches heute häufig als Alternative zu Tropenholz verwendet wird, giftig für Pferde.

Außerdem enthalten Lackierungen und Imprägnierungen oft giftige Substanzen. Holzschutzmittel können Fluor enthalten, welches für Pferde toxisch ist. Bleihaltige Farben werden heute eigentlich nicht mehr eingesetzt, waren früher aber ein großes Problem. Eine Bleivergiftung äußert sich folgendermaßen:

  • ZNS-Störungen (Störungen im Gehirn und Rückenmark)
  • Ataxie (Koordinationsstörungen)
  • allgemeine Schwäche
  • Appetit- und Gewichtsverlust

Da Pferde gerne alles anknabbern, sollte in unbekannten Umgebungen besonders aufgepasst werden, dass sie keine giftigen Stoffe zu sich nehmen.

Aktualisiert: 22.05.2017 – Autor: Malin Held

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