Wie viel Kraftfutter braucht ein Pferd?

Pferd frisst Kraffutter © istockphoto, anakondasp

Der Bedarf eines Pferdes an Kraftfutter ist verschieden und muss individuell berechnet werden. Wie Sie den Bedarf ermitteln und die richtige Menge an Kraftfutter bestimmen, erfahren Sie im Folgenden.

Wie viel Kraftfutter ein Pferd benötigt, richtet sich unter anderem nach folgenden Kriterien:

  • seiner Rasse 
  • seinem Alter 
  • dem Trainingszustand 
  • der Leistung, die das Pferd erbringen soll 
  • der Haltung 
  • dem sonstigen Angebot an Futter 

Nur dann, wenn das Pferd trotz ausreichenden Angebots an hochwertigem Raufutter zu dünn wirkt, eventuell auch abnimmt oder nicht die gewünschte Leistung erbringt, sollte Kraftfutter zugefüttert werden. Ein Pferd mit anhaltenden Gewichts- und Leistungsproblemen sollte zudem einer tierärztlichen Untersuchung unterzogen werden, um eventuelle gesundheitliche Ursachen festzustellen. 

Bedarf abhängig von Jahreszeit

Im Sommer bieten Gras und eventuell zusätzliches Heu den meisten Pferden genug Futter, um ihren Bedarf zu decken. Hochleistungspferde, die Rennen laufen, schwierige Turniere bestreiten oder anderweitig schwere körperliche Arbeit leisten, haben auch in dieser Jahreszeit meist einen zusätzlichen Bedarf. 

Im Winter können der Mangel an Gras und die kühleren Temperaturen oft durch leicht erhöhte Raufuttermengen ausgeglichen werden. Gerade alte Pferde benötigen manchmal trotzdem zusätzlich Kraftfutter.

Ponys brauchen weniger Kraftfutter

Grundsätzlich benötigen Ponys im Vergleich zu Großpferden deutlich weniger bis überhaupt kein Kraftfutter. Ponys gehören meist zu den sogenannten "leichtfuttrigen" Rassen, die bereits geringe Energiemengen im Futter bestens verwerten. 

Bei übermäßigem Angebot neigen Ponys zu Verfettung, Stoffwechselstörungen wie dem Eqinen Metabolischen Syndrom (EMS) und Hufrehe. Solange Heu und Stroh angeboten werden oder Auslauf auf einer mit Gras bewachsenen Weide möglich ist, muss kein zusätzliches Kraftfutter gefüttert werden.

Alte Pferde haben besonderen Bedarf

Viele alte Pferde entwickeln Probleme mit den Zähnen und haben insgesamt eine weniger gute Verdauung. Sie verlieren schneller an Gewicht und nehmen langsamer zu. In diesen Fällen ist es durchaus ratsam, zusätzlich zu dem Raufutter ein energiereiches Kraftfutter anzubieten. 

Die leicht verdaulichen Kohlenhydrate der Getreide können von alten Pferden schnell verwertet werden. Kraftfutter in Form von Müsli oder Mash werden meist gut akzeptiert. Außerdem gibt es für alte Pferde spezielle fertige Kraftfuttermischungen im Handel.

Öle stellen ebenfalls einen guten Energielieferanten dar. Hier sollte aber die täglich verfütterte Menge für ein mittelgroßes, etwa 600 Kilogramm schweres Pferd 40 Milliliter nicht überschreiten. Größere Mengen schädigen die natürliche Darmflora und verursachen mitunter schwere Verdauungsstörungen. 

Kraftfutterbedarf für Pferde berechnen

Für die richtige Menge an Kraftfutter gibt es in der Pferdefütterung einige Richtlinien. Diese Formeln stellen eine Fütterungsempfehlung dar, die immer wieder an den aktuellen Zustand und die Fitness des Pferdes angepasst werden sollte. 

Grundlage für die Kraftfuttermenge ist in der folgenden Berechnung die Arbeitsintensität des Pferdes:

  • Bei leichter bis mittlerer Arbeit werden pro Tag 0,5 bis 1 Kilogramm Kraftfutter je 100 Kilogramm Körpergewicht des Pferdes empfohlen. Für die große Mehrzahl der Pferde, die in Deutschland täglich wenige Stunden geritten oder gefahren wird und sonst auf der Weide oder in der Box gehalten wird, reicht diese Menge vollkommen aus.
  • Bei schwerer Arbeit kann das Kraftfutter auf über 1,25 Kilogramm je 100 Kilogramm Körpergewicht des Pferdes erhöht werden.

Ein durchschnittliches Warmblutpferd von etwa 600 Kilogramm Körpergewicht sollte bei entsprechender (leichter) täglicher Bewegung somit drei bis sechs Kilogramm Kraftfutter pro Tag erhalten, ein etwa 400 Kilogramm schweres Deutsches Reitpony zwei bis vier Kilogramm.

Ernährungszustand des Pferdes beurteilen

Die allgemeinen Angaben zu der Menge des Kraftfutters dienen nur als Richtwerte. Auch ohne genau zu wissen, wie viel ein Pferd, lässt sich die nötige Menge an Kraftfutter für das Pferd mithilfe der beschriebenen Formel schätzen. 

Der wichtigste Anhaltspunkt zur Bewertung der Futtermenge bleibt letztendlich der Ernährungszustand des Pferdes. Dieser sollte genau berücksichtigt und die Kraftfuttermenge gegebenenfalls angepasst werden. Sind Rippen und Hüfthöcker unter der Haut und Muskulatur leicht fühlbar, ohne sichtbar hervorzutreten, so befindet sich das Pferd in einem guten Ernährungszustand. 

Sehr magere Pferde mit hervorstehenden Rippen benötigen wahrscheinlich sehr intensive Pflege und Fütterung, um wieder normales Gewicht zu erlangen. Pferde mit deutlichen Fettpolstern am Mähnenkamm (Hengste können eine Ausnahme bilden), den Schultern und der Kruppe, bei denen der Betrachter meist auch die Rippen nur unter Druck fühlen kann, sind zu dick und sollten auf keinen Fall zusätzliches Kraftfutter erhalten.

Kraftfutter mehrmals am Tag füttern

Der Magen eines Pferdes ist verhältnismäßig klein und anders als bei Katzen oder Hunden nicht sehr dehnfähig. Aus diesem Grund können von Pferden pro Mahlzeit nur recht kleine Portionen Kraftfutter aufgenommen werden. 

Kraftfutter wird im Vergleich zu faserhaltigem Raufutter deutlich schlechter gekaut, weniger eingespeichelt und schneller geschluckt. Während Pferde mit einem Kilogramm Heu bis zu einer Stunde beschäftigt sind, fressen sie die gleiche Menge Hafer in weniger als zehn Minuten.

Um den Magen vor einer Überladung mit nachfolgender Kolik oder im schlimmsten Fall gar einer dadurch entstehenden Zerreißung des Magens (Magenruptur) zu bewahren, sollten mittelgroße Pferde wie Warmblutpferde oder Vollblüter ihr Kraftfutter auf mindestens zwei, besser drei Mahlzeiten am Tag verteilt erhalten. 

Als Höchstmenge pro Fütterung sind für mittelgroße Pferde etwa drei Kilogramm Kraftfutter anzusetzen. Je kleiner und häufiger die Frequenz der Mahlzeiten, desto besser für die Verdauung des Pferdes. 

Kraftfutterautomaten für Pferde

Kraftfutterautomaten erfreuen sich besonders bei Offenstallhaltungen großer Beliebtheit. Durch elektronische Transponder an Halsriemen oder den Halftern der Pferde erhalten die Tiere je nach Wunsch des Besitzers nur ganz individuell Zugang zu einem automatisierten Futterautomaten.

Häufig handelt es sich um ein System aus Türen oder Klappen, die sich dem Pferd nur öffnen, wenn es die auf seinem Transponder eingegebene Menge an Kraftfutter für den Tag noch nicht aufgebraucht hat. Durch die Abgabe kleiner Mengen wird ein Überfressen verhindert und das Pferd gleichzeitig dazu animiert, sich immer wieder zu bewegen, um an dem Automaten nach Futter zu suchen.

Das Konzept hat sich in verschiedenen Haltungen bewährt. Es funktioniert aber nur, wenn ausreichend Fressplätze für alle Pferde vorhanden sind. Sonst blockieren einzelne Pferde die Automaten während der Wartezeit oder drängen andere, rangniedere Pferde ab, die zu fressen versuchen. Die Automaten sind stets auf ihre Funktionsfähigkeit und Sicherheit zu überprüfen, um Verletzungsgefahren auszuschließen.

Kraftfutter ersetzt kein Raufutter

Kraftfutter dient stets als ergänzendes Futtermittel und kann den Bedarf eines Pferdes an sogenanntem faserreichen Raufutter wie Heu oder Stroh nicht ersetzen. Die gesamte Verdauung des Pferdes ist auf die kontinuierliche Aufnahme von viel faserreichem Futter ausgelegt. 

Eine ausschließliche Fütterung mit Kraftfutter ist für Pferde gesundheitsschädlich, kann zu Magenüberladungen und Magengeschwüren führen und ist potenziell lebensgefährlich. 

Kraftfutter selber mischen

Viele Pferdebesitzer bevorzugen es, das Kraftfutter selbst zu machen. Die für die Zusammensetzung eines Kraftfutters für Pferde notwendigen Inhaltsstoffe sind im Futtermittelhandel zu erwerben. Je nach individuellem Bedürfnis können verschiedene Getreide oder Luzerne als Grundlage für das Kraftfutter dienen. 

Dabei ist die Menge auch abhängig davon, welches Kraftfutter verwendet wird. Aufgrund des unterschiedlichen Energiegehaltes einzelner Getreidesorten benötigt das Pferd von gequetschter Gerste und Mais eine geringere Menge als von reinem Hafer, um die gleiche Energie zu erhalten.

Im Allgemeinen entspricht ein Kilogramm Hafer in Bezug auf die Energiemenge etwa 0,9 Kilogramm Gerste und 0,8 Kilogramm Mais. Dies sind Richtwerte, die je nach Qualität und Reinheit des Getreides leicht variieren können. 

Die verschiedenen Getreide können zusammen gefüttert werden. Einige Pferde bevorzugen jedoch eine Getreidesorte und verschmähen die anderen. Gründliches Mischen des Kraftfutters vor dem Verfüttern beugt diesem Aussortieren vor, kann es jedoch nicht unbedingt verhindern. 

Die Zugabe von Melasse (einem Zuckersirup) kann in diesem Fall Getreide schmackhafter machen. Auf Dauer ist diese Lösung allerdings aufwendig und durchaus kostenintensiv. Die Zuckermasse ist für die Zahngesundheit und allgemeine Verdauung des Pferdes nicht ideal. Kann auf ein schlecht akzeptiertes Getreide nicht verzichtet werden, stellt pelletiertes Futter eine gute Alternative dar.

Kosten für Kraftfutter

Fertige Futtersäcke mit getreidefreiem oder auch getreidehaltigem Kraftfutter werden von vielen Futtermittelherstellern auch online und mit Lieferservice angeboten. Die Preise pro Sack mit 20 Kilogramm Kraftfutter liegen meist zwischen 15 und 25 Euro. Je nach täglichem Bedarf des Pferdes ergibt sich daraus ein ungefährer monatlicher Betrag. 

Die meisten Pferdebesitzer vermeiden diese durchaus hohen Kosten, indem sie ihre Pferde in Ställen mit Vollpension unterbringen, wo die Fütterung bereits in dem monatlichen Mietpreis enthalten ist. Selbstversorger füttern ihre Pferde zwar selbst, hier kommt aber meist nur Raufutter zum Einsatz. Es ist günstiger, als alleiniges Futtermittel für Pferde geeignet und deckt bei entsprechend guter Qualität den Energiebedarf der meisten Pferde hervorragend ab.

Kraftfutter trocken und dunkel lagern

Grundsätzlich können Hafer, Gerste und Mais ohne Schwierigkeiten zusammen in einem Gemisch als Kraftfutter an Pferde verfüttert werden. Getreide aus Bio-Anbau, das ohne Pflanzenschutzmittel angebaut wurde, neigt mitunter vermehrt zu Verunreinigungen. 

Vor der Fütterung sollte jedes Getreide routinemäßig kurz kontrolliert werden, um mögliche ungewünschte Anteile von Sand, Schimmelsporen oder fremden Pflanzenteilen rechtzeitig festzustellen und auszusortieren. 

Getreide, das vor dem Füttern gequetscht wird, sollte unbedingt im Laufe desselben Tages verfüttert werden, da es leicht schimmelt. Eine saubere, kühle, dunkle und trockene Lagerung der Säcke oder Tonnen mit dem Kraftfutter trägt zu einer optimalen Futterqualität für das Pferd bei. 

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Nicole Kreutzfeldt

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