Heu, Stroh & Silage – das richtige Raufutter für Ihr Pferd

Raufutter ist für Pferde ein wichtiger Bestandteil der Fütterung. Nicht nur die richtige Auswahl des Raufutters ist wichtig, sondern auch die Menge und Qualität.

Pferd frisst Heu © Silke Hamann

Raufutter gehört zu den wichtigsten Futtermitteln in der Pferdefütterung. Grundsätzlich können die meisten Pferde ihren täglichen Bedarf an Energie nur durch Raufutter decken. Zudem benötigen alle Pferde eine ausreichende Menge an qualitätsvollem Raufutter, um Verdauungsproblemen wie Koliken vorzubeugen. Heu, Silage und Stroh finden heute häufig Verwendung als Pferdefutter. Der Nährwert der verschiedenen Raufutter hängt von ihrer Herstellung, einer guten Lagerung und den enthaltenen Pflanzensorten ab. Erfahren Sie, wie Sie das richtige Raufutter und die optimale Menge für den individuellen Bedarf Ihres Pferdes herausfinden. 

Warum brauchen Pferde Raufutter?

Der Verdauungsapparat von Pferden ist auf die kontinuierliche Aufnahme kleiner Mengen an Futter mit einem relativ hohen Gehalt an Rohfaser ausgelegt. Nur bei einem ausreichenden Angebot an rohfasereichem Raufutter nutzen Pferde durch gründliches Kauen ihre Zähne gleichmäßig gut ab und produzieren genügend Speichel zur Pufferung des sauren Mageninhaltes. 

Zudem wird die Darmaktivität durch Raufutter stimuliert und die Bakterien im Dickdarm des Pferdes können gut arbeiten. Raufutter hat somit einen wesentlichen Einfluss auf die gesamte Verdauung des Pferdes. Durch Raufutter entsteht ein Sättigungsgefühl im Darm, das einer Magenüberladung durch Überfressen vorbeugt. 

Einige Stalluntugenden wie Koppen oder Stangenbeißen werden mitunter auf zu wenig Raufutter und die daraus resultierende Unzufriedenheit zurückgeführt. Raufutter dient neben seiner bedeutenden Rolle als Pferdfutter also auch als wichtige Beschäftigung für Pferde.

Definition von Raufutter für Pferde

Raufutter gehört zu den wichtigsten Einzelfuttermitteln in der Pferdefütterung. Ein sogenanntes Einzelfuttermittel deckt bei der alleinigen Fütterung den gesamten Bedarf des Pferdes an Nährstoffen pro Tag ab. 

Zu Raufutter zählen alle Pferdefutter mit einem relativ hohen Anteil an Rohfasern. Durch chemische Analysen kann der genaue Anteil an Rohfaser in einem Pferdefutter bestimmt werden. Die heutigen Raufutter enthalten bei der üblichen Herstellung und Zusammensetzung grundsätzlich den allgemein in der Pferdefütterung festgelegten Anteil von mindestens 18 Prozent Rohfaser. 

Die wichtigsten und beliebtesten Raufutter für Pferde sind Heu, Silage und Stroh. Gras nimmt als Pferdenahrung eine besondere Stellung ein, da es besonders als junges Gras sehr viel Wasser und Eiweiß enthält und somit manchmal eher ein Saftfutter als ein Raufutter darstellt. 

Je nach ihrer Qualität und Herstellung unterscheiden sich die Raufutter in ihrem Nährwert und der pro Tag und Pferd benötigten Menge.

Heu als wichtigstes Raufutter

Heu ist der wichtigste Bestandteil der heutigen Pferdefütterung. Der Definition nach ist Heu ein durch Trocknung gewonnenes Grünfutter von Wiesen oder Weiden, das anschließend in Form von Heuballen oder als loses Heu für die Fütterung von Pferden zur Verfügung steht. 

Heu enthält verschiedene Grassorten und oft auch Kräuter. Werden nur einzelne Pflanzenarten getrocknet, wird das Raufutter dementsprechend näher benannt, zum Beispiel Luzerneheu.

Unterschiedliche Nährwerte von Heu als Pferdefutter

Der Nährwert von Heu hängt wesentlich von dem Erntezeitpunkt, den enthaltenen Pflanzensorten, der Trocknung und der Qualität ab. Sehr junges, blattreiches Heu weist einen deutlich höheren Eiweißgehalt auf, während spät geerntetes, holziges Heu weniger Eiweiß, Energie und Nährwert besitzt.

Klee- und Luzerneheu ist deutlich energiereicher und nahrhafter als vergleichbar hergestelltes Heu aus anderen Grassorten. 

Heu trocken lagern

Je trockener das Heu, desto besser wird das Raufutter von Pferden akzeptiert. Zudem wirkt eine gute Trocknung der Entstehung von Schimmelpilzen entgegen, die die Raufutterqualität mindern, und die Verdauung der Pferde stören. Schimmeliges Heu führt außerdem zu einer Belastung der Atemwege der Pferde und häufig zu Husten

Heu sollte unter einem Dach und möglichst nicht direkt auf dem Boden gelagert werden, um unnötige Feuchtigkeit zu vermeiden.

Probleme mit Heu in der Pferdefütterung

Sehr junges, energiereiches Heu, vor allem Klee- und Luzerneheu, kann bei einigen Pferden zu leichten Verdauungsstörungen mit weichem Kot und Durchfall führen. In diesen Fällen sollte die Fütterung mit Raufutter auf ein später geerntetes, energieärmeres Heu umgestellt werden.

Sehr trockenes und staubiges Heu reizt die Atemwege der Pferde und verursacht bei einigen Pferden Husten oder sogar allergische Reaktionen mit Atemnot. Um dies zu vermeiden, kann das Heu vor dem Verfüttern mindestens 15 Minuten in Wasser eingeweicht werden. 

Waschen verringert neben der Staubbelastung aber auch den Nährwert des Heus, da Nährstoffe ausgewaschen werden. Alternativ kann die Fütterung auf Silage umgestellt werden. Aufgrund ihrer Herstellung ist Silage ein fast staubfreies Raufutter.

Silage in der Pferdefütterung

Grünfutter kann auch durch Silierung haltbar gemacht werden. Den Gräsern und Kräutern werden durch diesen Prozess weniger Nährstoffe entzogen als bei einer Trocknung. Silage ist deshalb deutlich feuchter und schwerer als Heu. 

Die Herstellung dieser Art von Raufutter beruht auf einer schnellen, hohen Verdichtung des Grünfutters, einer luftdichten Lagerung und einer eventuellen Zugabe von säurehaltigen Siliermitteln. Der für die Konservierung der Silage wichtige Säuerungsprozess dauert mindestens vier bis sechs Wochen. Um mitunter schwere Verdauungsstörungen beim Pferd zu vermeiden, sollte frisch eingelagerte Silage nicht vor diesem Zeitpunkt verfüttert werden. 

Nach dem Eröffnen der Raufutterballen sollte Silage allerdings in wenigen Tagen verbraucht werden, um Gärungsprozesse an der frischen Luft zu minimieren.

Silage kann zu Durchfall führen

Gute und hygienisch einwandfreie Silage ist in ihrem Nährwert Heu gleichwertig oder sogar überlegen. Manche Pferde reagieren auf größere Menge Silage jedoch mit leichtem Durchfall. Hier muss die Fütterung an den Bedarf des Pferdes angepasst und die Silage mit Heu gemischt oder ganz darauf verzichtet werden. 

Heulage: Raufutter mittlerer Feuchtigkeit

Heulage ist ein Raufutter aus getrocknetem Grünfutter, dessen Feuchtegehalt ungefähr zwischen dem trockeneren Heu und der feuchteren Silage liegt. Manchmal fallen einige Silagen, die vor dem Verdichten schon stark angetrocknet wurden, in diese Kategorie. 

Heulage wird im Handel in einzelnen kleinen Raufutterballen angeboten und eignet sich besonders für Einzelpferdehalter, da sie wie Silage nach dem Eröffnen der Ballen innerhalb einiger Tage verfüttert werden sollte. 

Stroh als Einstreu und Pferdefutter

Stroh weist im Vergleich zu Heu oder Silage einen niedrigeren Eiweißgehalt und eine schlechtere Verdaulichkeit auf. Es besteht vor allem aus stengelreichen Getreidepflanzen, die nach der Ernte getrocknet werden. Besonders Weizen- und Gerstenstroh finden oft als Einstreu in der Pferdehaltung Verwendung.

Gut getrocknet werden diese Stroharten aber auch gerne von Pferden gefressen. Stroh mit einem höheren Blattanteil weist dabei einen höheren Nährwert auf als stängeliges Stroh.

Stroh mit Kraftfutter oder Zusatzfutter kombinieren

Grundsätzlich eignet sich Stroh als Raufutter in der Pferdefütterung und kann in Kombination mit Kraftfuttermitteln teilweise Heu oder Silage ersetzen. Es dient als Einstreu vor allem zur Beschäftigung der Pferde, sorgt aber auch für ein gutes Sättigungsgefühl und unterstützt die wichtige Bakterienflora im Dickdarm des Pferdes.

Wird Stroh als Futterstroh für Pferde eingesetzt, kann es mit alkalisch wirkenden Substanzen behandelt werden, um die Verdaulichkeit zu verbessern. Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine müssen bei der Fütterung mit behandeltem Stroh trotzdem über Zusatzfutter ergänzt werden. 

Gehäckseltes Stroh lässt sich gut mit anderen Futtermitteln wie Kraftfutter mischen, um Pferde zu langsamerem Fressen und gründlicherem Kauen zu bewegen. Die Länge der Strohstücke sollte dabei mindestens drei bis fünf Zentimeter betragen, um Verstopfungen im Blinddarm oder Dickdarm zu vermeiden.

Übermäßiges Füttern von Stroh vermeiden

Übermäßiges Füttern von Stroh, bei dem die Pferde aus Mangel an anderem Raufutter mehr als ein Kilogramm Stroh pro 100 Kilogramm Körpergewicht am Tag aufnehmen, erhöht bei alten Pferden, Pferden mit wenig Bewegung oder sehr hartem Stroh wie Rapsstroh das Risiko von Verstopfungen und Koliken.

In diesem Zusammenhang sollte bei der Fütterung von Stroh unbedingt auf eine ausreichende Versorgung des Pferdes mit frischem Wasser geachtet werden. Dies beugt Verstopfungen vor.

Heucobs und Heubricketts als Raufutterersatz

Immer häufiger werden sogenannte Trockengrünfutter in der Pferdefütterung eingesetzt. Die Pflanzen durchlaufen dafür eine schonende Trocknung, bevor sie gehäckselt, pelletiert oder gemahlen werden. Durch die schonende Verarbeitung enthalten die Heucobs und Bricketts meist viel Eiweiß, Karotin und Kalzium und finden deshalb besonders oft in der Fütterung von tragenden Stuten und wachsenden Fohlen Anwendung. 

Grünmehle ersetzen kein Raufutter

Heucobs und Heubricketts bestehen aus gehäckseltem Pflanzenmaterial. Dieses sollte ähnlich wie Stroh eine Mindestlänge haben, um Verstopfungen vorzubeugen. Nur so bleibt auch die wichtige sättigende und den Darm stimulierende Raufutterfunktion erhalten. Bei den gut verdaulichen Heucobs und Heubricketts empfiehlt sich eine Länge der Häcksel von mindestens 1,5 Zentimetern. 

Gemahlene Trockengrünfutter, die in Form von Grünmehlen in der Pferdefütterung eingesetzt werden, können deshalb trotz ihres guten Nährwertes langfaseriges Raufutter nicht ersetzen.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Nicole Kreutzfeldt

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