Raufutter für Pferde: Praktische Tipps zu Kauf & Fütterung

Pferde fressen an der Heuraufe © Silke Hamann

Raufutter ist für Pferde unverzichtbar. Doch nicht nur die richtige Auswahl des Raufutters ist entscheidend, sondern auch die Menge und Qualität spielen für die Gesunderhaltung eines Pferdes eine wichtige Rolle. Zu wenig Raufutter oder eine falsche Fütterung kann bei Pferden Verdauungsprobleme oder Koliken verursachen. Wir erklären, wie Sie gute Raufutterqualität erkennen und geben Tipps zum Kauf sowie zur Berechnung des täglichen Bedarfs an Raufutter.

Raufutterqualität beurteilen

Die unterschiedlichen Nährwerte und Energiegehalte der einzelnen Raufutter beeinflussen ihre jeweilige Eignung für die Pferdefütterung. Bei jedem Raufutter ist eine gute Qualität des Futters die wichtigste Voraussetzung für die Gesundheit des Pferdes. Die Raufutterqualität lässt sich im Allgemeinen anhand folgender Kriterien beurteilen:

  • Geruch
  • Griff
  • Farbe
  • eventuelle Verunreinigungen, zum Beispiel durch Erde oder Schimmelpilze

Qualitätsmerkmale von Silage

Silage verströmt idealerweise einen angenehm säuerlich-aromatischen bis brotartig-fruchtigen Geruch. Aus einem in der Hand geformten Ball aus Silage kann bei Wringen etwas Pflanzensaft ausgepresst werden oder die Handflächen werden zumindest feucht. Vegetation und Pflanzenart beeinflussen die Farbe der Silage, die meist verschiedene Grüntöne aufweist. 

Sand, Erde oder Unkräuter sollten nicht enthalten sein. Silage mit viel Erde oder sogar Tierkadavern sollte nicht verfüttert werden. Es besteht Lebensgefahr für die Pferde! Die in der Erde und in den Kadavern enthaltene Bakterien (Clostridien) bilden Giftstoffe, für die Pferde besonders empfindlich sind und die bei der Verfütterung Botulismus auslösen können.

Tipps zur Kontrolle von Heu und Stroh

Heu zeigt sich im besten Fall hell grün, mit frischem, angenehmem Geruch und von zartem, weichem bis leicht rauem Griff. Klammes, muffiges oder stark mit Erde, Schimmelpilz oder Sand verunreinigtes Heu ist zur Pferdefütterung ungeeignet. Schimmelpilz äußert sich in staubigem Heu mit gräulich oder weißen Belägen.

Besonders im Heu sollte auf vorhandene Giftpflanzen geachtet werden, die häufig durch die Trocknung ihre Giftigkeit nicht verlieren. Adlerfarn, Herbstzeitlose, Sumpfschachtelhalm und Jakobs-Kreuzkraut gehören zu den wichtigsten Giftpflanzen.

Gutes Stroh ist von gelblicher bis goldener Farbe ohne graue oder schwarze Beläge. Der typische Geruch sollte keine faden oder muffigen Nuancen aufweisen. Ein mäßig harter Griff spricht für eine gute Verdaulichkeit, während sehr raues Stroh mehr schlecht verdauliche, harte Stängel enthält. Klammes oder mit Sand, Schimmel oder Erde verunreinigtes Stroh ist anfällig für Verderb und nicht für die Einstreu oder Pferdefütterung geeignet.

Raufutter kaufen

Oft ist es am einfachsten, das Raufutter für sein Pferd je nach Bedarf bei einem lokalen Landwirt zu kaufen. Aber auch Futtermittelhändler bieten Raufutterballen verschiedener Größen im Handel an. Eine Lieferung des Futters ist oft möglich. Selbstabholer zahlen aber meist einen niedrigeren Preis. Soll eine größere Menge an Raufutter erworben werden, muss eine ausreichend große und trockene Lagerfläche vorhanden sein. 

Je nach Bundesland, Qualität und Erntezeitpunkt des Raufutters variiert der Preis für Heu, Silage, Heulage und Stroh. Ein Rundballen Heu mit etwa 1,5 Meter Durchmesser wiegt durchschnittlich 220 Kilogramm und kostet zwischen 25 und 40 Euro. Ein vergleichbarer Strohballen ist meist etwas günstiger. Selbstverständlich gibt es auch kleinere Ballen zu kaufen.

Schlechtes Wetter und dementsprechend schlechte Ernten treiben die Preise in die Höhe. Es empfiehlt sich grundsätzlich, bereits gegen Ende des Sommers oder im Herbst genug Raufutter zu kaufen, um Knappheit im Winter zu vermeiden. Im Winter und Frühjahr, bevor Heu und Stroh geerntet werden kann, liegen die Preise meist deutlich höher.

Die ideale Raufuttermenge

Wie viel Raufutter ein Pferd pro Tag benötigt, ist je nach Pferd unterschiedlich. Der tägliche Bedarf des Pferdes an Raufutter richtet sich nach:

  • dem Körpergewicht
  • der Rasse 
  • der täglichen Arbeit des Pferdes
  • dem Alter

Bei leichter bis mittlerer Arbeit benötigt ein normales Reitpferd (Warmblut oder Vollblut) täglich mindestens 1,5 Kilogramm Heu pro Kilogramm Körpergewicht. Eine gute Raufutterqualität ist dabei Voraussetzung. Für ein durchschnittliches Hannoveraner Pferd mit 600 Kilogramm Körpergewicht entspricht das einer täglichen Menge Heu von 9 Kilogramm. 

Da Silage aufgrund der höheren Feuchtigkeit etwas schwerer ist als Heu, sollten Pferde im Vergleich zu Heu etwa die doppelte Menge erhalten. Je nach Arbeitsintensität kann die Menge an Raufutter leicht auf etwa 1 Kilogramm gesenkt und dafür die Menge an energiereichem, konzentriertem Kraftfutter wie Hafer erhöht werden. 

Alte Pferde benötigen oft besonders gutes, energiereiches Heu, das leicht zu kauen und zu verdauen ist. Zusätzlich sollte je nach Ernährungszustand des Pferdes der tägliche Bedarf an Nährstoffen durch Kraftfutter oder andere Zusatzfutter ergänzt werden.

Raufutter "ad libitum" 

In vielen Offenstallhaltungen sich die sogenannte "ad libitum" Fütterung (lateinisch für "nach Belieben") durchgesetzt. Hierbei wird den Pferden – zum Beispiel mithilfe eines Raufutterautomats oder einer Heuraufe – über 24 Stunden jederzeit Raufutter angeboten, meistens Heu. Diese Form der Pferdefütterung kommt dem natürlichen Fressverhalten der Pferde am nächsten und stellt für den Verdauungsapparat des Pferdes grundsätzlich die beste Fütterungsmethode dar. 

Allerdings ist sie nicht für jedes Pferd geeignet. Ponys und andere leichtfuttrige Pferde (Pferde, die bereits geringe Mengen an Energie bestens verwerten) neigen dazu, sich kaum noch zu bewegen und den ganzen Tag zu fressen. Diese Pferde benötigen tägliche Bewegung und ein rationiertes Angebot an Raufutter, um einer Verfettung und nachfolgenden Problemen wie EMS (Equines Metabolisches Syndrom) oder Hufrehe vorzubeugen.

Wenn das Pferd kein Raufutter frisst

Pferde neigen bei einem Überangebot an Kraftfutter dazu, weniger Raufutter zu fressen. Durch eine zu große tägliche Menge an Kraftfutter steigt so das Risiko einer Magenüberladung, einer Verdauungsstörung oder einer Kolik

Pferde können aber auch aufgrund von gesundheitlichen Problemen das Raufutter verweigern. Die möglichen Ursachen reichen von Zahnproblemen und Wassermangel bis hin zu einer Kolik. Im Zweifel ist ein Tierarzt zurate zu ziehen. Denn ohne Raufutter drohen dem Pferd mitunter weitere gesundheitliche Probleme.

Zusätzlich zu dem Gesundheitszustand des Pferdes sollte aber auch die Qualität des Raufutters überprüft werden. Wenig schmackhaftes oder gar fauliges Raufutter wird von Pferden nicht oder schlecht gefressen. Manche Pferde bevorzugen auch eine Futtercharge gegenüber einer anderen und scheinen einen Raufutterballen besser zu fressen als den nächsten. Hier hilft meist nur ein weiterer Futterwechsel.

Fütterungsempfehlungen für Raufutter – 9 Tipps

Folgende Empfehlungen in der Pferdefütterung tragen zu einer optimalen Gesunderhaltung des Pferdes bei:

  1. Stellen Sie Raufutter möglichst dauerhaft zur Verfügung und vermeiden Sie lange Fresspausen.
  2. Wenn Sie zweimal am Tag Raufutter füttern (wie in den meisten Ställen üblich), geben Sie den Pferden die größere Portion abends. So überbrücken Sie die lange Zeit bis zum Morgen.
  3. Wenn Sie feste Futterzeiten haben, versuchen Sie diese möglichst jeden Tag einzuhalten und sorgen Sie während und nach dem Füttern für Ruhe im Pferdestall. Pferde sollten optimalerweise nach dem Fressen für etwa eine Stunde höchstens leicht (ohne Reiter) bewegt werden.
  4. Füttern Sie Raufutter vor Kraftfutter im Abstand von 10 bis 15 Minuten. So normalisiert sich die Bakterienflora im Dickdarm des Pferdes wieder, bevor das Pferd Kraftfutter aufnimmt. Verdauungsstörungen wie Koliken wird so vorgebeugt.
  5. Füttern Sie Raufutter vor dem ersten Weidegang. Vor allem beim Anweiden im Frühjahr nehmen die gesättigten Pferde so weniger junges, energiereiches Gras auf und das Risiko für Hufrehe oder Durchfall sinkt.
  6. Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung des Pferdes mit frischem Wasser.
  7. Kontrollieren Sie die Qualität des Raufutters vor dem Verfüttern. 
  8. Sorgen Sie für eine trockene und sichere Lagerung des Raufutters.
  9. Vermeiden Sie abrupte Futterwechsel auch beim Raufutter. Wenn Sie einen neuen Raufutterballen verwenden möchten, mischen Sie die beiden verschiedenen Raufutter für etwa zwei bis drei Tage, um Ihr Pferd an das neue Raufutter zu gewöhnen.

Wenn Sie diese Tipps zur Fütterung von Raufutter beachten, leisten Sie einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit Ihres Pferdes.

Aktualisiert: 22.05.2017 – Autor: Nicole Kreutzfeldt

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