Hund im Auto – was ist zu beachten?

Fast jeder Hund muss ab und im Auto mitfahren. Dabei ist einiges zu berücksichtigen. Auch geht Autofahren manchmal mit Angst, Stress oder sogar Übelkeit einher.

Mann und Hund im Auto © istockphoto, Geber86

Im Alltag ist es häufig nötig, einen Hund im Auto zu transportieren. Meist plant man relativ kurze Wege, wie einen Ausflug zum See oder den Weg zur Hundeschule. Aber gerade zur Urlaubszeit genießen viele Hundebesitzer die freien Tage mit dem Hund außerhalb der eigenen vier Wände.

Doch längere Autofahrten stellen hohe Anforderungen an Hund und Halter: Wie viel Pause sollte eingeplant werden und wie reagiert man, wenn man plötzlich merkt, dass der Hund reisekrank wird? Hier finden Sie Antworten auf diese und weitere Fragen zum Autofahren mit dem Hund.

Allgemeine Hinweise zum Hundetransport im Auto

Muss man den Hund im Auto transportieren, sollte man grundsätzlich die wichtigsten Sicherheitsaspekte beachten. Dazu gehört, dass der Hund den Fahrer nicht ablenken darf und so gesichert sein sollte, dass er nicht zur Gefahr für andere Insassen wird. Auch sollte das Verletzungsrisiko, beispielsweise durch Ausweichmanöver und Vollbremsungen, so gering wie möglich für den Hund sein. Dafür gibt es verschiedene Sicherheitssysteme. Tipps zur passenden Autosicherung für Ihren Hund finden Sie hier.

Außer dem Sicherungssystem sind jedoch noch andere Aspekte zu bedenken, wenn man Hunde im Auto mitnimmt. Ist die Fahrt auch noch so kurz, sollte im Auto immer eine gewisse Grundausstattung vorhanden sein:

  • mindestens ein (Reise-)Napf, um jederzeit Wasser anbieten zu können
  • sauberes sprudelfreies Wasser
  • eine bequeme Hundedecke
  • Kotbeutel

Was muss man zusätzlich beachten, wenn man längere Reisen plant?

Für lange Reisen mit dem Hund sollte Folgendes noch zusätzlich mitgenommen werden:

  • ein gewisser Vorrat des gewohnten Futters
  • Leine und Maulkorb (je nach Bestimmungen des Urlaubslandes)
  • Heimtierausweis zur Identifizierung des Hundes
  • eine Hundenotfallapotheke 

Welche Vorkehrungen Sie für das entsprechende Urlaubsland treffen müssen, können Sie im Vorfeld über das Auswärtige Amt erfahren. Für spezielle Untersuchungen, Bescheinigungen oder Medikamente, wie Impfungen, Wurmkur und Zeckenschutz, sollten Sie sich bereits rechtzeitig im Voraus bei Ihrem Tierarzt erkundigen. 

Sommer, Hitze, Autobahn – was muss man mit Hund im Auto beachten?

Starke Hitze kann eine Autofahrt für den Hund besonders unangenehm machen. Beachten Sie daher folgende Tipps für heiße Sommertage:

  1. Machen Sie regelmäßig Pause und bieten Sie dem Hund Wasser an.
  2. Bei starker Hitze im Auto sollten Sie, wenn vorhanden, die Klimaanlage einschalten oder Fenster öffnen.
  3. Achten Sie darauf, dass der Hund nicht in der Zugluft sitzt, sonst kann es zu Augenentzündungen kommen.
  4. Wenn möglich sollten Sie die Scheiben abdunkeln, damit der Hund nicht in der prallen Sonne liegt (dafür gibt es Folien oder Sonnenschutz fürs Fenster).
  5. Man kann auch zeitweise ein feuchtes Tuch über die Hundebox legen, um dem Hund Abkühlung zu verschaffen.
  6. Lassen Sie den Hund bei Hitze nie allein im Auto zurück!

Hund alleine im Auto – was kann passieren?

Eben schnell nach dem Spaziergang in den Supermarkt oder mal kurz zur Bank. Auch wenn man den Weg noch so kurz plant: Lassen Sie den Hund bei warmen Temperaturen nie allein im Auto zurück!

Selbst mit geöffnetem Fenster und im Schatten steigen die Temperaturen im Auto rasant an. Bereits nach 10 Minuten können bei 20 °C Außentemperatur im Auto 27 °C erreicht werden – mit fortschreitender Zeit sogar mehr. Der Hund hat keine Möglichkeit, der Hitze zu entkommen. Das kann zu einem gefährlichen Hitzschlag und Kreislaufkollaps beim Hund führen. Ab 45 °C droht Lebensgefahr für den Hund.

Wie oft sollte man während einer Autofahrt Pause machen?

Wie auch beim Menschen ist es sehr individuell, wie oft der Hund eine Pause braucht um auszutreten oder um etwas zu trinken. Als Faustregel bietet sich alle zwei bis drei Stunden an. Natürlich wird das auch davon beeinflusst, wie entspannt der Hund während der Autofahrt ist und welche Außentemperaturen vorherrschen.

Besonders im Sommer bei starker Hitze und Sonneneinstrahlung sollte häufiger eine Extrapause eingeplant werden.

Fütterungspausen – unbedingt nötig oder überflüssig?

Sollte es sich um einen sehr langen Transport handeln, beispielsweise länger als die normalen Fütterungsabstände sind, kann man dem Hund auch während einer Pause Futter anbieten. Man sollte aber beachten, dass ein voller Magen beim Hund zu Übelkeit führen kann. Möchte man dem vorbeugen, kann man in der Regel problemlos eine Mahlzeit auslassen oder verschieben.

Sollte der Hund kein Problem mit Übelkeit während der Fahrt haben, kann man gerne die üblichen Fütterungsintervalle beibehalten.

Reisekrankheit – nicht nur ein Problem für den Menschen

Wie einige Menschen leiden auch Hunde häufig unter Übelkeit beim Autofahren. Dabei trifft es nicht nur diejenigen, die ungern Auto fahren, auch fröhliche und begeistert autofahrende Hunde können unter der Reisekrankheit leiden. 

Oft hilft es, den Hund vor der Autofahrt fasten zu lassen. Zwölf Stunden reichen, damit der Magen leer ist und somit die Gefahr des Erbrechens verringert wird. Zusätzlich hilft es, wenn der Hund beim Autofahren die vorbeiziehende Landschaft nicht sieht. In einer Hundebox ist der Hund etwas abgeschirmt und kann sich meist besser beruhigen.

Woran erkenne ich, dass meinem Hund schlecht ist?

Übelkeit ist das bewusste Wahrnehmen einer Stimulation des Brechzentrums und gilt meist als Vorzeichen von Erbrechen. Bevor der Hund kotzen muss, zeigt er jedoch meist eindeutige Symptome:

  • verschlechtertes Allgemeinbefinden
  • Zittern und starkes Hecheln
  • häufiges Belecken der Lefzen und vermehrtes Gähnen
  • starkes Speicheln und vermehrtes Schlucken
  • der Hund zieht sich zurück oder verkriecht sich

Sollten Sie diese Symptome bei Ihrem Hund feststellen, sollten Sie möglichst zügig eine Pause machen und den Hund aus dem Auto lassen. Sonst ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein Unglück im Auto geschieht.

Medikamente gegen Übelkeit für Hunde

Sollte Ihr Hund, auch bei nüchternem Magen, immer wieder Probleme mit Übelkeit bei der Reise haben, können Sie ihm mit speziellen Medikamenten Erleichterung verschaffen. Diese Tabletten hemmen das Brechzentrum und beugen so dem Erbrechen vor. 

Am besten beraten Sie sich mit Ihrem Tierarzt. Schließlich muss der Hund vor Gabe solcher Medikamente gründlich untersucht werden und die Dosis muss genau berechnet werden.

Wie kann man den Hund ans Autofahren gewöhnen?

Eine Grundvoraussetzung für eine entspannte Autofahrt ist, dass der Hund daran gewöhnt ist und weiß, dass er sich während der Autofahrt beruhigen kann. Das ist einfach, wenn der Hund von klein auf gelernt hat, im Auto mitzufahren.

Hier finden Sie einige Tipps, wie der Hund lernt, dass Autofahren nicht schlimm ist:

  1. Zwingen Sie den Hund nicht, ins Auto zu gehen – neugierige Hunde steigen meist von alleine ein oder man bietet einen Anreiz mit Leckerlis oder dem Lieblingsspielzeug.
  2. Geben Sie dem Hund Zeit, das Auto von innen zu erkunden, wenn es nicht fährt.
  3. Am besten sollten Sie den Hund schon vorher an die Hundebox gewöhnen.
  4. Loben Sie Ihren Hund für ruhiges und entspanntes Verhalten.
  5. Muten Sie Ihrem Hund besonders zum Anfang nur kurze Fahrten zu.
  6. Bewahren Sie Geduld!

Generell sollten Sie versuchen, das Autofahren mit etwas Positiven für Ihren Hund zu verbinden. Das müssen nicht immer Leckerlis sein. Fahren Sie zur Lieblingshundewiese oder bieten Sie dem Hund direkt nach der Fahrt sein Lieblingsspielzeug an. So können Sie nach und nach die Fahrzeiten verlängern und auch eine lange Reise sollte kein Problem darstellen.

Mein Hund hat Angst vor dem Autofahren – was tun?

Starkes Hecheln, häufiges Gähnen, Sabbern, Winseln oder Bellen im Auto – das alles können Anzeichen dafür sein, dass Ihr Hund starken Stress beim Autofahren erleidet. Ist das bereits der Fall, sollte man individuell mit einem qualifizierten Tiertrainer arbeiten, um das Problem zu lösen. 

Es ist nicht ratsam, sedative, also bewusstseinseintrübende, Medikamente einzusetzen. Sie können sich negativ auf das Kreislaufsystem des Hundes auswirken und viele Nebenwirkungen haben. Außerdem behandelt man damit nicht die Ursache der Angst des Hundes. 

Der Hundetrainer schaut sich Ihren Hund an und erarbeitet mit Ihnen ein Programm, um dem Hund den Stress beim Autofahren zu nehmen. Auch hier gilt es, Geduld zu bewahren.

Wohlfühlmedikamente für Hunde

Ist ein Hund beim Autofahren ängstlich, kann man unterstützend versuchen, sogenannte Wohlfühlmedikamente einzusetzen. Dies sollte aber immer in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen. Es handelt sich dabei nicht um sedierende Medikamente. 

Bei Wohlfühlmedikamenten für Hunde gibt es verschiedene Wirkmechanismen:

  • Halsband oder Spray mit Wohlfühlpheromonen
  • Tabletten oder Kapseln mit beruhigenden Inhaltsstoffen

Wohlfühlduft für entspannte Hunde

Adaptil® nutzt beim Halsband oder Spray das sogenannte "Dog Appeasing Pheromon" (D.A.P). Dieses Pheromon, also ein Duftstoff, wird von der Mutterhündin abgegeben und beruhigt die Welpen. Der Effekt ist, dass sich der Hund in Gegenwart dieses künstlichen Pheromons beruhigt und Situationen entspannter angehen kann. Neben dem Autofahren kann man das D.A.P. in anderen stressigen Situationen anwenden, wie dem Alleine bleiben oder zu Silvester.

Die Adaptil®-Tabletten, Calmex®-Kapseln und Zylkene®-Kapseln bedienen sich einem anderen Wirkmechanismus. Sie nutzen Aminosäuren, denen eine beruhigende Wirkung zugesprochen wird.

Adaptil® und Calmex® – ein echter Serotoninschub

Adaptil®-Tabletten und Calmex®-Kapseln enthalten hauptsächlich die Aminosäure L-Tryptophan, die ein essentieller Baustein von Serotonin ist, also dem körpereigenen Stimmungsmacher. Im Gehirn wird das aufgenommene L-Tryptophan zu Serotonin umgewandelt und hilft dem Hund, ausgeglichener und gelassener auf seine Umwelt zu reagieren und so beispielsweise beim Autofahren ruhiger zu bleiben.

Weitere Inhaltstoffe dieser Wohlfühlmedikamente sind:

  • B-Vitamine zur Nervenstärkung
  • L-Theanin, ein Vorläufer der Gamma-Aminobuttersäure (GABA), einem beruhigenden Neurotransmitter, also ein Botenstoff im Gehirn
  • pflanzliche Mittel mit beruhigender und angstlösender Wirkung

Zylkene® – beruhigend wie bei Mutti

Zylkene®-Kapseln enthalten ein speziell aufgespaltenes Milcheiweiß, das sogenannte Alpha-Casozepin. Normalerweise entsteht es bei der Milchverdauung im Darm von Welpen. Alpha-Casozepin verstärkt die Wirkung des beruhigenden Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn des Hundes. Darauf beruht auch der beruhigende Effekt des Stillens. Auch wenn im erwachsenden Körper kein Alpha-Casozepin mehr gebildet wird, ist er weiter empfänglich für die beruhigende Wirkung.

Homöopathie und Bachblüten-Mischung für Hunde

Manchmal werden für gestresste Hunde auch sogenannte Rescue-Tropfen, Bachblüten-Mischungen oder andere homöopathische Produkte empfohlen. Möchten Sie versuchen, bei Stress mit Homöopathie zu arbeiten, besprechen Sie sich mit Ihrem Tierarzt. Sie sollten nicht einfach Präparate aus der Apotheke holen, da diese Notfalltropfen oft Alkohol enthalten. 

Mein Hund kommt nicht mehr allein ins Auto – wie kann man helfen?

Besonders bei großen Hunden kommt mit dem Alter das Problem, dass sie nicht mehr alleine ins Auto kommen. Arthrose, Muskelschwund oder eine verminderte Beweglichkeit machen besonders den hohen Sprung in den Kofferraum zu einem Problem.

Da es grade bei sehr großen Hunden schwierig wird, sie ins Auto zu heben, gibt es verschiedene Hunderampen, die dem Hund als Einstiegshilfe dienen können. Es gibt diese Autorampen in unterschiedlichen Größen und aus unterschiedlichen Materialien. Sie sollten genau darauf achten, dass sie für die Höhe des Autos und das Gewicht des Hundes geeignet ist. Schließlich soll der Hund nicht samt Rampe abstürzen und sich beim Einstieg ins Auto verletzen.

Aktualisiert: 30.05.2017 – Autor: Susanne Prochnau

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