Clickertraining bei Katzen – Spiel oder Zwang?

Das Clickertraining bei Katzen wird immer beliebter. Die Konditionierung kann beispielsweise helfen, eine Katze an die Transportbox zu gewöhnen.

Frau beim Clickertraining mit ihrer Katze © istockphoto, steffyguaqueta

Eine gute Erziehung ist den meisten Besitzern bei ihren Haustieren sehr wichtig. Aber Gehorsam will gelernt sein. Nicht nur bei Hunden erfreut sich das sogenannte Clickertraining in letzter Zeit immer größerer Beliebtheit – auch Katzen können mit dieser Methode trainiert werden. Allerdings wird dieses Thema unter Katzenhaltern wesentlich kontroverser diskutiert. Ist es sinnvoll, seiner Katze Kunststücke beibringen und sie wie einen Hund erziehen zu wollen? Widerspricht es nicht dem Wesen der Katze, dass sie ihrem Besitzer willenlos gehorchen soll? Hilfreiche Informationen zum Clickertraining und eine kurze Einschätzung über das Für und Wider dieser Erziehungsmethode bei Katzen finden Sie hier.

Der Sinn des Lernens

Lernen ist eine Änderung des Verhaltens, um auf neue Umstände zu reagieren und sich an sie anzupassen. Es geschieht durch Erfahrung – auch einer Katze angeborenes Verhalten kann so verändert werden. Wenn die Assoziation von Signal, Handlung und Belohnung oft genug wiederholt wird und regelmäßig stattfindet, entsteht eine feste Verknüpfung im Gehirn – man spricht von Konditionierung, also Lernen.

Sinn des Clickertrainings sind Beschäftigung und Spaß für Katze und Halter. Die Katze muss dabei immer motiviert und aufmerksam sein – wenn sie Lust auf Spielen hat, kann man auch mit ihr trainieren. Um das zu erkennen, muss der Besitzer seine Katze genau beobachten – das kann die Beziehung der beiden zueinander festigen und schult den Blick und das Gespür des Halters für seine Katze.

Wie Katzen durch Clickertraining lernen

Beim Clickertraining wird das Ziel verfolgt, eine Verbindung zwischen Befehl und Verhalten zu erzeugen – die Katze soll in der Lage sein, auf einen bestimmten Umweltreiz hin entsprechend zu reagieren.

Dabei geht es nicht darum, die Katze zu irgendeiner Handlung zu zwingen. Im Gegenteil: Das Erlernen von Kunststücken soll Katze und Besitzer Spaß machen und ein Intelligenz-Spiel sein. Motivation, Konzentration und positive Verstärkung in Form von Belohnungen sind entscheidend für einen guten Lernerfolg. Schmerz, Angst oder Zwang werden die Katze nur dazu bringen, sich zu wehren und die Situation zukünftig zu meiden.

Für die verschiedenen Schritte des Trainings macht man sich zunächst zwei verschiedene Arten des Lernens zu Nutze – die sogenannte Klassische und Operante Konditionierung.

1. Schritt: Klassische Konditionierung – Gewöhnung an den Clicker

Bei der Klassischen Konditionierung wird ein vorher bedeutungsloses Signal (beispielsweise der Clicker) mit einer Bedeutung, etwa einer Belohnung, belegt und löst ein bestimmtes Verhalten aus. Die Katze assoziiert den Clicker mit einer positiven Erfahrung.

Beim Clickertraining macht man sich dieses Lernverhalten zunutze, wenn man die Katze an den Clicker gewöhnen möchte. Das ist wichtig für alle Kunststücke und Tricks, die sie später lernen soll. Zunächst muss sie eine positive Erfahrung mit dem Clicker verbinden.

Zur Gewöhnung der Katze an den Clicker geht man folgendermaßen vor:

  1. Am besten setzt man sich vor seiner Katze auf den Fußboden.
  2. Man hält den Clicker in einer Hand und legt ein paar Leckerlis, Snacks oder das Lieblingsfutter seiner Katze bereit. Wichtig ist, dass die Katze das Futter nicht sehen kann – man hält es also am besten in der anderen Hand hinter dem Rücken oder in der Hosentasche versteckt. Sie soll sich auf ihren Besitzer konzentrieren und nicht auf das Futter.
  3. Wenn man sich sicher ist, dass die Katze aufmerksam, interessiert, neugierig und nicht anderweitig abgelenkt ist, kann man mit der Gewöhnung an den Clicker beginnen. Man clickert mit der rechten Hand und präsentiert der Katze mit der Linken direkt ein Leckerli, das die Katze auch sofort fressen darf.
  4. Diese Übung wird fünf- bis zehnmal am Stück wiederholt – man spricht dann von einer Trainingseinheit.

2. Schritt: Operante Konditionierung – Training auf eine Verhaltensweise

Mithilfe der Operanten Konditionierung wird eine natürliche Verhaltensweise oder Handlung der Katze (beispielsweise, dass sie sich hinsetzt) mit einem Signal (einem Befehl) und einer angenehmen Konsequenz (Belohnung) assoziiert.

Es geht darum, eine Verknüpfung zwischen einem Umweltsignal, der Reaktion der Katze darauf und der Rückmeldung aus der Umwelt, also der Belohnung für diese Handlung, herzustellen.

Die Katze soll sich auf einen Befehl hin setzen. Der Clicker, der zunächst keine besondere Bedeutung für die Katze hat, wird bei der Gewöhnung durch Leckerlis mit einer positiven Erfahrung belegt. Es ist wichtig, dass ein neutrales Signal benutzt wird und auf keinen Fall eines, vor dem die Katze sich ohnehin schon fürchtet oder das aufgrund seiner Lautstärke unangenehm ist, wie etwa eine laute Klingel oder Hupe.

Nach der Gewöhnung wird dieses Signal benutzt, um das korrekte Verhalten für die Katze zu markieren. Die Katze wird belohnt, wenn sie sich setzt. Das Clickern signalisiert der Katze dabei nicht, dass sie sich setzen soll – es markiert vielmehr die Handlung, für die die Katze letztendlich belohnt wird. Sie lernt, dass sie ein Leckerli bekommt, weil sie sitzt – nicht etwa dafür, dass sie zu ihrem Besitzer gekommen ist, oder wieder aufsteht, um sich ihre Belohnung zu holen.

Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Clickertraining mit Katzen.

Clickertraining ohne Leckerlis?

Wenn die Katze das gewünschte Kunststück sicher beherrscht, kann auch versucht werden, kurze Zeit ohne Leckerlis zu arbeiten – etwa für drei oder vier Übungen. Allerdings sollte dann spätestens wieder mit einem Leckerli belohnt werden. Die Katze verliert sonst schnell das Interesse an diesem Spiel und wird sich so schnell nicht mehr dazu überreden lassen.

Clickertraining – Spaß am Spiel oder unnatürlicher Gehorsam?

Katzen wurden, anders als Hunde, nie auf Gehorsam gezüchtet – stattdessen spielten ihre angeborenen Fähigkeiten zum Mäusefang, Charakter, Fellfarbe und andere äußere Merkmale eine entscheidende Rolle. Viele Katzenhalter schätzen ihre Katzen gerade deshalb, weil sie selbständig und keine "kleinen Hunde" sind, die sich Befehlen scheinbar willenlos unterordnen. Katzen dürfen und sollen oft auch einen eigenen Kopf haben.

Groß- und Hauskatzen schlafen und ruhen einen Großteil des Tages und scheinen leicht zufrieden zu stellen zu sein. Trotzdem zeigen sie oft unerwünschtes Verhalten: Sie zerkratzen das Sofa, die Vorhänge oder pinkeln in die Wohnung. Dann sollte die Haltung optimiert werden – denn oft ist Langeweile der Grund für komplexe Verhaltensstörungen.

Katzen wollen im Regelfall mehr Aufmerksamkeit und Beschäftigung von und mit ihrem Besitzer. Dem kann abgeholfen werden, indem die Katze mehr beschäftigt wird – entweder durch klassische Spiele oder auch mithilfe eines Clickertrainings.

Mit dem Clickertraining raus aus der Langeweile

Haustiere und besonders reine Wohnungskatzen leiden oft unter Langeweile. Heutzutage werden Katzen nicht mehr auf Bauernhöfen oder in Speisekammern als Mäusejäger gehalten, sondern im Haushalt.

Anders als der Hund haben viele Katzen aber nicht die Möglichkeit, regelmäßig nach draußen zu gehen und die Welt zu sehen – vielmehr bleiben sie immer in denselben vier Wänden und haben bestenfalls einen Balkon oder eine Terrasse für den Kontakt zur Außenwelt.

Viele Katzen haben deshalb Langeweile und wollen beschäftigt werden – nicht nur körperlich, sondern auch geistig, denn Katzen sind nicht dumm, sondern aufgeweckt und neugierig.

Spielen mit Artgenossen und Besitzer als Beschäftigung

Als Beschäftigung ist das Spiel mit Artgenossen dabei genauso wichtig, wie das mit dem Besitzer. Dieses Spielverhalten kann man nutzen, um seiner Katze gleichzeitig körperliche und geistige Auslastung zu ermöglichen – ihr praktisch nebenbei noch einige niedliche Kunststücke beizubringen, ist durchaus nicht verwerflich. Lernen ist ein absolut natürliches und überlebenswichtiges Verhalten und passiert jeden Tag. Die meisten Katzen haben schließlich auch gelernt, zu ihrem Besitzer zu kommen, wenn dieser mit der Futtertüte raschelt.

Sich hinsetzen, auf die Hinterbeine aufrichten und mit den Pfoten in der Luft "angeln" gehören zum natürlichen Jagdverhalten der Katze und dienen in der Natur dem Beutefang – ebenso wie das geduckte Lauern und der Beutesprung.

Clickertraining bei Katzen – ja oder nein?

Ob Clickertraining für die eigene Katze sinnvoll ist, sollte man individuell abwägen. Grundsätzlich kann jedes Tier, das lernt, auch trainiert werden – Katzen sind von Natur aus neugierig, aber nicht alle Katzen wollen auch mit ihrem Besitzer trainieren. Eine ausgelastete Freigängerkatze wird wahrscheinlich kaum Bedarf für ein anstrengendes Lernspiel haben, wenn sie den ganzen Tag draußen verbracht hat und eigentlich nur zum Fressen, Schlafen und Schmusen nach Hause ins Warme kommen möchte.

Zudem gibt es bei Katzen hinsichtlich ihres Verhaltens rasseabhängige und individuelle Unterschiede – eine aktive, temperamentvolle Siamkatze braucht mehr Beschäftigung als eine ruhige, zurückhaltende Perserkatze.

Nicht der Besitzer, sondern die Katze entscheidet, was sie tun möchte. Man darf seine Katze niemals zu einem Spiel oder zum Training zwingen. Als Besitzer muss man sein Tier genau beobachten und kennen, um feststellen zu können, ob und wann es sich langweilt. Wenn die Katze gerade lieber auf der Fensterbank in der Sonne liegen und den Tag genießen möchte, sollte man sie nicht mit Clicker und Targetstab bedrängen.

Beim Targetstab handelt es sich um einen Teleskopstab, in dessen Ende ein Clicker eingebaut ist. Er wird vor allem benutzt, um der Katze Kunststücke beizubringen, bei denen sie sich aufrichten oder Gegenstände mit Pfote oder Nase berühren soll – etwa beim Männchen machen, Pfötchen geben oder High Five.

Gefürchtete Transportbox – wann Clickertraining helfen kann

Viele Katzen meiden und fürchten die Transportbox, mit der sie etwa zum Tierarzt gebracht werden sollen. Das Clickertraining kann sinnvoll sein, wenn man der Katze damit beibringt, dass sie freiwillig in die Transportbox gehen kann, sobald man diese aus dem Schrank holt, und dass sie dafür belohnt wird. Die Katze wird stress- und angstfrei in die Transportbox gehen und ihre Handlung als ein Spiel ansehen, das ihr sogar Spaß macht.

Mithilfe dieser Methode kann man die Katzen auch an neue Möbel im Haus gewöhnen, ihr unerwünschtes Verhalten "abtrainieren" oder sie dazu bringen, auf Zuruf zu ihrem Besitzer zu kommen, wenn man sie nicht finden kann.

Man muss allerdings darauf achten, dass immer ein positives Erlebnis auf diese "Übung" folgt – ein Leckerli allein reicht nicht aus, wenn die Schmerzen, der Stress oder die Angst nach dem vollbrachten Trick (beispielsweise durch Autofahrt und Tierarztbehandlung) wesentlich größer sind als die Belohnung. Die Katze wird dann beide Erfahrungen gegeneinander abwägen und sich das nächste Mal genau überlegen, ob sie noch einmal in die Transportbox geht.

Mit dem Clickertraining Katzen zusammenführen?

Mithilfe des Clickertrainings Katzen zusammenführen zu wollen, ist nicht sinnvoll und außerdem unnötig. Sozialisation und Gewöhnung aneinander können nicht erzwungen werden – einige Tiere können sich nun einmal einfach nicht ausstehen.

Wenn eine neue Katze in den Haushalt kommt, sollte man ihr immer die Möglichkeit geben, sich irgendwo allein zurückziehen zu können und ihren Platz in der neuen Umgebung zu finden. Anfangs wird es sicherlich zu Streitigkeiten mit der ersten Katze kommen, denn die Rangordnung muss erst ausgekämpft werden. In der Regel werden die beiden Katzen sich aber nach ein bis zwei Wochen aneinander gewöhnt haben.

Clickertraining – ab welchem Alter?

Generell können alle Tiere lernen – allerdings funktioniert das Clickertraining nicht bei allen Katzen. Motivation und Konzentrationsfähigkeit sind beim Lernen entscheidend – deshalb kann es schwierig sein, besonders junge oder alte Katzen zu trainieren.

Katzenkinder sind agiler, ungeschickter, neugieriger, unsicherer, aufgeweckter und leichter abzulenken als ausgewachsene Katzen. Im Alter zwischen acht Wochen und acht Monaten befinden sich Katzen noch in der juvenilen Phase des Lernens – sie sind noch sehr damit beschäftigt, sich an ihre neue Heimat, die neue Umwelt, Menschen und fremde Katzen zu gewöhnen und herauszufinden, wozu sie selbst überhaupt fähig sind.

Außerdem sind sie noch dabei, ihre eigene Muskulatur zu stärken. Ihre Geschicklichkeit und Fähigkeiten müssen sie erst noch Schritt für Schritt entwickeln. Auch einige wichtige Elemente in der Kommunikation mit ihren Artgenossen und dem Menschen müssen sie erst noch lernen. Mit sechs bis acht Monaten sind Katzen geschlechtsreif, aber noch nicht voll ausgewachsen. Das ist erst mit etwa einem bis eineinhalb Jahren der Fall.

Man sollte deshalb am besten mit erwachsenen Katzen trainieren, also ab einem Alter von zwei bis drei Jahren mit dem Clickertraining beginnen.

Clickertraining bei alten Katzen

Alte Katzen tun sich, wie alte Menschen, mit dem Lernen oft schwer. Der Besitzer braucht dann mehr Zeit, Geduld, Durchhaltevermögen und Verständnis. Die einzelnen Trainingseinheiten und Übungen sollten möglichst kurz gehalten werden.

Außerdem werden die Knochen im Alter brüchiger, die Muskeln schwächer und die Beweglichkeit lässt nach – man sollte alte Katzen auch körperlich nicht überfordern. Eventuell lassen sich sehr alte oder auch sehr eigenwillige Katzen auch gar nicht trainieren. Man sollte dann auf keinen Fall frustriert sein, sondern der Katze ihren eigenen Willen zugestehen.

Aktualisiert: 07.12.2018 – Autor: Marion Schmitt

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