Pferdebeine schützen durch Bandagen, Gamaschen & Co.

Gamaschen, Bandagen, Hufglocken oder Streichkappen können helfen, die Beine eines Pferdes zu schützen. Wichtig ist, dass sie passen und richtig angelegt werden.

Pferd mit Gamaschen und Hufglocken © istockphoto, 11AFotografie

Die Beine der Pferde sind beim Springreiten ebenso wie beim Longieren oder Fahren erheblichen Belastungen ausgesetzt. Aber auch beim freien Laufen auf der Weide können sich Pferde an den Beinen verletzen. Gamaschen, Bandagen und Hufglocken tragen dazu bei, Verletzungen der Sehnen und Knochen zu verhindern. Auch Pferde, die sich selbst die Hufeisen abtreten, können von Hufglocken profitieren. 

Nur richtig angelegte Ausrüstung kann das Pferdebein gut schützen. Unpassende oder falsch angelegte Gamaschen, Bandagen oder Hufglocken können dem Pferd Schmerzen und Schäden zufügen.

Wozu braucht ein Pferd Gamaschen?

Gamaschen schützen die Beine der Pferde vor Schlägen und Stößen. Vor allem Pferde mit Hufeisen können sich beim Springen, Reiten oder Freilaufen leicht mit den Eisen gegen die eigenen Beine schlagen. Überbeine oder Schürfwunden können die Folge sein. Auch auf Turnieren sind in Springprüfungen und Springpferdeprüfungen Gamaschen erlaubt.

Einfache, weiche Gamaschen schützen besonders die Innenseite der Beine. Spezielle weiche Gamaschen werden ähnlich wie Bandagen nicht nur am Röhrbein, sondern auch unter dem Fesselkopf des Pferdebeins befestigt. Dadurch wird ihnen manchmal eine besondere Stützfunktion für die Sehnen und den Fesseltrageapparat zugesprochen, die aber fraglich ist. 

Gamaschen mit Hartschalen kann der Reiter von hinten an das Bein anlegen. Diese harten Gamaschen haben eine bessere Schutzfunktion gegen Schläge als weiche Gamaschen. Die verschiedenen Gamaschen sind in den Größen Pony, Vollblut und Warmblut in den meisten Reitsportgeschäften zu kaufen.

Gamaschen nicht dauerhaft anlegen

Moderne Gamaschen bestehen heute oft aus atmungsaktiven Stoffen. Trotzdem stören auch diese Gamaschen auf Dauer die Durchblutung und den Lymphfluss im Pferdebein. Ein ständiges Tragen von Gamaschen kann daher schädlich für das Pferd sein. 

Werden Gamaschen beim Pferd über Nacht vergessen, können einige Pferde am nächsten Tag leicht angeschwollene Beine zeigen. Meist geht die Schwellung zurück, wenn das Pferd nach Abnahme der Gamaschen im Anschluss locker an der Longe oder auch unter dem Reiter bewegt wird. Sollte die Schwellung nicht zurückgehen, ist möglicherweise ein Tierarzt nötig.

Gamaschen richtig anlegen

Gamaschen dürfen nicht zu fest angelegt werden, da sonst Druckstellen entstehen. Zu lockere Gamaschen verrutschen und können an den Beinen der Pferde scheuern. Folgendes sollten Sie beim Anlegen der Gamaschen beachten:

  1. Putzen Sie das Pferdebein gründlich, bevor Sie Gamaschen anlegen. Sand oder anderer Dreck scheuert leicht unter den Gamaschen.
  2. Bringen Sie die Gamaschen in die richtige Position, indem Sie die Gamaschen ein Stück über der gewünschten Stelle platzieren und dann am Pferdebein entlang nach unten gleiten lassen. So bleibt das Fell unter der Gamasche glatt und Sie vermeiden Scheuerstellen.
  3. Ziehen Sie die Klettverschlüsse nur so fest, dass die Gamaschen nicht verrutschen.

Wofür werden Streichkappen verwendet?

Streichkappen haben eine ähnliche Funktion wie Gamaschen. Manche Pferde bewegen von Natur aus die Beine beim Laufen vermehrt nach innen und schlagen dabei an den eigenen Beinen an. Man spricht hier vom Streichen. 

Beim Springreiten oder bei Seitwärtsgängen in der Dressur steigt das Risiko einer Verletzung. In Springpferdeprüfungen sind deshalb meist Streichkappen oder Gamaschen erlaubt. Springkappen schützen vor allem den Fesselkopf am Pferdebein. 

Wie bei Gamaschen sollte der Reiter das Pferdebein putzen und die Springkappen dann richtig anlegen, um ein Verrutschen oder Scheuern zu verhindern.

Bandagen für die Optik

Bandagen haben beim Pferd keine wirklich sinnvolle Stütz- oder Schutzfunktion. Sie werden vor allem bei Shows, beim Pferdeverkauf oder beim Training verwendet, um ein Pferd besonders schön herauszuputzen. 

Bandagen sind in verschiedenen Längen, Farben und Materialien meist als Viererpack in Reitsportgeschäften zu kaufen. Beim Springreiten oder Dressurreiten auf Turnieren sind Bandagen in den Prüfungen generell nicht erlaubt. Bei Siegerehrungen werden Ausnahmen gemacht. 

Bandagen richtig anlegen

Bandagen sollten am besten nur mit Unterlage verwendet werden. Ohne Unterlagen können Bandagen zu Einschnürungen und Druckstellen an den Beinen der Pferde führen. Unterleger aus Stoff sind in verschiedenen Größen und Dicken in Reitsportgeschäften zu kaufen. 

Beachten Sie folgende Tipps zum Anlegen von Bandagen:

  • Binden Sie die Bandagen von oben nach unten in Form einer Spirale um das Pferdebein bis um den Fesselkopf und von dort wieder nach oben, bis Sie das Ende der Bandage erreichen. 
  • Ziehen Sie dabei die einzelnen Lagen mit leichtem Druck fest und vermeiden Sie Falten. 
  • Am oberen Rand der Bandage sollten Sie noch einen Finger zwischen Bandage und Pferdebein stecken können, sonst ist die Bandage zu fest. 
  • Wenn Sie die Bandagen nach Gebrauch wieder aufwickeln, achten Sie darauf, den Klettverschluss innen zu lassen. Dann befindet sich der Klettverschluss beim Anlegen ans Pferdebein wieder korrekt an der äußeren Seite und Sie können die Bandage vernünftig festmachen.

Stallbandagen über Nacht

Manche Pferde neigen zu angeschwollenen Beinen. Dies ist meist besonders bei Pferden zu beobachten, die nachts in der Box stehen. Bewegungsmangel und ein schlechter Abfluss der Lymphe sind häufig die Ursache für geschwollene Beine. 

Nach Absprache mit dem Tierarzt, der andere krankhafte Ursachen ausschließen kann, bringen Stallbandagen über Nacht oft eine Verbesserung. Zusätzlich sollte das Pferd vermehrt bewegt werden. Bei sehr warmem Wetter können Stallbandagen dem Pferd unangenehm werden, weil sie die Pferdebeine sehr warm halten.

Wofür dienen Hufglocken beim Pferd?

Hufglocken sollen den Huf und vor allem den Ballen des Pferdes vor Trittverletzungen schützen. Da diese Trittverletzungen eher an den Vorderbeinen auftreten, tragen die meisten Pferde nur vorne Hufglocken. Hufglocken können generell aber auch hinten an den Hufen angelegt werden. 

Besonders beim Springreiten oder Freilaufen finden Hufglocken Verwendung. Pferde mit Hufeisen treten sich zudem häufig selbst von hinten auf die Enden der vorderen Hufeisen und reißen sich die Hufeisen so selbst ab. Hufglocken können das nicht immer verhindern, reduzieren aber das Risiko. 

Hufglocken richtig anlegen

Die richtige Größe der Hufglocken richtet sich nach der Größe des Pferdehufes. Die Hufglocke wird um die Fessel gelegt und mit einem Klettverschluss verschlossen. Dabei sollte die Hufglocke möglichst eng anliegen, ohne zu scheuern, und den ganzen Huf bis zum Boden bedecken. 

Ein Ring aus Fell (meist Lammfell oder Kunstfell) am oberen Rand der Hufglocke schützt die Haut der Fessel vor Scheuerstellen. Die meisten Hufglocken bestehen entweder aus Gummi oder Neopren. Beide Materialien sind gut geeignet und je nach Häufigkeit des Gebrauchs auch lange haltbar. Gummi kann bei manchen Pferden schneller scheuern als Neopren.

Aktualisiert: 30.11.2018 – Autor: Nicole Kreutzfeldt

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