Einstreu für Pferde – Wissenswertes über Späne, Stroh & Co.

Es gibt viele Arten von Pferdeeinstreu. Egal ob Stroh, Holzpellets, Späne oder Miscanthus: Die Einstreu muss die Bedürfnisse des Pferdes erfüllen.

Pferde in frischem Einstreu © istockphoto, acceptfoto

Die Einstreu spielt eine große Rolle in einem Pferdeleben. Die meisten Pferde werden in Boxenhaltung mit oder ohne Weidegang gehalten. Sie verbringen also den größten Teil ihres Lebens auf diesem Untergrund, welcher damit weit mehr als nur ein Bett ist. Welche Pferdeeinstreu die richtige für Ihr Pferd ist und was man außerdem über Späne, Holzpellets, Stroh und Co. wissen sollte, erfahren Sie hier.

Die passende Einstreu für jedes Pferd

Es ist besonders wichtig, dass sich die Pferdeeinstreu – sowohl in der Pferdebox als auch auf dem Pferdeanhänger – an die Bedürfnisse des Pferdes anpasst. Für Pferde, welche eine Stauballergie oder anderen Atemwegsprobleme haben, sollte die Einstreu daher möglichst staubfrei sein. Pferde mit Gelenkbeschwerden brauchen eine besonders gute "Stoßdämpfung".

Zudem sollte die Einstreu grundsätzlich Schadgase wie Ammoniak gut binden, sodass keine Gerüche entstehen, da diese Gase einen starken Reiz für die Atemwege darstellen. Trockene Einstreu ist besonders für die Hufe wichtig, da diese sonst Fäulnisprozessen ausgesetzt sind, was auf Dauer zu Strahlfäule oder auch zu Mauke führen kann.

Brauchen Pferde Einstreu?

Eines vorweg: Ohne Einstreu geht es nicht. Dass eine Pferdebox eingestreut werden muss, ist im Tierschutzgesetz festgelegt. Eine reine Haltung auf Gummimatten ist daher nicht gesetzeskonform und zudem alles andere als artgerecht.

Als Zwischenlage aber sind Gummimatten, wie sie extra für Pferdeställe erhältlich sind, eine sehr gute Ergänzung, da sie eine erhöhte Stoßdämpfung bieten und so den Aufenthalt in der Pferdebox deutlich angenehmer machen.

Pferde brauchen Einstreu, um sich wohlzufühlen. Ansonsten legen sie sich eventuell gar nicht mehr hin, was fatal ist, da sie nur im Liegen auch in tiefe Schlafphasen kommen können. 

Wenn die Box mit Stroh eingestreut ist, ist dieses zudem eine weitere Nahrungsquelle und bietet somit auch zusätzliche Beschäftigung. Hier muss jedoch auch aufgepasst werden, dass das Pferd nicht so viel Stroh frisst, dass es eine Verstopfungskolik entwickelt. Wenn die Pferde jedoch an Stroheinstreu gewöhnt sind, tritt dies nur selten auf.

Einstreu: Misten gehört dazu

Eine Einstreu ist grundsätzlich für jedes Pferd vorzunehmen, das in der Box gehalten wird. Welches Material für Ihr Pferd am besten geeignet ist, können sie im Folgenden lesen. 

Für alle Einstreumaterialien gilt gleichermaßen: Sie müssen regelmäßig gereinigt und erneuert werden. Wie gut die Einstreu ihren Zweck erfüllt, hängt maßgeblich davon, wie sauber sie gehalten wird, also wie oft gemistet wird. 

Bei jeder Form von Pferdeeinstreu sollten täglich die Pferdeäpfel entfernt werden. Zudem sollten mehrfach in der Woche die nassen Stellen entfernt werden, damit keine Fäulnisprozesse entstehen und vor allem die Hufe des Pferdes geschont werden.

Wie viel Einstreu ist nötig?

Generell gilt: lieber etwas mehr Einstreu als zu wenig. Wenn ein Pferd abends eingestreut wird, sollte es am nächsten Morgen nicht auf dem kahlen Boden stehen, weil es zu viel gefressen hat oder das Pferd die Einstreu an die Ränder geschoben hat. 

Wenn ein Pferd Probleme mit dem Bewegungsapparat (zum Beispiel Hufrehe) hat, sollte besonders darauf geachtet werden, dass die Einstreu ein angenehmes weiches Bett bildet. Dies kann zum Beispiel durch eine Matratzeneinstreu, also Einstreu, die in mehreren Schichten in der Box verbleibt, oder unterstützend durch Gummimatten unter der Einstreu gefördert werden.

Welche Einstreu für welches Pferd?

Die wohl am häufigsten eingesetzte Pferdeeinstreu ist die Stroheinstreu. Doch ob diese Einstreu immer die passende ist, ist stark umstritten. Folgende Arten von Einstreu für Pferde stehen zur Verfügung:

  1. Stroh
  2. Leinenstroh
  3. Hanf
  4. Späne
  5. Torf
  6. Sand
  7. Miscanthus
  8. Steinmehl

Im Folgenden stellen wir Ihnen die verschiedenen Einstreumöglichkeiten im Vergleich vor.

1. Stroheinstreu für Pferde

Stroh ist die wohl häufigste Einstreu für Pferde. Die Pferde können diese Einstreu fressen, sie saugt Flüssigkeiten wie Urin gut auf und ist eine trockene, gut polsternde Einstreu für Pferde.

Nachteilig ist jedoch die häufig schlechte Qualität, welche durch einen zu hohen Feuchtigkeitsgehalt bei der Ernte und der nachfolgenden Lagerung entsteht. Das Stroh ist dann oft stark von Pilzen und anderen Mikroorganismen befallen, was besonders für die Atemwege des Pferdes eine Belastung darstellt.

Stroh von schlechter Qualität erkennt man an einer gräulichen Farbe, es klebt häufig stark zusammen, lässt sich also schlechter einstreuen und es staubt in der Regel sehr stark.

Auch Stroh von guter Qualität weist jedoch häufig einen zu hohen Staubgehalt für Pferde mit Atemwegserkrankungen auf und ist damit als Einstreu für Allergiker, Pferde mit COB oder häufigem Husten eher ungeeignet. 

Ein weiterer Nachteil sind die großen Mengen, die von dieser Einstreu benötigt werden. Dies kann nicht nur aus Platzgründen von Nachteil sein, sondern auch mit höheren Kosten und Problemen bei der Beschaffung ausreichender Mengen hochwertigen Strohs verbunden sein. 

2. Leinenstroh: gut bei Gesundheitsproblemen

Leinenstroh beinhaltet zwar den Begriff Stroh, hat aber nur wenig mit herkömmlichem Stroh zu tun. Es wird aus der Pflanze Flachs (Leinen) gewonnen und ist als abgepackter Ballen im Handel erhältlich. 

Leinenstroh ist entstaubt, sodass es sich sehr gut für Pferde mit Atemwegsproblemen eignet. Zudem hat es eine hohe Saugfähigkeit und bindet Ammoniak sehr gut. Durch die trockene Oberfläche ist diese Einstreu auch für Pferde mit empfindlichen Hufen, zum Beispiel mit Neigung zu Strahlfäule, eine sehr gute Alternative. Wegen seiner hohen Stoßdämpfung bietet sich das Material zudem für Pferde mit Gelenksproblemen wie Spat an.

Aufgrund der Bitterstoffe fressen die Pferde die Einstreu jedoch in der Regel nicht.

3. Hanf als Einstreu für Pferde

Wenn man Hanf als Einstreu verwendet, dann häufig als sogenannte Matratze oder Matratzeneinstreu. Das bedeutet, dass man die Einstreu täglich von den Pferdeäpfeln befreit und zwei- bis dreimal die nassen Stellen entfernt. Dann wird mit neuer Einstreu übergestreut, sodass im Laufe der Zeit eine dicke Einstreumatte entsteht. Dies ist für Pferde mit Erkrankungen des Bewegungsapparates besonders schonend.

Hanf wird ähnlich wie Leinenstroh oder Späne in abgepackten Ballen verkauft, hat ebenfalls eine hohe Saugfähigkeit und wird mit Zugaben von Eukalyptus für das Pferd ungenießbar gemacht, sodass es die Einstreu nicht frisst. Dies ist nötig, da die Pferde von der Hanfeinstreu ansonsten Verdauungsprobleme bekommen.

4. Späne – schwer zu entsorgen

Späne bestehen aus in der Regel aus Holz. Hobelspäne sind wegen der starken Saugfähigkeit, der guten Bindung von Ammoniak und der Staubarmut eine gute Möglichkeit zur Einstreu von Pferden. 

Ein großes Problem ist es jedoch, die verwendete Einstreu wieder zu entsorgen. Die meisten Landwirte wollen Holzspäne nicht als Dünger auf ihr Feld ausbringen, da diese deutlich längere Abbauzeiten haben als andere Arten von Einstreu.

5. Torf: als Einstreu nicht empfehlenswert

Torf ist zwar für Pferde mit Allergien und COB eine gute Einstreu, da es für ein deutlich besseres Stallklima sorgen kann, dennoch sollte man sich besser nach einer Alternative für die Pferdeeinstreu umsehen. Da Torf aus Mooren gewonnen wird, sollte schon aus Umweltschutzgründen auf dieses Material verzichtet werden, damit die Moore als Heimat vieler oft bedrohter Tierarten geschützt werden. 

Zudem muss man beachten, dass bei Torf auch die Hufe erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden können, da sich hier leicht Fäulnisprozesse im Bereich des Strahls festsetzen können.

6. Sand als Liegefläche im Offenstall

Sand ist – je nachdem, welchen Sand man verwendet – zunächst eine gute Möglichkeit für eine Liegefläche von Pferden. Allerdings lässt sich Sand nur schwer reinigen und auch das "Nachstreuen" ist häufig ein Problem, da man ansonsten große Mengen Sand vorrätig haben und regelmäßig zu den jeweiligen Boxen transportieren muss. 

Sand bietet sich daher eher im Offenstall als Liegefläche an, zu der jedoch ein weiterer Bereich mit Überdachung und festem Untergrund sowie extra Einstreu angeboten werden sollte, damit man diesen Bereich im Notfall auch hygienisch reinigen kann. 

7. Miscanthus – gehäckseltes Elefantengras

Miscanthus wird auch Elefantenkraut genannt und wird als gehäckseltes Material angeboten. Es ist ebenfalls staubarm und lässt sich gut auf dem Kompost abbauen, ähnlich wie Leinenstroh. Es weist ebenfalls eine gute Saugfähigkeit auf und kann zudem umweltschonend angebaut werden.

Nachteilig an Miscanthus ist, dass es etwas teurer ist als Stroh, dennoch ist es in der Regel günstiger als Hobelspäne. 

8. Steinmehl bindet Ammoniakgeruch 

Steinmehl ist ein gutes Mittel, um den Boden trocken zu halten, Keime zu bekämpfen und den Ammoniakgeruch zu binden. Es wird daher gern verwendet, wenn bei einem Pferd häufig Atemwegsprobleme aufgrund des Ammoniaks entstehen. Es ist jedoch meist nicht als alleinige Einstreu geeignet, sodass es verschiedener Sorten Einstreu bedarf. 

Zudem sollte bei einem Problem mit Ammoniak im Stall die Ursache behoben werden, was meist durch häufigeres Misten und bessere Hygiene erreicht wird. 

Form der Einstreu

Eine weitere Unterscheidung der Einstreu lässt sich durch das Format vornehmen. Es gibt pelletierte Einstreu für Pferde, bei der das Ausgangsmaterial zerkleinert und dann in Pellettform gepresst wird, oder gehäckseltes Material in verschiedenen Größen. Zudem gibt es noch mehlartige Einstreumaterialien (Sägemehl).

Bei den Pellets als Pferdeeinstreu gibt es vielfältige Ausgangsmaterialien. Strohpellets und Holzpellets (gepresste Späne) sind wohl die am häufigsten eingesetzten Einstreu-Pellets für Pferde. Sie bieten dem Besitzer viele Vorteile. Sie sind saugstark, staubarm, leicht zu streuen und auch leicht auszumisten. 

In vielen Studien hat sich jedoch gezeigt, dass sich die Pferde lieber für andere Materialien zur Einstreu entscheiden, als zum Beispiel für Strohpellets, wenn sie die Wahl haben. Vermutlich empfinden sie die harte Struktur der Pellets als unangenehm.

Kaufentscheidung: Welche Einstreu für mein Pferd?

Welche Einstreu Sie letztlich kaufen, sollten Sie von den Bedürfnissen des Pferdes abhängig machen. Aber auch die Entsorgung ist häufig ein wichtiger Punkt bei dieser Entscheidung. Suchen Sie hierfür das Gespräch mit Ihrem Stallbetreiber. Es gibt jedoch genug Alternativen bei der Einstreu, sodass auch für Pferde mit besonderen Ansprüchen genügend Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Preise für hochwertige Einstreu sind von Produkt zu Produkt sehr unterschiedlich. Generell gilt jedoch, dass eine hochwertige Einstreu, auch wenn sie zunächst im Preisvergleich etwas teurer sein mag, über längere Zeit deutlich günstiger sein kann. Denn wenn die Einstreu sich gut an die Bedürfnisse des Pferdes anpasst, kann sie dazu beitragen, Krankheiten zu verhindern und so langfristig Kosten für den Tierarzt zu sparen.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Ann Christin Leitow

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