Das ABC des Hufbeschlags beim Pferd

Hufeisen, Hufschuhe oder Barhuf – den richtigen Hufbeschlag für ein Pferd zu finden, ist oft nicht einfach. Denn gesunde Hufe erfordern die passende Hufpflege.

Pferd wird beschlagen © istockphoto, noofoo

Was ist eigentlich ein Hufbeschlag? Wann braucht ein Pferd Hufeisen und welche sind die Richtigen? Diese und weitere Fragen stellen sich viele Pferdehalter. Doch oft fühlen sich Pferdebesitzer mit ihren Fragen alleingelassen, denn es kann schwierig sein, den passenden Hufschmied zu finden, der genug Zeit hat, sich vollständig auf die Bedürfnisse des Pferdes und seines Besitzers einzustellen. Alles in allem ist Hufbeschlag also ein heikles Thema, das für viele Pferde essenziell ist. Hier erfahren Sie, was Sie über Hufeisen & Co. wissen müssen.

Hufpflege des Pferdes

Gepflegte Hufe sind für die Gesundheit eines Pferdes unerlässlich. Doch welche Möglichkeiten zur Hufpflege gibt es überhaupt? Grundsätzlich gibt es bei Pferden zwei Arten der Hufpflege:

  • Tägliche Hufpflege durch den Tierbesitzer: säubern, trocknen, Aufbringen von Mitteln zur Behandlung von Hornproblemen, zum Beispiel Feuchtigkeitspflege für trockene Hufe oder Mittel gegen Strahlfäule
  • Professionelle Pflege des Hufs mit intensiver Bearbeitung des Horns zur Erhaltung einer gesunden Hornkapsel und eines gesunden Hufs durch Hufschmiede, Hufpfleger oder Huforthopäden

Tägliche Hufpflege

Zur täglichen Hufpflege beim Pferd gehören das Auskratzen und Ausbürsten, sowie das regelmäßige Aufbringen von Öl, Gels oder Huffett. Ist der Strahl durch Feuchtigkeit und Fäulnis angegriffen, sollte bei der täglichen Pflege des Pferdehufs regelmäßig mit jodhaltigen Mitteln gearbeitet werden.

Hufkorrektur durch Experten

Eine Hufkorrektur, also das Bearbeiten eines Hufs mit der Raspel oder das Aufbringen eines Beschlags oder eines anderen Hufschutzes, sollte nur durch einen Experten vorgenommen werden, also von einem guten Hufpfleger oder Hufschmied. 

Bei Balanceproblemen des Hufes, also beispielsweise stark unterschiedlichen Belastungen des Pferdehufs und damit des gesamten Pferdes, sind auch Huforthopäden ein guter Ansprechpartner.

Barhuf – für welches Pferd geeignet?

Die Aufgaben eines Hufschmieds gehen also weit über das Beschlagen von Pferden hinaus. Er kümmert sich auch um Pferde, die ohne Hufeisen auskommen – man bezeichnet dies auch als "barhuf" gehen. Wenn ein Pferd ein sogenannter Barhufer ist, bedeutet das, dass es keinerlei künstlichen Hufschutz trägt – also weder Eisen noch sonstige Formen des Hufschutzes. 

Ein Pferd, das Barhufer ist, kann im Normalfall fast genauso geritten werden wie ein beschlagenes Pferd. Allerdings muss mehr beachtet werden, auf welchem Untergrund das Pferd läuft und wie viel es geritten wird, da bei zu starker Belastung der Hufe ein Hufschutz notwendig wird.

Prinzipiell kann jedes Pferd barhuf, also gewissermaßen "barfuß", gehen. Probleme mit einem Pferd, welches Barhufer ist, gibt es in der Regel nur dann, wenn die Abnutzung des Horns zu stark ist, oder wenn nach längerem Tragen von Hufeisen wieder auf Barhufhaltung umgestellt werden soll, da die Pferde dann meist Schwierigkeiten damit haben, dass der vorher eingeschränkte Hufmechanismus wieder voll funktioniert.

Barhufpflege und Barhufbearbeitung

Pflege und Bearbeitung der Hufe eines Barhufers unterscheiden sich nicht sehr stark von einem Pferd, das Hufeisen oder Spezialbeschläge trägt.

Das Horn muss meist alle sechs bis acht Wochen durch einen Hufschmied oder Hufpfleger gekürzt werden und eventuell ausgebrochene Stellen werden beigearbeitet. Dabei werden abstehende Hornstücke entfernt und der Huf wird gleichmäßig mit einer Raspel gekürzt, sodass das Pferd gleichmäßig Last aufnehmen kann. 

Ein Barhuf wird wie der beschlagene Huf auch täglich gereinigt und gegebenenfalls mit Öl oder ähnlichem bestrichen, um den Huf gesund zu erhalten.

Hufschutz und Hufbeschlag – Notwendigkeit

Ein Hufschutz ist für Pferde generell dann ratsam, wenn der Abrieb des Hornschuhs stärker ist, als sich das Horn nachbilden kann.

Welcher Hufschutz dabei der Richtige ist, hängt von dem jeweiligen Pferd und dessen Haltungsbedingungen ab. Ein Rennpferd braucht beispielsweise leichte Eisen, die einen guten Halt gewährleisten. Ein Pferd mit empfindlicher Sohle oder ein insgesamt sehr fühliges (sensibles) Pferd braucht eventuell einen Kunststoffbeschlag oder Hufschuhe, die bei Bedarf über den Huf geschnallt werden können. 

Das macht der Hufschmied

Egal ob Barhuf oder Beschlag – da ein Pferdehuf kontinuierlich nachwächst, muss der Huf je nach Wachstumsgeschwindigkeit regelmäßig durch einen Hufschmied gekürzt werden. Der Zeitraum zwischen zwei Hufbearbeitungen beträgt dabei meist sechs bis acht Wochen.

Je nach Zustand der Hufe ist ein solcher Termin beim Hufschmied mit verschiedenen Maßnahmen verbunden:

  • Beurteilung des Pferdes zur Auswahl des geeigneten Hufschutzes
  • Abnehmen der alten Eisen
  • Zubereiten der Hufe (Kürzen des Horns oder orthopädische Bearbeitung der Hufe)
  • Anfertigung und Aufbringen des Hufbeschlags

Beurteilung des Pferdes

Um einem Pferd den richtigen Hufschutz geben zu können, muss zunächst geschaut werden, wie sich das Pferd bewegt, wie die Beine stehen und aufgesetzt werden und welche besonderen Bedürfnisse das Pferd für seine Balance hat. Die Beurteilung des Pferdes findet im Schritt und Trab statt. Das Pferd sollte dem Hufschmied zunächst auf einer geraden harten Strecke vorgeführt werden. Wenn klar ist, in welcher Weise der Huf bearbeitet werden soll, kann dies vorgenommen werden. 

Anschließend muss eine Erfolgskontrolle erfolgen, das Pferd muss also erneut vorgeführt werden. Wenn dann noch etwas auffällt, muss der Hufschmied noch einmal nachbessern. Danach sollte das Pferd erneut vorgezeigt werden, um seinen Gang zu kontrollieren. 

Abnehmen der alten Hufeisen

Das Abnehmen der alten Hufeisen sollte bei einem Pferd immer behutsam erfolgen, um eine zu diesem Zeitpunkt in der Regel vermehrt belastete Tragwand des Hufs nicht zu beschädigen. Dazu werden die Nägel entweder aufgebogen (aufgenietet), oder mit der sogenannten Papageienschnabelzange einzeln gezogen, bevor das komplette Eisen entfernt wird.

Zubereiten der Hufe

Das Zubereiten der Hufe richtet sich nach der Vorgeschichte des Pferdes. Bei gesunden Pferden wird meist nur der gesamte Huf gekürzt und das Eisen – je nach Abnutzung – anschließend wieder aufgebracht. 

Hat das Pferd jedoch ein orthopädisches Problem, muss unter Umständen viel an der Hornkapsel verändert werden, sodass entweder viel Horn entfernt wird oder auch durch Kunststoffmodelage bestimmte Teile des Hufs verstärkt werden müssen.

Hufbeschlag beim Pferd

Hufbeschlag besteht bei Pferden in den meisten Fällen aus einem Eisen, dass auf den Huf aufgenagelt wird. Dabei wird jedes Eisen zunächst individuell an den Huf des Pferdes und an seine speziellen Bedürfnisse angepasst.

Hierbei stehen sehr viele Möglichkeiten zur Verfügung, das Eisen zu bearbeiten. Man kann die Form verändern, indem man das Eisen zum Beispiel zur Entlastung der Beugesehnen hinten schließt (mit einem Steg oder als Eiereisen). Zudem können die Schenkel des Eisens verbreitert werden oder man unterlegt das Hufeisen mit Polstern, um bestimmte Teile des Hufes zu entlasten. Außerdem gibt es verschiedene Arten des Hufbeschlags.

Heiß- oder Kaltbeschlag der Pferdehufe

Ob ein Pferd heiß oder kalt beschlagen wird, ist eine Frage des notwendigen Aufwands, um das Eisen anzupassen, sowie der Hornsubstanz. Wenn am Hufeisen große Änderungen vorgenommen werden müssen, ist es besser, dieses zu erhitzen, da es dann besser zu bearbeiten ist. 

Braucht man an der Grundform des Eisens nicht viel zu verändern oder ist das Pferd beispielsweise sehr empfindlich beim Anlegen des heißen Eisens (aufbrennen), kann dieses auch kalt angepasst werden.

Korrekturbeschläge bei Veränderungen der Hufform

Korrekturbeschläge sind zum Beispiel Beschläge zur Behandlung eines sogenannten Bockhufs beim Pferd. Hierbei sind der Huf und auch das Hufbein sehr steil gestellt, sodass das Pferd nicht mehr richtig laufen kann. 

Der entsprechende Korrekturbeschlag wird meist im Fohlenalter angewendet und besteht dann meist nicht aus einem Eisenbeschlag, sondern einem Klebeschuh. Dieser verlängert die tiefe Beugesehne behutsam, indem die Zehe verlängert wird und die Trachten gekürzt werden.

Orthopädische Beschläge bei Erkrankungen des Bewegungsapparates

Orthopädische Beschläge für Pferde sind Beschläge, die zur Behandlung von Erkrankungen angebracht werden. Hier sind als Beispiele der bei Arthrose angewandte Spatbeschlag oder der Rehebeschlag zu nennen, bei dem das Eisen andersrum angelegt und mit Polstern unterlegt wird, um die Zehe zu entlasten und eine weitere Rotation des Hufbeins zu vermeiden.

Kosten verschiedener Hufbeschläge 

Natürlich ist die Bearbeitung eines Barhufs durch den Hufschmied oder Hufpfleger günstiger als bei einem beschlagenen Pferdehuf, da beim Barhuf deutlich weniger Aufwand und meist keine Materialkosten entstehen. 

Aber auch bei einem Beschlag können Aufwand und Materialkosten ganz erheblich schwanken: Ein "einfacher" Eisenbeschlag ohne sehr aufwändiges Anpassen der Eisen ist schneller gemacht, als ein Spezialbeschlag mit verlängerten Schenkeln, eingebautem Polster oder mit angeschweißten Keilen zur Trachtenerhöhung.

Zudem ist ein handelsübliches Eisen deutlich günstiger im Preis als ein Beschlag aus besonderem Material wie Aluminium oder Kunststoff. Hinzu kommt noch, dass die Haltbarkeit solcher Hufbeschläge deutlich kürzer ist als die von normalen Hufeisen.

Dennoch dürfen die Kosten nicht im Vordergrund stehen, wenn es darum geht, ein orthopädisches Problem zu lösen oder das Pferd in einer Rekonvaleszenzphase, also sozusagen als Rehamaßnahme bei der Heilung einer Huferkrankung, zu unterstützen. Häufig kann mit Hufschmied und Tierarzt ein sinnvoller Kompromiss gefunden werden. 

Auswahl des geeigneten Experten

Insgesamt ist der Hufbeschlag eine komplexe Angelegenheit, mit der bei richtiger Anwendung viel für das Pferd und dessen Gesundheit getan werden kann. Entsprechend kann man jedoch mit einem falschen Beschlag genauso viel Schaden anrichten, sodass hier immer ein Fachmann am Werk sein sollte.

Bei der Auswahl eines geeigneten Experten ist es daher ratsam, zunächst genaue Erkundigungen einzuholen. Der Beruf des Hufpflegers ist nicht gesetzlich geschützt. Daher sollte man hier besonders vorsichtig sein, wen man an die Hufe seines Pferdes lässt. Für den Beruf des Hufschmieds ist eine festgelegte Form der Ausbildung im Hufbeschlaggesetz vorgeschrieben. Dennoch sollte man auch bei der Auswahl eines Hufschmieds darauf achten, den passenden Hufschmied für sein Pferd zu finden.

Aktualisiert: 17.10.2018 – Autor: Ann Christin Leitow

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