Koppen beim Pferd – was tun?

Koppen ist eine Verhaltensstörung, mit denen Pferde Stress abbauen. Um einem Kopper zu helfen, sollte man die Ursachen seines Verhaltens erkennen und beheben.

Pferd koppt © Silke Hamann

Das Koppen gehört zu den bekanntesten Verhaltensstörungen bei Pferden. Für die Pferde ist Koppen eine Möglichkeit, Stress abzubauen, wodurch auch gleich die Ursache für diese Verhaltensstörung klar wird: Stress. Hier erklären wir, was hinter Begriffen wie Aufsetzkoppen und Freikoppen steckt, welche gesundheitlichen Folgen Koppen haben kann und was hilft, wenn ein Pferd koppt.

Was ist Koppen überhaupt?

Koppen ist keine Pferdekrankheit, sondern eine Verhaltensstörung, bei der das Pferd Luft in die Speiseröhre einsaugt und wieder ausstößt. Wenn das Pferd koppt, spannt es die untere Halsmuskulatur an. Dadurch kommt es zur Öffnung des Kehlkopfes, wodurch Luft in die Speiseröhre einströmt. 

Jedoch wird die Luft nicht geschluckt, sodass sie, bis auf einen sehr geringen Anteil, nicht in den Magen gelangt. Der größte Anteil der Luft wird wieder aus der Speiseröhre herausgepresst, wobei meist ein rülpsendes Geräusch entsteht (Kopp-Ton).

Man unterscheidet beim Koppen zwei Formen:

  1. Aufsetzkoppen
  2. Freikoppen

Aufsetzkoppen – was bedeutet das?

Beim Aufsetzkoppen setzt das Pferd die Schneidezähne auf einen festen Gegenstand wie die Boxentür, den Krippen- oder Tränkerand oder das eigene Vorderbein auf und koppt dann.

In der Folge sind meist deutliche Veränderungen der Schneidezähne zu sehen, da diese beim Aufsetzen deutlich mehr belastet werden und so einer stärkeren Abnutzung unterliegen (Koppergebiss).

Freikoppen: Definition

Bei dem deutlich selteneren Freikoppen muss das Pferd den Kopf nicht aufsetzen. Nickbewegungen des Kopfes sind hierbei aber charakteristisch, da das Pferd diese aufgrund der angespannten Halsmuskulatur ausführt.

Freikoppen kommt meist nur bei Pferden vor, die schon sehr lange durch das Koppen Stress abbauen. Einige Pferde beherrschen sowohl Freikoppen als auch Aufsetzkoppen.

Welche Pferde sind von Koppen betroffen?

Da das Koppen eine Verhaltensstörung mit dem Sinn des Stressabbaus ist, sind stressanfällige Pferde auch häufiger betroffen. Pferde, die sich schnell aufregen, neigen oft stärker zum Koppen. Meist sind dies: 

  • junge Pferde 
  • "hoch im Blut" stehende, also beispielsweise aufgrund der Züchtung sehr unausgeglichene (Vollblut-)Pferde
  • Sportpferde, die aufgrund der Haltungsbedingungen und Fütterung sehr nervös sind

Zudem gibt es den Verdacht, dass die Pferde bei einigen Vollblut-Zuchtlinien häufiger betroffen sind, sodass hier eine erbliche Komponente diskutiert wird.

Ursachen für koppende Pferde

Die häufigste Ursache für das Koppen sind eine nicht-pferdegerechte Haltung sowie Fütterungs- und Nutzungsfehler, zum Beispiel zu wenig Raufutter und damit zu wenig Beschäftigung oder ganztägige Boxenhaltung ohne freibeweglichen Auslauf.

Die Auswirkungen von Fütterungsfehlern werden zusätzlich deutlich, wenn man sich den Magen des Pferdes anschaut. Gerade bei Pferden, die viel Leistung erbringen sollen, wird viel schnellverdauliche Energie (Kohlenhydrate) an das Pferd verfüttert. Diese sorgt jedoch für ein deutlich saureres Milieu im Magen-Darm-Trakt, als es beim Pferd üblich ist.

Durch die Übersäuerung wird die Magenschleimhaut geschädigt und das Pferd entwickelt Magengeschwüre. Diese sind sehr schmerzhaft und führen dadurch zu Stress, den das Pferd mit einer Verhaltensstörung wie Koppen zu kompensieren versucht.

Folgen des Koppens

Eine Folge des Koppens ist zum einen das bereits erwähnte Koppergebiss. Bei den betroffenen Pferden können sich die gesamten Schneidezähne im Oberkiefer so stark abnutzen oder die Schneidezähne so sehr beschädigt sein, dass sie gezogen werden müssen.

Zum anderen begegnet den Besitzern koppender Pferde oft Unverständnis dafür, dass ein koppendes Pferd zu einer Gruppe nicht koppender Pferde dazugestellt wird. Es besteht oft die veraltete Meinung, dass sich andere Pferde das Koppen abgucken können. Dies bringt den meisten Koppern entweder einen Platz abseits der anderen Pferde ein, oder sie dürfen gar nicht erst neu eingestallt werden.

Koppen ist nicht ansteckend

Auch wenn es öfter Situationen gibt, in denen man glaubt, das Pferd hätte sich etwas abgeschaut, ist es bis jetzt nicht bewiesen, dass Pferde überhaupt durch Nachahmen lernen können.

Es besteht also keine Gefahr für andere Pferde, am Koppen zu "erkranken". Diese Meinung ist nicht nur unbegründet, sondern sogar schädlich: Durch die Absonderung empfindet das koppende Pferd Stress und beginnt sofort wieder zu koppen.

Da das Koppen aber keine eigentliche Krankheit, sondern eine Verhaltensstörung ist, ist es auch nicht ansteckend für andere Pferde.

Koppen als Ursache von Kolik?

Auch die weit verbreitete Annahme, dass Pferde, die koppen öfter an Koliken leiden, weil sie die Luft in den Magen herunterschlucken, ist so nicht ganz richtig. 

Koppende Pferde bekommen zwar statistisch gesehen öfter eine Kolik, aber nicht aufgrund der eingesogenen Luft, sondern aufgrund des erhöhten Stresslevels, dem sie sich ausgesetzt sehen.

Therapie bei Koppern

Einem Pferd das Koppen abzugewöhnen, ist eigentlich nicht möglich. Strafen oder Schimpfen sind in dieser Situation völlig fehl am Platz.

Auch das Ruhigstellen des Pferdes mit Medikamenten oder der Versuch, das Pferd mit Schüßler-Salzen®, Homöopathie oder Bachblüten entspannter zu machen, ist kein sinnvoller Ansatz, da das Pferd nach einiger Zeit nicht mehr nur in unangenehmen Stresssituationen koppt.

Im Gegenteil: Die Pferde empfinden das Koppen als sehr angenehm, da hierbei Endorphine freigesetzt werden, die beim Stressabbau helfen. Fast wie bei einer Sucht koppt das Pferd deshalb auch, wenn von außen betrachtet gar kein Grund dazu besteht.

Kopperriemen und OP als Mittel gegen Koppen 

Manchmal werden mechanische Hilfsmittel wie der Kopperriemen empfohlen, um das Koppen zu unterdrücken. Dabei wird dem Pferd eine Art Halsband aus Leder und Metall direkt vor den Kehlkopf geschnallt, sodass das Pferd Schmerzen empfindet, wenn es die Unterhalsmuskulatur anspannt. 

Dies ist tierschutzrechtlich sehr bedenklich, da dem Pferd Schmerzen und Leiden zugefügt werden, obwohl das Pferd selbst, abgesehen vom Koppergebiss, keine direkten Probleme durch das Koppen hat. Von solchen Riemen ist deutlich abzuraten, da sie nicht nur Druckstellen verursachen und das Pferd in seiner natürlichen Bewegung einschränken, sondern das Pferd im schlimmsten Fall sogar erdrosseln können. Zudem halten sie ein Pferd nur vom Koppen ab, solange es den Kopperriemen trägt.

Bei der sogenannten Kopper-Operation werden die Halsmuskeln, die am Koppvorgang beteiligt sind, durchtrennt, sodass es dem Pferd nicht mehr möglich ist, sie anzuspannen und damit zu koppen. Dies sollte nur im äußersten Notfall durchgeführt werden und zwar wenn das Pferd durch die sehr stark entwickelte Halsmuskulatur andere zusätzliche Probleme bekommt. 

Sowohl Kopperriemen als auch Kopper-OPs sind bis auf die zuvor genannte Ausnahme nicht sinnvoll, da dem Pferd so die Möglichkeit genommen wird, Stress abzubauen, der Stress sich hingegen nicht von alleine reduziert. 

Was tun, wenn das Pferd koppt?

Die einzige wirklich sinnvolle Behandlung des Koppens ist es, die Stressursachen zu bekämpfen. Es müssen also die Haltung, Fütterung und Nutzung des Pferdes verbessert werden, damit das Pferd keinen Grund mehr sieht, zu koppen.

Besitzer sollten sich aber darauf einstellen, dass ein Pferd, welches schon länger koppt, wohl auch mit guter Haltung und trotz erfolgreich reduzierten äußeren Stressfaktoren nicht gänzlich aufhören wird, zu koppen. Schon nach kurzer Zeit finden Umbauprozesse im Pferdehirn statt, sodass das Pferd sein Leben lang weiter koppen wird.

Dennoch ist es wichtig, die Stressursachen abzustellen, denn ein Pferd, das nur noch "aus Gewohnheit" koppt, ist immer noch viel besser, als ein Pferd, dass tatsächlich immer noch einen Grund zum Koppen hat.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Ann Christin Leitow

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