Muskelaufbau beim Pferd – Tipps für mehr Muskeln

Muskelaufbau beim Pferd erfordert gezieltes Training, das zunächst mit Bodenarbeit beginnt. Auch Fütterung und Haltung können helfen, die Muskulatur zu unterstützen.

Pferde im Muskelaufbau in Bewegung © rihaij

Die Muskulatur macht beim Pferd circa 40 Prozent des gesamten Körpergewichts aus, der größte Teil davon entfällt auf die Hinterhand. Die Muskelmasse wird jedoch ständig durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst. Training, Fütterung, Krankheiten und die Haltung haben einen wichtigen Einfluss auf die Muskeln eines Pferdes.

Der Muskelaufbau ist für viele Reiter ein wichtiges Thema, da es oft langwierig und schwierig ist, die Muskulatur eines Pferdes zum Beispiel nach längerer Trainingspause wiederaufzubauen. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, den Muskelaufbau eines Pferdes zu unterstützen, wenn man versteht, wie die Muskeln funktionieren und was sie benötigen, um bestmöglich zu arbeiten.

Ursachen für verminderte Muskulatur bei Pferden

Die häufigsten Ursachen für Muskelabbau bei Pferden sind: 

  • zunehmendes Alter 
  • lange Pausen, meist verletzungsbedingt 
  • falsches Training 
  • falsche Ausrüstung 
  • bewegungsarme Haltung 
  • Stoffwechselstörungen

Diese Faktoren sind nicht nur mögliche Ursachen für verminderte Muskulatur, sondern sollten auch beim Muskelaufbau berücksichtigt werden.

Einfluss des Alters auf die Muskulatur

Das Alter eines Pferdes ist für die Möglichkeit des Muskelaufbaus ein wichtiger Faktor. Bei alten Pferden ist die Stoffwechsellage eher katabol (also muskelabbauend) und beim jungen Pferd eher anabol (also muskelaufbauend). Dies liegt am Proteinstoffwechsel, welcher beim jungen Pferd ausgeprägter ist als beim alten Pferd. 

Ein Muskelabbau wird bei Pferden mit steigendem Alter also immer wahrscheinlicher, während der Muskelaufbau zunehmend schwerfällt.

Muskelaufbau nach Trainingspausen

Verletzungsbedingte Pausen lassen sich bei Pferden leider nicht vermeiden und sollten auch voll eingehalten werden. Ein schneller Muskelaufbau im Anschluss wird von vielen Besitzern zwar gewünscht, ist jedoch immer mit Vorsicht zu betrachten.

Muskelaufbau ist für den Körper ein aufwendiger und komplexer Prozess. Es erfordert regelmäßige Arbeit der gewünschten Muskulatur, damit diese als Reaktion auf die Beanspruchung stärker wird. 

Der Muskelaufbau ist also nur durch kontinuierliches und gezieltes Training über längere Dauer möglich und kann mithilfe einer optimalen Nährstoffversorgung unterstützt werden. Wer nicht kontinuierlich trainiert und dies durch starke Belastung auszugleichen versucht, der überlastet die Muskeln und schadet ihnen so.

Falsches Training eines Pferdes

Welche Richtung des Reitsports ausgeübt wird, ist für den Muskelaufbau eines Pferdes generell zunächst nicht entscheidend. Es ist jedoch unbedingt darauf zu achten, dass das Pferd gleichmäßig gearbeitet wird, also immer beide Seiten die Übungen machen und das Training langsam gesteigert wird.

Auch der Reiter ist ein wichtiger Aspekt im Muskelaufbau. Da man zunächst mit Bodenarbeit beginnen sollte, fällt dies am Anfang noch nicht so auf. Doch wenn es ans Reiten geht, kann der Mensch erheblich zu einer Fehlbelastung des Pferdes beitragen. Ein schiefer, unausbalancierter Reiter oder jemand mit ungeübtem Sitz sollte zunächst an sich selbst arbeiten, damit die reiterliche Belastung kein Gegensteuern des Pferdes nötig macht.

Zusammenspiel von Ausrüstung und Muskulatur

Wichtig ist zudem, dass die Ausrüstung dem Pferd auch passt. Ein zu enger Sattel beeinträchtigt die Rückenmuskulatur stark und es kommt zu einer Atrophie (Muskelabbau) aufgrund des zu hohen Druckes. Liegt der Sattel oben zu flach auf (zu kleine Sattelkammer), haben die Dornfortsätze der Wirbel zu wenig Platz. Die Folge ist eine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule und damit wieder eine Beeinträchtigung der Rückenmuskulatur. 

Diese Problemliste könnte man noch sehr viel weiterführen. Klar wird jedoch bereits, dass ein guter Sattel und auch die restliche Ausrüstung immens wichtig sind, um ein gut trainiertes Pferd zu haben. 

Hinzu kommt, dass die verschiedenen Bereiche der Muskulatur in engem Zusammenhang stehen: Die Rückenmuskulatur ist beispielsweise wichtig zur Überleitung der Energie aus der Hinterhand (Hinterbeine), da diese den Schub für die Vorwärtsbewegung des Pferdes produziert. Umgekehrt braucht man demnach auch eine gut bemuskelte Hinterhand, um einen guten Vorwärtsschub zu gewährleisten.

Durch die richtige Haltung Muskulatur aufbauen

Ein Pferd, das den größten Teil des Tages nur in einer Box steht, leidet unter Bewegungsarmut. Ein Pferd, welches jedoch regelmäßig auf der Weide laufen kann oder im Offenstall lebt, bewegt sich von Natur aus deutlich mehr, was sowohl für die Beweglichkeit in den Gelenken als auch für die Geschmeidigkeit und Durchblutung der Muskulatur von Vorteil ist.

Stoffwechselstörungen als Ursache für Muskelabbau

Gerade beim alten Pferd sind Stoffwechselstörungen ein häufiges Problem. PPID (Pituitary Pars Intermedia Disease, oft auch als Cushing bezeichnet) ist beim alten Pferd wohl die häufigste Störung des Stoffwechsels. Bei übergewichtigen Ponys ist das Equine metabolische Syndrom (EMS) ein häufiges Problem. 

Beide Stoffwechselstörungen bringen das Gleichgewicht der Wirkung bestimmter körpereigener Botenstoffe durcheinander, sodass sich die Muskulatur oft zurückbildet. Hier ist es zusätzlich wichtig, nicht nur Training und Fütterung des betroffenen Pferdes zu optimieren, sondern auch auf die Krankheit selbst einzugehen und diese, wenn nötig, medikamentös zu behandeln.

Muskelaufbau beim Pferd: nicht ohne Trainingsplan

Aus welchen Gründen auch immer der Muskelaufbau bei einem Pferd nötig ist: Nichts geht ohne Training. Damit man das Pferd gerade zu Beginn nicht überfordert und man den Überblick während des Trainings nicht verliert, empfiehlt es sich, einen Trainingsplan aufzustellen. 

Um Muskulatur aufzubauen, ist regelmäßiges Training die wichtigste Maßnahme. Bodenarbeit ist hier zu Beginn sehr von Vorteil, da kein reiterliches Gewicht auf dem Rücken des Pferdes lastet und keinerlei Einschränkungen der Wirbelsäule durch den Sattel bestehen.

Vor dem Training aufwärmen

Wichtig für die Stärkung der Muskulatur sind eine ordentliche Aufwärmphase und eine ausgiebige Lockerung im Schritt (gerade in der kalten Jahreszeit), damit es nicht zu Überbelastungen kommt. Mögliche Folgen einer solchen Überbelastung sind: 

  • Muskelzittern
  • Symptome von Muskelkater, wie zum Beispiel Muskelzittern, ein steifer Gang und Schmerzhaftigkeit beim Betasten der verhärteten Muskulatur
  • Muskelverspannungen
  • Verletzungen der Muskeln wie beispielsweise Muskelfaserrisse

Muskelaufbau ohne Reiten

Muskulatur kann bei Pferden mit und ohne Reiter aufgebaut werden. Die Bodenarbeit ohne Reiter sollte jedoch immer an erster Stelle kommen, da ein Pferd bereits relativ viel Muskulatur und Beweglichkeit benötigt, um das Reitergewicht in den Übungen und Lektionen richtig ausbalancieren zu können. 

Bodenarbeit mit dem Pferd

Bei der Bodenarbeit steht vor allem das Longieren, also die Arbeit an der Longe und Doppellonge, mit und ohne Stangen im Vordergrund. Hierbei sollte man darauf achten, beide Seiten gleich viel zu arbeiten, sodass das Pferd gleichmäßig belastet wird. 

Stangen sind für das Muskeltraining sehr hilfreich, da das Pferd hierbei die Beine etwas höher nehmen muss. Im Wechsel mit normalen Schritten sorgt dies für eine erhöhte Beanspruchung der Rückenmuskulatur. Dabei lassen sich viele verschieden Rückenübungen ausprobieren, zum Beispiel kann man die Stangen oder Cavalettis in unterschiedlichen Kombinationen anordnen und auch unterschiedlich viele verwenden. 

Auch die Arbeit auf dem Laufband ist eine Möglichkeit, damit ein Pferd Muskeln aufbaut. Dies ist jedoch vor allem ein Konditionstraining und sollte daher mit anderen Übungen kombiniert werden.

Durch Reiten Muskeln aufbauen

Muskulatur kann aber auch gut mit dem Reiter aufgebaut werden, allerdings erst dann, wenn schon ein gewisser Grundlevel an Muskulatur vorhanden ist, sonst riskiert man eine Überbeanspruchung. 

Besonders gut wird dies deutlich, wenn man sich ein junges Pferd ansieht. Dieses hat zu Beginn seines Trainings noch viel zu wenig Muskulatur, um die neuen Belastungen durch den Sattel und Reiter auszubalancieren, sodass hier eine gute Bodenarbeit essenziell für den richtigen Start der Arbeit unter dem Reiter ist.

Hügel helfen der Hinterhand und dem Rücken

Wer das Glück hat und mit seinem Pferd bergauf und bergab reiten oder gehen kann, der sollte dies ruhig tun. Es ist eine gute Übung zur Balance und stärkt vor allem Hinterhand und Rücken. 

Ansonsten ist es relativ schwierig, begrenzte Partien, wie etwa den Hals, gezielt zu trainieren. Natürlich gibt es auch hierfür spezielle Übungen, die jedoch für den Freizeitreiter in der Regel nicht so leicht umzusetzen sind. Wenn man sein Pferd jedoch am Zügel reiten kann und es dabei kaut, kann man sich in der Regel sicher sein, dass es zufrieden ist und auch die Muskulatur am Hals und im Nackenbereich des Pferdes gut beansprucht wird.

Unterstützung durch Nährstoffe

Die Fütterung ist immer, wenn es um die Leistung eines Pferdes geht, ein essenzieller Faktor. Muskeln sind in ihrem Stoffwechsel vor allem von Proteinen abhängig. Sie benötigen viel Energie und beinhalten viele Aminosäuren (Bausteine für Proteine), wobei sie auch als Speicher für andere Gewebe dienen.

Es ist daher wichtig, dass ein Pferd, welches Muskeln aufbauen soll, immer genug Proteine und Energie erhält, um den dafür nötigen Stoffwechsel auch betreiben zu können. Außerdem sind Antioxidantien sehr wichtig, da sie dafür sorgen, dass der Muskel bei der Arbeit nicht zu stark übersäuert und die Muskelzellen geschädigt werden. 

Es gibt spezielles Pferdefutter für Pferde, die stark gearbeitet werden. Dieses enthält mehr Protein und energiereiche Bestandteile, wie Sojaschrot oder Reiskleie. Wenn man möchte, kann man dem Pferd auch noch mit Zusatzfuttermitteln eine Unterstützung anbieten. 

Das Hauptfutter für Pferde ist dabei in verschiedenen Formulierungen erhältlich. Dies bedeutet, dass es das Futter als Müsli oder Pelletfutter gibt. Bei den Ergänzungsfuttern gibt es zum einen Öle mit unterschiedlichen Fettsäuremustern, wobei sich für die Muskelunterstützung Reiskeimöl empfiehlt. Zum anderen gibt es Pulver, die bestimmte Nährstoffe, wie Mineralien, Aminosäuren und Vitamine enthalten. So kann man durch die entsprechende Fütterung den Muskelaufbau eines Pferdes unterstützen.

Aktualisiert: 20.07.2018 – Autor: Ann Christin Leitow

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