Den Sattel richtig anpassen – so geht's!

Reiterin überprüft Sitz des Sattels beim Pferd © istockphoto, jarih

Der Sattel stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen Reiter und Pferd dar. Damit feine Gewichtshilfen beim Reiten an das Pferd weitergeleitet werden können, darf der Sattel nicht drücken, schief sitzen oder dem Pferd anderweitig unangenehm sein. Nur ein richtig angepasster Sattel macht entspanntes und für das Pferd schmerzfreies Reiten möglich. 

Der Körperbau des Pferdes – vor allem sein Widerrist, die Schulter, die Sattellage und die Rückenlinie – gibt die optimale Form eines gut passenden Sattels vor. Die Lage des Sattels sollte nicht nur beim ersten Anpassen, sondern auch in regelmäßigen Abständen immer wieder kontrolliert werden. Erfahren Sie hier, worauf Sie bei der Auswahl des passenden Sattels für Ihr Pferd achten sollten und wie Sie die richtige Lage des Sattels auf dem Pferderücken beurteilen.

Die richtige Lage des Sattels

Der Sattel kommt auf dem Pferderücken im Bereich der Sattellage zwischen dem Widerrist des Pferdes und der Lendenpartie zu liegen. Ob ein Sattel dem Pferd passt, wird am Sitz des Sattels beurteilt. Dazu wird der Sattel am stehenden Pferd, auf dem Pferd in Bewegung und möglichst auch einmal mit Reiter angeschaut. Nur so ist zu erkennen, ob der Sattel beispielsweise auf dem Widerrist aufliegt, an der Schulter drückt oder rutscht. 

Die richtige Lage des Sattels sollte am besten durch einen Fachmann wie einen Sattler kontrolliert werden. Einige Tipps helfen, bereits vor einer professionellen Beurteilung des Sattels eventuelle Probleme zu erkennen. Wichtige Kriterien sind dabei:

  • die Lage am Widerrist
  • die Form der Sitzkissen
  • die Lage an der Schulter
  • die Länge des Sattels

Ein zu enger Sattel drückt am Widerrist

Ein passender Sattel sollte nicht auf dem Widerrist aufliegen, sonst ist der Sattel zu eng. Wenn der Sattel weit genug ist, kann zwischen das Kopfeisen und den Widerrist auch mit einem Reiter im Sattel problemlos eine flache Hand geschoben werden. Ein zu enges oder zu schmales Kopfeisen verursacht Satteldruck oder Scheuerstellen am Widerrist. 

Besonders Pferde mit einem hohen Widerrist brauchen oft einen Sattel mit hohen Sitzkissen und einem hohen Kopfeisen, damit der Sattel nicht am Widerrist drückt.

Bei Pferden "ohne Widerrist" ist natürlich ein Widerrist vorhanden, dieser ist jedoch nur schwach ausgeprägt. Dadurch wird die Sattellage nach vorne nur schlecht begrenzt und der Sattel rutscht leichter nach vorne und drückt dann auf die Schulter. Hier hilft oft nur rechtzeitiges, festes Nachgurten oder ein Schweifriemen, der den Sattel hinten hält.

Die Sitzkissen des Sattels gleichmäßig polstern

Die Sitzkissen sollten gleichmäßig aber nicht zu dick gepolstert, glatt und nicht zu hart sein. Bei der Betrachtung des auf dem Pferd liegenden Sattels von hinten kann der Abstand zwischen den beiden Sitzkissen beurteilt werden. 

Die Sitzkissen sollten der Wirbelsäule des Pferdes genügend Raum lassen und nicht zu eng sein. Auch mit einem Reiter im Sattel sollte mindestens eine Handbreit Luft zwischen Sattel und Wirbelsäule liegen.

Die Schulter des Pferdes frei lassen

Der Sattel darf nicht zu weit vorne zu liegen kommen, da er sonst auf die Schulter des Pferdes drückt. Am bestens liegt der vordere Rand des Sattelblattes bei einem Dressursattel knapp hinter der Pferdeschulter. Bei Sätteln, deren Sattelblatt weit nach vorne gewölbt ist, sollte gut eine Hand zwischen das vordere Sattelblatt und die Schulter des Pferdes passen. 

Die richtige Lage des Sattels kann auch durch den Sattelgurt beurteilt werden. Bei einem passenden, gut liegenden Sattel verläuft der Sattelgurt etwa eine Handbreit hinter dem Ellbogen des Pferdes. 

Ein zu langer Sattel drückt im Rücken

Die Länge des Sattels ist besonders bei Pferden mit einem sehr kurzen Rücken zu berücksichtigen. Ist der Sattel zu lang, drückt er bei Pferden leicht auf die Lenden und führt mitunter zu Rückenschmerzen, abgescheuertem Fell und Satteldruck. 

In diesem Fall sollte ein kürzerer Sattel gewählt werden. Besonders Pferde mit kurzem Rücken benötigen kurze Sättel. Dabei ist jedoch darauf zu achten, eine genügend große Sitzfläche für den Reiter beizubehalten. In einer zu kleinen Sitzfläche kann der Reiter nicht entspannt und locker sitzen. Er verkrampft sich, stört das Pferd dadurch im Rücken und löst so wiederum Probleme aus.

Den Sattel richtig anpassen

Selten passt ein standardisierter Sattel aus dem Reitsportgeschäft sofort und ohne weitere Bearbeitung auf das Pferd. Meist muss der Sattel noch um- oder aufgepolstert oder das Kopfeisen geweitet werden. 

Diese Veränderungen nimmt der Sattler vor. Er begutachtet den Sattel auf dem stehenden Pferd, meist auch noch beim Reiten, und passt dann den Sattel neu an. Dazu bedarf es normalerweise mehrerer Sitzungen im Abstand von einigen Wochen, in denen der Sattler den Sattel überarbeitet und danach wieder auf das Pferd legt, um den Sitz zu kontrollieren. 

Vor dem Sattelkauf selbst ausmessen

Um auf der Suche nach einem passenden Sattel im Reitsportgeschäft die richtige Größe ungefähr abschätzen zu können, empfiehlt es sich, entweder den bisher verwendeten Sattel oder direkt die Sattellage des Pferdes auszumessen. Besonders hilfreich ist es, folgende Werte zu messen: 

  • die Höhe und die Breite des Widerristes (für die Größe des Kopfeisens und der vorderen Sattelkammer) 
  • die Breite der Wirbelsäule am Rücken (für den Abstand der Sitzkissen) 
  • die Länge der Sattellage (für die Länge des Sattels)

Dazu reicht ein einfaches Maßband, das von Schulter zu Schulter über den Widerrist gelegt oder zum Messen der Sattellage an die Wirbelsäule gehalten wird. Dasselbe Maßband kann verwendet werden, um den ausgewählten Sattel bereits im Reitsportgeschäft auszumessen. 

Dieses Ausmessen der Sattellage ersetzt allerdings nicht das Auflegen und Beurteilen des Sattels auf dem Pferd und unter dem Reiter.

Maßanfertigung oder Standardsattel?

Anstatt einen Standardsattel umzupolstern, kann der Sattel auch von einem Fachmann individuell für ein Pferd angefertigt werden. Diese angepassten Sättel sind meist deutlich teurer in der Anschaffung. Ein gut und individuell angepasster Sattel muss in der Regel jedoch seltener und mit weniger Aufwand umgepolstert werden. Dies setzt voraus, dass der Sattel einem ausgewachsenen, normal trainierten und bemuskelten Pferd angepasst wurde. 

Sitz des Sattels regelmäßig kontrollieren

Gerade bei jungen Pferden und Pferden im Training kann es aber passieren, dass ein vorher gut passender Sattel plötzlich nicht mehr passt. Grund dafür ist häufig ein veränderter Körperbau durch den Aufbau neuer Muskeln im Training oder schlicht das Wachstum der Pferde. 

Deshalb sollte der Sitz des Sattels in regelmäßigen Abständen, am besten alle halbe Jahr, durch den Reiter und im Zweifel durch einen Fachmann kontrolliert werden. 

Wenn der Sattel nicht passt

Ein unpassender Sattel löst häufig Probleme beim Satteln, Nachgurten, Aufsteigen oder Reiten aus. Sowohl am Verhalten des Pferdes als auch am Rücken des Pferdes und am Sattel selbst lässt sich erkennen, ob ein Sattel nicht passt. 

Pferde, die beim Putzen oder auch beim bloßen Berühren des Rückens Abwehrbewegungen zeigen, können Schmerzen im Rücken haben. Ein schlecht passender Sattel ist eine häufige Ursache von Rückenschmerzen. Die verspannte Muskulatur schmerzt und führt deshalb zu abwehrendem Verhalten. Manche Pferde zeigen ihren Unwillen auch erst beim Satteln oder Nachgurten. 

Zu den häufigsten Abwehrbewegungen beim Satteln gehören:

  • Ohren anlegen und mit dem Kopf schlagen
  • Schnappen oder Beißen
  • zur Seite ausweichen
  • Schweifschlagen
  • Treten mit den Hinterbeinen

Probleme beim Reiten durch unpassenden Sattel

Pferde, bei denen durch einen unpassenden Sattel Schmerzen entstehen, stehen bei Aufsteigen oft nicht still. Beim Reiten kann sich ein schlecht passender Sattel auch in Unwilligkeit beispielsweise beim Angaloppieren oder durch plötzliches Losstürmen äußern. Der Reiter nennt dies "das Pferd rennt unter dem Sattel weg". Dadurch versucht das Pferd als Fluchttier, sich dem unangenehmen Sattel zu entziehen. 

Neben dem Sattel sollte bei Problemen beim Reiten auch immer auf mögliche Fehler des Reiters oder Fehler in der Ausbildung des Pferdes geachtet werden. Diese können ebenfalls so ein Verhalten auslösen.

Umgang mit Sattelzwang

Pferde mit Sattelzwang bekommen regelrecht Platzangst, wenn der Sattelgurt fest angezogen wird. Die Reaktionen eines Pferdes mit Sattelzwang reichen von angespannten, kurzen Schritten beim Losreiten bis hin zu unkontrolliertem Bocken und Flüchten, sobald der Sattel angegurtet wird.

Sattelzwang lässt sich oft nur durch viel Ruhe, Geduld, langsames Nachgurten und einen passenden Sattel beheben. 

Manchmal liegt das Problem auch nicht an dem Sattel selbst, sondern einfach an einem zu schnellen und groben Festgurten. Junge Pferde zeigen häufig Sattelzwang, wenn sie zum ersten Mal einen Sattel tragen. Meist legt sich dies aber nach einigen Tagen, wenn die Pferde sich an den Sattel gewöhnen.

Satteldruck und Muskelrückgang als Folge

Mitunter entstehen durch einen schlecht passenden Sattel Druckstellen oder Scheuerstellen in der Sattellage und häufig auch am Widerrist des Pferdes. Der Reiter spricht von Satteldruck. 

Wird ein unpassender Sattel über einen längeren Zeitraum verwendet, kann dies sogar zu einer verminderten Rückenmuskulatur des Pferdes führen. Häufig tritt dieses Problem bei einem zu engen Sattel auf, der auf den Trapezmuskel seitlich des Widerristes drückt.

Durch den ständigen Druck bildet sich der Muskel zurück. Anstelle eines leicht gewölbten Muskelbauches befindet sich in der Folge direkt neben dem Widerrist eine Kuhle. Fehlende Rückenmuskulatur kann außer durch einen unpassenden Sattel auch durch Fehler beim Reiten bedingt sein.

Schweißbild gibt Aufschluss über Sitz des Sattels

Nach dem Absatteln gibt der Sattelabdruck in dem verschwitzten Fell des Pferdes ebenfalls Auskunft über die Lage des Sattels. Das sogenannte Schweißbild sollte auf beiden Seiten der Wirbelsäule gleichmäßig und symmetrisch sein. Es entsteht durch die trockenen Flecken, an denen der Sattel auf dem Rücken des Pferdes aufliegt. Ungleichmäßige Flecken sprechen für einen ungleichmäßig gepolsterten Sattel oder einen schief sitzenden Reiter.

Die Polsterung des Sattels überprüfen

Der Sattel selbst verursacht Schmerzen, wenn die Sitzkissen zu hart oder ungleichmäßig gepolstert sind. An den Polstern der Sitzkissen dürfen weder Kuhlen noch harte Knoten in der Füllung zu fühlen sein. Eine fehlerhafte Polsterung kann der Sattler durch Um- und Aufpolstern des Sattels korrigieren.

Die richtige Sattelunterlage

Die Sattelunterlage dient zur Polsterung des Pferderückens, zum Schutz des Sattels vor Schweiß und Dreck und auch als Schmuck. Man unterscheidet verschiedene Arten von Unterlagen:

  • Schabracken sind viereckige, oft etwas dickere Sattelunterlagen, die vor allem für einen Dressursattel verwendet werden. 
  • Satteldecken für einen Springsattel oder einen Vielseitigkeitssattel passen sich in ihrer Form dem Sattelblatt des entsprechenden Sattels an und sind somit etwas runder geschnitten. 
  • Dicke Decken aus Filz finden sich als Sattelunterlage eher für Westernsättel. 

Daneben gibt es außerdem Unterlagen aus Lammfell und Gelpads, die wir Ihnen im Folgenden näher vorstellen.

Sattelunterlagen aus Lammfell

Für empfindliche Pferde gibt es Sattelunterlagen aus Lammfell. Ja nach Größe wird dieses Lammfell entweder zusammen mit einer normalen Satteldecke oder Schabracke unter den Sattel gelegt oder als alleinige Sattelunterlage genutzt. Lammfell polstert den Rücken und ist sehr weich. Es ist eine gute Alternative, wenn beispielsweise die Schabracke scheuert. So kann das Fell wieder nachwachsen. 

Eine Schabracke, die scheuert, sollte man waschen und auf eventuelle Fremdkörper kontrollieren. Alte, abgenutzte Schabracken werden häufig rau, scheuern und können dann nur durch neue Schabracken ersetzt werden.

Gelpads für Problemfälle

Gelpads werden gerne bei Problemen mit dem Sattel eingesetzt, um eventuelle Mängel eines nicht richtig passenden Sattels auszugleichen. Aber auch Pferde mit einem empfindlichen Rücken profitieren von Gelpads. Viele Reiter, die im Pferdesport oder nur in der Freizeit reiten, haben gute Erfahrungen mit Gelpads gemacht. In manchen Reitsportmagazinen und Zeitschriften finden sich immer wieder Tests zu verschiedenen Gelpads. 

Gelpads werden von verschiedenen Herstellern in unterschiedlichen Formen und Größen hergestellt. Sie passen sich der Rückenlinie des Pferdes an und verteilen den Druck des Sattels gleichmäßiger auf dem Pferderücken. Je nach Wunsch können die Gelpads dementsprechend hinten erhöht oder vorne erhöht sein, um den dortigen Druck auszugleichen.

Gelpads sollten nie direkt auf den Pferderücken gelegt werden. Das gummiartige Material der Gelpads reibt am Rücken und kann außerdem leicht selbst beschädigt werden. 

Grundsätzlich sollte so wenig zusätzliche Sattelunterlage wie möglich zwischen Sattel und Pferderücken verwendet werden. Jede Sattelunterlage vergrößert den Abstand zwischen Reiter und Pferd und verschlechtert so die Einwirkung. Zudem kann eine Sattelunterlage einen gut angepassten Sattel nicht ersetzen.

Pferde richtig satteln – Anleitung

Wichtige Voraussetzungen für ein richtig gesatteltes Pferd sind eine saubere, gut geputzte Sattellage, eine saubere, faltenfreie Unterlage für den Sattel sowie ein passender Sattel und Sattelgurt.

Folgende Anleitung zum Satteln eines Pferdes hilft Ihnen, Fehler zu vermeiden:

  1. Binden Sie das Pferd an oder lassen Sie es sich von einer Hilfsperson festhalten.
  2. Schnallen Sie die Steigbügelriemen hoch und befestigen Sie die Steigbügel so über dem Sattelblatt. Auch der Sattelgurt sollte an den rechten Gurtstrippen angebracht und dann über den Sattel gelegt werden. So schlagen Gurt und Steigbügel nicht gegen die Beine oder den Körper des Pferdes und geraten auch nicht versehentlich bei Satteln unter den Sattel.
  3. Die Sattelunterlage (Schabracke, Satteldecke) können Sie je nach Modell entweder zunächst ohne den Sattel auflegen und dann am Sattel befestigen oder gemeinsam mit dem Sattel auflegen. 
  4. Grundsätzlich werden Sattel und Satteldecke von der linken Seite des Pferdes etwa auf Höhe des Widerristes vorsichtig aufgelegt und dann ein Stück nach hinten in die Sattellage geschoben. So bleibt das Fell unter dem Sattel glatt.
  5. Die Sattelunterlage sollte glatt und faltenfrei auf dem Pferderücken liegen. Ziehen Sie die Satteldecke vorne bis nach oben in die Sattelkammer des Sattels (Einkammern). Wird dies unterlassen und liegt die Satteldecke oder Schabracke zu eng auf dem Widerrist, kann sie drücken oder scheuern. 
  6. Befestigen Sie gegebenenfalls die Sattelunterlage am Sattel und lassen dann auf der rechten Seite des Pferdes langsam den Sattelgurt herunter. Der Sattelgurt sollte nicht verdreht oder verdreckt sein. 
  7. Stellen Sie sich nun wieder auf die linke Seite des Pferdes. Greifen Sie vorsichtig unter dem Bauch des Pferdes nach dem Gurt und schließen Sie ihn. Gerade am Anfang sollte der Gurt nur leicht anliegen, damit Druck und Sattelzwang vermieden werden. Nach ein paar Minuten – möglichst bevor der Sattel verrutscht – kann nachgegurtet werden. Ziehen Sie den Gurt lieber öfter um wenige Zentimeter an, anstatt ihn mit einem Mal sofort festzuziehen. So ersparen Sie dem Pferd unnötigen Stress.

Das richtige Satteln erfordert etwas Übung, ist aber mit den beschriebenen Handgriffen gut zu erlernen. Ein richtig angelegter Sattel trägt wesentlich zu einem zufriedenen Pferd und angenehmen Reiten bei.

Aktualisiert: 22.05.2017 – Autor: Nicole Kreutzfeldt

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