Zusammenführung von Hund und Katze – kann das funktionieren?

Tipps & Tricks für ein angenehmes Zusammenleben
Zusammenführung von Hund und Katze – kann das funktionieren?

Claudia konnte durch ihren Beruf als Katzenverhaltenstherapeutin schon viele tolle Katzen und ihre Menschen unterstützend begleiten und ihren Alltag bereichern. Die Vergesellschaftung von Hund und Katze ist ein Thema, welches sie oftmals beschäftigt. Wie sie dabei vorgehen würde sowie Tipps und Tricks erfahren Sie hier. 

Herzensangelegenheit: Katzenverhaltenstherapie

Claudia wohnt mit ihren zwei Katzen Olala und Kimani, ihrem Hund Rico und ihrem Partner in der Nähe von Trier. Als 2014 ihre Katze Kimani Einzug in die Familie hält, ist Claudia unsicher, da nach ihrer letzten Katze schon einige Jahre vergangen sind. Nach den ersten Problemen mit Kimani zieht Claudia eine Katzenverhaltenstherapeutin zurate und ist begeistert: 

„Sie gab mir sehr viele wertvolle Tipps, wie ich Kimanis Lebensumfeld noch verbessern und sie auch besser beschäftigen konnte. Als sich dadurch alles besserte, war ich sehr fasziniert und wollte selbst Menschen und ihren Katzen helfen. Somit habe ich Anfang 2017 den Entschluss gefasst, die Ausbildung als Katzenpsychologin zu machen. Seit Februar 2019 bin ich nun nebenberuflich als Katzenverhaltenstherapeutin und seit diesem Jahr auch als Bachblütenberaterin für Tiere tätig. Ausserdem habe ich seit April 2020 meinen eigenen Podcast namens „Talking Cats“.“

Hunde und Katzen sind natürliche Feinde: Klischee oder Wahrheit?

Oft wird angenommen, dass Hunde und Katzen sich nicht ausstehen können – doch woran liegt das wirklich? Claudia klärt auf: 

„Allgemein ist es so, dass Hunde und Katzen von Natur aus Fressfeinde sind. Das heisst, dass die Katze für den Hund ins Beuteschema gehört und daher den Jagdinstinkt bei ihm auslöst. Die Katze wird dann weglaufen oder ihr Leben verteidigen. Zudem ist die Körpersprache und das Sozialverhalten der beiden Vierbeiner sehr unterschiedlich, sodass es auch hier oft zu Missverständnissen kommen kann. Zum Beispiel bedeutet der wedelnde Schwanz für den Hund im Normalfall Freude und für die Katze bedeutet er Nervosität oder Stress. 

Im Idealfall wachsen die beiden deshalb gemeinsam auf und lernen so, das Verhalten des anderen richtig zu interpretieren. Aber das ist eben der Idealfall und natürlich ist es nicht immer möglich, sich Hund und Katze zusammen anzuschaffen.“

Tipps & Vorgehen bei der Zusammenführung von Hund & Katze

In den meisten Fällen entstehen Konflikte zwischen den zwei Vierbeinern, weil sie sich noch nicht ausreichend „beschnuppern“ konnten. Claudia teilt einige Tipps und Tricks, wie eine Zusammenführung gelingt: 

Passende Charaktereigenschaften

Wenn ein Hund zu einer Katze (oder umgekehrt) einzieht, sollten im besten Fall beide Seiten keine schlechten Erfahrungen miteinander gemacht haben. Ausserdem ist es wichtig, dass die beiden Vierbeiner charakterlich zueinander passen. Ein sehr neugieriger und quirliger Hundewelpe kann eine ruhige und ängstliche oder auch ältere Katze verunsichern, wenn sie dieses Verhalten nicht kennt. Ist die Katze also ängstlich und zurückhaltend, passt ein ausgeglichener und ruhiger Hund besser in die Familie. Hat die Katze allerdings ein gutes Selbstbewusstsein und ist sehr aufgeschlossen, kann sie auch mit einem sehr neugierigen und freundlichen Hund umgehen.“ 

Rückzugsorte schaffen 

„Wenn die Wahl dann getroffen wurde, sollte der Katze unbedingt ein Rückzugsort eingerichtet werden, der nur ihr zugänglich ist und in dem sie sich wohlfühlt. Erhöhte Plätze, Futternapf und Katzentoilette sollten sich dort befinden. Zudem sollten ihr ausreichend Versteckmöglichkeiten geboten werden und am besten nicht nur ein Bett, unter welches die Katze flüchten kann. Denn erhöhte Plätze geben Rückzug und Sicherheit, wodurch die Katze sich nicht im letzten hinteren Winkel unter dem Bett oder der Kommode verstecken muss. Und Sicherheit geht sowieso vor, sollte der Hund der Katze doch einmal hinterherlaufen, denn auf erhöhte Plätze hat er keinen Zugriff.“

Duftstoffe & Geräusche bekanntmachen 

„Man kann die Tiere vorab auch schon an den Geruch des anderen gewöhnen, zum Beispiel indem man die Decken oder Handtücher der jeweiligen Vierbeiner und somit ihre Duftstoffe untereinander austauscht. Des Weiteren können der Katze auch immer mal wieder leise Bellgeräusche des Hundes vorgespielt werden, wenn man die Möglichkeit hat, das Bellgeräusch des neuen Mitbewohners aufzuzeichnen. Bei YouTube kann man auch Videos mit Bellgeräuschen finden. Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt für das Miauen der Katze, was dem Hund vorgespielt werden kann.“

Das erste Treffen 

„Wenn dann am Einzug des neuen Mitbewohners die erste Begegnung stattfindet, sollte man vor allem versuchen, selbst ruhig zu bleiben, denn Anspannung und Nervosität der Menschen übertragen sich auch auf die Vierbeiner. Der Hund sollte auf jeden Fall auch angeleint sein (hierzu eignet sich eine längere Hausleine) und die Katzen dürfen entscheiden, wo sie hin wollen. Fluchtmöglichkeiten in die Höhe sind hier essenziell wichtig für die Katze. Zusätzlich sollte auch darauf geachtet werden, wie nah sich Hund und Katze kommen dürfen, denn auch die Katze könnte den Hund verletzen, wenn sie sich bedroht fühlt.

Nach dem ersten erfolgreichen Zusammentreffen kann man beide Seiten dann getrennt voneinander loben und sich mit ihnen beschäftigen. Deshalb ist es anfangs empfehlenswert, wiederholte kürzere Kontaktaufnahmen zuzulassen und die Vierbeiner danach wieder zu trennen. Das erfordert alles viel Zeit und Geduld, ist aber sehr nachhaltig, weil die positive Begegnung in Erinnerung bleibt.“

Professionelle Unterstützung 

„Den richtigen Zeitpunkt, um die Tiere frei aufeinandertreffen zu lassen, kann der Halter selbst bestimmen. Es ist jedoch ratsam, von Anfang an einen Hundetrainer oder eine Hundetrainerin und im Idealfall einen Katzenpsychologen oder eine Katzenpsychologin mit hinzuzunehmen. Sie können das Verhalten und die Reaktionen von Hund und Katze sehr gut einschätzen und im Anschluss grünes Licht für ein erstes selbstständiges Aufeinandertreffen geben. Begleitend kann man beide Vierbeiner mit Bachblüten unterstützen. Diese natürliche Therapieform ist gerade bei Zusammenführungen sehr gut, um Hund und Katze bei Angst oder Unwohlsein wieder ins Gleichgewicht zu bringen.“

Sicherheit geht vor

„Nichtsdestotrotz gilt Folgendes: Erst wenn man sich wirklich sicher ist, dass für beide Seiten Sicherheit gewährleistet ist, kann man Hund und Katze unbeaufsichtigt lassen. Die Katze sollte trotzdem weiterhin einen Rückzugsort haben, den nur sie erreichen kann.“

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Hund und Katze möchten sich einfach nicht vertragen – was nun? 

„Wenn Hund und Katze sich dann im Extremfall doch nicht vertragen und die Katze zum Beispiel ihr Dasein nur unter dem Bett oder auf einem Schrank fristet, dann sollte man immer versuchen, die Hilfe von einem Katzentherapeuten oder einer Katzentherapeutin in Anspruch zu nehmen. Wenn immer noch keine Besserung in Sicht ist, sollte über eine Rückgabe des jeweiligen Tieres nachgedacht werden. Das ist immer eine schwierige Entscheidung, aber man sollte auch hier im Sinne des Tieres handeln, das von Anfang an in der Familie war. Man kann Tiere nicht programmieren und eine Garantie gibt es nie, aber mit diesen Tipps kann eine Zusammenführung nachhaltig funktionieren und einem Zusammenleben von Hund und Katze nichts im Wege stehen.“

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Katzenpsychologin Claudia Klasen. Mehr zum Thema Katzenpsychologie und Verhaltensberatung finden Sie hier