Mein Hund kann nicht alleine bleiben – was nun?

Wenn der Hund unter Trennungsangst leidet und wie dem vorgebeugt werden kann

Während die einen Hunde mit der Abwesenheit des Herrchens oder Frauchens entspannt umgehen, stellt sich wiederum bei anderen Trennungsangst ein. Für viele Hundehalter werden diese Tipps auf den ersten Blick wohl schwer erscheinen, da der Hund ein wahres Familienmitglied ist. Nichtsdestotrotz ist es ratsam, diese zu befolgen. Mit etwas Übung wird es Ihrem Hund zukünftig leichter fallen, wenn Sie mal das Haus verlassen.  

 

 

Anzeichen: Wie sich eine Trennungsangst bemerkbar macht

Wenn Ihr Hund sich durch eine Trennung von Ihnen gestresst fühlt, kann sich das auf verschiedene Weisen zeigen. Manche Hunde werden lethargisch, während andere regelrecht in Zerstörungswut verfallen. Eine Trennungsangst kann sich also über folgende Symptome äußern: 

  • Der Hund gibt durchgehend Laute von sich wie Bellen, Heulen oder Winseln
  • Der Hund verweilt intensiv an Türen oder Fenstern und kratzt sogar an diesen
  • Der Hund ist unruhig, ständig in Bewegung und scheint nicht zur Ruhe zu kommen
  • Der Hund macht sich an Möbeln oder Gegenständen zu schaffen und zerstört diese durch Beißen oder Kratzen
  • Der Hund wird unsauber und verrichtet sein Geschäft in der Wohnung

Im Extremfall hyperventilieren manche Hunde oder verletzen sich sogar selbst. Dies sind Anzeichen für sehr starken Stress, bei dem es Expertenhilfe bedarf. Wenn so etwas passiert, sollten Sie umgehend den Tierarzt oder die Tierärztin Ihres Vertrauens aufsuchen! 

 

 

Ursachen: Das verbirgt sich hinter der Trennungsangst 

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass kein Hund gerne über einen langen Zeitraum alleine gelassen wird, da sie zu den Rudeltieren gehören. Am sichersten und wohlsten fühlen sie sich also immer in einer Gruppe, sei es mit Artgenossen oder mit der Bezugsperson. Wie stark das Alleinsein den Hund beeinflusst, variiert von Hund zu Hund. Oft wird die Trennungsangst durch negative Erlebnisse oder Fehlverhalten des Halters oder der Halterin ausgelöst. Diese Umstände können zum Auslöser einer Trennungsangst werden:

Trauma aus der Vergangenheit: 

Wenn der Hund von dem ehemaligen Hundebesitzer oder der Hundebesitzerin ausgesetzt oder verlassen wurde, hinterlässt dies eine tiefe emotionale Wunde bei ihm. Von der wichtigsten Bezugsperson verlassen zu werden, tut nicht nur uns Menschen, sondern auch Hunden sehr weh. Der Hund kann nur noch schwer Vertrauen aufbauen und es besteht die Angst, von dem neuen Herrchen oder Frauchen wieder auf dieselbe Weise verlassen zu werden. 

Zu frühe Trennung von der Mutter als Welpe: 

Die Bindung zum Muttertier ist für die Entwicklung eines Welpen essenziell. Werden diese zu früh getrennt, kann auch hier das Vertrauen gestört werden. Als Resultat sucht sich der Hund einen neuen Bezugspartner und fixiert sich auf den Besitzer oder die Besitzerin. Aus diesem Grund ist es wichtig, Welpen nicht zu früh abzugeben. Laut Tierschutzgesetz darf dies nicht vor der 8. Lebenswoche passieren, Züchter und Züchterinnen empfehlen sogar ein Alter von 12 Wochen, um den Welpen in ein neues Zuhause zu übergeben.  

Falsche Erziehung

Wenn dem Hund von Anfang an beigebracht wird, dass er bei Auffälligkeiten wie Winseln mit Streicheleinheiten „belohnt“ wird oder es beim Abschied zu großen Kuscheleinheiten kommt, sieht der Hund die Abwesenheit des Herrchens oder Frauchens automatisch als ein größeres Ereignis an. Außerdem ist es nicht selten, dass Dominanzprobleme vorliegen, wodurch sich der Hund in einer Anführerrolle fühlt. Dementsprechend kann der Hund es auch nicht fassen, wenn jemand ohne ihn das Rudel verlässt und wird auffällig.

Mangelnde Beschäftigung oder Bewegung:

In vielen Fällen liegt der Grund für ein auffälliges Verhalten auf der Hand: Der Hund ist nicht genügend ausgelastet und langweilt sich. Falls Sie Ihren Hund täglich für mehrere Stunden alleine lassen müssen, wäre es ratsam, sich über einen Ausgleich Gedanken zu machen. 

 

 

Vorbeugung: Wie dem Hund bei Trennungsangst geholfen werden kann

Eine angemessene Hundeerziehung ist essenziell, damit es bei den Vierbeinern erst gar nicht zu Auffälligkeiten kommen muss. Diese Tipps helfen Ihnen dabei, einer Trennungsangst vorzubeugen oder gegebenenfalls sogar in kleinem Maße zu beseitigen: 

Begrüßung und Abschied in geregeltem Ablauf

Viele Hundebesitzer und -besitzerinnen halten sich bei dieser Regel die Ohren zu, jedoch ist sie leider unumgänglich: keine Abschiedsrituale oder ausgiebige Begrüßungen. Im Idealfall läuft die Verabschiedung so unspektakulär wie möglich ab, zum Beispiel durch ein einfaches „Du bleibst hier. Bis später.“. Bei der Begrüßung wird es Ihnen wahrscheinlich noch schwieriger fallen, den vor Freude umherspringenden Hund außer Acht zu lassen, jedoch sollten Sie auch hier auf die Streicheleinheiten verzichten, bis er sich beruhigt hat.

Ausreichend Beschäftigung

Bevor Sie das Zuhause verlassen, lohnt es sich, den Hund noch mal so viel wie möglich auszulasten. So wird es dem müden Vierbeiner gar nicht erst zu schaffen machen, dass Sie weg sind und er wird Ihre Abwesenheit als willkommenen Anlass für ein Nickerchen sehen. 

Deutliche Rangfolge

Damit Ihr Hund gar nicht erst auf die Idee kommt, er sei das Alphatier im Haus, gibt es drei einfache Tipps: Der Hund sollte niemals als erster sein Essen bekommen, als erster Besucher begrüßen oder häufig vor Ihnen laufen und somit den Ton angeben. Wenn Ihr Hund bei diesen drei Situationen immer nach Ihnen am Zug ist, machen Sie Ihren Platz als Anführer oder Anführerin klar deutlich. 

Gesellschaft

Ihnen ist bewusst, dass Sie Ihren Hund häufig über einen längeren Zeitraum alleine lassen müssen? In diesem Fall ist es sinnvoll, sich über die Anschaffung eines Artgenossen Gedanken zu machen, sodass der Hund nicht sozial vereinsamt. Diese Entscheidung sollte allerdings gut durchdacht sein und auch die Lebensumstände müssen dies hergeben. Alternativ könnte auch eine Hundebetreuung infrage kommen. 

 

Letztendlich ist es wichtig, dass das Wohl des Tieres immer im Vordergrund steht. Sollte der Hund aufgrund Ihrer Abwesenheit erheblich an Stress leiden, sollten Sie sich Rat bei dem Tierarzt oder der Tierärztin Ihres Vertrauens suchen. 

Aktualisiert: 30.04.2021

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