Katzenpsychologin klärt auf: Meine Katzen verstehen sich nicht mehr - was nun?

Mögliche Gründe und Lösungen bei Konflikten

Katzenpsychologin Michaela Asmuß hat es sich zur Aufgabe gemacht, Katzenhaltern zu helfen, die Beziehung zu ihren Samtpfoten zu verbessern und zu stärken. Was sie zu ihrer Berufswahl bewegt hat und wie sie konkret mit dem Problem umgehen würde, wenn sich zwei Katzen nicht mehr verstehen, erfahren Sie hier. 

 

Der Weg zur Katzenpsychologin

 

Katzen haben Michaela schon immer fasziniert und letztendlich auch ihren Werdegang geprägt: 

„Studiert habe ich Psychologie an der Freien Universität Berlin. Nach dem Studium habe ich dann als PR-Beraterin und später als Medizinredakteurin gearbeitet. Katzen haben mich dabei mein ganzes Leben lang begleitet und irgendwann wuchs in mir der Wunsch, mehr über diese faszinierenden Tiere zu lernen. Als ich dann herausfand, dass es den Beruf der Katzenpsychologin beziehungsweise Katzenverhaltensberaterin gibt, habe ich nicht lange gezögert. So kann ich meine Leidenschaft für Psychologie und Katzen optimal verbinden.“   

Am 1. April 2017 erfüllte sich Michaela ihren Wunsch und fing offiziell mit ihrer mobilen Katzenpraxis ThinkCat an. Hier berät sie Katzenhalter im gesamten Rhein-Main-Gebiet, hatte aber auch schon Kunden aus NRW oder Bayern und Anfragen aus Österreich. Für Michaela ist es selbstverständlich auch diesen Kunden weiterzuhelfen und so bietet sie ihnen eine flexible Betreuung per Video-Chat und Telefon an. 

 

 

Die Besonderheit der Katzenpsychologie

 

Katzen sind ziemlich eigensinnige sowie auch außergewöhnliche Tiere. Dies ist einer der Hauptgründe für Michaelas Berufswahl: 

„Die Arbeit mit den vielen verschiedenen Katzenpersönlichkeiten ist immer wieder spannend. Jeder Fall ist anders und einzigartig. Ich versuche bei meinen Beratungen, den Haltern die Welt aus Sicht ihrer Katze zu vermitteln. Wenn ich dann sehe, wie sich das Leben der Katzen und Halter durch die Beratung wieder verbessert und die Beziehung danach noch besser ist, bin ich glücklich.“ 

 

 

Meine Katzen verstehen sich plötzlich nicht mehr: Warum? 

 

Ein plötzlicher Konflikt zwischen zwei Katzen, ist eines der häufigsten Probleme vieler Katzenhalter. Michaela geht den möglichen Ursachen auf den Grund:

„Wenn zwei Katzen, die vorher gut miteinander klargekommen sind, sich auf einmal nicht mehr verstehen, ist der Hauptgrund oft umgeleitete Aggression. Diese umgeleitete Aggression kann auftreten, wenn sich eine der Katzen sehr stark aufregt oder erschreckt, zum Beispiel, weil draußen eine fremde Katze vor dem Fenster auftaucht oder etwas mit einem lauten Knall umfällt. Wenn in diesem Moment die Partnerkatze anwesend ist, kann es passieren, dass sich alles auf diese Katze überträgt und es dann zum Angriff kommt. Da die andere nicht weiß, wie ihr geschieht, verteidigt sie sich natürlich und schon hängt der Haussegen schief. Ein anderer Grund können starke Schmerzen aufgrund einer Erkrankung sein. Daher ist es immer wichtig, mit der Katze zum Tierarzt zu gehen, wenn eine plötzliche Verhaltensänderung auftritt.“

 

Für solche Fälle gibt es nichtsdestotrotz Hoffnung: 

"Verstehen sich zwei Katzen nicht mehr, die vorher gut ausgekommen sind, stehen die Chancen recht gut, dass sie wieder zusammenfinden. Am besten separiert man sie so schnell wie möglich und startet dann eine Wiederzusammenführung. Professionelle Unterstützung durch eine Katzenverhaltenstherapeutin kann hier sinnvoll sein.“

 

 

Ist es normal, dass sich Katzen von Zeit zu Zeit mal zanken? 

 

Wenn es des Öfteren zu kleinen Auseinandersetzungen zwischen zwei Katzen kommt, sind Katzenhalter schnell verunsichert und besorgt um ihre Samtpfoten. Michaela kann hier allerdings Entwarnung geben:

„Das ist normal. Jede Katze hat das Recht, den Mitkatzen zu zeigen, dass sie etwas nicht gut findet oder gerade Zeit für sich haben möchte. Wenn die anderen das akzeptieren und ein Fauchen oder maximal ein kleiner Pfotenhieb alles klärt, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Wenn jedoch immer die gleiche Katze anfängt, die andere nicht in Ruhe lässt, sie sogar in die Ecke drängt oder nicht mehr an ihre Plätze lässt, dann gibt es ein handfestes Problem zwischen den Katzen. Spätestens jetzt ist es angeraten einzugreifen und professionelle Hilfe zu holen.“

 

 

Woran erkenne ich, ob sie nur spielen oder, ob ein ernstes Konfliktpotenzial vorliegt?

 

Nun kann es in einigen Fällen schwierig sein, festzustellen, ob ein Eingriff vonnöten ist oder ob das Ganze nur Teil vom Spiel der zwei Katzen ist. Die Unterschiede erklärt Michaela hier: 

„Gerade, wenn zwei junge Kater raufen, kann es aussehen, als ob sie sich gleich umbringen möchten. Einige Halter greifen dann ein, aus Angst, dass sich einer verletzt. Das ist aber gar nicht nötig. Diese Anzeichen zeigen, dass es nur Spiel ist: 

  • Jeder initiiert mal den „Kampf“.
  • Mitten im Spiel werden die Rollen gewechselt. Mal ist der eine oben auf, mal der andere.
  • Mimik und Körperhaltung sind oft übertrieben und passen nicht immer zur gegenwärtigen Situation. 
  • Auch wenn es noch so heftig ist, man hört nur selten einen Laut: vielleicht mal ein kurzes Miau oder Fauchen, wenn es zu viel wird. Sind jedoch laute Schreie, Jaulen und Knurren zu hören, dann ist es kein Spiel mehr!
  • Es gibt keine Verletzungen, höchstens mal einen kleinen Kratzer auf der Nase.
  • Wenn eine Katze zeigt, dass sie keine Lust mehr hat, akzeptiert die andere das und hört auf.
  • Nach dem Raufen und Toben sind die Katzen wieder ruhig und friedlich. Sie liegen zusammen und putzen sich gegenseitig und keine hat Angst vor der anderen. 

Oft merkt man, dass etwas in der Katzenbeziehung nicht stimmt, wenn sich eine Katze immer weiter zurückzieht, immer mehr von der anderen eingeschränkt oder aktiv angegriffen und bedrängt wird. Wenn es ganz schlimm ist, verliert das Opfer bei der Attacke sogar Kot oder Urin. Auch Unsauberkeit und Markieren können auf ein Problem im Mehrkatzenhaushalt hindeuten. Achtung: Aggressionen können auch subtil und unterschwellig stattfinden, zum Beispiel, wenn eine Katze immer im Flur liegt und damit der anderen den Weg zum Futter, zum Klo oder zu anderen wichtigen Plätzen versperrt.“

 

 

Wie lässt sich solchen Streitsituationen vorbeugen? 

 

Vorsicht ist bekanntlich besser als Nachsicht! Michaela zeigt auf, wie Sie Streitsituationen zwischen ihren Katzen gar nicht erst entstehen lassen: 

„Am besten ist es natürlich, wenn man von vornherein Katzen adoptiert, die sich verstehen. Das können Geschwister sein oder auch ein Paar, das sich im Tierheim kennengelernt hat. Wenn das nicht möglich ist, sollte man eine Zusammenführung gut planen.

Wichtig für den Erfolg einer Zusammenführung sind unter anderem die Persönlichkeiten der Katzen, denn diese sollten harmonieren. Ein Wildfang wird kein guter Begleiter für eine ruhige Katze sein. Auch das Alter spielt eine Rolle. Ältere Katzen können schnell genervt sein von jungen und verspielten Kitten. Und natürlich ist die Sozialisierung wichtig. Einen jahrelangen Einzelgänger wird man schwer von einer weiteren Katze überzeugen können. 

Wenn die neue Katze einzieht, sollte sie anfangs separiert werden. Das Kennenlernen findet dann langsam und mit viel positiver Verstärkung auf beiden Seiten statt. Auf keinen Fall sollten die Katzen einfach zusammen geschmissen werden. Wer sich unsicher ist, kann sich professionelle Hilfe von einer Katzenverhaltensberaterin holen. 

Auch wichtige Ressourcen sollten in einem Mehrkatzenhaushalt im Überfluss vorhanden sein. Zu diesen Ressourcen gehören: Futter, Wasser, Toiletten, Ruheplätze, Rückzugsräume und Spielzeug. Auch der Halter selbst ist eine wichtige Ressource. Jede Katze sollte die Möglichkeit haben, mit ihrem Menschen zu schmusen und in seiner Nähe zu sein, wenn sie möchte.“

 

 

Was tun, wenn sich die Katzen einfach nicht vertragen wollen?

Nun ist der Extremfall eingetroffen und Ihre Katzen können einfach nicht mehr zusammenfinden. Selbstverständlich kann dies für jeden Katzenhalter zu einer großen Belastung werden. Dazu hat Michaela folgendes zu berichten: 

„Leider kann es auch bei bester Vorbereitung, professioneller Hilfe und Ressourcen im Überfluss passieren, dass sich die Katzen einfach nicht verstehen. Daher sollte man immer einen Plan B haben. Denn auch, wenn man sich schon in das neue Kätzchen verliebt hat, wäre es unfair, dieses zu behalten, wenn dadurch alle unglücklich sind. Vielleicht gibt es Freunde oder Verwandte, die die Katze aufnehmen möchten. Seriöse Züchter, Tierheime und andere Tierschutzorganisationen nehmen die Katze auch wieder zurück, wenn es gar nicht klappt.“ 

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Katzenpsychologin Michaela Asmuß. Mehr zum Thema Katzenpsychologie und Verhaltensberatung finden Sie hier

Aktualisiert: 20.10.2020

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