Beinbruch beim Hund

Ein gebrochenes Bein ist bei Hunden meist leicht zu erkennen. Die Behandlung des Beinbruchs ist abhängig von der Art der Fraktur, meist verheilt der Bruch gut.

Hund hat gebrochenes Bein © istockphoto, monkeybusinessimages

Ein gebrochenes Bein beim Hund lässt sich meist sehr eindeutig diagnostizieren und mithilfe einer Vielzahl von verschiedenen Behandlungsmethoden auch gut therapieren. Wichtig ist das frühzeitige Erkennen des Beinbruchs (Fraktur) beziehungsweise das unmittelbare Aufsuchen eines Tierarztes. Erfahren Sie hier Details zu Symptomen, Therapien und Arten von Beinbrüchen beim Hund.

Symptome eines Beinbruchs beim Hund

Die Anzeichen eines Beinbruchs beim Hund sind meist sehr eindeutig, weshalb der Hundebesitzer einen solchen durchaus selbst erkennen kann. Typisch ist eine akute hochgradige Lahmheit, das heißt, der Hund belastet das betroffene Bein nicht mehr. Zusätzlich können unterschiedlich starke Schwellungen am Bein auftreten.

Beim Berühren des gebrochenen Beines reagiert der Hund sehr empfindlich und zeigt oftmals deutliche Schmerzreaktionen, wie beispielsweise Jaulen, Winseln oder auch Beißen. Ist das Bein gebrochen, so kann man beim vorsichtigen Bewegen des Beines sogenannte Krepitationen spüren, also das Aufeinanderreiben der Bruchenden. Dies sollte allerdings nur von einem Tierarzt durchgeführt werden, da die Situation bei eigenmächtiger Durchführung sonst noch verschlimmert werden kann.

Die Summe dieser genannten Symptome hilft schließlich zu erkennen, ob das Bein beispielsweise gebrochen oder verstaucht ist.

Beinbruch beim Hund: Ursachen und Diagnose

Meist liegt die Ursache für einen Beinbruch beim Hund in einem Unfall, der mit hohen Aufprallgeschwindigkeiten verbunden ist. Beispiele sind Autounfälle, Aufprallverletzungen, Stürze aus großen Höhen oder auch Schussverletzungen.

Ist man bei einem Unfall zugegen oder kommt der Hund – beispielsweise nachdem er ausgebüchst ist – mit den oben genannten Symptomen zurück, so muss er sofort zu einem Tierarzt gebracht werden. Dieser stellt schließlich die Diagnose "Beinbruch" anhand eines Röntgenbildes und klärt im Anschluss über die weitere Vorgehensweise sowie die zu erwartenden Kosten auf.

Leidet ein Hund einzig an einem Knochenbruch und weist keine zusätzlichen Beschwerden – beispielsweise an Organen –  auf, dann ist eine Behandlung des gebrochenen Beines gut möglich und das Einschläfern des Hundes in der Regel keine Option.

Einteilung von Knochenbrüchen

Wenn die Diagnose "Beinbruch" beim Hund steht, muss genauer festgestellt werden, um welche Art der Fraktur es sich dabei handelt. Denn davon ist letztlich auch abhängig, welche Therapie angewendet wird, wie lange die Heilungsdauer sein wird und mit welchen Kosten in etwa zu rechnen ist.

Die Kriterien für die Einteilung von Knochenbrüchen allgemein sind:

  • Lokalisation: welcher Knochen an welcher Stelle gebrochen ist
  • Verlauf der Bruchlinie: Querfraktur, Schrägfraktur oder Spiralfraktur
  • Anzahl der Bruchstücke: Splitterfraktur oder Trümmerfraktur
  • Möglichkeit der Rekonstruktion des Knochens sowie Belastbarkeit
  • geschlossener oder offener Beinbruch

Neben diesen Faktoren spielen beispielsweise auch Größe und Alter des Hundes, eventuelle Begleiterkrankungen oder die Kooperationsfähigkeit des Hundes nach der Operation eine Rolle. Generell heilt ein Beinbruch bei einem jungen Hund schneller als bei einem alten Hund. Die Heilungsdauer beträgt in der Regel mindestens vier bis sechs Wochen, kann aber auch bis zu einigen Monaten dauern.

Bei Hundewelpen und wachsenden Junghunden gibt es zudem eine besondere Form des Beinbruchs, die sogenannten Salter-Harris-Frakturen. Hierbei bricht der Knochen im Bereich der Wachstumsfugen, was beim betroffenen Hund in der Folge zu einem verzögerten Wachstum oder einer Gliedmaßenverkürzung führen kann.

Behandlung und Kosten bei einem Beinbruch

Für die Therapie einer Fraktur beim Hund unterscheidet man externe und interne Fixationsmethoden, wobei der Einsatz der jeweiligen Systeme abhängig ist von der Art der Fraktur. Diese Einteilung bezieht sich allerdings nicht auf äußerlich (ohne OP) und innerlich (mit OP), sondern darauf, dass externe Methoden außen am Bein des Hundes angebracht werden und interne Methoden nicht.

Auch die Tierarztkosten unterscheiden sich in Bezug auf die verwendeten Fixationsmethoden. Die internen Methoden sind dabei kostenintensiver als die externen, wobei in der Gebührenordnung für Tierärzte jeweils nochmals zwischen einfacher und schwieriger Fraktur unterschieden wird. Da allerdings nicht jede Operationsmethode für jede Art von Beinbruch anwendbar ist, kann auch nicht immer die günstigste Variante gewählt werden.

Zu den eigentlichen Kosten für die Operation kommen beispielsweise noch jene für eine eventuelle stationäre Unterbringung, Röntgenbilder, Materialkosten und Medikamentenkosten. Dabei kommt man sehr schnell in einen vierstelligen Betrag. Nicht zu vergessen schließlich die Nachkontrollen beim Haustierarzt, unter anderem in Form von Röntgenbildern.

Externe Fixation bei einem Beinbruch beim Hund

Bei der externen Methode stehen Gipsverbände (Casts) oder der sogenannte "Fixateur externe" zur Verfügung. Gips kann in einigen Fällen zur alleinigen Stabilisierung verwendet werden, meistens erfolgt jedoch eine Kombination mit internen Fixationssystemen. Unabhängig davon muss der Gipsverband regelmäßig kontrolliert, bei Bedarf gewechselt und nach erfolgter Knochenheilung wieder abgenommen werden. 

Auch der "Fixateur externe" stellt, wie der Name bereits sagt, eine externe Fixationsmethode dar. Hierbei werden in einer Operation zuerst Pins durch den Knochen hindurchgeführt. Anschließend werden diese an Verbindungsstangen fixiert, die sich außerhalb des Hundebeines befinden (also extern liegen). Der Fixateur externe muss regelmäßig kontrolliert und nach erfolgreicher Knochenheilung entfernt werden. Dazu wird der Hund sediert, er bekommt also ein Beruhigungsmittel und ist für den Eingriff ruhiggestellt.

Interne Fixation bei einem Beinbruch beim Hund

Für die interne Fixation, die stets mit einer OP verbunden ist, stehen unter anderem folgende Systeme zur Verfügung:

  • Intramedulläre Nägel (ein Nagel, der der Länge nach durch das Knochenmark verläuft)
  • Verriegelungsnägel (ein spezieller Nagel, der der Länge nach durch das Knochenmark verläuft und zusätzlich durch Schrauben fixiert wird)
  • Orthopädische Drähte/Drahtcerclagen (spezielle Drähte werden um den Knochen herumgelegt und festgezogen) 
  • Knochenplatten und Schrauben (eine Knochenplatte wird am Knochen angelegt und mit Schrauben befestigt)

Auch bei diesen Methoden muss der Hund nach der Operation nochmals zu Nachkontrollen kommen, auch um anhand von Röntgenbildern den Heilungsverlauf des Bruchs beurteilen zu können.

Intramedulläre Nägel werden nach erfolgter Heilung meist wieder entfernt. Hierbei wird der Hund sediert, die Haut über dem Nagelende geschoren und gereinigt, ein Lokalanästhetikum verabreicht und der Nagel anschließend gezogen. Schließlich wird die Haut wieder vernäht.

Verriegelungsnägel und Drahtcerclagen hingegen können auch nach der Frakturheilung am Knochen belassen werden.

Knochenplatten können entweder am Knochen des Hundes verbleiben oder nach ausreichender Wartezeit (frühestens drei bis vier Monate nach der am Röntgenbild sichtbaren Knochenheilung) wieder entfernt werden.

Versorgung nach der Operation

Bereits vor und während der Operation erhält der Hund Schmerzmittel und diese werden auch anschließend mit nach Hause gegeben.

Nach der Operation eines Beinbruchs ist es wichtig, den Hund zu schonen. Bis zur vollständigen Heilung gilt es, die Bewegung auf langsame Spaziergänge an der Leine zu reduzieren, um negativen Folgen des Beinbruchs vorzubeugen.

Außerdem spielen auch Kältetherapie, Wärmetherapie und Physiotherapie eine große Rolle für eine gute Erholung des Hundes. Vor der eigenmächtigen Anwendung muss allerdings immer Rücksprache mit dem betreuenden Tierarzt gehalten werden und gerade Physiotherapie darf zu Beginn nur unter Aufsicht einer kundigen Person erfolgen.

Kältetherapie und Wärmetherapie

Kältetherapie kann beim Hund in den ersten zwei bis drei Tagen nach der Operation angewendet werden, da Kälte hier zum einen schmerzlindernd und zum anderen abschwellend wirkt. Mögliche Mittel der Kältetherapie sind Kältekompressen oder mit Eiswürfel gefüllte Plastikbeutel. Diese kann man dreimal täglich für etwa 20 Minuten auf die betroffene Stelle auflegen.

In der anschließenden chronischen Phase wird frühestens ab dem fünften Tag nach der OP mit Wärmetherapie fortgefahren, die ebenfalls schmerzlindernd wirkt und zusätzlich die Blutzirkulation anregt. Auch hier gilt: dreimal täglich für etwa 20 Minuten feuchte, heiße Handtücher auflegen. Um die Haut nicht zu verbrühen, dürfen die Tücher allerdings nicht zu heiß sein.

Physiotherapie für Hunde

Bei der sogenannten passiven Physiotherapie werden Muskeln, Sehnen und Bänder des Hundes, die sich über beziehungsweise unter der behandelten Stelle befinden, vorsichtig gedehnt. Ebenso werden Gelenke über und unter der Bruchstelle sanft gebeugt. Die größeren Gelenke (zum Beispiel Kniegelenk oder Ellbogengelenk) am betroffenen Bein sollte man etwa zwei bis drei Minuten lang beugen und strecken.

Um die Muskelkraft im Bein des Hundes aufrecht zu erhalten, sollte die passive Physiotherapie zusätzlich mit aktiver Physiotherapie kombiniert werden. Dabei wird ab der ersten Woche nach der Operation versucht, den Hund das operierte Bein für ein bis zwei Minuten belasten zu lassen.

Um die Belastung zu verstärken, kann vorsichtig die gesunde gegenüberliegende Pfote etwas angehoben werden. Wurde der Hund beispielsweise am rechten Vorderbein operiert, so wird versucht, die linke Vorderpfote zu beugen. Die Belastungsdauer wird schließlich langsam gesteigert, bis der Hund das Bein wieder komplett selbstständig benutzen kann.

Aktualisiert: 06.06.2018 – Autor: Theresa Heimerl

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