Die Bindehautentzündung beim Hund

Eine Bindehautentzündung lässt sich beim Hund meist an geröteten oder tränenden Augen erkennen. Manche Formen der Augenentzündung sind ansteckend.

Hund mit Bindehautentzündung © istockphoto, Ryszard_Kania

Die Bindehautentzündung (auch Bindehautkatharrh oder Konjunktivitis genannt) gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen beim Hund. Es handelt sich dabei um eine Entzündung der sogenannten Lidbindehäute. Dies sind Schleimhäute, die die hintere Fläche der Augenlider und einen Teil des Augapfels bedecken. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Verteilung der Tränenflüssigkeit auf dem Auge sowie für den Schutz des Auges.

Die Bindehautentzündung tritt oft als Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung auf. Verschiedene Rassen sind häufiger betroffen als andere. Wie man eine Konjunktivitis behandelt und ob die Augenentzündung ansteckend ist, erfahren Sie im Folgenden.

"Auge entzündet" – Woran erkennt man eine Bindehautentzündung beim Hund?

Eine Bindehautentzündung bei Hunden ist an verschiedenen Anzeichen zu erkennen. Es müssen jedoch nicht alle Symptome zwangsläufig auftreten. Zu den typischen Symptomen der entzündeten Bindehäute beim Hund gehören:

  • Rötung der Lidbindehäute
  • Schwellung der Lider
  • vermehrter Tränenfluss beziehungsweise Augenausfluss (klarer, schleimiger, eitriger oder blutiger Ausfluss ist möglich, oft entsteht der Eindruck, dass "das Auge eitert")
  • Schmerz (Blinzeln, Reiben des Auges)
  • Juckreiz
  • Lichtempfindlichkeit

Wie diagnostiziert der Tierarzt eine Bindehautentzündung beim Hund?

Hat ein Hund eine Bindehautentzündung, untersucht der Tierarzt das Auge zunächst gründlich, um anschließend ein geeignetes Medikament auswählen zu können.

Zuerst werden das Auge und seine Umgebung untersucht. Dabei können etwaige Fremdkörper im Bereich des Auges entdeckt und entfernt werden. Der Tierarzt hat dafür die Möglichkeit, das Auge mit einem Lokalanästhetikum zu betäuben.

Besteht der Verdacht, dass die Hornhaut beschädigt sein könnte, macht der Tierarzt den sogenannten Flourescein-Test. Dabei wird ein wasserlöslicher Farbstoff in das Auge des Hundes geträufelt. Defekte der Hornhaut können so angefärbt und somit erkannt werden. Außerdem kann dadurch überprüft werden, ob die Tränen-Nasen-Kanäle durchgängig sind.

Beim Schirmer-Tränen-Test wird ein Papierteststreifen in den Lidspalt gehalten und anhand einer Flüssigkeitssäule wird bestimmt, ob ausreichend Tränenflüssigkeit vorhanden ist. 

Wird eine Infektion mit Viren oder Bakterien vermutet, kann ein Abstrich der Lidbindehäute vorgenommen und im Labor untersucht werden.

Tierarzt entscheidet über richtige Behandlung

Abhängig vom Befund wird durch den Tierarzt eine passende Behandlung eingeleitet. Dies kann – je nach Symptomen und Ursache der Entzündung – durch die Wahl geeigneter Medikamente wie Augensalben oder Augentropfen geschehen. Beispielsweise werden bei einer Infektion mit Bakterien antibiotische Augensalben verschrieben. Kortisonhaltige Augensalben helfen bei immunbedingten Entzündungen.

Besonders bei antibiotikahaltigen Augensalben sollte unbedingt die vom Tierarzt vorgegebene Dauer angewendet werden, um eine erfolgreiche Therapie zu gewährleisten, Rückfälle zu vermeiden und eine Entstehung von resistenten Keimen zu verhindern.

Einige Tierärzte haben auch gute Erfahrung mit Homöopathie gemacht. Bei Fragen – beispielsweise zu Globuli oder Schüßler Salzen® – wenden Sie sich daher am besten an einen kundigen Tierarzt.

Augentropfen und Augensalbe – was ist zu beachten?

Wenn Augensalbe oder Augentropfen verschrieben werden, wird Ihr Tierarzt Ihnen zeigen, wie sie am besten zu verabreichen sind.

Falls die Mittel gekühlt werden müssen, hilft es, sie vor der Eingabe in der Hand oder in der Hosentasche anzuwärmen. Dann ist die Behandlung für den Hund angenehmer. 

Angebrochene Augensalben oder Augentropfen sollten nach Ende der Behandlung entsorgt werden. Sie können mit der Zeit mit Bakterien kontaminiert werden und bei erneutem Verwenden das Auge infizieren.

Bindehautentzündung beim Hund: stets zu behandeln

In unkomplizierten Fällen heilt eine Bindehautentzündung bei Hunden meist ohne Folgen aus, wenn sie richtig behandelt wird.

Unbehandelt kann es bei einer Bindehautentzündung jedoch zu verschiedenen Komplikationen kommen. Im schlimmsten Fall kann die Schädigung des Auges bis zur Blindheit fortschreiten.

Salben, Tropfen oder andere Mittel, die ohne korrekte Diagnose eines Tierarztes auf gut Glück in das erkrankte Auge geben werden, können im besten Fall einfach nur wirkungslos bleiben. Im schlimmsten Fall können sie aber das Auge nachhaltig schädigen. Deshalb sollten Sie eine Bindehautentzündung beim Hund niemals eigenständig therapieren.

Die Dauer und Kosten der Behandlung durch den Tierarzt hängen von der Diagnose ab. So müssen beispielsweise etwaige zugrundeliegende Erkrankungen mitbehandelt werden, wodurch die Therapie aufwändiger wird.

Was hilft unterstützend beim Behandeln einer Bindehautentzündung?

Bei Augenerkrankungen des Hundes können nur wenige Hausmittel helfen und diese sollten auch nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt angewendet werden. Die Bindehautentzündung sollte vorher korrekt diagnostiziert werden, um Folgeschäden zu verhindern und um Grunderkrankungen therapieren oder ausschließen zu können.

Das Wichtigste vorab: Kamillentee ist bei Hunden nicht zur Anwendung am Auge geeignet. Kamille trocknet die empfindlichen Schleimhäute zu sehr aus.

Zur Reinigung des Hundeauges von übermäßigem Augenausfluss oder eingetrocknetem Sekret können ein fusselfreies, weiches, sauberes Tuch und lauwarmes (am besten abgekochtes) Wasser genommen werden. Gereinigt werden nur die Umgebung des Auges und die Augenwinkel. Berührungen der Hornhaut sind für den Hund unangenehm bis schmerzhaft und können die Hornhaut schädigen.

Sollte die Bindehautentzündung durch einen akuten äußeren Einfluss wie Staub aufgetreten sein, kann Augentrost (Euphrasia) Linderung verschaffen. Diese Heilpflanze kann in Form von Tee, als Augensalbe oder Augentropfen in der Apotheke erworben werden.

Bei Verschlimmerung der Symptome oder Unsicherheiten über die Gründe der Bindehautentzündung sollte (nochmals) der Tierarzt aufgesucht werden.

Was sind die Ursachen einer Bindehautentzündung?

Es werden infektiöse (ansteckende) und nicht infektiöse Ursachen der Bindehautentzündung bei Hunden unterschieden. Als infektiöse Erreger kommen infrage:

  • Bakterien
  • Viren
  • Mykoplasmen (Bakterien, die über keine Zellwand verfügen)
  • Pilze
  • Parasiten

Bakteriell bedingte Bindehautentzündung

Die bakteriell bedingte Konjunktivitis tritt bei Hunden meist als sogenannte Sekundärerkrankung auf. Das heißt, dass eine andere Erkrankung vorliegt, welche das Immunsystem schwächt und so das Auge anfälliger für Bakterien macht. Am häufigsten werden Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken als Auslöser einer Bindehautentzündung nachgewiesen.

Ein Symptom einer bakteriell bedingten Bindehautentzündung kann eine eitrige Konjunktivitis sein.

Andere Erkrankungen als Auslöser einer Konjunktivitis

Folgende Krankheiten sind bei Hunden oftmals Auslöser einer Bindehautentzündung:

  • Staupe (canines Staupevirus) kann neben weiteren Symptomen des Magen-Darm-Trakts und des Atmungsapparates eine virale Konjunktivitis auslösen. 
  • Auch beim Zwingerhusten kann es zu einer Bindehautentzündung kommen. Zwingerhusten wird von verschiedenen Viren verursacht (möglich sind das canine Parainfluenzavirus 2, canine Adenovirus, canine Herpesvirus). Mykoplasmen und weitere Bakterien können hierbei ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Des Weiteren kann das canine Adenovirus 1 (der Erreger der Hepatitis contagiosa canis, ansteckenden Leberentzündung der Hunde) eine Konjunktivitis auslösen.

Gegen diese Hundekrankheiten ist eine Impfung verfügbar.

Infektionen mit Pilzen und Parasiten sind bei Hunden nur selten bis sehr selten Auslöser einer Bindehautentzündung.

Wann ist eine Bindehautentzündung bei Hunden ansteckend?

Ob eine infektiös bedingte Konjunktivitis auf andere Hunde oder sogar Menschen übertragbar ist, hängt von der Ursache ab. Generell sind Bakterien auch für Menschen ansteckend. Da die Ansteckung meistens über die Hände erfolgt, hilft regelmäßiges Händewaschen nach Berührung des Hundeauges, die Übertragung auf den Menschen zu unterbinden. Umgekehrt können theoretisch auch Bakterien vom Menschen auf Hunde übertragbar sein.

Ob sich ein Tier wirklich infiziert und erkrankt, hängt unter anderem von dessen Immunsystem ab und von der Ansteckungskraft der Bakterien. Das Gleiche gilt für Mykoplasmen und Pilze.

Die oben genannten viralen Hundekrankheiten sind für andere Hunde ansteckend. Geimpfte Hunde erkranken an diesen nur in den seltensten Fällen. Es kann jedoch vorkommen, dass sogenannte "Non-Responder" trotz Impfung nicht genügend Schutz durch Antikörper aufbauen und daher trotzdem erkranken können. Diese Tiere werden besonders durch die Herdenimmunität (andere geimpfte Tiere in der Umgebung) mit geschützt. Allerdings ist die Konjunktivitis bei diesen viralen Krankheiten ein Begleitsymptom, welches nicht unbedingt auftreten muss.

Nicht infektiöse Ursachen einer Bindehautentzündung beim Hund

Neben den ansteckenden Ursachen einer Bindehautentzündung kommen bei Hunden auch nicht infektiöse (sterile) Ursachen infrage:

  • Reizung durch äußere Einflüsse wie Staub, Zigarettenrauch, Wind, Fremdkörper, Chemikalien (Shampoo, Sprays, …)
  • Verletzungen des Auges
  • andere Veränderungen der Augen: zum Beispiel Erkrankungen der Lider, der Hornhaut und des Tränenapparates, Tumore
  • Allergien (Pollen, Futtermittel, …)

Bindehautentzündung als Folge anderer Augenkrankheiten

Oftmals kann eine Bindehautentzündung die Folge anderer Augenkrankheiten sein, zum Beispiel Erkrankungen der Augenlider, der Hornhaut oder des Tränenapparates. In solchen Fällen muss diese Grunderkrankung behandelt werden, um somit auch die Bindehautentzündung zu behandeln. Folgenden Augenkrankheiten können eine Konjunktivitis zur Folge haben.

  • eingerollter Lidrand (Entropium): Reizung der Lidbindehaut und der Hornhaut durch die Wimpern.
  • ausgestülpter Lidrand (Ektropium): Die Lidbindehaut liegt frei, da das Auge nicht richtig geschlossen werden kann. Es kommt zur Reizung und zum Tränen des Auges.
  • Knorpel des dritten Augenlids ist eingerollt (Eversierter Nickhautknorpel): Dies kann zu einer chronischen Konjunktivitis führen.
  • ungewöhnliches Haarwachstum (Trichiasis, Distichiasis): Die Haare hängen in das Auge und reizen Hornhaut und Lidbindehäute. Auch bei übermäßigen Hautfalten können Haare ins Auge wachsen und es schädigen.
  • trockenes Auge (Keratokonjunktivitis sicca): Es wird zu wenig Tränenflüssigkeit produziert. Dies führt zum Austrocknen und zur Entzündung des Auges.
  • verstopfter Tränennasengangkanal: Die Tränenflüssigkeit kann hier nicht abfließen. Das Auge tränt und ist somit anfällig für Bindehautentzündungen.

Häufig betroffene Hunderassen

Viele Hunderassen sind durch ihr rassetypisches Aussehen anfällig (prädisponiert) für oben genannte Augenerkrankungen. Diese werden meist vererbt und sind somit angeboren. 

Beispiele für Rassen, die häufig von einer oder mehreren Augenkrankheiten betroffen sind:

  • kurznasige (brachycephale) Rassen und/oder Hunde mit übermäßig Gesichtshautfalten: Mops, englische Bulldogge, französische Bulldogge, Pekinesen, Mastiff, Shar Pei
  • Hunde mit herunterhängenden unteren Augenlidern: Bernhardiner, Basset Hound, Mastiff
  • weitere Rassen: Cocker Spaniel, Shi Tzu

Die verschiedenen Formen der Bindehautentzündung

Bei Hunden werden zwei Arten der Bindehautentzündung unterschieden:

  1. akute Konjunktivitis
  2. chronische Konjunktivitis 

Unterschieden wird auch, ob nur ein Auge oder beide Augen betroffen sind. Dies nennt man dann je nachdem einseitige oder beidseitige Konjunktivitis.

Unter die akute Konjunktivitis fallen Entzündungen, die schnell und plötzlich auftreten. Wenn der Hund ständig eine Bindehautentzündung hat, nennt man dies chronische Konjunktivitis.

Chronische Bindehautentzündung bei Hunden

Wenn eine chronische Bindehautentzündung vorliegt und infektiöse Ursachen vermutet werden, empfiehlt es sich, anhand eines Abstrichs des betroffenen Auges die Erreger im Labor zu bestimmen, um danach gezielte Medikamente einzusetzen.

Bei nicht infektiösen Ursachen sollte nach der Entstehungsursache gesucht und diese, wenn möglich, abgestellt beziehungsweise behandelt werden. Der Hund kann eine andere Erkrankung haben, die immer wiederkehrende Bindehautentzündungen verursacht.

Juvenile Konjunktivitis

Die chronische Bindehautentzündung bei jungen Hunden wird juvenile oder follikuläre Konjunktivitis genannt. Sie kommt meistens bei jungen Hunden vor, deren Immunsystem noch in der Entwicklung ist. Bei dieser chronischen Form vergrößern sich kleine Lymphknötchen (sogenannte Lymphfollikel) – meist am dritten Augenlid – und können so das Gewebe irritieren.

Diese überschießende Reaktion des Immunsystems ist häufig bei Rassen zu sehen, deren Augenlider herabhängen und bei denen die Bindehäute somit weniger Schutz vor Umwelteinflüssen oder Allergenen haben (siehe oben).

In den meisten Fällen heilt diese Form der Bindehautentzündung bei Hunden innerhalb von einem bis anderthalb Jahren (je nach Rasse) von selbst aus. Daher wird sie nur bei stärkeren Beschwerden behandelt.

Aktualisiert: 15.06.2018 – Autor: Tanja Thiele

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