Borreliose beim Hund

Borreliose beim Hund ist eine Krankheit, die durch Zeckenbisse übertragen wird. Aufgrund der undeutlichen Symptome wird sie oft lange nicht erkannt.

Hund mit Borreliose © Tanja Thiele

Borreliose bei Hunden ist eine unter Hundebesitzern gefürchtete Erkrankung. Jede festgebissene Zecke am Hund bereitet dem Besitzer Sorgen, dass der Parasit mit den gefährlichen Borrelien oder anderen Erregern von Hundekrankheiten infiziert ist. Oft wird dann überlegt, woran man erkennen kann, ob der Hund an Borreliose erkrankt ist – plötzlich bereitet jede Lahmheit Kopfzerbrechen. Eine sichere Diagnose kann aber nur ein Tierarzt stellen. Im folgenden Artikel werden häufige Fragen über die Impfung, Symptome, Diagnose und Therapie der Borreliose bei Hunden geklärt. 

Borrelien – Bakterien in Schraubenform

Borreliose, auch Lyme Borreliose genannt, ist eine Erkrankung, die durch schraubenförmige Bakterien – Borrelien – verursacht wird. Diese können sich aktiv bewegen, aber sind in der freien Umwelt nicht überlebensfähig. Das bedeutet, dass sie auf Wirtsorganismen, meist Zecken, angewiesen sind. 

Übertragung von Borrelien auf den Hund

Die Borrelien befinden sich im Darm der Zecke und werden durch den Zeckenbiss – genaugenommen handelt es sich um einen Zeckenstich – zum Verlassen des Darms angeregt. Nach circa 24 bis 48 Sunden gelangen sie mithilfe des Zeckenspeichels aus der Zecke über den Stichkanal in die Haut des Hundes. Von dort aus können sie sich weiter in dessen Gelenke und Gewebe verteilen. 

In Deutschland ist der Hauptüberträger von Borreliose der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Alle Entwicklungsstadien der Zecke (Larve, Nymphe, Adulte) können mit Borrelien infiziert sein.

Borreliose – eine Erkrankung mit vielen Gesichtern

Die Symptome der Borreliose sind relativ unspezifisch und können zum Teil erst Monate nach dem Zeckenstich auftreten. Oft bringt man den Zeckenstich nicht mehr mit den Symptomen in Verbindung. 

Häufige Anzeichen der Borreliose bei Hunden sind:

  • Fieberschübe, zum Teil wiederkehrend
  • Mattigkeit
  • Futterverweigerung
  • Lahmheit durch Gelenksentzündung
  • Schwellung der Lymphknoten

All diese Symptome können, müssen aber nicht auftreten und erschweren damit das Erkennen der Erkrankung für den Besitzer. Auch kann es beispielsweise vorkommen, dass die Lahmheit beim Hund undeutlich und bei wechselnden Gliedmaßen auftritt und somit erst spät oder gar nicht erkannt wird.

Übrigens tritt das für den Menschen typische Erythema migrans (Wanderröte) bei einer Borrelieninfektion nach einem Zeckenstich beim Hund nicht auf.

Nachweis von Borreliose bei Hunden

Bei solch unspezifischen Symptomen muss immer der Tierarzt aufgesucht werden. Nur er kann durch eine gründliche Untersuchung des Hundes und geeignete Tests die genaue Diagnose stellen. 

Es gibt zwei Möglichkeiten, Borreliose bei Hunden nachzuweisen:

  • indirekte Methode über Antikörpernachweis im Blut
  • direkter Nachweis von Borrelien-DNA im Gewebe und in der Synovia (Gelenkflüssigkeit)

Antikörpernachweis mittels Blutuntersuchung

Der Antikörpernachweis mithilfe einer Blutuntersuchung ist bei Hunden das Mittel der Wahl zur Diagnose von Borreliose. Im Zweistufenverfahren wird zuerst überprüft, ob es eine positive Reaktion auf Borrelien-Antikörper gibt. Dieser Schritt reicht jedoch nicht aus, da es auch zu Kreuzreaktionen mit anderen Antikörpern kommen kann, die dann ein falschpositives Ergebnis anzeigen würden. 

Daher wird im zweiten Schritt mit einer spezifischen Untersuchung überprüft, ob es sich wirklich um Antikörper gegen Borreliose handelt. Dieser Test kann auch unterscheiden, ob es Antikörper sind, die aufgrund einer Infektion oder einer Impfung gebildet wurden. 

Allerdings ist dieser Test sehr kostenintensiv: Für die Untersuchung, die Blutentnahme und die Laborkosten sollten etwa 100 Euro veranschlagt werden. Dieser Preis kann allerdings je nach Tierarzt und Labor stark variieren. Zudem kann es im Rahmen der Diagnostik nötig sein, noch weitere Untersuchungen durchzuführen, sodass die Kosten schnell in die Höhe steigen können.

Nachweis von Borrelien-DNA im Gewebe

Bei dem direkten Nachweis wird lediglich nachgewiesen, ob DNA von Borrelien im Gewebe oder der Gelenkflüssigkeit des Hundes vorhanden ist. Jedoch gibt der Test keinen Aufschluss darüber, ob die Erreger noch lebendig oder – zum Beispiel durch vorherige Antibiotikagabe – bereits abgetötet sind. 

Auch ist nur ein positives Testergebnis beweisend, durch ein negatives Ergebnis lässt sich Borreliose jedoch nicht ausschließen. Schließlich kann es immer sein, dass in dem kleinen Gewebestück keine Erreger sind, der Hund aber trotzdem mit Borreliose infiziert ist.

Behandlung von Borreliose beim Hund

Wurde bei einem Hund die Diagnose Borreliose gestellt, folgt eine langwierige Behandlung, da die Borrelien sehr hartnäckig sind und sich zum Teil innerhalb des Hundekörpers zurückziehen können. 

Das Antibiotikum der Wahl ist bei ausgewachsenen Hunden Doxycyclin. Es hat neben der antibiotischen Wirkung auch eine chondroprotektive – also knorpelschützende – Komponente und wirkt sich daher positiv auf die Gelenke aus. Bei Jungtieren wird aber, aufgrund starker Nebenwirkungen von Doxycyclin in der Wachstumsphase, Amoxicillin bevorzugt. 

Die Antibiotikatherapie hat eine Dauer von 28 Tagen und sollte streng nach Vorgabe des Tierarztes erfolgen. Die Dosierung des Antibiotikums wird vom Tierarzt anhand des Körpergewichts genau für den Hund berechnet.

Wenn der Hund aufgrund der Entzündung starke Schmerzen hat, kann man zusätzlich ein passendes Schmerzmittel geben, um ihm etwas Erleichterung zu verschaffen.

Richtiger Umgang mit Antibiotika – Resistenzen verhindern

Da meist bereits wenige Tage nach Therapiebeginn eine deutliche Besserung beim Hund zu sehen ist, halten manche Besitzer eine weitere Behandlung nicht für notwendig. Dennoch dürfen Hundebesitzer ein Antibiotikum niemals vorzeitig absetzen. Das fördert Resistenzen der Erreger und macht die Behandlung der jeweiligen Krankheiten zukünftig deutlich schwieriger.

Ist Borreliose beim Hund heilbar?

Da die Borrelien sehr gut auf das Antibiotikum ansprechen, kommt es beim erkrankten Hund immer zu einer Verbesserung der aktuellen Symptomatik. Somit sind die Heilungschancen für diesen akuten Borrelioseschub sehr gut. 

Jedoch können sich die Borrelien auch zurückziehen. Es wird angenommen, dass sie sich in Zellen des Stützgewebes (Fibroblasten) oder Gewebszysten zurückziehen und somit für das Antibiotikum schwer erreichbar sind. Daher kann es auch nach langer Zeit zu Rückfällen kommen, sodass der Hund erneut therapiert werden muss. Deshalb kann man auch nach einer erfolgreichen Behandlung eines Borrelioseschubs nicht davon ausgehen, dass eine vollständige Heilung der Borreliose gegeben ist.

Borreliose homöopathisch behandeln

Aufgrund der schweren Erkrankung durch die Borrelien sollte der Besitzer nicht in Eigenregie versuchen, eine Borreliose mit Hausmitteln, homöopathischen Mitteln oder nicht vom Tierarzt verordneten Medikamenten zu behandeln. 

Aufgrund der nicht nachgewiesenen Wirksamkeit von Homöopathie sollte von einer rein homöopathischen Behandlung einer Borreliose bei Hunden abgesehen werden. In Absprache mit dem Tierarzt kann eine begleitende homöopathische Behandlung zur Unterstützung versucht werden.

Kardenwurzel gegen Borreliose

Kardenwurzel soll laut verschiedenen Erfahrungsberichten eine gute Wirksamkeit gegen Borreliose haben. Es soll sowohl antibakteriell und entzündungshemmend wirken als auch bei der Entgiftung helfen. 

Jedoch kann man ohne klinische Studien keine fundierte Aussage über die tatsächliche Wirksamkeit von Kardenwurzel gegen Borreliose beim Hund treffen. Eine unterstützende Anwendung von Kardenwurzel sollte daher nur nach Absprache mit dem Tierarzt erfolgen.

Prophylaxe durch Zeckenbekämpfung

Borrelien werden ausschließlich durch Zecken übertragen. Somit ist eine gute Zeckenprophylaxe der beste Schutz vor Borreliose beim Hund.

Neben dem täglichen Absuchen des Hundes und Absammeln von Zecken gibt es diverse Mittel, die verhindern, dass Zecken auf den Hund gehen, sogenannte Zeckenrepellentien.

Aufgrund der alleinigen Übertragung durch Zecken braucht man keine Sorgen haben, dass Borreliose durch einen Hundebiss auf Hund oder Mensch übertragen wird.

Impfung zur Vorbeugung von Borreliose beim Hund

Zusätzlich zur Zeckenprophylaxe gibt es die Möglichkeit, den Hund gegen Borreliose impfen zu lassen. Diese Impfung gehört nicht zu den Pflichtimpfungen, sondern kann zusätzlich durchgeführt werden.

Vor der Impfung des Hundes sollte ein Bluttest auf Borreliose durchgeführt werden, um auszuschließen, dass er bereits mit Borrelien infiziert ist. 

Wie wirkt die Impfung?

Die Borrelien besitzen spezielle Oberflächenproteine (Outer surface protein – Osp), die sich die Impfung zunutze macht.  Sind die Borrelien in den Zeckendarm durch eine Blutmahlzeit eingewandert, liegt dieses Protein als sogenannte Variante A (Osp A) vor. Es dient in dieser Form zur Anheftung an die Darmwand der Zecke. 

Beginnt die infizierte Zecke mit der Blutmahlzeit, kommt es in ihrem Darm zur Änderung der Temperatur und des pH-Wertes. Dies bewirkt bei den Borrelien eine Veränderung der Oberflächenproteine in die Variante C (Osp C). Die Borrelien wandern nun aus dem Darm in die Speicheldrüsen der Zecke. Mithilfe des Zeckenspeichels, der bei einem Stich abgegeben wird, gelangen die Borrelien in den Hund. 

Die Antikörper, die nach der Impfung durch das Immunsystem des Hundes produziert werden, wirken auf Variante A dieser Proteine: Wenn die Zecke einen geimpften Hund sticht, nimmt sie mit dessen Blut auch die Antikörper gegen Variante A auf, sodass die Borrelien, die im Zeckendarm sind, noch vor Abgabe an den Hund inaktiv gemacht werden und nicht mehr in dessen Haut einwandern können.

Ist die Impfung sinnvoll für meinen Hund?

Bei dem Impfstoff gegen Borreliose handelt es sich um inaktivierte Erreger, die im Hund keine Erkrankung auslösen, aber zur Antikörperproduktion führen. Es gibt viele verschiedene Stämme der Borrelien. Die Impfung ist somit nur gegen den Borrelien-Stamm wirksam, welchen sie als abgetöteten Erreger enthält.

Da auch in Deutschland Borreliose durch verschiedene Borrelienstämme verursacht werden kann und die Impfung nicht alle Stämme enthält, gilt sie in einigen Kreisen als umstritten. 

Für welche Hunde lohnt sich die Impfung gegen Borreliose?

Ratsam ist es, Hunde zu impfen, die viel im Unterholz unterwegs sind und somit oft mit Zecken in Berührung kommen, also besonders Jagdhunde. Auch in Gebieten, wo Borreliose verbreitet ist, bietet sich dieser zusätzliche Schutz an. 

Ihr Tierarzt kann Sie bezüglich des Vorkommens von Borreliose in Ihrer Region informieren und Sie beraten, ob sich die Impfung für Ihren Hund lohnt. Schließlich muss die Impfung, um einen ordentlichen Schutz zu bieten, anfangs mehrmals in kurzer Zeit und dann regelmäßig aufgefrischt werden.  Das verursacht natürlich zusätzliche Kosten. 

Nebenwirkungen der Borreliose-Impfung

Wie bei jeder Impfung kann es auch bei der Borreliose-Impfung für den Hund zu Nebenwirkungen kommen, beispielsweise zu lokalen Reaktionen an der Stichstelle oder Abgeschlagenheit ein bis zwei Tage nach der Impfung.

Ob die Impfung eine sinnvolle Investition für die Gesundheit des Hundes ist, muss individuell entschieden werden. Trotzdem sollte immer dem Zeckenbefall vorgebeugt werden. Das ist die beste Methode, den Hund vor Borreliose zu schützen und auch das Verschleppen von Zecken in die Wohnung – und somit den Übergang der Zecke auf den Menschen oder andere Haustiere – zu vermeiden.

Aktualisiert: 26.06.2017 – Autor: Susanne Prochnau

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