Tollwut beim Hund – das sollten Sie wissen

Tollwut wird bei Hunden meist durch Bisse von Wildtieren übertragen. Die Impfung ist der einzige Schutz gegen die Krankheit und sollte regelmäßig aufgefrischt werden.

Aggressiver Hund mit Tollwut © istockphoto, OgnjenO

Tollwut ist eine Viruserkrankung, die alle Warmblüter befallen kann und meist tödlich endet. Eine Impfung ist für Hunde der einzige Schutz gegen die Krankheit. Auch der Mensch kann sich infizieren und an der Tollwut sterben. Sie wird in der Regel durch Bisse übertragen und erfordert eine umgehende Behandlung. Wie man eine Tollwutinfektion bei Hunden erkennt, erfahren Sie hier.

Das Tollwutvirus

Die Tollwut wird durch das sogenannte Lyssavirus übertragen. Lyssa ist das altgriechische Wort für Wahnsinn, womit das bekannteste Symptom der Tollwut beschrieben wird.

Außerhalb eines Wirtes ist das Tollwutvirus sehr instabil und kann durch UV-Licht oder Desinfektionsmittel abgetötet werden. Es hält sich jedoch lange in Kadavern von an der Tollwut gestorbenen Tieren. Hunde infizieren sich dennoch nicht, wenn sie Kadaver von solchen Tieren fressen.

Arten von Tollwut

Die Tollwut kann alle Warmblüter befallen, am bekanntesten ist die Tollwut von Hunden und Menschen. Je nachdem, welcher Wirt infiziert ist, unterscheidet man drei Arten von Tollwut:

  • Die urbane Tollwut beschreibt die städtische Ausprägung in Haustieren. Diese Art der Tollwut kommt in Deutschland dank Impfungen und Wildimpfprogrammen nicht mehr vor.
  • In Deutschland gibt es jedoch immer noch die silvatische Tollwut, die Tollwut von Wildtieren (nach dem lateinischen Wort für Wald).
  • Auch die aviäre Tollwut von fliegenden Tieren, meist Fledermäusen, kommt hierzulande weiterhin vor.

Alle drei Arten werden durch das gleiche Virus ausgelöst und dienen lediglich einer Einordnung des Vorkommens.

Deutschland ist tollwutfrei – was heißt das?

Als tollwutfrei gilt ein Land, wenn keine urbane Tollwut vorkommt – silvatische und aviäre Tollwut sind bei dieser Einstufung ausgenommen. Daher hat Deutschland seit vielen Jahren den Status eines tollwutfreien Landes.

In asiatischen Ländern und in Teilen Afrikas kommen jedoch jährlich mehrere Zehntausend Menschen an – durch Bisse von streunenden Hunden übertragener – Tollwut um.

In Deutschland kommt die Tollwut aktuell bei Waldbewohnern, wie Dachsen und Füchsen, und bei Fledermäusen vor. Diese Tiere können Haustiere, wie den Hund, anstecken.

Komplett frei von Tollwut sind auf der Welt nur einige wenige Länder, meist Inseln. Dazu gehören Japan, Neuseeland und Großbritannien. Dort herrschen neben der Impfpflicht strenge Einfuhrregulationen für alle Tiere.

Übertragung der Tollwut

Tollwut wurde früher hauptsächlich durch Bisse von infizierten Füchsen übertragen. Seit 1978 werden Wildtiere, darunter der Fuchs, über Köder geimpft, was zu einem deutlichen Rückgang der silvatischen Tollwut geführt hat.

Die aviäre Tollwut der Fledermäuse kommt in Deutschland immer noch häufig vor. Fledermäuse erkranken jedoch nicht an der Tollwut, sondern tragen das Virus meist ohne Symptome in sich. Die Infektion durch Fledermäuse ist theoretisch auch über Kotstaub möglich, aber sehr selten. Fledermausbisse kommen nur sehr selten vor, beispielsweise wenn Fledermäuse gefangen und bedrängt werden.

In den letzten Jahren kam es nur selten zu Tollwutfällen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz – und diese wenigen Fälle wurden durch illegal importierte Tiere ausgelöst. Bereits 2004 wurden die Einfuhrbestimmungen für den gesamten EU-Raum verschärft, was einen weiteren Rückgang der Tollwutfälle bewirkt hat.

Symptome: Wie erkennt man Tollwut beim Hund?

Während Fledermäuse symptomfrei bleiben, läuft bei Hunden, Füchsen und auch beim Mensch die Tollwut in drei definierten Stadien ab. Die Symptome treten erst nach einer Inkubationszeit von bis zu 24 Wochen nach Infektion durch einen Biss auf.

  1. Das Prodromalstadium ist das erste Stadium. Es dauert wenige Stunden bis Tage an. Als erste Anzeichen zeigt der infizierte Hund Wesensänderungen wie Angst und unmotiviertes Bellen oder Beißen. Hier ist eine Tollwut noch schwierig zu erkennen, da die Symptome auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten können. Der Hund kann das Virus über Bisse aber schon übertragen.
  2. Das Exzitationsstadium ist namensgebend für die Tollwut, da es auch rasende Wut genannt wird. Dieses Stadium dauert maximal eine Woche und ist gekennzeichnet von starker Aggressivität, Schluckstörungen, die den bekannten Schaum vor dem Maul verursachen können, Muskelzittern und Desorientiertheit. In einigen Fällen entfällt die Aggressivität. Dann spricht man von einer stillen Wut: Die Hunde zeigen einen ausdruckslosen Blick und sind teilnahmslos.
  3. Das letzte Stadium ist das Depressionsstadium. Hier kommt es zu Lähmungen bis zum Koma. Nach wenigen Tagen tritt immer der Tod ein.

Verdacht auf Tollwut beim Hund – was tun?

Zeigt ein Hund Symptome der Tollwut und ist eventuell sogar eine Bissverletzung durch ein Wildtier bekannt, so muss umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. Besitzer sollten sehr vorsichtig mit dem Hund umgehen, da mit Tollwut infizierte Hunde sich unberechenbar verhalten.

Jeder Verdacht auf Tollwut muss dem örtlichen Veterinäramt gemeldet werden. Die Bundesländer haben verschiedene Maßnahmenkataloge, was bei einem Tollwutverdacht geschehen muss.

Kontaktieren Sie umgehend einen Tierarzt, wenn Ihr Hund nach einem Wildtierkontakt Anzeichen der Tollwut zeigen sollte. Der Tierarzt weiß, welche Maßnahmen einzuleiten sind.

Tollwut ist für Hunde immer tödlich

Therapieversuche sind bei Hunden mit Tollwut in allen Bundesländern streng verboten, um eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern. Die Prognose bei einer Tollwutinfektion ist für einen ungeimpften Hund "infaust", also immer tödlich.

Ein Hund mit Tollwut lebt nur wenige Tage. Hunde mit deutlichen Anzeichen auf Tollwut müssen vom Amtstierarzt eingeschläfert werden. Eine Infektion mit Tollwut ist nur am toten Tier sicher nachweisbar.

Tollwut durch Hundebiss – erste Maßnahmen

Wurde ein Mensch von einem Hund oder Fuchs mit Verdacht auf Tollwut gebissen, so muss umgehend eine Behandlung eingeleitet werden. Zuerst muss die Wunde gründlich mit Wasser und Seife oder Desinfektionsmittel gereinigt werden.

Anschließend erfolgt die Gabe einer sogenannten postexpositionellen Impfung und Antikörpern gegen Tollwut. Bei rechtzeitiger Behandlung kann ein Ausbruch der Krankheit verhindert werden, das Virus wird eingedämmt, bevor Symptome auftreten.

Ist die Tollwut beim Menschen erstmal ausgebrochen, so ist die Prognose auch hier infaust.

Impfung bietet entscheidenden Schutz

Da die Tollwut für Hunde immer tödlich endet und eine Therapie streng verboten ist, hilft nur eine Impfung zur Vorbeugung gegen die Krankheit. Schon eine einmalige Grundimmunisierung eines Hundewelpen im dritten Lebensmonat bietet Schutz gegen das Virus.

Die Impfung ist nach wenigen Tagen wirksam und wird in der sechzehnten Lebenswoche und nach fünfzehn Monaten aufgefrischt. Danach wird alle drei Jahre eine Auffrischungsimpfung durchgeführt.

Dass ein Hund trotz Impfung an Tollwut erkrankt, ist unwahrscheinlich, da die Immunreaktion auf die Impfung sehr stark ist. Da das Virus im Impfstoff inaktiviert ist, kann ein Hund durch die Impfung nicht an Tollwut erkranken. Genauso wenig können geimpfte Hunde Tollwut übertragen.

Die Impfung wird von Hunden bis auf eine vorübergehende Mattheit üblicherweise gut vertragen und hat insbesondere im Vergleich mit dem hohen Nutzen nur geringfügige Nebenwirkungen. Die Kosten der Hundeimpfung gegen Tollwut sind sehr gering.

Tollwutimpfung: Impfpflicht für Hunde?

In Deutschland ist die Impfung gegen Tollwut und deren regelmäßige Auffrischung für Hunde empfohlen, aber keine Pflicht. Bei Reisen ins Ausland ist die Tollwutimpfung häufig vorgeschrieben. Stellen Sie sicher, dass Sie den Impfpass Ihres Hundes mit gültigen Impfungen immer aktuell halten und bei Auslandsreisen mit sich führen.

Die Impfung gegen Tollwut ist äußerst sinnvoll, da nur über eine breite Immunisierung der Hundepopulation verhindert werden kann, dass es zu vermehrtem Auftreten von Tollwut kommt.

Die Tollwut gänzlich auszurotten, ist in Deutschland sehr schwierig, da sich die aviäre Fledermaustollwut hartnäckig hält. Die silvatische Tollwut von Wildtieren wurde über Impfprogramme mittels Ködern stark eingedämmt.

Wenn weiterhin alle Hunde geimpft werden, wird es gelingen, die Fälle von Tollwut auf ihrem bisherigen sehr geringen Niveau zu halten. So ist nicht nur der Hund, sondern auch der Mensch vor Tollwut geschützt.

Aktualisiert: 18.05.2017 – Autor: Karim Montasser

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