FIP bei der Katze

Typische Symptome von FIP bei Katzen sind Fieber und Appetitlosigkeit. Die Katzenkrankheit ist nicht heilbar, die Impfung jedoch umstritten.

Dicker Bauch als typisches Symptom von FIP bei Katzen © istockphoto, boyarkinamarina

Die Feline Infektiöse Peritonitis, oder kurz FIP, ist eine tödlich verlaufende Katzenkrankheit und wird durch das FIP-Virus ausgelöst. Die Besonderheit des FIP-Virus ist, dass es – bis auf Ausnahmen – nicht von Katze zu Katze übertragen wird. Es entsteht in der Katze selbst als Mutation aus einem anderen Virus. Das Ursprungsvirus stammt aus der Familie der Felinen Coronaviren. Was bei Verdacht auf FIP zu tun ist und ob eine Impfung der Erkrankung vorbeugen kann, erklären wir Ihnen hier.

Coronavirus als Ursprung von FIP

Feline Coronaviren (FCoV) können bei jungen Katzen für milde Durchfallerkrankungen oder milden Schnupfen verantwortlich sein. Oft verläuft eine Infektion mit den Coronaviren aber auch komplett symptomfrei. 

Bei einem Großteil der jungen Katzen eliminiert das Immunsystem die Viren erfolgreich. Nur bei einem geringen Anteil kommt es zu einer Mutation des FCoV, wodurch ein FIP-Virus erzeugt wird. 

Mutation macht aus FCoV ein FIP-Virus

Wenn Viren sich vermehren, kann es zu Mutationen, also genetischen Veränderungen, kommen. Bei FCoV ist dies besonders häufig der Fall. Diese Mutationen sind mehr oder weniger zufällig. Das Produkt kann in seltenen Fällen ein FIP-Virus sein. Dieses ist mit dem Felinen Coronavirus verwandt, löst aber eine völlig andere Erkrankung aus: Die FIP.

Verschiedene Faktoren beeinflussen, ob diese fatale Mutation auftritt. Unter anderem ist es bei einer großen Menge an Coronaviren statistisch wahrscheinlicher, dass die Mutation zum FIP-Virus auftritt. Ist eine junge Katze also mit mehr Viren infiziert, steigt die Wahrscheinlichkeit, an FIP zu erkranken. Die Menge an FCoV hängt einerseits damit zusammen, ob die Katze sich an einer großen Menge Viren ansteckt und andererseits, wie gut sich das Virus in der Katze vermehren kann. 

Ansteckung mit Coronavirus kaum zu vermeiden

Die Ansteckung mit dem Felinen Coronavirus erfolgt durch Kot oder per Tröpfcheninfektion von anderen Katzen. Obwohl die Inkubationszeit von FCoV mehrere Monate beträgt, scheiden infizierte Katzen bereits nach wenigen Tagen Viren aus und können so andere Katzen anstecken. 

Tragende Katzen, die mit FCoV infiziert sind, können ihren Nachwuchs schon im Mutterleib anstecken. Eine Übertragung durch den Menschen ist beispielsweise durch Katzenkot an Schuhen von Besitzern ebenfalls möglich.

Daher ist es sehr schwierig, den Kontakt mit dem Felinen Coronavirus zu vermeiden und die meisten jungen Katzen stecken sich mit FCoV an. 

Geschwächtes Immunsystem begünstigt Mutation

Junge Katzen haben noch nicht das ausgereifte Immunsystem älterer Katzen und können dem Coronavirus weniger entgegensetzen. Daher kann es sich besser vermehren. Bei alten Katzen nimmt die Immunleistung wieder ab, was den gleichen Effekt hat. Auch Stress, wie ein Umzug, ein Besitzerwechsel oder ein Aufenthalt in einem Tierheim, senken die Immunleistung einer Katze.

Eine gleichzeitige Infektion mit FeLV (Felines Leukosevirus) senkt die Menge an T-Helferzellen in der Katze. Diese Zellen sind an der Beseitigung von FCoV beteiligt. Ohne T-Helferzellen kommt es zu einer höheren Menge der Felinen Coronaviren in der Katze. Dadurch steigt wiederum die Chance auf eine Mutation zu einem FIP-Virus.

FIP-Virus umgeht die Immunabwehr der Katze

Ist eine immunkompetente Katze, also eine Katze mit einem gut funktionierenden Immunsystem, nach einer Mutation mit dem FIP-Virus infiziert, bildet sie unter anderem Makrophagen und Monozyten zur Bekämpfung des FIP-Virus. Diese Zellen nehmen das Virus auf, um es zu vernichten. 

Das FIP-Virus kann sich aber innerhalb von Makrophagen und Monozyten vermehren, was zu einer Erhöhung der Virusmenge führt. Die Immunantwort der Katze ist umgangen. Als Reaktion auf die höhere Virusmenge bildet der Körper der Katze mehr Makrophagen und Monozyten, was wiederum zu mehr Viren führt – so entsteht ein Spiraleffekt. 

Ist das Immunsystem der Katze geschwächt, können sich die Viren ungestört vermehren. Sowohl eine ausbleibende, als auch eine vorhandene Immunantwort führen also letztlich zu einer Virusvermehrung bis zum Kollaps des Immunsystems.

Welche Katzen erkranken an einer FIP?

FIP tritt am häufigsten bei Katzen unter einem Jahr auf – 50 Prozent der erkrankten Tiere stammen aus dieser Altersgruppe. 70 Prozent der erkrankten Tiere sind unter vier Jahre alt. 

Besonders Katzen in großen Beständen oder stressigen Haltungsbedingungen, wie in Tierheimen, sind häufiger betroffen, da hier die Virusdichte des Coronavirus höher ist und das Stresslevel das Immunsystem schwächt. 

Jährlich erkranken jedoch weniger als 2 Prozent aller Katzen an FIP.

Symptome und Formen von FIP

Erste Anzeichen für den Ausbruch der Katzenerkrankung FIP sind Fieber und ein verminderter Appetit der Katze.

Im weiteren Verlauf der Krankheit gibt es zwei Formen der FIP, die ineinander übergehen können. Die sogenannte trockene und die feuchte FIP:

  • Die feuchte Form kommt in etwa 40 Prozent der Fälle vor. Bei der feuchten FIP kommt es zu einer Entzündung der Bauch- und Brusthöhle. Dadurch entstehen die charakteristischen Ansammlungen von Flüssigkeit. Der Entzündung der Bauchhöhle, einer Peritonitis, verdankt die FIP ihren Namen. Durch Schäden an den Blutgefäßen kommt es zum Austritt proteinreicher, gelblicher Flüssigkeit. Im Bauchraum führt diese zu einem pendelnden, dicken Bauch, in der Brusthöhle zu lebensbedrohlicher Atemnot.
  • Bei der trockenen Form kommt es zu knotigen Veränderungen verschiedener Organe. Je nach befallenem Organ kann es zu unterschiedlichen Symptomen kommen. Geschwollene Lymphknoten, neurologische Veränderungen, wie Lähmungen, Gelbsucht oder Störungen der Augen können die Folge sein.

Die feuchte und die trockene Form können auch zusammen auftreten. Außerdem kann die feuchte Form gleichzeitig zu Flüssigkeit in der Brusthöhle und im Bauchraum führen.

Diagnose der FIP

Der Verdacht auf eine FIP kann durch einen Tierarzt bestätigt werden. Dazu ist es nötig, verschiedene Tests durchzuführen und die Ergebnisse miteinander zu vergleichen. Alle Symptome der Katze müssen betrachtet werden.

Ein Blutbild kann auf verschiedene Arten verändert sein. Eine Anämie, also Armut an roten Blutkörperchen, ist häufig. 

Rivalta-Probe bei feuchter FIP

Leidet die Katze an Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum oder der Brusthöhle, kann ein Teil der Flüssigkeit abpunktiert und überprüft werden, ob es sich um das Produkt einer feuchten FIP handelt. Die Flüssigkeit bei einer feuchten FIP ist bernsteinfarben, proteinreich und Fäden ziehend. 

Mittels der sogenannten Rivalta-Probe kann ein Tierarzt feststellen, ob eine FIP wahrscheinlich ist. Dafür wird ein Tropfen der abpunktierten Flüssigkeit in ein Gemisch aus Wasser und Essigsäure gegeben. Vermischt sich die abpunktierte Flüssigkeit mit dem Gemisch, ist der Test negativ. Bleibt der zugegebene Tropfen intakt und zieht einen Faden, handelt es sich wahrscheinlich um eine FIP, der Test gilt dann als positiv. Einen definitiven Nachweis gibt es nicht. Nur die Summe der Tests ermöglicht eine sichere Diagnose.

Andere Ursachen für Flüssigkeitsansammlungen können Herzfehler, Lebererkrankungen oder Tumore sein.

Trockene FIP: Ausschluss anderer Erkrankungen

Die Diagnose der trockenen FIP ist schwieriger als bei der feuchten Form. Es müssen FIV ("Katzenaids") und FeLV ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome wie die trockene FIP verursachen. Auch hier ist die Summe der Tests aussagekräftig, da es keinen einzelnen beweisenden Test gibt.

FCoV-Titer nicht aussagekräftig

Eine Bestimmung des FCoV-Titers erlaubt eine Aussage darüber, ob die Katze in letzter Zeit Kontakt zu FCoV hatte. Die verfügbaren Schnelltests haben jedoch für die FIP keine Aussagekraft. Hier kommt es oft zu Fehldiagnosen oder Missverständnissen. Da das FIP-Virus, wie beschrieben, nur selten aus FCoV mutiert, geben diese Tests keinen Hinweis darauf, ob die Katze an FIP erkrankt ist. Ein hoher Virustiter von FCoV ist häufig harmlos.

Kann FIP behandelt werden?

Eine FIP kann nicht behandelt werden, da es derzeit keine geeignete Therapie gibt. Die Erkrankung ist nicht heilbar und führt immer zum Tod der Katze. Symptomatische Behandlungen, etwa mit Cortison oder durch Abpunktion eines Brusthöhlenergusses zur Verbesserung der Atmung, helfen nur sehr kurzfristig – eine langfristige Heilung ist aber ausgeschlossen. 

Hat eine Katze FIP, beträgt ihre Lebenserwartung wenige Wochen. Daher ist es ratsam, die betroffene Katze durch den Tierarzt zu erlösen, also einschläfern zu lassen, sobald die Symptome die Lebensqualität einschränken. Da die Schmerzen, besonders bei starken Entzündungen, immens sind, sollte nicht zu lange damit gewartet werden.

Ansteckung in Ausnahmefällen möglich 

Das FIP-Virus kann eine Woche außerhalb eines Wirtes überleben. So lange sollte das Zuhause der verstorbenen Katze nicht durch eine neue Katze bezogen werden. Außerdem empfiehlt es sich, Näpfe und Kotplätze auszuwechseln beziehungsweise gründlich zu desinfizieren. So kann man dem seltenen Fall einer Ansteckung mit dem FIP-Virus vorbeugen.

Hat in einem Mehrkatzenhaushalt eine Katze FIP und die andere nicht, ist eine Trennung der Tiere nicht sinnvoll. Es ist wahrscheinlich, dass die gesunde Katze Kontakt zu dem Virus hatte und dennoch nicht erkrankte. Eine Trennung bedeutet hingegen meistens Stress, der das Immunsystem schwächt.

Der Mensch kann sich an FIP nicht anstecken. Es handelt sich also nicht um sogenannte eine Zoonose.

Gibt es eine Impfung gegen FIP?

Die Impfung gegen FIP richtet sich eigentlich nicht gegen das FIP-Virus, sondern gegen eine FCoV-Infektion. Es gibt eine Impfung für Katzen, die in Deutschland nicht standardmäßig angewandt wird und sehr umstritten ist.

Bei dieser Impfung wurde das Feline Coronavirus so verändert, dass es sich nur noch bei 30 Grad Celsius vermehren kann. Die normale Körperinnentemperatur einer Katze liegt höher. Die Impfung wird der Katze als Spray in die Nase gegeben. In der Nasenhöhle ist es kühler als im Rest des Körpers und das Virus kann sich lokal vermehren, ohne Schaden anzurichten. Die Katze kann so eine Immunantwort ausbilden, ohne lebenswichtige Organe zu gefährden.

Ist eine Impfung sinnvoll?

Das Problem dieser sogenannten FIP-Impfung ist einerseits, dass es unsicher ist, ob sich geimpfte Katzen nicht sogar schneller an einer FIP infizieren. Die Datenlage ist hier uneindeutig. 

Ein größeres Problem ist aber, dass die Impfung nur dann sinnvoll ist, wenn die Katze vor der Impfung nie Kontakt zu FCoV hatte. Da die Impfung in der 16. Lebenswoche empfohlen wird und FCoV wie beschrieben sehr häufig vorkommt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die junge Katze vor der Impfung keinen Kontakt mit FCoV hatte.

Eine Impfung ist also möglich, aber nur von eingeschränktem Nutzen. Daher sollte der Wunsch nach einer FIP-Impfung für die Katze mit dem Tierarzt eingehend besprochen werden.

Aktualisiert: 02.10.2017 – Autor: Karim Montasser

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