Meine Katze hat Giardien – was nun?

Giardien sind Parasiten, die bei Katzen Durchfall verursachen. Giardiose ist sehr ansteckend, die Behandlung erfolgt mit Medikamenten und strenger Hygiene.

Katze mit Giardien auf Katzenklo © istockphoto, ZoranMilisavljevic83

Giardien sind durchfallverursachende Parasiten, jedoch keine Würmer. Sie können Hund und Katze, aber auch den Menschen befallen (zoonotisches Potential). Häufig erkranken Kinder und Jungtiere an Giardiose. Die medikamentöse Behandlung der Giardieninfektion erfolgt bei Katzen, neben klassischer Durchfall-Therapie, mit Metronidazol, Carnidazol oder Fenbendazol. Hygiene spielt bei der Behandlung begleitend eine essenzielle Rolle.

Was sind Giardien?

Giardien sind einzellige, birnenförmige Parasiten, die viele Wirbeltiere befallen, vor allem aber Hunde und Katzen. Das häufigste Symptom, mit dem die Katze beim Tierarzt vorgestellt wird, ist Durchfall. Giardienbefall zählt in Deutschland zu den am häufigsten nachgewiesenen parasitären Erkrankungen bei Katzen.

Durchfall als Folge einer Giardieninfektion

Giardien siedeln sich nach der Infektion im Dünndarm der Katze an, indem sie sich mit einem Saugnapf, der sich an ihrer Unterseite findet, an der Darmschleimhaut festsaugen. Dadurch wird die Darmschleimhaut geschädigt, häufig kommt es zum Symptom Durchfall. Bei der Katze befallen die Parasiten nicht nur den Dünndarm, sondern auch Teile des Dickdarms: den Blinddarm (Zäkum).

Ansteckende Zysten

Während ihrer Entwicklung durchlaufen Giardien bei Katzen zwei Formen, eine Dauerform (Zystenform oder "Giardiazyste") und eine Wachstumsform (vegetative Form), sogenannte Trophozoiten (trophos – griech. Ernährung). Die Zysten werden mit dem Kot der Katze ausgeschieden und sind drei bis vier Wochen lang ansteckend.

Vor allem junge Katzen können aufgrund ihres Immunsystems sehr hohe Zahlen an ansteckenden Zysten ausscheiden. Die "Giardiazyste" ist sehr widerstandsfähig gegen äußere Einflüsse und kann monatelang überlebensfähig bleiben. Vor allem durch kontaminiertes Oberflächenwasser können die Giardien bei Katzen weit verbreitet werden.

Woher kommen Giardien bei Katzen? 

Eine Giardieninfektion bei Katzen erfolgt durch orale Aufnahme der ansteckenden Zysten aus der Umwelt, beispielsweise mit dem Trinkwasser oder durch Schmierinfektion. Diese Zysten verlassen ihre Dauerform (Enzystierung) nach Passage des Magens im Dünndarm. Aus der Zyste entstehen zwei das Darmepithel schädigende Trophozoiten.

Zwischen Aufnahme der ansteckenden Zysten und den ersten Symptomen der Krankheit können vier bis 16 Tage vergehen.

Anzeichen der Erkrankung

Durch den Befall der Darmschleimhaut werden die Nährstoffe nicht mehr wie gewohnt über die Darmschleimhaut aufgenommen, es kommt bei der erkrankten Katze zu Nährstoffmangel bis hin zu rapider Abmagerung.

Häufig ist eine Infektion von schleimigen Durchfall begleitet. Durch Protein- und Wasserverlust wirken die betroffenen Katzen oft mager und dehydriert. Bei älteren Katzen mit intaktem Immunsystem kann eine Infektion auch ohne klinische Symptomatik verlaufen, diese Katzen sind häufig die unbemerkte Kontaminationsursache.

Die Giardiose ist häufig auch eine sogenannte Faktorenkrankheit, denn andere Faktoren, zum Beispiel hormonelle Erkrankungen, können den Krankheitsverlauf begünstigen. Ebenso kann kohlenhydratreiche Ernährung die Giardieninfektion begünstigen, da Kohlenhydrate die Nährstoffquelle für die Giardien sind.

Typische Symptome einer Giardieninfektion

Häufige Symptome einer Giardiose bei Katzen sind:

  • akuter oder chronischer Durchfall, eventuell gelblich, mit Schleimbeimengungen, gelegentlich Blut
  • Erbrechen ist nicht auszuschließen
  • unveränderter Appetit, aber enormer Gewichtsverlust binnen wenigen Tagen
  • teilweise Fieber

Katzen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders gefährdet, also junge, kranke und alte Katzen. Aber auch Katzen, die aus dem Ausland kommen, sind häufig betroffen.

Nachweis des Parasiten per Schnelltest

Der Nachweis der Giardiose erfolgt im Kot der Katze durch Ihren Tierarzt. Dabei ist es unerlässlich, den Kot von mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen zu untersuchen, da die Ausscheidung der Zysten nicht direkt mit dem Einsetzen des Durchfalls, sondern erst drei bis vier Tage später erfolgt.

Hierzu wird eine Tupferprobe des Kots entnommen und einem Schnelltest unterzogen. Nachgewiesen wird ein Bestandteil der Giardien im Kot der Katze, ein sogenanntes Koproantigen. Ist der Schnelltest positiv, kann man von einer Giardieninfektion ausgehen. Wichtig ist es, den Test nach drei bis vier Wochen zu wiederholen, um eine erneute Ansteckung durch die kontaminierte Umwelt auszuschließen.

In jedem Fall sollte eine Katze mit schwerem Durchfall immer einem Tierarzt vorgestellt werden.

Giardien behandeln

Die Schulmedizin bietet drei verschiedene Medikamente zur Behandlung von Katzen, die von Giariden betroffen sind, zur Auswahl:

  1. Metronidazol
  2. Fenbendazol
  3. Carnidazol

Metronidazol ist ein Antibiotikum, das auch zur Behandlung von Infektionen mit anaeroben Bakterien verwendet wird und deshalb sehr wirksam gegen sauerstoffunabhängige Giardien ist. Zur Behandlung der betroffenen Katze empfiehlt sich: 12,5-25 mg pro kg Körpergewicht (mg/kg KG) zweimal täglich über fünf Tage als Tablette zum Schlucken.

Eine Alternative bietet Carnidazol (Handelsname Spartix®).

Therapie mit Fenbendazol

Zum anderen ist bei einer Giardieninfektion eine Therapie mit dem Wirkstoff Fenbendazol (Handelsname Panacur®) möglich, das häufig auch zur Entwurmung verwendet wird. Zusätzlich ist bei schwerer Dehydratation die klassische Durchfallbehandlung in Form von Infusionen unerlässlich.

Da Fenbendazol weniger Nebenwirkungen aufweist als Metronidazol, sollte der Behandlung mit Fenbendazol der Vorzug gegeben werden. Hier empfiehlt sich eine orale Dosis von 50 mg/kg KG über drei bis fünf Tage (Tabletten oder Paste).

Tipps zur Behandlung der Katze

Während der Giardien-Therapie sollte der betroffenen Katze Schonkost verabreicht werden. Kohlenhydratreiches Futter und Milchprodukte sollten möglichst gemieden werden. Trächtige Katzen sollten mit beiden Medikamenten nicht behandelt werden, da es zu Missbildungen der Jungtiere während der Trächtigkeit kommen kann.

Grundsätzlich gilt es im Rahmen der Therapie nicht nur, die betroffene Katze zu behandeln, sondern alle Tiere (andere Katzen, Hunde, aber auch Heimtiere) des Haushaltes, da sie potenzielle Zystenausscheider darstellen.

Mit Alternativmedizin gegen Giardien bei Katzen

Als alternatives Heilmittel soll "kolloidales Silber" gelten. Der Stoffwechsel der Giardien soll durch Silberteilchen zum Erliegen kommen. Erwiesen ist die Wirksamkeit des Mittels nicht. Es ist im Internet zu erwerben; bitten Sie hierbei Ihren Tierarzt um Rat.

Auch zur Behandlung mit Homöopathie sollte ein Tierarzt zurate gezogen werden.

Hygiene als essenzieller Teil der Behandlung

Die Hygiene spielt bei der Behandlung der infizierten Katze eine sehr wichtige Rolle. Tägliche Reinigung von Wassernäpfen und Futterstellen, Schlafplätzen, der Katzentoilette, des Kratzbaumes und möglicherweise von kontaminierten Möbeln hat oberste Priorität.

Es empfiehlt sich hier, vor allem kochendes Wasser zum Auswaschen sowie handelsübliche Desinfektionsmittel zu verwenden. Ein Dampfstrahler wäre von Vorteil (Giardien werden erst bei mindestens 70 Grad Celsius sicher abgetötet): der Kostenfaktor liegt hier bei circa 40 Euro. Auch die eigene Bettwäsche sollte bei mindestens 90 Grad gewaschen werden.

Giardien übertragbar auf den Menschen

Auch der Mensch kann an Giardien erkranken, es handelt sich um eine sogenannte Zoonose, also eine Krankheit, die vom Tier auf den Menschen übertragbar ist. Die Giardieninfektion ist eine der zehn häufigsten parasitären Erkrankungen des Menschen und betrifft oft Kinder.

Indem kontaminiertes Wasser oder kontaminiertes Gemüse (zum Beispiel aus dem eigenen Garten) konsumiert wird, kann man an Giardien erkranken. Häufig kommt es auch zur fäkal-oralen Schmierinfektion, zum Beispiel durch einen durch Hunde- oder Katzenkot kontaminierten Sandkasten im Garten. Generell gilt: Hygiene ist das A und O.

Quellen:

  • H. Lutz, B. Kohn, F. Forterre: Krankheiten der Katze 
  • T. Schnieder: Veterinärmedizinische Parasitologie
  • P. Deplazes, J. Eckert, G. von Samson-Himmelstjerna, H. Zahner: Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin
Aktualisiert: 20.03.2019 – Autor: Malek Hallinger

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