Katzenleukose (FeLV) – was ist das?

Leukose wird bei Katzen durch das Virus FeLV verursacht und kann unterschiedliche Folgeerkankungen auslösen. Dazu gehören Tumore und Katzenleukämie.

Katzen beschnuppern sich © webandi/Andreas Lischka

Die Katzenleukose, oder auch Leukose der Katze, ist eine vielfältige, schleichende Erkrankung der Organe des Immunsystems – allen voran des Knochenmarks und des Lymphgewebes, deren Aufgabe in der Bildung von Immunzellen besteht. Durch die Schwächung der Abwehrkräfte entwickeln sich bei den an Leukose erkrankten Katzen verschiedenste Folgeerscheinungen. Obwohl Tumore häufig sind, ist die Krankheit nicht anhand von charakteristischen Symptomen zu erkennen – der Nachweis gelingt durch verschiedene Schnelltests.

Erreger und Entstehung von Katzenleukose

Ursache der Katzenleukose ist ein Virus: das Feline Leukosevirus (FeLV), das zu den Retroviren gehört. Die Krankheit wird auch als Feline Leukose, oder – obwohl es sich hier strenggenommen um eine andere Erkrankung handelt – als "Feline Leukämie" oder "Katzenleukämie" bezeichnet und betrifft in erster Linie das Immunsystem.

Wie alle Retroviren baut auch das Feline Leukosevirus seine DNA in die DNA der erkrankten Katze ein – sie wird bei der Zellteilung an alle Tochterzellen weitergegeben. Dieser Vorgang ist nicht rückgängig zu machen, deshalb bleiben einmal infizierte Katzen lebenslang Virusträger.

Geht das Virus in eine Art Ruhestadium über, zeigt die Katze keinerlei Symptome einer Erkrankung. Eine Reaktivierung des Erregers ist allerdings jederzeit möglich, besonders durch Stress oder die Behandlung mit Kortikosteroiden, die vor allem zur Anregung des Stoffwechsels eingesetzt werden. Aufgrund dessen und weil es sich um eine schleichende, chronische Erkrankung ohne spezifische Anzeichen handelt, gibt es keine Inkubationszeit im engeren Sinn.

Übertragung des Felinen Leukosevirus

Übertragen wird das Virus hauptsächlich auf oralem Weg:

  • Die Ansteckung erfolgt fast ausschließlich durch direkten Kontakt, wobei infizierter Speichel die wichtigste Ansteckungsquelle darstellt.
  • Das Virus wird auch mit dem Urin und Kot ausgeschieden und kann dann von anderen Katzen aufgenommen werden, was aber nur in seltenen Fällen vorkommt.
  • Die Ansteckung neugeborener Kätzchen über die Milch ist äußerst selten.
  • In der Umwelt überlebt das Virus nicht lange, deshalb spielt die indirekte Übertragung durch kontaminierte Gegenstände, wie etwa Futternäpfe, Kratzbäume, Decken und Ähnliches, nur eine untergeordnete Rolle.

Besonders gefährdete Katzen

Insbesondere Freigänger und Katzen mit Auslauf sind einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt, außerdem sehr junge Katzen und Katzen in Tierheimen, Pensionen oder Haushalten mit mehreren Katzen. Studien ergaben, dass Katzen in ländlichen Gebieten trotz Freilauf weniger häufig mit FeLV infiziert waren als Stadtkatzen – bei diesen wird die Übertragung durch höhere Kontakthäufigkeit zu eventuell infizierten Tieren erleichtert.

Besonders häufig betroffen sind Katzen im Alter von ein bis acht Jahren. Danach sind die Tiere nicht mehr so stark empfänglich für das Virus.

In Deutschland hat das Feline Leukosevirus seit Jahren stetig an Bedeutung verloren – heute sind nur noch etwa zwei bis zehn Prozent der Katzen infiziert. Einfache Nachweismethoden und konsequente Impfprogramme haben einen erheblichen Beitrag dazu geleistet.

Ansteckung von anderen Tieren und Menschen

Es existieren drei Subgruppen des Felinen Leukosevirus (Typ A, Typ B und Typ C), die sich anhand ihrer Struktur voneinander unterscheiden, wobei Typ A die größte Rolle spielt. Die unterschiedliche Struktur bewirkt, dass die Subtypen verschiedene Tierarten befallen können, beispielsweise Schweine, Hamster, Meerschweinchen, Nerze oder Rinder – dies wurde bislang jedoch nur in vitro, also unter Laborbedingungen, nachgewiesen.

Ebenfalls ausschließlich in vitro besteht eine Ansteckungsgefahr für Menschen – unter Normalbedingungen ist das Virus jedoch nicht ansteckend für den Menschen.

Einige Studien ergaben eine erhöhte Tumoranfälligkeit von Katzenbesitzern. Allerdings fehlen konkrete Nachweise von Krebsentstehung bei Menschen und anderen Haustieren durch Ansteckung bei Katzen mit Leukose.

Verlauf der Ausbreitung des Virus im Körper

Über die Schwere des Verlaufes einer Katzenleukose entscheiden der allgemeine Gesundheitszustand einer Katze zum Zeitpunkt der Infektion, die Höhe der Virusdosis und die Dauer, für die die Katze dem Erreger ausgesetzt war, weil dadurch die aufgenommene Virusmenge steigt. Je mehr Viren sich vermehren können, desto schneller und stärker entwickelt sich die Krankheit.

Nach der Ansteckung mit dem Felinen Leukosevirus gliedert sich der Verlauf der Ausbreitung in sechs Phasen unterschiedlicher Dauer:

  • Phase I (1-4 Tage): Das Feline Leukosevirus (FeLV) vermehrt sich in den Lymphknoten der Maul- und Nasenhöhle und den Mandeln der Katze.
  • Phase II (1-14 Tage): Verschiedene Immunzellen versuchen, das Virus zu bekämpfen, indem sie es fressen und verdauen. Dabei wird die DNA des Erregers frei und dadurch in den Kern der Zellen eingebaut und von den Zellen über die Blutbahn durch den gesamten Körper transportiert.
  • Phase III (3-12 Tage): Zellgebunden erreicht FeLV verschiedene Körperlymphknoten und vermehrt sich dort, ebenso in der Milz.
  • Phase IV (7-21 Tage): Der Erreger erreicht die Zellen des Knochenmarks, setzt die Vermehrung dort fort und beeinträchtigt die Bildung neuer, funktionsfähiger Immunzellen (Knochenmarkssuppression). Es kommt zur Schwächung des Immunsystems (Immunsuppression).
  • Phase V (14-28 Tage): Aus dem Knochenmark und den Lymphknoten freigesetzte, virusinfizierte Immunzellen sind dauerhaft im Blut zu finden (persistente Virämie).
  • Phase VI (28-56 Tage): Die Infektion weitet sich auf die Zellen der Haut und Schleimhäute aus und die Ausscheidung des Virus mit dem Speichel und Urin beginnt. Die Katze ist ansteckend und eine Gefahrenquelle für andere empfängliche Tiere.

Prinzipiell kann ein vollständig funktionierendes Immunsystem die Virusausbreitung an jeder Stelle unterbrechen. Deshalb erkranken vor allem besonders junge Katzen, denn ihre Abwehrkräfte sind noch nicht ausreichend ausgebildet, um einen wirkungsvollen Schutz darzustellen. Eine Reaktivierung des ruhenden Virus und somit eine weitere Ausbreitung sind jederzeit möglich.

Verlauf einer Katzenleukose

Generell kann man bei Katzenleukose zwischen zwei verschiedenen Verlaufsformen unterscheiden:

  1. Persistente Form
  2. Transiente Form

Bei der Persistenten Form ist FeLV kontinuierlich im Blut der Katze nachweisbar und wird mit Urin und Kot ausgeschieden, bei Mutterkatzen auch mit der Milch. Nur wenn Katzenleukose in dieser Form ausgebrochen ist, zeigen sich klinische Symptome. Besonders häufig sind junge Katzen betroffen, vor allem, wenn sie in Gruppen gehalten werden.

Eine persistente Infektion endet in etwa 85 Prozent der Fälle tödlich – die Lebenserwartung betroffener Katzen beträgt in etwa drei Jahre. Meist sterben die Tiere aufgrund von Folgeerkrankungen.

Die Transiente Infektion der Katzenleukose kann sich aus der Persistenten Form entwickeln. Hier wird das Virus in einer seiner Ausbreitungsphasen vom Immunsystem erkannt und bekämpft. Es ist nicht mehr nachweisbar und Katzen mit dieser Form der Leukose zeigen keinerlei klinische Symptome.

Durch den Einbau der Virus-DNA in den Zellkern bleibt der Erreger dennoch lebenslang im Körper der Katze – bei einer Schwächung des Immunsystems durch Krankheit, Stress, Geburt oder andere Faktoren kann es zur Reaktivierung von FeLV kommen. Man spricht von sogenannten "Regressorkatzen".

Anzeichen einer Leukose bei Katzen

Prinzipiell werden durch das Leukosevirus selbst vor allem jene Organe beeinträchtigt und in ihrer Funktion gestört, in denen der Erreger sich vermehrt.

Klassischerweise ergeben sich daraus folgende Anzeichen für die Leukose:

  • Unterdrückung der Funktionen beziehungsweise Schwund des Knochenmarks
  • Lymphtumore
  • Fruchtbarkeitsstörungen

Bei der Katzenleukose kommen zudem durch die Störung des äußerst komplexen Immunsystems unter Umständen weitere Symptome zustande, die nur schwer zuzuordnen und wenig spezifisch sind, zum Beispiel eine Unterdrückung der Blutgerinnung oder Störungen bei der Wundheilung.

Unfruchtbarkeit infolge von Katzenleukose

Störungen des Geschlechtstraktes und seiner Funktionen sind häufige Folgen einer Katzenleukose – über 60 Prozent der unfruchtbaren Katzen sind nachweisbar mit FeLV infiziert.

Bei leukose-positiven Katzen ist tendenziell immer mit Fruchtbarkeitsstörungen zu rechnen. Eine Gefahr für die Kätzchen besteht nur, wenn die Mutter infiziert ist, da das Virus nicht mit dem Sperma übertragen werden kann. Häufig sterben die ungeborenen Kätzchen noch im Mutterleib, aber auch Aborte oder die Geburt von lebensschwachen, bereits zur Geburt infizierten Welpen sind möglich. Das Immunsystem dieser Kätzchen ist stark geschwächt, sie entwickeln sich meist nicht richtig und versterben früh ("fading kitten syndrome").

Es können auch gesunde, nicht infizierte Katzenwelpen geboren werden. Ist die Mutter an Katzenleukose erkrankt, ist allerdings eine Ansteckung über die Milch möglich.

Mögliche Folgeerkrankungen bei erkrankten Katzen

Die einschneidendste Folge der Felinen Leukose ist die Immunsuppression, also die Störung des Immunsystems, durch die beeinträchtigte Bildung neuer Immunzellen im Knochenmark. Aufgrund dessen kommt es im Verlauf einer Katzenleukose oftmals zu Folgeerkrankungen.

Bei den sogenannten "FeLV-assoziierten Erkrankungen" handelt es sich meist um folgende Krankheiten:

  • erhöhte Anfälligkeit für weitere Erreger (zum Beispiel Toxoplasmen, Kokken, Felines Immundefizienz Virus (FIP), Parvoviren, verschiedene Bakterien etc.)
  • Blutarmut beziehungsweise Anämie mit Müdigkeit und Fieberschüben
  • verzögerte Wundheilung
  • Autoimmunerkrankungen
  • Hautveränderungen mit eitrigem Ausschlag, Pusteln, Haarausfall etc.
  • chronische Entzündung von Zahnfleisch, Maulhöhle, Nasennebenhöhlen
  • bakteriell verursachte Mittelohrentzündung
  • Magendarmentzündung, eventuell mit Durchfall
  • Neurologisches Syndrom
  • Tumore

Tumore als Folge von Katzenleukose

Rund zehn Prozent aller Tumore bei der Katze lassen sich auf eine Infektion mit FeLV zurückführen. Bei etwa einem Viertel der Leukosekatzen wird Krebs diagnostiziert – in 90 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um die eigentliche Leukämie, also Knochenmarkkrebs.

FeLV-infizierte Katzen haben ein 62-mal höheres Risiko, einen Tumor des Lymphgewebes (ein Lymphom) zu entwickeln, als gesunde Tiere. Die bösartige Form – das maligne Lymphom – ist eine häufige Krebsart bei Katzen.

Es lassen sich drei Formen unterscheiden:

  • Alimentäres Lymphosarkom (Tumore im Bauchraum; vor allem bei älteren Katzen)
  • Multizentrisches Lymphom (über den ganzen Körper verteilte Tumorknoten)
  • Thymus- oder Mediastinales Lymphom (Tumore im Bindegewebe des vorderen Brustkorbs; vor allem bei Katzen unter zweieinhalb Jahren)

Felines Sarkomvirus (FeSV)

Eine Leukose kann bei Katzen eine Infektion mit dem Felinen Sarkomvirus (FeSV) zur Folge haben. Das FeSV entsteht im Körper von Leukosekatzen bei der Vermehrung des Felinen Leukosevirus durch die neue Kombination verschiedener Gene des Erregers. Anders als FeLV ist die mutierte Form FeSV nicht übertragbar – weder bei Katzen untereinander, noch auf andere Tierarten oder den Menschen.

FeSV führt bei Katzen zur Bildung von Fibrosarkomen – bösartigen Tumoren des Bindegewebes. Bei älteren Tieren werden Bindegewebstumore meist nicht von Viren verursacht. Betroffen sind also meist junge Katzen unter drei Jahren, die in der Regel sowohl auf FeSV als auch auf FeLV positiv getestet wurden.

Durch die Schwächung des Immunsystems können die Krebszellen schnell wachsen und sich stark vermehren. Die Prognose für Katzen mit Fibrosarkomen ist daher ungünstig. Das Tumorwachstum kann nur dann in seiner Heftigkeit eingedämmt werden, wenn es der Katze gelingt, die Phase der Erregerausbreitung über die Blutbahn zu überstehen.

Die Prophylaxe-, Behandlungs- und Pflegemaßnahmen sind dieselben wie für FeLV.

Aktualisiert: 10.10.2018 – Autor: Marion Schmitt

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