Wie Sie Milben bei Katzen erkennen & behandeln

Milben verursachen bei Katzen oft starken Juckreiz. Eine Behandlung mit geeigneten Mitteln ist wichtig, denn Milben sind auch für Menschen ansteckend.

Ohrenschmalz entfernen bei einer Katze mit Ohrmilben © istockphoto, gurinaleksandr

Ein Befall mit Milben zeigt sich bei Katzen vor allem durch einen starken Juckreiz. Oft sind die Milben sogar mit bloßem Auge zu erkennen. Viele Besitzer fragen sich dann, wie sich ihre Katze infiziert hat und ob auch für den Menschen die Gefahr besteht, sich anzustecken. Woran kann man erkennen, dass die Katze Milben hat? Und was kann man selber dagegen tun? Im Folgenden beantworten wir Ihre wichtigsten Fragen rund um Milben bei Katzen.

Was sind Milben?

Milben sind Kleinstlebewesen, die, wie Zecken, zu den Spinnentieren gehören. Die bekannteste Milbenart ist die Hausstaubmilbe. Viele Menschen, aber auch einige Katzen, reagieren auf die Ausscheidungen dieser Milben mit einer Allergie. Es wird vermutet, dass bestimmte allergische Erkrankungen bei Katzen auf Hausstaubmilben zurückzuführen sind, dazu gehört unter anderem die allergische Bronchitis.

Neben den harmlosen Milben, die im Boden leben, gibt es auch solche, die als Schädlinge gelten. Einige dieser Milbenarten können Katzen befallen und dadurch bestimmte Krankheiten übertragen.

Neben unangenehmen Erkrankungen für Katzen und andere Haustiere ist auch eine Übertragung auf den Menschen mögliche Folge eines Milbenbefalls. Zum Schutz von Mensch und Tier sollte daher bei Verdacht auf Milbenbefall einer Katze der Tierarzt aufgesucht werden.

Milben als Krankheitserreger bei der Katze

Bei Katzen gibt es verschiedene Milbenarten, die zu unterschiedlichen Erkrankungen führen können. Welche Symptome auftreten, kommt darauf an, welche Körperstelle die Milben befallen. So findet man manche Milbenarten auf der Haut, einige graben sich in die obersten und andere in die tiefen Hautschichten der Katze.

Man unterscheidet bei Katzen folgende Milbenarten:

  • Raubmilben, zum Beispiel Cheyletiellen
  • Ohrmilben, zum Beispiel Otodectes
  • Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis)
  • Grab- beziehungsweise Räudemilben (bei der Katze Notoedres genannt)
  • Haarbalg- oder Demodexmilben

Auf der Haut lebende Milben

Bei Katzen finden sich verschiedene auf der Haut und im Fell lebende Parasiten. Neben Zecken, Haarlingen und Flöhen zählen hierzu auch verschiedene Milbenarten. Die wichtigsten auf der Haut lebenden Milben stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

Cheyletiellose – wandernde Schuppen

Die zu den Raubmilben gehörenden Cheyletiellen sind relativ groß, sodass sie bereits mit dem Auge als "wandernde Schuppen" im Katzenfell zu erkennen sind. Sie befinden sich auf der Haut und graben sich teilweise in die Schuppenschicht. Dort stechen sie die oberste Hautschicht (Epidermis) an und ernähren sich von Gewebsflüssigkeit.

Die Symptome, die eine Katze beim Befall mit Cheyletiellen zeigt, können sehr unterschiedlich sein. Die meisten Katzen leiden an Juckreiz, der unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Dieser Juckreiz zeigt sich bei Katzen nicht nur durch Kratzen, sondern auch durch starkes Belecken. Auch eine leichte Irritation oder sogar eine Entzündung der Haut sind oft zu beobachten. Bei besonders starkem Befall kann es dazu kommen, dass sich die Katzen die Haare teilweise auslecken, sodass kahle Stellen im Fell entstehen.

Ohrmilbenbefall: Parasiten im Ohr

Ohrmilben (Otodectes) leben auch auf der Hautoberfläche einer Katze. Hauptsächlich sind sie im Ohr und Nackenbereich zu finden, wo sie sich von Zellmaterial und Gewebsflüssigkeit der Epidermis ernähren.

Aufgrund der Reizung im Ohrkanal kommt es bei einer befallenen Katze zu einer verstärkten Ohrschmalzbildung. Deshalb fällt dem Besitzer oft die vermehrte Entstehung von schwarzbraunen, bröckligen bis schmierigen Beläge an den Ohren der Katze auf. In diesen Belägen finden sich sowohl Ohrmilben als auch deren Eier. Aufgrund der starken Ohrschmalzbildung kommt es fast immer zu Juckreiz, oft entzünden sich zudem die Gehörgänge.

Ohrmilben sind nicht "wirtsspezifisch", das bedeutet, sie können auch zwischen verschiedenen Tierarten übertragen werden. Daher sollten beim Befall einer Katze alle Tiere im Haushalt untersucht werden. Besonders Jungtiere haben oft Probleme mit Ohrmilben, weshalb grade bei ihnen, wenn sie sie ihre ersten Impfungen erhalten, auch immer die Ohren mit untersucht werden müssen.

Befall mit Larven der Herbstgrasmilben

Saisonal bedingt kann es bei Katzen auch zu Problemen mit Herbstgrasmilben kommen. Im Frühsommer bis Herbst kommt es zu einer explosionsartigen Entwicklung der Larven, die dann Freigänger-Katzen, aber auch andere Haustiere oder Menschen befallen können.

Der Befall mit den Larven äußert sich bei Katzen durch einen sehr starken Juckreiz. Mit einer Lupe kann man die Larven erkennen, die sich als gelb-orange-rote Pünktchen darstellen.

Bevorzugt befinden sie sich zwischen den Zehen, im Maulbereich, an den Ohrrändern, am Bauch oder aber an der Schwanzspitze einer Katze. Dort zersetzen sie die Zellen der obersten Hautschicht und saugen diese dann auf. Nach circa einer Woche lassen die Larven sich fallen und beenden ihre Entwicklung zur erwachsenen Milbe.

In der Haut lebende Milben

Neben den Milben, die sich auf der Haut einer Katze bewegen, gibt es auch solche, die sich in die Haut eingraben. Dabei unterscheidet man zwischen oberflächlich und tief in der Haut lebenden Milben. Im Folgenden erfahren Sie, woran Sie den Befall mit solchen Milbenarten bei einer Katze erkennen.

Notoedresräude: Befall mit Räudemilben

Die zu den Grabmilben gehörenden Notoedresmilben kommen vor allem bei Katzen vor, können aber auch auf andere Tierarten und den Menschen übergehen. Die Symptome sind besonders im Kopfbereich und an den vorderen Pfoten einer befallenen Katze sichtbar. Neben Hautentzündung und teilweise lichterem Fell sowie starker Schuppen- und Krustenbildung kann es auch zu Verletzungen durch starkes Kratzen kommen.

Die Räudemilben leben permanent in der obersten Hornschicht der Haut und graben darin Gänge zur Eiablage. Als Ernährung dienen ihnen Zellreste und Gewebsflüssigkeit.

Die Ansteckungsgefahr bei diesen Räudemilben ist sehr hoch und erfolgt meist über direkten Kontakt zwischen den Tieren. Jedoch ist Vorsicht geboten: Auch außerhalb der Katze sind die Milben für circa drei Tage lebensfähig, sodass eine Ansteckung über die Umgebung ebenfalls möglich ist.

Demodexmilben: entzündlicher Milbenbefall im Gesicht

Haarbalg- oder Demodexmilben kommen in geringer Anzahl in der Haut von gesunden Katzen vor. Bei starkem Befall oder einer zusätzlichen Immunschwäche durch andere Erkrankungen kann es durch den Befall jedoch zu Problemen kommen. Man unterscheidet bei der Katze verschiedene Arten der Demodexmilbe. Die genaue Bestimmung erfolgt durch den Tierarzt.

Wie der Name schon sagt, lebt die Haarbalgmilbe in den Haarbälgen, also dem Teil der Haut, aus dem das einzelne Haar wächst. Besonders oft kommen diese Milben im Gesicht, aber auch in den Ohren oder am Nacken einer Katze vor. Ein Befall stellt sich häufig durch Hautentzündung, Haarausfall, Schuppen und Krusten rund um die Augen dar (sogenannte Brillenbildung). Auch an der Nase und am Kinn können sich Veränderungen der Haut zeigen.

In besonders schwerwiegenden Fällen kann es zu einer sogenannten "generalisierten Demodikose" kommen. Dann sind nicht nur vereinzelte Stellen betroffen, sondern die komplette Haut der betroffenen Katze ist entzündet und haarlos. In solchen Fällen liegt aber meist eine Grunderkrankung vor, die eine Immunschwäche bedingt, wie bei Katzenaids (FIV), feliner Leukose (FeLV) oder Karzinomen.

Erkennen von Milben – typische Symptome

Für den Besitzer einer von Milben befallenen Katze ist das erste erkennbare Symptom in der Regel ein Juckreiz, der bei allen Milbenarten in stärkerer oder schwächerer Form auftritt. Je nachdem, welche Körperstelle befallen ist, kommt es zum Kratzen oder starken Belecken von Körperregionen, was zu Haarausfall oder Verletzungen führen kann.

Auch allergische Reaktionen mit Hautentzündungen, die durch eine Rötung zu erkennen sind, können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Diagnose eines Milbenbefalls

Bei Verdacht auf Milbenbefall einer Katze muss die endgültige Diagnosestellung durch den Tierarzt erfolgen. Dieser ist mithilfe eines Mikroskops in der Lage, die unterschiedlichen Milbenarten anhand ihrer Form und ihrer Lebensweise genau zu klassifizieren und so die genaue Ursache der Beschwerden sowie die geeignete Therapie zu bestimmen.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten für den Tierarzt, Proben zu nehmen, die er anschließend unter dem Mikroskop untersucht. Bei den oberflächlich lebenden Milben (Cheyletiellen, Ohrmilben, Herbstgrasmilben) können folgende Arten einer Probe entnommen werden:

  • Haarprobe
  • Abklatschpräparat mit einem Tesafilmstreifen, an dem Schuppen, Milben und Haare kleben bleiben
  • Probe des Ohrschmalzes

Bei den Milben, die in der Haut leben (Notoedres und Demodex), wird an den betroffenen Stellen die oberen Hautschichten mit einer Skalpellklinge abgetragen (Hautgeschabsel) und ebenfalls unter dem Mikroskop untersucht.

Behandlung von Milben

Wenn der Tierarzt die vorliegende Milbenart mithilfe der mikroskopischen Untersuchung bestimmt hat, müssen die betroffenen Katzen behandelt werden. Zusätzlich zu der Behandlung von Begleiterscheinungen, beispielsweise Haut- oder Ohrentzündungen oder allergischen Reaktionen auf die Milben, müssen in erster Linie die Milben abgetötet werden. Dies geschieht durch sogenannte akarizide Mittel, also Medikamente zur Behandlung von Spinnentieren (Zecken und Milben).

Mittel gegen Milben

Der einfachste Weg für eine solche Behandlung ist die Verwendung sogenannter Spot-on Präparate. Das sind flüssige Medikamente, die auf die Haut der Katze getropft werden. Wenn sie eingezogen sind, gehen die wirksamen Bestandteile in die Blutbahn über und verteilen sich somit im ganzen Körper. Bei einem Milbenbefall wirksame Spot-on Präparate für Katzen sind Stronghold® oder Advocate®.

Ein recht bekanntes Präparat gegen Zecken und Flöhe ist zudem Frontline®. Dieses Präparat wirkt jedoch nicht bei Milbenbefall und sollte daher nicht bei Verdacht auf Milben verwendet werden.

Weiterhin gibt es auch andere Möglichkeiten, Milben zu bekämpfen, zum Beispiel mit Puder, Shampoos oder Sprays. Ihr Tierarzt wird Sie bei Milbenbefall entsprechend beraten und Ihnen das richtige Mittel mit einem für Ihre Katze abgestimmten Behandlungsplan abgeben.

Wichtig: Sollten auch Hunde in Ihrem Haushalt leben, dürfen Sie Ihre Katze nicht einfach mit den Präparaten für Hunde behandeln und umgekehrt. Nicht nur werden für die beiden Tierarten unterschiedliche Dosierungen benötigt, sondern manche Präparate, die für Hunde eingesetzt werden, können für Katzen schädlich oder sogar tödlich sein.

Milben nicht selbst behandeln

Juckreiz ist für Mensch und Tier gleichermaßen unangenehm. Viele Katzenbesitzer möchten ihrem Tier daher Linderung verschaffen. Trotzdem sollten Sie davon absehen, eigenmächtig Salben oder Öle aufzutragen.

Bei trockener und schuppiger Haut kann man der Katze ergänzend zum normalen Futter spezielle Fettsäuren geben, jedoch würde dies ohne entsprechende Therapie gegen die Milben nicht zu einer Linderung des Juckreizes führen. Daher sollte so ein Eingriff nur in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen. Unterstützend zur Behandlung kann man spezielle Futtermittel, vom Tierarzt oder aus dem Zooladen, verfüttern, die sich positiv auf die Hautgesundheit der Katze auswirken.

Besonders bei Ohrmilben besteht aufgrund der starken Ohrschmalzbildung bei vielen Besitzern der Drang, die Katzenohren zu reinigen. Dies erweist sich bei Katzen oft als sehr schwierig und sollte nur mit Vorsicht ausgeführt werden. Notfalls können schmierige Beläge mithilfe eines trockenen Tuchs aus der Ohrmuschel gewischt werden. Weitere Anweisungen zur Behandlung, beispielsweise zur Anwendung spezieller Ohrsalben zum Abtöten der Milben, erhalten Sie von Ihrem Tierarzt.

Hausmittel und Homöopathische Mittel bei Milbenbefall

Aufgrund der Schwere von Milbeninfektionen müssen Katzen ordnungsgemäß von den Milben befreit werden. Dafür sollten nur die vom Tierarzt empfohlenen Medikamente verwendet werden.

Zusätzlich kann man Katzen, deren Immunsystem geschwächt ist, Mittel zur Stärkung des Immunsystems geben. Dies sollte aber nur unterstützend und in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen. Dieser kann Ihnen entsprechende (Haus-)Mittel oder Homöopathika empfehlen, damit Ihre Katze schnell wieder gesund wird.

Achtung vor Ansteckung des Menschen

Abschließend soll noch einmal betont werden, dass alle Milbenarten auch auf den Menschen übertragbar sind. Daher sollte ein Milbenbefall einer Katze immer ernst genommen werden: einerseits um der Katze Leiden zu ersparen und andererseits, um sich selbst und die Familie zu schützen.

Aktualisiert: 01.11.2018 – Autor: Susanne Prochnau

Weitere Artikel

Nach oben