Toxoplasmose bei Katzen: Hintergründe & Tipps für Schwangere

Schwangere Frau streichelt Katze mit Toxoplasmose © istockphoto, Helios8

Nicht nur für Katzen ist Toxoplasmose gefährlich: Auch für Menschen kann die Infektion mit dem Parasiten eine Gefahr darstellen. Dies gilt insbesondere für Schwangere. Was Frauen während der Schwangerschaft im Umgang mit Katzen beachten sollten und wie Sie generell eine Ansteckung vermeiden, erklären wir Ihnen hier. Außerdem stellen wir Ihnen den Entwicklungszyklus von Toxoplasma gondii im Detail vor, damit Sie die Prozesse im Körper der Katze sowie die Mechanismen der Übertragung besser verstehen.

Toxoplasmose und Schwangerschaft

Toxoplasmose beim Menschen ist nur dann gefährlich, wenn eine Frau sich während einer Schwangerschaft zum ersten Mal mit Toxoplasma gondii ansteckt. Hat sie hingegen bereits Antikörper gegen Toxoplasma, ist die Gefahr für den Fötus gering. 

Es wird daher empfohlen, zur Schwangerschaftsvorsorge einen Test auf Toxoplasma-Antikörper machen zu lassen. Das gilt nicht nur für Katzenbesitzerinnen, da man sich auch über andere Wege mit Toxoplasma anstecken kann. 

Meist verläuft eine Infektion beim Menschen, wie bei den Katzen, ohne Symptome. In seltenen Fällen kommt es zu leichten grippeähnlichen Symptomen. Das macht es so gefährlich für eine werdende Mutter beziehungsweise ihr Baby, da man eine Ansteckung mit Toxoplasma leicht übersehen kann. Die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Wochen.

Gefahren für das ungeborene Baby

Wird der Erreger über die Plazenta auf den Fötus übertragen, kann es je nach Schwangerschaftsphase zum Zeitpunkt der Ansteckung zu unterschiedlichen Schädigungen des Fötus kommen:

  • Im ersten Drittel (Trimester) können Erreger durch frisch gebildete Antikörper der Mutter abgefangen werden. Bei circa 15 Prozent kann es aber trotzdem zu Totgeburten kommen.
  • Im zweiten und dritten Trimester kann es zur Erblindung des Babys durch Netzhautentzündung, Schädigungen im Gehirn (Wasserkopf, Kalkeinlagerungen) und Organschädigungen kommen.

Aufgrund der Gefahr für das ungeborene Kind sollten besondere Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit Katzen und anderen Ansteckungsmöglichkeiten eingehalten werden.

Wie kann sich der Mensch mit Toxoplasma anstecken?

Natürlich fällt einem in erster Linie die Katze zu Hause als potenzieller Infektionsherd ein. Jedoch gibt es für Menschen weitaus mehr Möglichkeiten, sich mit Toxoplasma gondii anzustecken:

  • rohes Fleisch, vor allem von Schweinen und Schafen (Hauptinfektionsquelle für den Menschen)
  • ungewaschenes Obst und Gemüse
  • Sandkästen und Böden, die mit Katzenkot verunreinigt sind

Empfehlungen zum Vorbeugen einer Toxoplasmainfektion

Um einer Infektion mit Toxoplasma gondii vorzubeugen, sollten im Zusammenhang mit Katzen verschiedene hygienische Maßnahmen getroffen werden:

  • Tägliche Reinigung des Katzenklos, da die Parasiteneier erst nach einiger Zeit infektiös werden. Schwangere sollten das Katzenklo jedoch nicht reinigen.
  • Mit Katzenkot kontaminierte Gegenstände mit kochendem Wasser reinigen.
  • Zur Gartenarbeit Handschuhe tragen und danach gründlich die Hände waschen.
  • Kein Verzehr von rohem Fleisch und unbehandelter Milch (auch Gefahr der Ansteckung mit Listeriose).
  • Arbeitsgeräte, Flächen und Hände nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich reinigen.
  • Gemüse und Obst immer waschen und gegebenenfalls schälen.
  • Kindersandkästen im Garten abdecken, damit keine Katzen hinein koten können.

Hinweise zum Umgang mit Katzen

Auch wenn Katzen als potenzielle Überträger von Toxoplasmen und anderen Erkrankungen infrage kommen, muss man den Kontakt nicht vollständig vermeiden. Katzen sind sehr reinliche Tiere und putzen ihr Fell gründlich. Die Infektion mit Toxoplasma durch Katzenhaare ist daher unwahrscheinlich und Sie können Ihre Katze bedenkenlos streicheln.

Trotzdem sollte man sich nach dem Streicheln und Schmusen gründlich die Hände waschen. 

Da sich die Eier des Toxoplasmose-Erregers im Darm entwickeln, geht keine Gefahr von Katzenurin und Erbrochenem aus. Allerdings sollten aus hygienischen Gründen diese Körperflüssigkeiten nur mit Handschuhen aufgewischt werden.

Eine Übertragung der Parasiteneier durch Katzenspeichel direkt nach dem Belecken der Analregion ist nicht auszuschließen. Jedoch gilt auch in diesem Fall, dass die Eier circa 24 Stunden brauchen, um infektiös zu werden. Eine Ansteckung durch einen Katzenbiss ist somit unwahrscheinlich, birgt aber andere Risiken, wie eine Infektion mit Tetanus und schwere Entzündungen an der Bissstelle.

Wo erhalte ich mehr Informationen?

Wenn Sie sich Gedanken über eine Infektion durch Ihre Katze machen, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt. Dieser kann Sie umfassend beraten. Auch eine (bevorstehende) Schwangerschaft ist kein Grund, die Katze einzuschläfern oder wegzugeben. Ihr Gynäkologe oder Hausarzt kann Ihnen entsprechende Ratschläge geben und wird mit Ihnen eventuelle Risiken abklären. Meist findet sich eine Lösung, sodass Sie weiterhin viel Spaß und Freude an Ihrer Katze haben.

Hintergrundwissen: Entwicklungszyklus von Toxoplasma gondii

Im Folgenden werden zum besseren Verständnis der Vorgänge im Körper der Katze bei einer Infektion mit Toxoplasma gondii der Lebenszyklus und die unterschiedlichen Lebensformen des Parasiten erklärt. Je nach Entwicklungsstufe im Lebenszyklus findet sich der Parasit in verschiedenen Körperbereichen der End- oder Zwischenwirte:

  • Oozysten mit Sporozoiten sind im Katzenkot zu finden. Sie werden mit dem Kot ausgeschieden und anschließend von einem Zwischen- oder Endwirt aufgenommen. Dort vermehren sie sich in den Darmzellen und entwickeln sich zu Tachyzoiten.
  • Tachyzoiten sind aktive Vermehrungsstadien, die sich über Blut und Lymphe im Körper des Zwischenwirts verteilen. Verfallen sie in bestimmten Geweben in ein Ruhestadium, werden sie Bradyzoiten genannt.
  • Bradyzoiten sind Ruhestadien in Gewebszysten (mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen). Sie verweilen im Körper des Zwischenwirts, bis dieser von einem anderen Zwischenwirt oder einem Endwirt gefressen wird. 
  • In der oberflächlichen Schicht der Darmschleimhaut (Darmepithel) des Endwirts, also der Katze, entwickeln sich die Bradyzoiten erneut zu Oozysten.

Generell ist das Ziel eines Parasiten, sich zu vermehren und somit den Fortbestand seiner Art zu sichern. Dazu haben Parasiten verschiedene Strategien entwickelt, um sich weiter zu verbreiten. 

Bei Toxoplasma gondii unterscheidet man zwei Lebenszyklen:

  • Bildung von Gewebszysten in Zwischen- und Endwirt (extraintestinaler Zyklus)
  • Entwicklung in den Darmepithelzellen der Katze (enteroepithelialer Zyklus)

Entwicklung im Zwischenwirt – extraintestinaler Zyklus

Der Zwischenwirt nimmt infektiöse Stadien von Toxoplasma gondii oral auf. Meist handelt es sich um Oozysten mit Sporozoiten aus der Umwelt oder Gewebszysten in rohem Fleisch, die Bradyzoiten enthalten. Die Sporozoiten oder Bradyzoiten werden im Darm des Zwischenwirts frei und dringen in dessen Dünndarmzellen ein. Dort teilen sie sich und heißen ab jetzt Tachyzoiten. 

Von hier aus können sie auch weitere Zellen befallen. Wenn eine Zelle mit Tachyzoiten gefüllt ist, platzt sie auf und die Erreger gelangen in Blut und Lymphe. In gut durchbluteten Organen (zum Beispiel Muskeln oder Gehirn) lassen sich die Tachyzoiten in flüssigkeitsgefüllten Bläschen nieder und bilden Ruhestadien. Das sind die sogenannten Bradyzoiten in Gewebszysten.

Entwicklung im Endwirt – enteroepithelialer Zyklus

Nimmt die Katze, also der Endwirt, infiziertes Fleisch eines Zwischenwirtes auf, werden im Darm die Bradyzoiten frei. Jetzt kommt es in den Epithelzellen des Dünndarms, der Deckschicht der Darmschleimhaut, zu mehreren Teilungen. 

Anschließend erfolgt eine Differenzierung in männliche und weibliche Zellen. Die weibliche Eizelle des Parasiten wird befruchtet und bildet eine Hülle aus. Es sind neue Oozysten mit Sporozoiten entstanden, die noch nicht ansteckend sind (unsporulierte Oozyste). Die Oozysten werden mit dem Kotabsatz ausgeschieden. Erst unter Einwirkung von Luft und Feuchtigkeit in der Außenwelt kommt es nach ein bis fünf Tagen zur Bildung der ansteckenden Sporozoiten in der Oozyste (sporulierte Oozyste). 

Auch eine Ansteckung der Katze durch Tachyzoiten (durch infiziertes Fleisch oder über die Plazenta) und Oozysten ist möglich. Dann entwickeln sich auch in der Katze wie in den Zwischenwirten Gewebszysten.

Die Entwicklung von Oozysten im Darm (enteroepithelialer Zyklus) und das Ausbilden von Gewebszysten (extraintestinaler Zyklus) laufen in der Katze gleichzeitig ab. Genaugenommen ist sie somit End- und Zwischenwirt in einem.

Aktualisiert: 02.08.2018 – Autor: Susanne Prochnau

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