Equines Sarkoid: Hauttumor bei Pferden

Das Equine Sarkoid tritt bei Pferden häufig auf. Neben der chirurgischen Entfernung des Hauttumors ist auch eine Behandlung mit Salben oder Chemotherapie möglich.

Pferd mit Equinem Sarkoid © istockphoto, Brufal

Das Equine Sarkoid (ES), ein meistens gutartiger Tumor, gehört zu den häufig vorkommenden Hautkrankheiten bei Pferden. Dabei handelt es sich um eine Veränderung, die meist am Kopf des Pferdes, aber auch an Bauch, Beinen und im Genitalbereich auftritt und verschiedene Formen annehmen kann. Hier erfahren Sie, was die Ursachen der Erkrankung sind und welche Möglichkeiten der Behandlung bestehen.

Was ist ein Equines Sarkoid?

Das Equine Sarkoid ist eine geschwürartige Veränderung der Haut. Die Größe kann zwischen sehr klein (erbsengroß oder kleiner) bis zu flächig und mehrere Zentimeter groß variieren. Das Sarkoid kann in verschiedenen Gestalten auftreten, je nachdem welche Form vorliegt. Zu den unterschiedlichen Typen des Equinen Sarkoids zählen:

  • verukkös (warzenartig)
  • fibroblastoid (fleischartiges Aussehen)
  • okkult (flach)
  • gemischt

Die tumorösen Hautveränderungen treten meist am Pferdekopf, insbesondere um das Auge herum und an den Ohren, am Unterbauch, an den Beinen und im Genitalbereich, besonders am Schlauch, auf. Häufig liegen auch sogenannte multiple Equine Sarkoide, also Hautveränderungen an mehreren Stellen gleichzeitig vor. 

Aufgrund der Gutartigkeit des Tumors ist keine Streuung in andere Organe zu erwarten. Die Gefahr des Wiederauftretens, auch nach Entfernung, ist jedoch vorhanden.

Ursachen des Equinen Sarkoids

Das Wachstum eines derartigen Tumors wird höchstwahrscheinlich durch ein Virus ausgelöst. Jedoch ist kein, wie zu vermuten wäre, equines Virus (also ein Pferdevirus) verantwortlich, sondern das Bovine Papillomavirus, das ursprünglich vom Rind stammt. Vermutlich können insbesondere die Bovinen Papillomaviren 1 und 2 die Entstehung des Equinen Sarkoids auslösen. 

Wie genau die Ansteckung mit dem Virus erfolgt, ist noch unklar. Jedoch stehen Fliegen und andere Insekten im Verdacht, den Erreger übertragen zu können. 

Trägt ein Pferd das Bovine Papillomavirus, muss jedoch noch lange kein Equines Sarkoid entstehen. Faktoren wie genetische Veranlagung sowie Hautverletzungen und Wunden begünstigen in Kombination mit dem Virus das Auftreten von Sarkoiden. 

Über Haltungsformen oder die Fütterung ist die Entstehung des Equinen Sarkoids nicht zu beeinflussen. Lediglich eine Stärkung des Immunsystems durch artgerechte und gesunde Fütterung sowie Haltungsbedingungen kann indirekt vorbeugend wirken.

Diagnose eines Sarkoids beim Pferd

Das Equine Sarkoid ähnelt optisch noch einigen anderen Krankheitsbildern, wie zum Beispiel dem der Granulome, Papillome oder einem Fibrosarkom, die ebenfalls auffällige Hautveränderungen darstellen.

Eine sichere Diagnose des Sarkoids kann daher nur mithilfe einer Biopsie, also einer Gewebeprobe, erfolgen. Die Notwendigkeit einer solchen Gewebeprobe wägt der behandelnde Tierarzt vor Ort ab. Da der Eingriff direkt im Tumorgewebe das Risiko birgt, die Hautveränderung zu vermehrtem Wachstum anzuregen, ist eine Biopsie nicht in jedem Fall die beste Variante. 

Behandlung des Equinen Sarkoids

Welche Behandlungsmethode bei einem Sarkoid des Pferdes geeignet ist, hängt stark von der Lage und Ausprägung des Tumors ab. Befindet sich die Hautveränderung an einer Stelle, an der sie das Pferd kaum stört oder einschränkt und ist ebenfalls kein rasantes Wachstum zu beobachten, kann es angebracht sein, den Tumor gar nicht zu behandeln. 

Doch wenn sich das Sarkoid an Stellen wie dem Schlauch oder in der Sattellage befindet, ist es nötig, etwas zu unternehmen. Es stehen mehrere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Die konventionellen Methoden sind:

  • chirurgische Entfernung (klassisch oder mithilfe eines Lasers)
  • Kältetherapie
  • Chemotherapie
  • Immuntherapie
  • Vakzination (Impfung)

Operative Entfernung eines Sarkoids

Bei der chirurgischen Entfernung eines Equinen Sarkoids ist es wichtig, dass das gesamte Tumorgewebe großzügig entfernt wird. Sollten Zellen des Sarkoids zurückbleiben, ist die Gefahr von Rezidiven, also das erneute Auftreten des Tumors, sehr hoch. 

In den meisten Fällen wird der Eingriff unter Vollnarkose in der Pferdeklinik durchgeführt. Es stehen hier die herkömmliche Variante mit dem Skalpell oder die Verwendung eines Lasers, mit dem ebenfalls sehr exakt gearbeitet werden kann, zur Verfügung. Welche für das jeweilige Pferd die geeignete Methode ist, muss vom behandelnden Tierarzt entschieden werden.

Zerstörung der Tumorzellen durch Kältetherapie

Bei der Kältetherapie wird flüssiger Stickstoff von mehr als minus 180 Grad Celsius auf das Equine Sarkoid aufgetragen. Dies zerstört die entarteten Zellen. Bei ungünstigen Positionen des Tumors, wie zum Beispiel am Auge, kann diese Behandlungsform schwierig sein. Die Erfolgsraten sind allgemein gut.

Chemotherapie beim Equinen Sarkoid

Eine sehr verbreitete Therapieform beim Sarkoid ist die Behandlung des Tumorgewebes mit Chemotheurapeutika, insbesondere mit Cisplatin. Cisplatin ist ein Schwermetallpräparat, das die Vermehrung der Tumorzellen unterbindet. Gemischt mit Sesamöl entsteht eine visköse (zähe) Flüssigkeit, die direkt in das Sarkoid gespritzt wird. Es sind mehrere Behandlungen nötig, damit sich der Tumor zurückbildet.

Immuntherapie: Bekämpfung mit der körpereigenen Abwehr 

Die Immuntherapie löst eine lokale Immunreaktion in der Umgebung des Tumorgewebes aus und sorgt dafür, dass die körpereigenen Immunzellen des Pferdes die veränderten Tumorzellen bekämpfen. Verwendete Stoffe, sogenannte Immunmodulatoren, sind beispielsweise: 

  • BCG (Bacillus Calmette Guerin, ein abgeschwächter Stamm des Mycobacterium bovis) 
  • XXTERRA® 
  • Sarc-off®

Bei der Verwendung von BCG können Nebenwirkungen, wie lokale Entzündungsreaktionen oder Gelenksentzündungen auftreten, die durch begleitende Medikation jedoch vermieden oder gemindert werden können.

XXTERRA® und Sarc-off® sind pflanzliche Salben, die Blutwurz und Zinkoxid enthalten. Zu diesen beiden Präparaten gibt es einige positive Erfahrungsberichte für die Therapie des Equinen Sarkoids.

Eine Salbe, die bei Menschen zur Behandlung von Lippenherpes eingesetzt wird, ist Aciclovir®. Bei sehr kleinen, oberflächlichen Sarkoiden des Pferdes kann eine Behandlung mit dieser Salbe durchaus zum Erfolg führen. Bei größeren und tiefergehenden Hautveränderungen konnte damit jedoch bislang keine belegte Wirkung erzielt werden.

Impfung gegen das Equine Sarkoid

Um einer Neubildung der Sarkoide vorzubeugen, kann außerdem aus entnommenem Tumormaterial eine sogenannte Autovakzine hergestellt werden. Diese funktioniert ähnlich wie eine Impfung, da sie spezifisches abgetötetes Virusmaterial enthält und so das Immunsystem anregt. Wie hoch die Erfolgschancen sind und ob eine Vakzination sinnvoll ist, muss vom behandelnden Tierarzt eingeschätzt werden. 

Weitere Behandlungsansätze

Der Extrakt des Mistelzweiges, wie es zum Beispiel in dem Präparat Iscador® enthalten ist, wird bei Menschen zur ergänzenden Tumorbehandlung eingesetzt. Zwar gehört diese Methode nicht zu den üblichen Behandlungsformen beim Equinen Sarkoid, es gibt jedoch positive Erfahrungsberichte.

Das Abbinden der Tumore wird praktisch nicht mehr durchgeführt und könnte zu einer Reizung des Tumorgewebes mit erhöhtem Risiko des Wiederauftretens führen. 

Ansätze in der Verwendung von Thuja-Tinktur, Schüßler-Salzen® und in der Homöopathie werden von Tierheilpraktikern verfolgt. 

Individuelle Auswahl der Therapie entscheidend

Nicht jede Therapievariante ist für jedes Pferd und jedes Equine Sarkoid geeignet. Welche Methode im speziellen Fall empfehlenswert ist, muss der behandelnde Tierarzt entscheiden. 

Vor jeder Maßnahme sollte ein Tierarzt zurate gezogen werden, der nach entsprechender Diagnostik die richtige Vorgehensweise zur Behandlung des Sarkoids bei dem betroffenen Pferd auswählen kann.

Aktualisiert: 09.06.2017 – Autor: Christina Schleich

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