Fieber beim Pferd: erkennen und messen

Fieber kann bei Pferden viele Ursachen haben. Das Fieber möglichst früh zu erkennen und richtig zu messen, ist entscheidend für die weitere Behandlung.

Pferd mit Fieber © rihaij

Fieber ist beim Pferd ein häufiges Symptom verschiedener Pferdekrankheiten, vor allem bei Infektionen mit Viren oder Bakterien. Die Körpertemperatur der Pferde kann dabei auf bis zu 40 Grad Celsius ansteigen. Häufig wird das Fieber von anderen Anzeichen wie Husten, geschwollenen Beinen oder Appetitlosigkeit begleitet. Fiebermessen gehört beim Pferd zu den ersten Maßnahmen bei dem Verdacht auf eine Erkrankung. Erfahren Sie hier, wie Sie Fieber beim Pferd erkennen und richtig Fieber messen.

Fieber als Symptom einer Pferdekrankheit

Fieber beim Pferd ist wie beim Menschen keine eigentliche Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom einer Erkrankung. Das Immunsystem des Pferdes reagiert dabei auf eine Entzündung oder eine Infektion mit Viren, Bakterien oder anderen Erregern.

Während einer Entzündung oder Infektion bilden sich bestimmte Entzündungsproteine, vor allem auch Prostaglandine. In großer Zahl stören diese Moleküle die körpereigene Wärmeregulation des Pferdes. Dadurch wird der im Körper festgelegte Sollwert für die normale innere Körpertemperatur hinaufgesetzt.

Der Körper beginnt, vermehrt Wärme zu produzieren, um den neuen, erhöhten Sollwert zu erreichen. Diese krankhafte Erhöhung der inneren Körpertemperatur wird dann als Fieber bezeichnet.

Ab wann hat ein Pferd Fieber?

Die normale Körpertemperatur eines Pferdes liegt bei etwa 37 bis 38,2 Grad Celsius. Eine Körpertemperatur von bis zu 38,5 Grad Celsius wird als erhöhte Temperatur und meist noch nicht als Fieber bezeichnet. Steigt die Körpertemperatur auf über 38,5 Grad Celsius, spricht man von Fieber.

Bei Fohlen und jungen Pferden bis zu zwei Jahren liegt die normale Temperatur grundsätzlich schon etwas höher als bei erwachsenen Pferden. Für Fohlen können deshalb auch Körpertemperaturen bis 38,5 Grad Celsius noch normal sein.

Hohes Fieber ist gesundheitsschädlich

Hohes Fieber kann beim Pferd wie auch beim Menschen zu gesundheitlichen Schäden führen. Pferde mit hohem Fieber fressen meist schlecht und nehmen dadurch ab oder entwickeln mitunter Verdauungsstörungen wie beispielsweise eine Kolik.

Eine mangelhafte Wasseraufnahme bei Fieber kann bei einer Dauer von einigen Tagen zu einer allgemeinen inneren Austrocknung (Dehydrierung oder Dehydratation) und nachfolgend zu Nierenproblemen, Koliken oder Herzproblemen führen. Es ist demnach sinnvoll, Fieber möglichst früh zu erkennen und zu behandeln.

Wie erkennt man Fieber beim Pferd?

Fieber beim Pferd kann grundsätzlich nur durch Fiebermessen sicher festgestellt werden. Das Befühlen und Abtasten der Ohren ist keine sichere Methode, um eine erhöhte innere Körpertemperatur und Fieber beim Pferd zu erkennen. Pferde mit Fieber zeigen aber meist auch andere Krankheitssymptome.

Ein erster Verdacht auf Fieber entsteht durch die Beobachtung eines oder mehrerer nachfolgender Symptome, die auf eine Erkrankung beim Pferd hindeuten:

  • Appetitlosigkeit und schlechte Wasseraufnahme
  • Teilnahmslosigkeit (Apathie)
  • Bewegungsunlust und Leistungsabfall 
  • Schwitzen
  • Husten, Nasenausfluss oder eine angestrengte Atmung
  • Ödeme an den Beinen (geschwollene Beine, angelaufene Beine)
  • Durchfall oder Koliksymptome

Grundsätzlich sollte bei jedem krank wirkenden Pferd Fieber gemessen werden, um eine Infektion so früh wie möglich zu erkennen und die Behandlung daraufhin anzupassen.

Fiebermessen beim Pferd – 7 Tipps

Die innere Körpertemperatur wird beim Pferd mit einem Fieberthermometer im After gemessen. Hierzu kann ein spezielles Thermometer für Großtiere oder auch ein normales, für den Menschen geeignetes Modell verwendet werden.

Folgende Tipps sollten Sie beim Fiebermessen beachten:

  1. Lassen Sie das Pferd nach körperlicher Arbeit (Reiten, Fahren, Longieren) etwa 60 Minuten ruhen, bevor Sie Fieber messen. 
  2. Stellen Sie sich zum Fiebermessen nicht direkt hinter das Pferd. Manche Pferde reagieren mit Abwehrbewegungen auf das Fiebermessen und schlagen mitunter aus. Bleiben Sie möglichst seitlich der Hinterbeine stehen.
  3. Lassen Sie sich am besten von einer zweiten Person das Pferd festhalten oder verwenden Sie einen Untersuchungsstand mit einer halbhohen Tür, die das Pferd am Ausschlagen hindert. Die meisten Pferde lassen sich das Fiebermessen in der Regel gefallen.
  4. Messen Sie kein Fieber, wenn das Pferd zu heftige Abwehrbewegungen zeigt. Denken Sie an Ihre eigene Sicherheit. 
  5. Feuchten Sie das Fieberthermometer mit etwas Wasser oder Creme an, bevor Sie es in den After des Pferdes einführen. So vermeiden Sie eine unnötige Reizung der Darmschleimhaut und Abwehrbewegungen des Pferdes.
  6. Legen Sie mit einer Hand den Schweif etwas zur Seite, um das Thermometer einzuführen. Fixieren Sie das Fieberthermometer die ganze Zeit mit der Hand oder einem Bindfaden, damit das Thermometer nicht in den Darm des Pferdes rutscht.
  7. Messen Sie möglichst mindestens zweimal innerhalb von ein bis zwei Minuten Fieber, um eventuelle Messfehler auszuschließen.

Fehler beim Fiebermessen vermeiden

Auch bei korrekter Ausführung des Fiebermessens können Fehler auftreten und das Fieber beim Pferd eventuell nicht richtig erkannt werden. Hier erhalten Sie ein paar Tipps, um Fehler beim Fiebermessen zu vermeiden:

  • Bedenken Sie, dass die Körpertemperatur des Pferdes grundsätzlich abends höher liegt als morgens. Auch wenn die Temperatur morgens normal erscheint, sollten Sie abends noch einmal Fieber messen.
  • Nach einer rektalen Untersuchung des Pferdes durch den Tierarzt (zum Beispiel bei einer Kolik oder Trächtigkeitsuntersuchung) liegt die im After gemessene Temperatur oft deutlich niedriger als zuvor. Warten Sie in diesem Fall etwa 15 Minuten, bevor Sie Fieber messen.
  • Bei einigen Erkrankungen leiden die Pferde an Fieberschüben. Führen Sie das Fiebermessen deshalb am besten über mindestens drei Tage fort. So stellen Sie fest, ob das Pferd wirklich fieberfrei ist oder sich nur in einer Phase zwischen zwei Fieberschüben befindet.

Andere Ursachen für eine hohe Körpertemperatur

Nicht jede Erhöhung der Körpertemperatur beim Pferd bedeutet Fieber. Verschiedene Ursachen können auch bei gesunden Pferden zu einer erhöhten Körpertemperatur führen. Im Gegensatz zu krankhaftem Fieber bleibt in diesen Fällen der Sollwert für die innere Körpertemperatur unverändert. Bei Beseitigung der Ursache reguliert sich der Körper also von selbst wieder.

Folgende Ursachen bewirken eine erhöhte Körpertemperatur:

  • Körperliche Arbeit: Nach der körperlichen Belastung kann die Temperatur bei Pferden kurzfristig auf etwa 40 Grad Celsius ansteigen. Dies liegt vor allem an dem erhöhten Stoffwechsel der Muskulatur. Nur ein relativ kleiner Teil der produzierten Energie wird zur Muskelarbeit verwendet, während der Großteil in Wärme umgesetzt wird. Diese erhöhte Körpertemperatur wird im Gegensatz zu Fieber aber vom Körper wieder reguliert. Innerhalb etwa einer halben Stunde nach der Arbeit sollte sich die Temperatur eines gesunden Pferdes normalisieren.
  • Hitzschlag: Körperliche Arbeit bei heißem Wetter und bei hoher Luftfeuchtigkeit ist der häufigste Grund für einen Hitzschlag beim Pferd. Wenn die Körpertemperatur des Pferdes über einen kritischen Punkt von etwa 41 bis 41,5 Grad Celsius steigt, versagen die Regulationsmechanismen des Körpers. Es kommt zu Herz- und Kreislaufproblemen, die zum Tod des Pferdes führen können. Besonders Fohlen können ihre Körpertemperatur anfangs schlecht regulieren. Wenn sie für ein paar Stunden in der prallen Sonne liegen, steigt ihre innere Körpertemperatur oft stark an.
  • Verstopfung: Bei Pferden, die an einer Verstopfung leiden, ergibt das Fiebermessen mitunter eine erhöhte Körpertemperatur. Dies kann an der Selbsterhitzung des feststeckenden Kotes liegen oder daran, dass mit dem Fieberthermometer direkt im Kot gemessen wurde.

Alle Symptome des Pferdes beachten

Nicht jedes Pferd mit einer erhöhten Körpertemperatur ist krank. Aber auch nicht jedes erkrankte Pferd entwickelt zwangsläufig Fieber. Wichtig ist deshalb, neben dem Fiebermessen immer auch auf andere Symptome des Pferdes zu achten, die auf eine eventuelle Erkrankung hindeuten.

Aktualisiert: 01.06.2018 – Autor: Nicole Kreutzfeldt

Weitere Artikel

Nach oben