Hufgeschwür beim Pferd – eine häufige Ursache für Lahmheit

Hufgeschwüre treten beim Pferd relativ häufig auf und führen oft zu einer starken Lahmheit. Die Anzeichen sind manchmal schwierig zu erkennen.

Hufverband bei Pferd mit Hufgeschwür © istockphoto, Harlequin129

Ein Hufgeschwür führt bei Pferden nicht selten zu einer starken Lahmheit, da es eine sehr schmerzhafte Erkrankung ist. In den meisten Fällen lässt sich ein Hufgeschwür beim Pferd jedoch erfolgreich behandeln und hat gute Aussichten auf Heilung. 

Das Hufgeschwür wird auch als Hufabszess bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine eitrige Entzündung der Huflederhaut (Pododermatitis purulenta). Betroffen sind sowohl beschlagene als auch unbeschlagene Pferde. Ein Hufgeschwür kann beim alten und jungen Pferd gleichermaßen auftreten.

Symptome eines Hufgeschwürs beim Pferd

Leidet ein Pferd an einem Hufgeschwür, zeigt es als Symptom fast immer eine hochgradige, sehr plötzlich auftretende Lahmheit an dem betroffenen Bein. Es ist außerdem möglich, dass das Pferd vermehrt liegt, in dem Versuch, den schmerzhaften Huf zu entlasten. Zudem kann der betroffene Huf warm sein und an den Zehenarterien (seitlich am Fesselkopf) kann eine Pulsation zu spüren sein. Dies sind Anzeichen für die akute Entzündung im Huf.

Um die Diagnose abzusichern, müssen aber noch weitergehende Untersuchungen durchgeführt werden.

Hufgeschwür beim Pferd erkennen

Eine relativ sichere Methode, um ein Hufgeschwür zu erkennen, ist die sogenannte Zangenprobe. Hierbei drückt der Hufschmied oder Tierarzt den gesamten Huf inklusive der Strahl- und Ballenregion mit einer speziellen Hufzange ab. 

Beim gesunden Huf lässt das Pferd dies normalerweise anstandslos geschehen. Liegt jedoch ein Hufgeschwür vor, versucht das Pferd sein Bein der Untersuchung zu entziehen, sobald Druck auf die schmerzende Region ausgeübt wird. Dadurch bekommt der Untersuchende gleichzeitig einen Hinweis, wo genau das Hufgeschwür liegt.

Vorkommen von Hufgeschwüren beim Pferd

Hufgeschwüre können im Bereich des Sohlen- und Wandhorns auftreten, auch am Ballen und Kronrand. Im Inneren des Hufs liegt die Huflederhaut, sie bildet in ihren oberen Schichten das Horn für die von außen sichtbare Hornkapsel. Die Hornkapsel bildet eine schützende Barriere gegen sämtliche äußere Einflüsse. Huflederhaut und Hufhorn sind eng miteinander verzahnt und es gibt wenig Platz für raumfordernde Prozesse, wie etwa eitrige Entzündungen.

Wie entsteht ein Hufgeschwür?

Bei einem Hufgeschwür kommt es zur Entzündung der Huflederhaut mit Eiterbildung. Der Eiter setzt sich aus abgestorbenem Zellmaterial und teilweise auch Bakterien zusammen, hat eine schwärzliche Farbe und riecht übel. Durch die Entzündungsreaktion und die Eiterbildung wird Druck auf die sensible Huflederhaut ausgeübt, was zu den beschriebenen starken Schmerzen für das Pferd führt.

Warum bekommen Pferde ein Hufgeschwür?

Die Ursachen für die Huflederhautentzündung sind vielfältig und können grundsätzlich in zwei Gruppen eingeteilt werden:

  • durch Krankheitserreger verursacht (septisch)
  • nicht durch Krankheitserreger verursacht (aseptisch)

Hufgeschwür beim Pferd durch Krankheitserreger

Bei der septischen Huflederhautentzündung kommt es zu einer Verletzung oder Schädigung der Hornkapsel, wodurch ihre Barrierefunktion nicht mehr gegeben ist und Bakterien eindringen können.

Mögliche Ursachen hierfür sind folgende:

  • Verletzung durch Nageltritt
  • Eindringen kleiner Steine durch die Hufsohle
  • Vernagelung des Hufs durch den Schmied
  • Vorschädigung der Hufe durch Hufrehe
  • schlechte Hufpflege (trockenes und rissiges Horn)
  • Verletzungen am Kronrand durch Kronentritt (Pferd tritt sich selbst mit dem Hinterhuf in den Kronrand des Vorderhufs)
  • aufgeweichtes Horn durch Haltung auf zu feuchtem Untergrund

Hufgeschwür beim Pferd ohne Krankheitserreger

Die aseptische Huflederhautentzündung entsteht nicht durch Keime, sondern durch stumpfe Traumata, wenn das Pferd zum Beispiel gegen Wände ausschlägt und es so zu einer Schädigung und dem Absterben von Gewebe im Huf kommt. 

Auch fehlerhafte Belastung der Hufe kann zur Entstehung von Hufgeschwüren führen. Bei einem Pferd, das ständig Hufgeschwüre hat, sollte daher durch einen Fachmann (Schmied oder Tierarzt) überprüft werden, ob Beschlag und Zubereitung der Hufe korrekt sind.

Hufgeschwüren beim Pferd vorbeugen

Zur Vermeidung von Hufgeschwüren beim Pferd ist es wichtig, dass die Pferde auf einem möglichst trockenen, sauberen Boden gehalten werden, damit die Hufe möglichst gesund bleiben und eine massive Keimvermehrung nicht begünstigt wird. Gleichzeitig darf das Hufhorn aber auch nicht zu trocken und rissig werden, da dies ebenfalls eine Infektion mit Bakterien begünstigt. 

Regelmäßige und gründliche Hufpflege durch den Besitzer und regelmäßige Schmiedbesuche (circa alle sechs bis acht Wochen) sind außerdem Voraussetzung für gesunde Hufe.

Hufgeschwür beim Pferd – was tun?

Kommt es trotz guter Pflege mal zum Hufgeschwür, sollte ein Fachmann (Schmied oder Tierarzt) für die Behandlung hinzugezogen werden. In manchen Fällen reift der Abszess so weit, dass er von alleine das Hufhorn durchbricht. 

Nicht alle Hufgeschwüre treten am Sohlenhorn aus, manche brechen auch oben am Kronsaum durch. Hufgeschwüre, die oben austreten, brauchen meistens länger für die Reifung, sind aber einfacher sauber zu halten, da die Öffnung nicht im direkten Kontakt mit dem Boden ist. Wo das Hufgeschwür austritt, macht grundsätzlich keinen Unterschied in der Behandlung, ausgenommen die Fälle in denen es aufgrund einer ungünstigen Lage zu Komplikationen kommt.

Therapie bei Hufgeschwür

Ein Hufgeschwür geht nicht immer von selbst auf, teilweise muss zunächst über einige Tage ein Angussverband angelegt werden. Dieser weicht das Horn auf und beschleunigt die Reifung des Abszesses. 

Für diese Art von Verband wird dem Pferd ein Polster aus Watte um den Huf gewickelt, welches nach außen hin mit Tape oder ähnlichem versiegelt wird. Die Watte wird mehrfach täglich mit warmem Wasser getränkt. Durch die äußere Plastikschicht bleibt die Feuchtigkeit im Inneren des Verbands erhalten. 

Dem Wasser können entzündungshemmende und desinfizierende Mittel zugesetzt werden. Als altes Hausmittel gilt aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung außerdem der Sauerkrautverband, bei dem Sauerkraut die innerste Schicht des Verbands bildet.

Zusätzlich zum Angussverband kann der Fachmann das Sohlenhorn an der Stelle, an der die Zangenprobe positiv war, mit einem Hufmesser abtragen und das Geschwür so eventuell öffnen.

Hufgeschwür beim Pferd behandeln – wie lange dauert das?

Wie lange sich die Behandlung eines Hufgeschwürs vom ersten Auftreten der Lahmheit bis zum vollständigen Abheilen zieht, kann von Pferd zu Pferd sehr unterschiedlich sein. Die Dauer richtet sich danach, wie schnell der Hufabszess durchbricht, wie tief und wie großflächig er ist und ob alles komplikationslos verheilt. Die Lahmheit verschwindet meistens unmittelbar nachdem der Abszess eröffnet ist und der Eiter abfließen kann.

Nachbehandlung vom Hufgeschwür beim Pferd

Nach dem Öffnen des Hufgeschwürs ist es extrem wichtig, die Öffnung trocken und sauber zu halten um eine zusätzliche Infektion zu vermeiden. Dazu sollte das Loch regelmäßig gereinigt, desinfiziert und mit sauberem Material (zum Beispiel Verbandswatte) verschlossen werden. 

Es empfiehlt sich, einen Hufverband anzulegen, bis eine neue Hornschicht über die offene Huflederhaut gewachsen ist. Dies kann je nach Größe und Tiefe des Geschwürs zwei bis vier Wochen dauern. 

Ab wann ein Hufverband nicht mehr nötig ist, sollte in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt entschieden werden. Hierbei spielen ebenfalls die Haltung beziehungsweise die Bodenbeschaffenheit der Box oder Weide sowie die Witterungsverhältnisse eine Rolle. Steht das Pferd beispielsweise in einer sehr matschigen Umgebung, kann ein schützender Hufverband über längere Zeit nötig sein.

Pferd mit Hufgeschwür bewegen

Für viele Pferdebesitzer stellt sich die Frage, wann sie ihr Pferd wieder reiten können, nachdem ein Hufgeschwür festgestellt wurde. Solange das Pferd eine starke Lahmheit zeigt, sollte es nicht bewegt und ein Tierarzt angerufen werden. 

Steht die Diagnose fest und ist das Hufgeschwür geöffnet, kann das Pferd in den meisten Fällen wieder schmerzfrei laufen und auch leicht bewegt werden. Wann genau eine volle Belastung wieder möglich ist, sollte jedoch mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden.

Hufgeschwür mit alternativen Heilmethoden behandeln

Es gibt für Hufgeschwüre alternative Behandlungsansätze, wie zum Beispiel die Therapie mit Schüßler-Salzen®. Diese soll einen Mangel an bestimmten Mineralien im Körper des Pferdes ausgleichen und zum Abheilen der Entzündung führen.

Globuli sind die typische Darreichungsform homöopathischer Präparate, ihre Inhaltsstoffe sind pflanzlicher Natur. Es gibt jedoch keine Studien, die die Wirksamkeit von Homöopathie zur Behandlung von Hufgeschwüren bei Pferden belegen.

Aktualisiert: 09.11.2018 – Autor: Pia Fraté

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