Hufrehe beim Pferd

Hufrehe beim Pferd zeigt sich durch verschiedene Symptome. Das frühzeitige Erkennen und die schnelle Behandlung der Erkrankung sind besonders wichtig.

Pferd leidet an Hufrehe © istockphoto, Groomee

Hufrehe beim Pferd ist eine schwerwiegende Erkrankung mit verschiedenen Ursachen. Das frühzeitige Erkennen und die schnelle Behandlung sind daher besonders wichtig. Die typischen Symptome, wie ein steifer Gang, vermehrtes Liegen und Pulsation am Fesselgelenk, sollten daher gerade bei Risikopferden gut beobachtet werden, um einen chronischen Verlauf der Hufrehe zu verhindern. Eine schnelle und passende Therapie sowie die Verlaufsüberwachung durch Röntgenbilder sind für die Langzeitprognose sehr wichtig.

Was ist Hufrehe?

Hufrehe ist ein Defekt in der Verbindung zwischen dem Hufbein und der inneren Hufwand eines Pferdes. Im Pferdehuf ist das Hufbein als Knochen durch viele Horn- und Lederhautblättchen (sogenannte lamelläre Verbindungen) in der Hufkapsel aufgehängt. 

Bei der Rehe des Pferdes werden diese Aufhängungen durch bestimmte Enzyme (Matrix-Metalloproteinasen) und durch eine Schädigung der Blutgefäße aufgelöst. In der Folge entsteht Druck auf die inneren Strukturen des Hufes. Dadurch entwickelt sich ein Teufelskreis und die Erkrankung schreitet voran.

Anfangs werden die Blutgefäße eingeengt, sodass zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe in das Gewebe des Hufes gelangt. Im Verlauf der Krankheit werden die Gefäße dann geweitet und es treten Schädigungen in den Gefäßwänden auf. Dadurch können sich gewebeschädigende Stoffe besonders leicht ausbreiten. Zudem tritt auch Blut in das Gewebe ein, sodass in der Hufkapsel ein enormer Druckanstieg in kurzer Zeit eintritt. 

Meist tritt die Erkrankung an den Vorderhufen eines Pferdes auf. Bei hormonellen Erkrankungen sind aber häufig auch alle vier Hufe betroffen, oder sogar nur die Hinterhufe.

Mögliche Ursachen für Hufrehe

Die Ursachen einer Hufrehe beim Pferd sind vielfältig, zum Beispiel:

  • Überfütterung mit Getreide, Zucker (Fruktan im Gras) oder Eiweiß
  • Hormonelle Erkrankungen (zum Beispiel Pituitary Pars Intermedia Disease beziehungsweise Cushing Syndrom oder Equines metabolisches Syndrom)
  • Infektionen, die Blutgefäße schädigen
  • Traumen und Schmerzreaktionen
  • Bakterielle Endotoxine (Toxine, die von Bakterien produziert werden)
  • Giftstoffe
  • Giftpflanzen
  • Toxine (Giftstoffe) aus dem Urogenitaltrakt (Geburtsrehe)
  • Traumatische Überbelastung eines nicht verletzten Pferdebeins (Belastungsrehe)
  • Allergische Reaktionen 
  • Angeboren durch einen Gendefekt

Hufrehe kann also sowohl durch falsche Fütterung oder Infektionen erworben werden als auch (in seltenen Fällen) angeboren sein. Es ist dabei wichtig, die genaue Ursache festzustellen um erneuten Schüben vorzubeugen. 

Hufrehe frühzeitig erkennen

Eine schnelle Erkennung der Hufrehe bei Pferden ist außerordentlich wichtig. Die erste Entwicklungsphase der Krankheit lässt sich meist nicht erkennen, außer man hat einen Hinweis darauf, dass typische Ursachen für Hufrehe vorliegen, beispielsweise weil das Pferd aus der Haferkiste gefressen hat. 

Je früher man die Symptome der nachfolgenden Phase einer Hufrehe erkennt, desto größer sind die Heilungschancen. 

Typische Symptome von Hufrehe bei Pferden

Das stärkste Symptom einer Hufrehe beim Pferd lässt sich bereits aus dem Namen ableiten: Der Begriff Rehe kommt vom altdeutschen Wort "räh" und dies bedeutet "steif". Denn die Pferde gehen oft steif und strecken die Vorderhufe meist weit nach vorn. 

Beim Laufen belasten erkrankte Pferde meist nur den hinteren Teil (Trachten) der Vorderhufe. Häufig ist auch eine Pulsation (Pochen der Blutgefäße) an den Blutgefäßen auf Höhe des Fesselgelenks fühlbar. Zudem zeigt ein Pferd mit Hufrehe oft starke Schmerzen und liegt viel, um die Hufe zu entlasten.

Akute oder chronische Hufrehe

Eine Hufrehe, die bei einem Pferd zum ersten Mal auftritt, ist häufig von starken Schmerzen und den oben genannten Anzeichen begleitet. Anhand der klinischen Symptome ist aber noch keine Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Hufrehe möglich.

Eine Hufrehe beim Pferd wird dann als chronisch bezeichnet, wenn sich das Hufbein absenkt oder rotiert ist. Beim Absenken oder Rotieren des Hufbeins verändert sich die Position des Knochens im Huf. Senkt sich das Hufbein ab, verlagert es sich komplett in Richtung Hufsohle. Rotiert es, senkt sich nur die Spitze im vorderen Teil des Hufes ab und der Abstand zwischen der Hufwand aus Horn und dem Knochen ist nicht mehr gleichmäßig.

Ob eine Hufrehe chronisch ist, hängt also nicht von der Dauer der Krankheit ab, sondern richtet sich nach dem Schweregrad der Schädigung, die am Inneren des Hufes entsteht. 

Um zu verhindern, dass eine akute Hufrehe chronisch wird, sollte das Pferd am Anfang der Erkrankung nach Möglichkeit viel liegen, damit die Blutgefäße nicht zu sehr geschädigt werden. Außerdem wird im Liegen kein Zug durch die tiefe Beugesehne auf das Hufbein ausgeübt. Dies verhindert oder mildert eine Hufbeinabsenkung oder Hufbeinrotation und damit schwere Schädigungen des Hufes.

Schweregrade der Hufrehe beim Pferd

Der Schweregrad der Hufrehe wird mithilfe festgelegter Kriterien (Einteilung nach Obel) bewertet. Hierbei wird anhand der Lahmheit des Pferdes und einiger anderer Symptome auf den Schweregrad der Hufrehe beim Pferd geschlossen.

Zudem sind Röntgenaufnahmen der Hufe für die Prognose äußerst wichtig. Nur mit ihnen kann eine Aussage zur Lage des Hufbeins und zur Entwicklung der Hufrehe des Pferdes gemacht werden, was für die weitere Therapie und die Langzeitprognose entscheidend ist.

Behandlung einer Hufrehe

Die Therapie einer Hufrehe sollte so früh wie möglich erfolgen, dann ist die Krankheit in der Regel gut handhabbar, wenn auch nicht heilbar.

Entdeckt man bei einem Pferd die Symptome einer Hufrehe, sollte man sofort die Beine des erkrankten Pferdes kühlen. Die Beine können mit einem Wasserschlauch, die Hufe in einem Eimer mit Eiswasser gekühlt werden. Zudem ist es empfehlenswert, sofort den Tierarzt zu rufen.

Da die Pferde meist sehr starke Schmerzen haben, kann die Gabe eines entsprechenden Schmerzmittels Abhilfe verschaffen. Außerdem sollte die Entzündung im Huf mit einem Entzündungshemmer behandelt werden. Wenn die Hufrehe durch Giftstoffe hervorgerufen wurde, ist es eventuell ratsam, auch einen Toxinfänger zu geben.

Um eine Rotation des Hufbeins zu verhindern oder abzumildern, müssen gerade zu Beginn die Trachten (der hintere Teil der Hufwand) der betroffenen Hufe erhöht werden. Das kann durch einen Keil mit Gipsverband oder durch spezielle Hufschuhe erfolgen, die vom Tierarzt angebracht werden. Dies ist nötig, damit die am Hufbein ansetzende tiefe Beugesehne keine Hufbeinrotation fördert. 

Haltung und Fütterung bei Hufrehe

Ist ein Pferd an Hufrehe erkrankt, muss die Haltung den Bedürfnissen des Pferdes angepasst werden. Die Fütterung sollte möglichst zuckerarm und eiweißarm erfolgen. Falls die Pferde dadurch zu stark abmagern, kann Fett in Form von Öl ein guter Energieträger sein. 

Außerdem sollten der Weidegang und – während eines akuten Schubs – generell die Bewegung beschränkt werden. Pferde die mit ihrer Rehe wieder gut laufen können oder die man sogar wieder reiten kann, sollten nur nachts auf die Weide gestellt werden, da zu dieser Zeit der Fruktangehalt im Gras am niedrigsten ist. 

Zudem sollte Heu von guter Qualität, das lange gestanden hat (erster Schnitt, spät geerntet), gefüttert werden. Auch wenn es schwerfällt: Verzichten Sie besser darauf, dem Pferd Leckerlies und Obst zu geben.

Kräuter und Homöopathie zur Unterstützung

In der Phase der akuten Erkrankung kann die Behandlung der Hufrehe durch den Tierarzt auch durch andere Behandlungsmöglichkeiten unterstützt werden. Es gibt spezielle Kräutermischungen für an Hufrehe erkrankte Pferde, die den Stoffwechsel des Pferdes unterstützen und die Entgiftung fördern.

Auch Homöopathie kann mit Globuli und anderen Möglichkeiten zur Therapieunterstützung eingesetzt werden. Hier sollte jedoch klar sein, dass die Hufrehe eine sehr schmerzhafte Erkrankung mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen für das Pferd ist und deshalb keineswegs ausschließlich homöopathisch behandelt werden sollte. 

Einschläfern bei Ausschuhen

Da die Hufrehe eine sehr schwere Erkrankung ist, die mitunter eine langwierige Therapie und außerordentlich starke Schmerzen mit sich bringt, muss gerade bei einem schweren Verlauf mit Ausschuhen, also dem Ablösen der Hornkapsel von den inneren Strukturen des Hufes, das Einschläfern in Betracht gezogen werden.

Sollte das Pferd ausschuhen, ist eine Therapie sehr schwer durchführbar und eine Heilung unwahrscheinlich. Zudem ist das Pferd hierbei sehr starken Leiden und Schmerzen ausgesetzt. Daher sollte sich der Besitzer des Pferdes in einem solchen Fall fragen, ob er seinem Pferd ein Leben mit der Krankheit wirklich zumuten möchte.

Haltung nach Abklingen der akuten Hufrehe

Ist die akute, schmerzhafte Phase einer Hufrehe überstanden, kann das Pferd je nach Schaden an den Hufen wieder normal gehalten werden. Sind die Schäden nur gering und gut verheilt, kann auch ein Pferd mit überstandener Hufrehe wieder bewegt und auch geritten werden. 

Pferde mit erhöhtem Risiko für Hufrehe

An Hufrehe erkranken häufig Ponys mit Übergewicht. Aber auch ältere Pferde mit Pituitary Pars Intermedia Disease (Cushing Syndrom) oder Pferde mit Equinem metabolischem Syndrom sind oft durch die Stoffwechselstörungen betroffen. Bei sogenannten Robustrassen tritt Hufrehe öfter auf als bei anderen Pferderassen. 

Eine weitere Risikogruppe sind verletzte Pferde, die ein Bein deutlich stärker belasten müssen. Dadurch entsteht oft eine Belastungsrehe, da die Durchblutung der Hufe durch die dauerhaft erhöhte Belastung gestört ist.

Aber auch Stuten, bei denen es Komplikationen in der Geburt gab, sind oft gefährdet.

Vorbeugung einer Hufrehe beim Pferd

Betrachtet man die häufigen Ursachen für Hufrehe bei Pferden, wird deutlich, dass es Umstände gibt, in denen man einer Hufrehe nur schwer oder gar nicht vorbeugen kann. Generell gilt aber, dass Pferde, gerade die robusteren Rassen, nicht übergewichtig sein sollten. 

Pferde mit Equinem metabolischem Syndrom sollten generell zuckerarm ernährt werden. Dazu gehört auch ein reduzierter Weidegang, abhängig von den Wetterlagen und Temperaturen, da bei kalten Temperaturen und viel Sonnenschein besonders schnell hohe Fruktangehalte im Gras erreicht werden.

Bei Pferden, die verletzungsbedingt in der Box stehen müssen, sollten die Beine mehrmals täglich auf Pulsation untersucht werden. Wird bei dem Pferd eine Pulsation festgestellt, muss sofort begonnen werden, das Bein zu kühlen und der Tierarzt gerufen werden, um den Verlauf der Hufrehe möglichst frühzeitig zu stoppen.

Aktualisiert: 22.05.2017 – Autor: Ann Christin Leitow

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