Hufrollenentzündung beim Pferd

Anzeichen für eine Hufrollenentzündung beim Pferd ist Lahmheit, besonders in Wendungen. Die Schwere der Symptome bestimmt die Behandlung und Prognose.

Stegeisen bei Hufrollenentzündung des Pferdes © istockphoto, mavkate

Die Begriffe Hufrolle und Hufrollenentzündung werden bei Pferden oft als Synonyme verwendet. Während die Hufrolle jedoch verschiede normale Strukturen des Pferdehufes meint, ist die Hufrollenentzündung die eigentliche Pferdekrankheit. Diese Hufrollenerkrankung kann einem betroffenen Pferd so starke Schmerzen bereiten, dass es nicht mehr reitbar ist. Lesen Sie hier mehr über die Entstehung, Symptome und Therapie der Hufrollenentzündung beim Pferd.

Was ist eine Hufrolle?

Zu der Hufrolle beim Pferd zählen mehrere natürlich vorhandene Strukturen im Huf des Pferdes. Dabei handelt es sich im Einzelnen um die tiefe Beugesehne, ihren nahegelegenen Schleimbeutel, das knöcherne Strahlbein und bestimmte Anteile des Hufgelenkes. 

Diese Bestandteile des Hufes sorgen im gesunden Zustand für eine gute Beweglichkeit der unteren Gliedmaße. Jeder dieser Bestandteile kann durch Verletzungen, Überbelastung oder andere Ursachen erkranken und sich entzünden. Im Zuge dessen spricht man von einer Hufrollenentzündung. 

Was ist eine Hufrollenentzündung?

Es können einzelne oder mehrere der Bestandteile der Hufrolle des Pferdes am Krankheitsbild der Hufrollenentzündung beteiligt sein. Oft handelt es sich beim Hufrollensyndrom – oder auch "Palmarem Fußsyndrom des Pferdes" – um Entzündungen des Schleimbeutels, der im Huf unter der tiefen Beugesehne zu liegen kommt. 

Aber auch Schäden und Entzündungen der Beugesehne oder des Hufgelenkes sowie Veränderungen an dem Knochen können mitbeteiligt oder die allein für die Hufrollenentzündung verantwortlich sein. Eine Hufrollenentzündung führt bei einem betroffenen Pferd zu leichten bis schweren Schmerzen und entsprechender Lahmheit.

Ursachen einer Hufrollenentzündung

Eine Entzündung der Gelenke oder Schleimbeutel in der Hufkapsel, die Bestandteile der Hufrolle des Pferdes sind, entsteht häufig durch Verletzungen wie einen Nageltritt, Erkrankungen wie Hufrehe oder eine Überbelastung des Pferdes. 

Aber auch eine tierärztliche Behandlung wie eine Medikamentengabe in das Gelenk oder eine Gelenkspülung kann zu einem Eintrag von Bakterien in diesem Bereich führen.

Diese Bakterien verursachen eine Entzündungsreaktion im Körper des Pferdes. Im Hufgelenk, im Schleimbeutel unter der tiefen Beugesehne und in der aus Gewebe bestehenden Hülle um die Sehne (Sehnenscheide) sammeln sich Entzündungsprodukte und Eiter. Die vermehrte Füllung der Strukturen und die Zersetzungsprozesse durch die Bakterien verursachen Entzündungen und Schmerzen. 

Lahmheit des Pferdes als wichtigstes Symptom

Pferde mit einer Hufrollenentzündung zeigen abhängig von der Schwere der Entzündung meist eine mehr oder weniger starke Lahmheit auf dem betroffenen Bein.

Typisch für eine Hufrollenentzündung ist vor allem ein deutlicher Schmerz bei einer Wendung des Pferdes im Schritt oder Trab. Dieses Symptom deutet auf einen schmerzhaften Prozess im Inneren des Hufes hin, wie es bei der Hufrollenentzündung der Fall ist. 

Eine Entzündung der Hufrolle des Pferdes kann die Hufe vorn oder hinten betreffen und dementsprechend ein unterschiedliches Bewegungsbild erzeugen. Beim Betasten der Ballengrube auf der Rückseite des Hufes ist mitunter durch die Haut der vermehrt gefüllte Schleimbeutel oder die verdickte Sehnenscheide zu fühlen. Bei starken Entzündungen entwickelt sich manchmal auch Fieber.

Entzündung der Hufrolle beim Pferd – was tun?

Sind bei einem Pferd Lahmheit und Schmerz in der Wendung zu erkennen, besteht der Verdacht auch eine Hufrollenentzündung. In diesem Fall sollte der Tierarzt informiert und bis zu dessen Ankunft das Pferd in die Box gebracht werden. Eine frühzeitige Untersuchung und Diagnose sind wichtig, um eine dauerhafte Schädigung der Hufe durch langandauernde und starke Entzündungsreaktionen zu verhindern.

Genaue Untersuchung bei Hufrollenentzündung

Der Tierarzt führt bei Verdacht auf eine Hufrollenentzündung eine genaue Untersuchung des Pferdes durch, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Dazu gehören:

  • das Beurteilen des Pferdes in der Bewegung
  • diagnostische Anästhesien (das Betäuben von Nerven in verschiedenen Bereichen des Pferdebeins, um den genauen Ort des Schmerzes zu finden)
  • Untersuchungen mit dem Ultraschallgerät
  • ein Röntgenbild von der Pferdezehe
  • eventuell eine Punktion des Gelenkes (Gewinnung von Gelenkflüssigkeit mit einer Spritze) oder des Schleimbeutels oder eine Druckmessung in diesen Bereichen
  • gegebenenfalls eine Spiegelung des Schleimbeutels oder des Gelenkes mittels eines Endoskops, also eines kleinen Kameraschlauchs

Die meisten Untersuchungen können vom Tierarzt vor Ort durchgeführt werden. Weiterführende diagnostische Maßnahmen wie eine Punktion oder Spiegelung, die deutlich mehr Risiko für einen Keimeintritt in das Hufinnere bedeuten, werden jedoch am besten in einer Pferdeklinik durchgeführt. 

Gerade bei einer Spiegelung ist zudem grundsätzlich eine Narkose des Pferdes nötig, um eine sichere Untersuchung zu gewährleisten. Auch dies ist in einer Pferdeklinik besser zu realisieren und zu überwachen.

Veränderungen bei einer Hufrollenentzündung

Auf einem Röntgenbild können grundsätzlich vor allem Veränderungen der Knochen dargestellt werden. Bei einer leichten Hufrollenentzündung zeigen sich beim Röntgen eher wenige Veränderungen. Mitunter sind jedoch Gasblasen und vermehrte Flüssigkeit im Bereich des Hufgelenkes und des Schleimbeutels der Beugesehne sichtbar. Die Schwere der Erkrankung lässt sich daraus nicht erschließen. Die Befunde deuten aber auf Bakterien und eine bakterielle Entzündung hin.

Mit dem Ultraschall wird ebenfalls die mitunter vorkommende vermehrte Gelenksfüllung dargestellt. Eine Punktion ermöglicht die Untersuchung ebendieser Flüssigkeit auf Anzeichen einer Entzündung. Bei einer Spiegelung können direkt Schäden an der Beugesehne, Knorpelschäden im Gelenk oder Schleimbeutelschäden erkannt werden.

Behandlung einer Hufrollenentzündung

Die Behandlung einer Entzündung der Hufrolle richtet sich nach den Befunden des Tierarztes aus seiner Untersuchung des Pferdes. Leichte Entzündungen im Gelenk, dem Schleimbeutel oder der Sehnenscheide lassen sich durch die Gabe von Entzündungshemmern und Schmerzmitteln bessern oder beheben. 

Mitunter ist ein sogenanntes Ausspülen, also eine Spülung des betroffenen Gelenkes und Schleimbeutels nötig, um die Belastung durch Bakterien und Entzündungszellen zu verringern. Werden Bakterien nachgewiesen, ist generell eine Behandlung des Pferdes mit Antibiotika ratsam. Diese werden oft im Anschluss an eine Spülung direkt ins Gelenk eingegeben. 

Um eine Hufrollenentzündung zu behandeln, sollte das erkrankte Pferd je nach Befund für einige Tage bis Wochen Boxenruhe erhalten. Der Grad der Lahmheit ist dabei ausschlaggebend für die Dauer der Boxenruhe und den Verlauf der Erkrankung. Bei starker Lahmheit ist oft eine längere Ruhigstellung des Pferdes nötig.

Nervenschnitt führt nicht zur Heilung

In manchen Fällen ist eine Behandlung der Hufrollenentzündung aufgrund der schon weit fortgeschrittenen entzündlichen Veränderungen und wegen der schweren, irreparablen Schäden nicht mehr möglich. Dies gilt vor allem für chronische Hufrollenentzündungen, also solche, die schon länger bestehen. Bei akuten Erkrankungen kann eine rechtzeitige Behandlung schwere Schäden mitunter verhindern.

Damit ein betroffenes Pferd wieder schmerzfrei und reitbar wird, kann der Tierarzt einen Nervenschnitt durchführen. Dabei werden die zum Huf des Pferdes laufenden Nerven durchtrennt.

Dadurch ist die Weiterleitung des Schmerzes aus den entzündeten und veränderten Bereichen unterbrochen. Die Pferde zeigen in der Folge kaum oder keine Lahmheit mehr. Die Ursache der Entzündung der Hufrolle wird so allerdings nicht behoben und die Veränderungen schreiten weiter fort. 

Pferde, bei denen ein Nervenschnitt durchgeführt wurde, dürfen in Deutschland nicht an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen, da diese Maßnahme als Doping gilt. In vielen Fällen hält die Wirkung des Nervenschnittes zudem nur etwa drei Jahre an, bevor die Behandlung wiederholt werden muss. Ist dies nicht möglich, kommt bei Pferden mit starken Schmerzen oft nur noch das Einschläfern in Frage.

Hufbeschlag bei Hufrollenentzündung

Grundsätzlich können sowohl Pferde mit Beschlag als auch Pferde, die barfuß laufen (oft als "barhuf" bezeichnet), eine Hufrollenentzündung erleiden. Je nach Befund des Tierarztes kann ein spezieller Hufrollenbeschlag die Behandlung des Pferdes unterstützen. 

Dies gilt vor allem bei sichtbaren Veränderungen auf dem Röntgenbild. Hat sich das Hufbein durch die schwere oder fortwährende Entzündung zur Hufsohle rotiert oder auch abgesenkt, hat sich also die Position des Knochens im Huf verändert, können Hufeisen mit Gummieinlagen oder ähnlichem den dadurch entstehenden Druck lindern. 

Liegt kein solcher Befund vor, können Pferde mit Hufrollenentzündung aber auch ohne Eisen weiter gehalten und behandelt werden.

Ergänzende Therapie der Hufrollenentzündung

Es gibt verschiedene Ergänzungs- und Pferdefutter, die bei diagnostizierten Knorpel- oder Gelenksschäden die Regeneration fördern und die durch den Tierarzt überwachte Behandlung des Pferdes unterstützen sollen. Diese Zusatzfutter sollen eine Neubildung des Gewebes begünstigen. Die Wirkung solcher Futter ist umstritten, aber grundsätzlich gelten sie nicht als schädlich. 

Auch Mittel der Homöopathie können zur Linderung von Entzündungen eingesetzt werden. Sie ändern aber nichts an bereits bestehenden Schäden und können daher eine professionelle Behandlung durch einen Tierarzt nicht ersetzen.

Prognose bei Hufrollenentzündung

Bei einer Hufrollenentzündung entscheiden Ausmaß und Schwere der Entzündung und der daraus folgenden Schäden an den verschiedenen Bestandteilen der Hufrolle des Pferdes über die Prognose und Therapie. 

Leichte Hufrollenentzündungen, die früh erkannt und behandelt werden, haben in vielen Fällen eine gute Prognose, sind also meist heilbar. Nach Abheilung sind die Pferde in der Regel wieder normal reitbar. 

Manche können jedoch nicht mehr so umfassend im Reitsport eingesetzt und belastet werden wie vor der Erkrankung. Vor allem Springen belastet die Strukturen der Hufrolle außergewöhnlich stark. Bei bleibenden Schäden nach schweren Hufrollenentzündungen ist vom Springen mit dem Pferd meist abzuraten.

Dauerhafte Schäden möglich

Bei schweren Entzündungen entstehen oft dauerhafte Schäden an den Sehnen oder Gelenken, die das Pferd aufgrund der Schmerzen unreitbar machen. Diese Prognose hängt im Einzelfall von den betroffenen Strukturen, der Schwere der Entzündung und der frühzeitigen und gründlichen Therapie ab. 

Besonders Schäden im Knorpel, der sich nicht wieder regenerieren kann, oder Sehnenschäden, die sehr langsam heilen, führen oft zu einem dauerhaft nicht mehr reitbaren Pferd. In solchen Fällen muss häufig ein Einschläfern des Pferdes in Erwägung gezogen werden.

Hufrollenentzündung beim Pferd vorbeugen

Durch die tägliche Kontrolle des Pferdes und eine artgerechte Haltung kann der Gefahr einer Hufrollenentzündung durch den Pferdebesitzer vorgebeugt werden. Beachten Sie dabei folgende Tipps:

  • Untersuchen Sie die Hufe täglich auf Verletzungen wie Nageltritte. 
  • Füttern Sie nicht zu viel leicht verdauliches Kraftfutter (um Hufrehe zu verhindern).
  • Vermeiden Sie eine Überbelastung des Pferdes (beim Reiten; fahren Sie vor allem auf der Straße).
  • Bauen Sie junge Pferde langsam auf und trainieren Sie die Pferde vorsichtig an.

Pferde aller Altersklassen können an Hufrollenentzündungen erkranken. Ältere Pferde, die viel im Pferdesport gelaufen sind, haben tendenziell öfter Probleme mit Veränderungen in den Strukuren der Hufrolle. Aber auch junge Pferde, die zu früh zu hart arbeiten müssen, neigen zu Schäden an Bändern und Sehnen sowie der Hufrolle.

Durch einen sorgfältigen Umgang mit dem Pferd und Rücksichtnahme auf seine Bedürfnisse lässt sich einer Hufrollenentzündung in der Regel gut vorbeugen.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Nicole Kreutzfeldt

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