Kotwasser beim Pferd

Kotwasser bei Pferden kann vielfältige Ursachen haben – zum Beispiel Stress, falsche Fütterung oder Zahnprobleme. Die Behandlung richtet sich nach den Auslösern.

Auswaschen von Kotwasser aus dem Schweif eines Pferdes © istockphoto, anakondasp

Kotwasser ist ein Symptom, das viele Pferdebesitzer phasenweise bei ihren Pferden beobachten. Tritt es kurzzeitig auf, zum Beispiel vor oder während Turnieren, besteht meistens kein Grund zur Sorge. Erst wenn Pferde über einen längeren Zeitraum Kotwasser zeigen, sollten Maßnahmen ergriffen werden.

Was ist Kotwasser?

Zunächst muss der Begriff "Kotwasser" genau geklärt werden und von anderen Krankheitsbildern, zum Beispiel Durchfall, abgegrenzt werden. Pferde können Kotwasser vor, während, nach dem Kotabsatz oder völlig unabhängig davon zeigen.

Dabei läuft oder spritzt eine wässrige, in unterschiedlichem Maße gefärbte Flüssigkeit aus dem After. Die Beschaffenheit des Kotes ist oftmals eher weich, kann aber auch gänzlich normal sein.

Wie entsteht Kotwasser bei Pferden?

Dass sich Flüssigkeit im Darm befindet, ist bei Pferden völlig normal. Der Körper regelt seinen Wasserhaushalt, indem er Wasser aus dem Darm rückresorbiert (wieder aufnimmt) oder in diesen hinein abgibt. Diese Vorgänge laufen größtenteils im Dickdarm ab.

Normalerweise wird im Darm befindliches Wasser in den Kot integriert, wodurch dieser eine mehr oder weniger weiche Konsistenz erhält. Sind diese Abläufe gestört, werden zwei Komponenten getrennt voneinander ausgeschieden – geformte Kotballen und Flüssigkeit, das Kotwasser.

Beim Durchfall hingegen sind keine zwei Komponenten zu unterscheiden, der Kot ist nicht oder gering geformt und sehr breiig bis wässrig. Durchfall stellt eine ernstzunehmende Erkrankung dar, die viele Ursachen haben kann und unverzüglich durch einen Tierarzt abgeklärt werden sollte.

Kotwasser: Welche Folgen gibt es?

Kotwasser wird insbesondere dann zum Problem für die Pferdegesundheit, wenn es über einen längeren Zeitraum auftritt. Die Flüssigkeit rinnt den Zwischenschenkelspalt herab und reizt oftmals die empfindliche Haut dort und an den Beinen des Pferdes.  Es können hartnäckige Dermatitiden (Hautentzündungen) entstehen.

Da Kotwasser jedoch keine Erkrankung, sondern lediglich ein Symptom ist, stellt das größere Problem meist seine Ursache dar. Diese gilt es unbedingt zu finden, denn sie kann unter anderem den Wasser- und Nährstoffhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen, je nachdem wie ausgeprägt das Problem ist.

Ursachen für Kotwasser

Grundsätzlich kann alles, was einen Einfluss auf den reibungslosen Ablauf des empfindlichen Verdauungssystems von Pferden hat, auch eine Ursache für Kotwasser sein.

An erster Stelle der möglichen Auslöser steht, wie bei vielen Pferdekrankheiten, Stress. Dies wird insbesondere darin deutlich, dass Pferde in stressigen Situationen oder Phasen oft spontan Kotwasser zeigen; ist die Situation vorüber oder die Stressquelle abgestellt, verschwindet auch das Symptom.

Mögliche Stressfaktoren für ein Pferd sind zum Beispiel:

  • Neuzugänge in der Gruppe
  • zu wenig Auslauf
  • Hitze
  • Überforderung im Training
  • Stallwechsel

Auch Medikamentenverabreichung, der Befall mit Würmern, Magengeschwüre oder Zahn- und Kiefererkrankungen können ursächlich sein.

Kotwasser nach einer Futterumstellung

Des Weiteren tritt Kotwasser manchmal während oder nach einer Futterumstellung auf. Im Frühjahr oder Herbst, wenn die Pferde das üppige Angebot an Gras auf der Weide gegen das Pferdefutter bei Stallhaltung – oder umgekehrt – eintauschen, tritt vermehrt Kotwasser auf.

Hier hilft es, jede Futterumstellung so schonend wie möglich zu gestalten. Besonders langsames und ausgedehntes Anweiden beziehungsweise Abweiden ist wichtig. Bei einer Umstellung von Kraft- oder Ergänzungsfutter ist es ratsam, zuerst kleine Mengen des neuen Futters beizumischen und den Anteil des bisherigen Pferdefutters langsam zu reduzieren.

Mein Pferd hat Kotwasser – was tun?

Zeigt ein Pferd über einen Zeitraum von mehreren Wochen sporadisch Kotwasser, sollte die Ursache abgeklärt werden. Setzt das Pferd in kurzen Intervallen große Mengen von Kotwasser ab, sollte bereits früher der Tierarzt hinzugezogen werden. Dieser berät zu Krankheiten, die mit Kotwasser einhergehen und macht einen Zahncheck.

Ist das Tier körperlich gesund, müssen Haltung und Fütterung unter die Lupe genommen werden. Gibt es Stressfaktoren? Hier muss genau hingeschaut werden, da Pferde sehr unterschiedlich reagieren. Während viele erst unter offensichtlichen Mängeln, wie "Mobbing" im Herdengefüge oder mangelndem Auslauf leiden, kann für manche Pferde ein kleines Detail bereits zum Problem werden.

Fütterung als Auslöser von Kotwasser

Bei der Pferdefütterung steht an erster Stelle der permanente Zugang zu Raufutter sowie der Tränke. Ist dieser gewährleistet, sollten sowohl Heu und Stroh, als auch Kraft- und Ergänzungsfutter auf einwandfreie Qualität geprüft werden. Heu und Stroh dürfen nicht schimmelig oder pilzbefallen sein, auch unscheinbare, vermeintlich kleine Nester beeinträchtigen die Qualität.

Ein sehr empfindliches Futtermittel ist Silage. Diese sollte auf ihren pH-Wert und einwandfreie Lagerung überprüft werden. Auch die Fütterungszeiten des Pferdes können eine Rolle spielen. Ideal sind mehrere kleine Mahlzeiten am Tag.

Hausmittel gegen Kotwasser beim Pferd – was hilft?

Landläufig sind verschiedene Hausmittel bekannt, die gegen Kotwasser helfen sollen. Tatsächlich stellen viele von ihnen eher "Kotkosmetika" dar, die die Beschaffenheit des Kotes beeinflussen können, jedoch nicht die Ursache des Problems bekämpfen. So werden zum Beispiel Pferdehanf, Flohsamen und Flohsamenschalen, Bierhefe oder diverse Kräuter gegen Kotwasser eingesetzt. Auch Joghurt, der in erster Linie die Darmflora unterstützt, soll Hilfe bei Kotwasser bieten.

Grundsätzlich sind alle Ergänzungen, die das Verdauungssystem des Pferdes unterstützen oder helfen, die Darmflora aufzubauen, nicht schädlich und können unterstützend wirken. Eine Symptomfreiheit ist jedoch selten zu erwarten.

Zu beachten ist auch, dass ständiges Wechseln der Futtermittel eine Belastung für das Verdauungssystem des Pferdes darstellt und im ungünstigsten Fall zu einer Verschlimmerung des Problems führen kann. Einseitige Fütterung oder ein zu hoher Anteil der oben genannten Ergänzungsfuttermittel ist nicht zu empfehlen und kann Koliken begünstigen.

Behandlung von Kotwasser durch den Tierarzt

Ist die Ursache innerhalb kurzer Zeit nicht aufzufinden, sollte in jedem Fall der Tierarzt konsultiert werden. Denn nur wenn die Ursache für das Kotwasser feststeht, kann eine zielführende Behandlung des Pferdes erfolgen. Diese kann, je nach Diagnose, medikamentös erfolgen oder die Anpassung von Haltung oder Fütterung beinhalten.

Um die Begleiterscheinungen von Kotwasser, wie zum Beispiel entzündete Hautstellen, zu lindern, ist es wichtig, entsprechende Stellen regelmäßig abzuwaschen und eventuell mit schützenden Cremes zu behandeln. Wie bereits oben erwähnt, kann die Optimierung der Haltung (Gruppenzusammenstellung, Auslauf etc.) oftmals schon Abhilfe schaffen.

Auch im Bereich der Homöopathie gibt es Ansätze, die Schüßler-Salze® und Globuli verwenden. Entscheiden Sie sich dazu, Ihr Pferd homöopathisch zu behandeln, sollte der Tierarzt zu geeigneten Mitteln befragt werden.

Aktualisiert: 11.08.2017 – Autor: Christina Schleich

Weitere Artikel

Nach oben