Pilz beim Pferd behandeln und vorbeugen

Hautpilz bei Pferden ist ansteckend und sollte immer behandelt werden. Zur Therapie stehen verschiedene Medikamente und Hausmittel zur Verfügung.

Pferd mit Pilz-Erkrankung © istockphoto, p_saranya

Eine Pilzerkrankung der Haut (Dermatomykose) kann beim Pferd unter Umständen innerhalb von etwa sechs bis zehn Wochen ohne Behandlung spontan wieder abheilen. Da Hautpilz allerdings sowohl für andere Pferde als auch für den Menschen ansteckend ist, sollte eine Behandlung durchgeführt werden. Diese reduziert die Ansteckungsgefahr und führt mitunter zu einer schnelleren Abheilung der Symptome. 

Die Behandlung einer Pilzerkrankung beim Pferd ist oft langwierig und kann Waschlotionen, Medikamente wie Imaverol® und auch Impfungen beinhalten. Auch einige Hausmittel wie Obstessig, Lebermoos und Globuli werden gegen Pilz bei Pferden eingesetzt. Erfahren Sie hier, wie Sie Pilz beim Pferd am besten behandeln und worauf Sie bei der Behandlung achten müssen.

Dauer der Behandlung einer Pilzerkrankung

Eine Pilzerkrankung beim Pferd wird meistens lokal, also durch die Anwendung von Medikamenten direkt auf den betroffenen Stellen, behandelt. Grundsätzlich sind mehrere Behandlungen jeweils im Abstand von einigen Tagen nötig, um den Pilz effektiv zu bekämpfen. Eine Behandlung kann deshalb eine Dauer von mehreren Wochen haben.

Auch wenn die Symptome des Pilzbefalls bereits abgeklungen sind, sollte die Behandlung noch etwa ein bis zwei Wochen weitergeführt werden. So werden auch die restlichen Pilzsporen beseitigt und eine sofortige Neuansteckung verhindert.

Breites Angebot an Medikamenten und Hausmitteln

Pilzbefall kann bei Pferden sehr hartnäckig sein. Auch bei konsequenter und gewissenhafter Behandlung ziehen sich manche Hautpilzerkrankungen über mehrere Wochen bis Monate hin, ohne eine deutliche Besserung zu zeigen. Nicht jedes Pferd und jeder Pilz reagieren gleich gut auf eine bestimmte Behandlung und ein bestimmtes Medikament. 

Diese oft unbefriedigenden Behandlungserfolge und der neue Trend zu einer vermehrt biologischen und schonenden Therapie beim Pferd haben zu der Entwicklung vieler verschiedener Mittel und Medikamente geführt. Im Folgenden erfahren Sie Wissenswertes zu der Anwendung der einzelnen Mittel gegen Pilz beim Pferd.

Waschlotionen gegen Hautpilz beim Pferd

Im Gegensatz zu bakteriellen Infektionen, bei denen häufig eine Behandlung des gesamten Pferdes mit Antibiotika über das Futter oder eine Spritze erfolgt, wird Hautpilz meist durch eine lokale Anwendung von Medikamenten behandelt. In der Regel handelt es sich dabei um Waschlotionen, mit denen die von Pilz befallenen Stellen der Haut gewaschen werden. Einen solche Waschlotion ist entweder bereits fertig vorbereitet oder wird direkt vor der Behandlung mit Wasser angemischt. 

So stehen beispielsweise Imaverol® und Mycophyt® als Konzentrate für die Herstellung einer Waschlotion gegen Pilz beim Pferd zur Verfügung.

Imaverol® bei Pilzbefall

Das verschreibungspflichtige Medikament Imaverol® wird vom Tierarzt bei einer Pilzerkrankung des Pferdes häufig verordnet. Es handelt sich um eine Emulsion zur äußeren Anwendung auf der Haut. 

Das Konzentrat wird vor der Behandlung in einem Verhältnis von 1:50 mit Wasser vermischt und die betroffenen Stellen werden mit der Lösung abgewaschen. Die Behandlung des Pferdes mit Imaverol® sollte etwa alle drei bis vier Tage erfolgen. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem sichtbaren Erfolg, dem Abklingen der Symptome und den Anweisungen des Tierarztes. 

Folgende Tipps sollten Sie bei Imaverol® beachten: 

  • Tragen Sie beim Mischen der Lösung Gummihandschuhe, da das Konzentrat die Haut reizt. Auch der Kontakt mit den Augen ist zu vermeiden. Die fertige Mischung ist ungefährlich.
  • Eventuell auf der Haut entstandene Krusten entfernen Sie vor der Anwendung mit einer Bürste, bevor Sie die Stellen abwaschen. So erhöhen Sie die Wirksamkeit der Behandlung.

Essig und Lebermoosextrakt gegen Pilz beim Pferd

Neben Medikamenten der Schulmedizin finden auch alternative Mittel gegen Pilz Anwendung beim Pferd. Dazu gehören Obstessige wie Apfelessig oder auch eine Waschlotion aus Lebermoos, die von einigen Pferdebesitzern in Internetforen hoch gelobt werden. 

Beachten Sie bei der Anwendung dieser Hausmittel folgende Tipps:

  • Essig sollten Sie nicht unverdünnt auf die Haut des Pferdes auftragen, da er sonst die Haut reizt. Obstessige scheinen nur im frühen Stadium einer Pilzerkrankung zu wirken, wenn sich noch keine Krusten auf dem Fell gebildet haben. Die von Pilz befallenen Stellen werden alle zwei bis drei Tage mit Obstessig und Wasser in einem Mischverhältnis von 1:2 abgewaschen.
  • Lebermoosextrakt wird in einer Verdünnung von 1:10 mit Wasser auf die erkrankte Haut aufgesprüht. Alternativ können die Stellen auch wie mit anderen Waschlotionen abgewaschen werden. Eine Fertigmischung ist im Internet erhältlich. Lebermoos soll auch bei fortgeschrittener Pilzerkrankung wirken, indem es die natürlichen Abwehrmechanismen der Moose gegen Pilze nutzt.

Canesten® gegen Hautpilz beim Pferd

Canesten® ist ein für den Menschen hergestelltes Medikament und freiverkäuflich in der Apotheke erhältlich. Es enthält den Wirkstoff Clotrimazol, der gegen Hautpilz und einige andere Pilzerkrankungen wirkt. 

Andere Präparate mit dem Wirkstoff Clotrimazol werden in der Tiermedizin zurzeit nur bei Kleintieren mit Pilzerkrankungen, beispielweise bei Hund und Katze, verwendet. Ein entsprechendes Medikament für Pferde gibt es nicht auf dem Markt. Mehrere Anwender berichten jedoch von guten Erfolgen mit Canesten® bei der Behandlung von Hautpilz beim Pferd.

Die Creme wird etwa ein- bis zweimal täglich auf die mit Pilz befallenen Stellen aufgetragen. Vor der Anwendung sollten Sie die entsprechenden Bereiche waschen und gut abtrocknen, um eventuelle Krusten und Hautschuppen zu entfernen. Die Dauer der Behandlung des Pferdes mit Canesten® richtet sich nach dem Verlauf der Heilung. 

Canesten® kann beim Pferd nach Rücksprache mit dem Tierarzt ohne besonderes Risiko angewendet werden. Um eine sichere Diagnose zu stellen und bei schlechter Heilung, sollte aber der Tierarzt hinzugezogen werden.

Homöopathie und Globuli bei Pilzbefall

Auch in der Homöopathie gibt es bestimmte Mittel, die bei einer Pilzerkrankung des Pferdes eingesetzt werden. Besonders Schüßler Salze® erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und werden in der Form von Globuli gerne von Pferden gefressen.
 
Zu den wichtigsten Globuli gegen Pilzbefall zählen Natrium sulfuricum, Kalium sulfuricum und Natrium phosphoricum. Diese homöopathischen Mittel werden gerne zur Unterstützung einer Behandlung mit Waschlotionen eingesetzt.

Ballistol® als Pflegeöl – Wirkung fraglich

Ballistol® ist ein auf pflanzlicher Basis aus verschiedenen Ölen hergestelltes Pflegemittel für Pferde. Es sorgt für glänzendes, geschmeidiges Fell und eine gute Kämmbarkeit von Mähne und Schweif. Zudem soll Ballistol® die Wundheilung unterstützen.

Die Wirkung von Ballistol® bei Pilzerkrankungen beim Pferd ist jedoch fraglich. Ab und zu wird von erfolgreichen Behandlungen berichtet. Allerdings ist dabei nicht sicher, ob es sich nicht einfach um eine spontane Abheilung des Hautpilzes handelt. Die Wirksamkeit der in Ballistol® enthaltenen Öle gegen Pilz ist nicht wissenschaftlich nachgewiesen worden. 

Gleiches gilt für sämtliche Behandlungsversuche mit pflanzlichen Präparaten wie Teebaumöl, Grapefruitkernextrakte, Knoblauch oder anderen Kräutern. Gerade bei den ansteckenden Pilzerkrankungen sollten Sie lieber auf bewährte Mittel vertrauen. 

Kein Kortison bei Pilzerkrankungen

Die Anwendung von Kortison ist bei Pilzerkrankungen nicht ratsam. Kortison wirkt hemmend auf das Immunsystem, verzögert die körpereigene Bekämpfung des Pilzbefalls und trägt so zu einer unnötigen Verlängerung der Pilzerkrankung bei. 

Pilzerkrankungen in der Lunge und im Darm

Ein Pilzbefall in der Lunge oder dem Darm eines Pferdes ist oft nicht leicht zu diagnostizieren und häufig schwer zu behandeln. Der Pilz ist in diesen Fällen nicht so leicht zugänglich wie bei einem Hautpilz. 

Meist erfordert ein solcher Pilz eine langwierige Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten, Antibiotika – um die begleitenden bakteriellen Infektionen zu bekämpfen – und einer systemischen Behandlung (meist durch Spritzen) mit Medikamenten gegen Pilze. 

Ein starker Pilzbefall in der Lunge ist bei Pferden sehr selten, kann aber lebensbedrohlich werden. Pilz im Darm kann mitunter zu Kolik führen und eine Therapie mit Schmerzmitteln, Zusatzfuttern und eventuell sogar einer Operation nötig machen.

Das Immunsystem stärken

Bei einer Pilzerkrankung des Pferdes ist eine Stärkung des Immunsystems angezeigt. Der Tierarzt kann über verschiedene Möglichkeiten wie Vitaminpräparate oder Zusatzfutter beraten. 

Ein Hersteller von Zusatzfutter für Pferde bietet einen Brottrunk an, der aus Quellwasser, Natursauerteig und Vollkornbrot besteht und auf die Flora im Darm des Pferdes wirken soll. Dadurch wird ein positiver Effekt auf das Immunsystem erwartet. 

Tatsächlich spielt eine gesunde Darmflora auch beim Pferd eine wichtige Rolle für ein starkes Immunsystem. Der Brottrunk soll auch für die äußerliche Anwendung geeignet sein.

Pilzerkrankungen beim Pferd vorbeugen: 8 Tipps

Um einer Pilzerkrankung beim Pferd vorzubeugen oder eine erneute Infektion mit Pilz nach einer erfolgreichen Behandlung des Pferdes zu verhindern, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  1. Waschen und Desinfizieren: Reinigen Sie das Putzzeug, die Satteldecken, Tücher, Gamaschen und andere waschbare Ausrüstung des erkrankten Pferdes. So entfernen Sie die daran haftenden Pilzsporen, die zu einer erneuten Infektion führen können. Desinfizieren Sie auch Trense und Halfter, nachdem Sie sie mit heißem Wasser gründlich abgewaschen haben.
  2. Desinfizieren Sie den Stall des betroffenen Pferdes.
  3. Verwenden Sie nicht dasselbe Putzzeug für mehrere Pferde.
  4. Fassen Sie keine fremden Pferde an. Diese können an Pilz erkrankt sein, ohne dass Sie davon wissen.
  5. Waschen und desinfizieren Sie sich nach dem Besuch eines fremden Stalls oder dem Kontakt mit einem fremden Pferd die Hände, bevor Sie Ihr eigenes Pferd anfassen. Genauso sollten Sie auch auf Händehygiene achten, wenn Ihr eigenes Pferd an einer Pilzerkrankung leidet. So schützen Sie die anderen Pferde. Wenn möglich, wechseln Sie auch die Kleidung.
  6. Achten Sie auf eine gute Futterqualität und Futterhygiene, um eine übermäßige Belastung des Pferdes mit Pilzen zu vermeiden. Vermeiden Sie schimmeliges Stroh oder Heu.
  7. Sorgen Sie für eine artgerechte Haltung, ausreichend Bewegung und eine gute Fütterung. So stärken Sie das Immunsystem des Pferdes.
  8. Es steht eine Impfung gegen bestimmte Pilze für Pferde zur Verfügung. Diese verhindert keine Infektion mit Pilzen, kann aber die Symptome mildern und mitunter zu einer schnelleren Heilung führen. Sollte eine solche Pilzimpfung durchgeführt werden, ist es am sinnvollsten, alle Pferde eines Bestandes zu impfen. So ist die Wirkung der Impfung optimal.

Durch eine konsequente Behandlung und gute Hygiene lassen sich die meisten Pilzerkrankungen bei Pferden in den Griff bekommen. Manchmal ist dabei eine Kombination mehrerer Behandlungsmethoden nötig.

Aktualisiert: 08.02.2019 – Autor: Nicole Kreutzfeldt

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