Satteldruck beim Pferd

Satteldruck beim Pferd ist eine schmerzhafte Druckstelle, die häufig durch einen schlecht sitzenden Sattel entsteht. Betroffen sind meist Widerrist oder Gurtlage.

Pferd mit Satteldruck © istockphoto, hilllander

Satteldruck ist eine Problematik, welche bei jedem Pferd auftreten kann, egal ob Turnier- oder Freizeitpferd. Schon der kleinste Hinweis darauf sollte ernst genommen werden, denn ist der Schaden erst einmal entstanden, so ist die Behandlung und Ausheilung langwierig. Wir erklären, wie Sie Satteldruck bei Ihrem Pferd erkennen und die Symptome behandeln können.

Was ist Satteldruck beim Pferd?

Ein Satteldruck entsteht bei Pferden durch eine Quetschung der Haut im Bereich der Sattellage. Meist ist die Gegend um beziehungsweise auf dem Widerrist betroffen, da hier so gut wie keine schützende Muskulatur vorhanden ist. Es können aber auch Druckstellen in der Gurtlage oder im hinteren Sattelbereich entstehen.

An den betroffenen Stellen wachsen die Haare immer weiß nach, da durch den entstandenen Schaden die Pigmentierung der Haut gestört wird.

Woran erkennt man einen beginnenden Satteldruck?

Erste Anzeichen für Satteldruck bei einem Pferd können abgebrochene Haare oder stumpfes Fell an der betroffenen Stelle sein. Manchmal ist das Fell zunächst auch nur leicht aufgeraut. Schwellungen und Quaddeln unter dem Sattel sind schon deutlichere Vorboten.

Eines der Symptome für Satteldruck im Anfangsstadium kann außerdem ein ganz typisches Schweißbild sein. Bei einem gut sitzenden Sattel findet man dort, wo der Sattel aufliegt, nach dem Reiten einen gleichmäßigen Schweißfilm auf dem Pferderücken. Drückt nun aber ein Sattel an einer oder mehreren Stellen, so sieht man dort trockene Bereiche, da durch den Druck die Schweißproduktion verhindert wird.

Zusätzlich sollte man auch dem Verhalten seines Pferdes Beachtung schenken. Ist es beim Satteln und Angurten unzufrieden, unruhig, beißt vielleicht sogar? Auch dies kann ein Hinweis auf einen beginnenden Satteldruck sein.

Was sind die Ursachen von Satteldruck?

Die Ursache eines Satteldrucks bei Pferden ist in den häufigsten Fällen ein schlecht sitzender Sattel. Aber auch verrutschte oder umgeknickte Sattelunterlagen können zu Druckstellen führen. Außerdem kann ein Druck entstehen, wenn eine Satteldecke direkt unter dem hinteren Polster des Sattels endet, oder wenn das Fell des Pferdes in der Sattellage nicht sauber genug ist.

Ein weiterer Auslöser kann ein zu fest beziehungsweise zu locker angezogener Sattelgurt sein. Ist der Gurt zu locker, kann der Sattel verrutschen und dadurch scheuern. 

Sehr empfindliche oder aber junge Pferde, deren Haut noch nicht an den Gurt gewöhnt ist, können auch einfach ohne erkennbare Ursachen eine Druckstelle im Bereich der Gurtlage entwickeln – dies ist aber sehr selten.

Ein häufig missachtetes Problem kann außerdem ein zu schwerer oder schlecht sitzender, ungeübter Reiter sein.

Absolutes Reitverbot bei Satteldruck

Ist ein Satteldruck erstmal entstanden, muss der Pferderücken unverzüglich geschont werden und darf bis zum vollständigen Abheilen der Wunde nicht mehr belastet werden. 

Bei einem Pferd mit Satteldruck ist Reiten also absolut tabu, bis die Wunde vollständig verheilt ist. In der Regel dauert dies einige Wochen, in schweren Fällen sogar Monate.

Satteldruck bei Pferden – was tun?

Grundsätzlich sollte Satteldruck so früh wie möglich behandelt werden. Folgende Tipps gelten für die Behandlung von Satteldruck:

  • Offene Stellen sollten stets sauber gehalten werden und können mit Wasser gekühlt werden.
  • Zusätzlich können milde, wundheilungsfördernden Salben hilfreich sein, um das angegriffene Gewebe zu schützen und geschmeidig zu halten. Gut eignen sich hierfür zum Beispiel Arnica- oder Calendulasalben (nicht auf offene Wunden auftragen), aber auch Salben mit Dexpanthenol. 
  • Auf geschwollene Bereiche kann eine Acetatmischung aufgetragen werden. 
  • Es sollten keine stark reizenden Salben verwendet werden, da diese das Gewebe noch mehr angreifen könnten.

Behandlung durch den Tierarzt erforderlich

In jedem Fall ist es ratsam, bei Satteldruck einen Tierarzt hinzuzuziehen, um über die richtige Behandlung des betroffenen Pferdes zu entscheiden. Die Druckstellen können sich schnell entzünden und eine bakterielle Sekundärinfektion entwickeln, welche dann mit Antibiotika behandelt werden muss. 

Eine sorgfältige Beobachtung der Druckstelle ist sehr wichtig. Denn in dem empfindlichen Rückenbereich des Pferdes können schnell schwerwiegende Schäden entstehen, wenn sich eine Infektion in tiefere Bereiche auf Knochen und Bänder der Wirbelsäule ausbreitet.

Ein schleichend entstehender Satteldruck ist zudem häufig mit einer Fehlbelastung verbunden, da das Pferd über einen längeren Zeitraum hinweg versucht, dem Schmerz auszuweichen. Massive Muskelverspannungen können die Folge sein und sollten zusätzlich therapiert werden.

Unterstützende Behandlung durch Homöopathie

Zudem besteht die Möglichkeit, mit Homöopathika die Wundheilung zu unterstützen. Gut eignen sich beispielsweise Arnica und Ledum D12 sowie Calendula D6. Bildet sich viel wulstiges Narbengewebe, so kann Silicea D12 helfen. Eine geeignete Therapie sollte hier aber auch durch einen Experten festgelegt werden.

Passende Ausrüstung für jedes Pferd

Zur Vorbeugung und zur Verhinderung eines Rezidivs, also einer erneuten Entstehung eines Satteldrucks, ist es unerlässlich, das gesamte Equipment zu überprüfen und etwaige Mängel zu beseitigen.

Jedes Pferd sollte einen gut sitzenden Sattel haben. Es wird niemals von dauerhaftem Erfolg sein, einen unpassenden Sattel mithilfe von dicken Unterlagen und diversen Kissen, Gelpads oder anderen Hilfsmitteln "passend zu machen". 

Auch das immer wieder gerne eingesetzte Rehfell als Sattelunterlage ist keine geeignete Alternative. Dadurch wird Druck zwar etwas abgemildert – die Haare des Rehfells bewegen sich einige Millimeter hin und her und schonen so das Fell und die Haut des Pferdes vor Scheuern – dennoch ist ein gut angepasster Sattel stets vorzuziehen.

Bei der Auswahl der passenden Ausrüstung sollte man beachten, dass die Sattelunterlage eigentlich gar nicht dazu gedacht ist, abzupolstern oder Mängel am Sattel auszugleichen. Sie soll lediglich den empfindlichen Sattel vor Schweiß und Schmutz schützen.

Ein guter Sattler ist viel wert

Beim Kauf eines Sattels ist es zu empfehlen, einen Experten zurate zu ziehen. Nur ein Fachmann, beispielsweise ein Sattler, kann mithilfe seiner Messinstrumente, seines geschulten Auges und seiner Erfahrung einen optimalen Sattel für das jeweilige Pferd auswählen. 

Folgende Punkte sind unter anderem für den richtigen Sitz des Sattels entscheidend und müssen daher genau bestimmt und ausgemessen werden:

  • die passende Kammerweite 
  • genügend Widerrist- und Schulterfreiheit
  • der richtige Schwerpunkt
  • die Wölbung des Sattels in der Längsachse 
  • die richtige Gesamtlänge 

Satteldruckmessung: Passt der Sattel? 

Einige Sattler haben die Möglichkeit, mit speziellen Messgeräten eine sogenannte Satteldruckmessung direkt am Pferd durchzuführen.

Hierbei wird ein Spezialpad unter den jeweiligen Sattel gelegt und über Sensoren die genaue Druckverteilung während des Reitens gemessen, an einen Computer übertragen und ausgewertet. Dies kann sehr hilfreich sein, sowohl um einen Sattel optimal anzupassen, als auch um gegebenenfalls vorhandene Reiterfehler aufzudecken.

Auch ein optimal angepasster Sattel sollte regelmäßig auf seinen Sitz überprüft werden, da sich die Muskulatur eines Pferdes während des Wachstums und auch in der späteren Entwicklung immer wieder verändern kann.

Ist es ratsam, ein Pferd mit Satteldruck zu kaufen?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, ein Pferd, das offensichtlich Satteldruck hat oder hatte, zu kaufen, sofern kein zu starkes Narbengewebe entstanden ist, welches beim Reiten zu einem dauerhaften Problem führen könnte. Außerdem muss man einiges an Geduld mitbringen, sollte ein vorhandener Satteldruck noch nicht vollständig abgeheilt sein.

Selbstverständlich ist in jedem Fall für eine einwandfrei passende Ausrüstung für das Pferd zu sorgen, um erneute Schäden durch Satteldruck zu vermeiden.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Lena-Geraldine Seifert

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