Strahlfäule beim Pferd – Tipps zur Behandlung

Strahlfäule kann bei Pferden sehr hartnäckig sein. Zu einer wirksamen Behandlung gehört neben Mitteln gegen Bakterien auch eine möglichst trockene Haltung.

Pferd leidet an Strahlfäule © istockphoto, MelissaAnneGalleries

Strahlfäule fällt beim Pferd meistens bei der Säuberung der Hufe auf. Im Bereich der Ballen und des Strahls des Pferdehufs lässt sich infolge einer Infektion mit Fäulnisbakterien weiches, schwarz verfärbtes und übel riechendes Horn erkennen. Die Symptome können an einem oder mehreren Hufen auftreten. 

Nur in den seltensten Fällen lahmt ein Pferd aufgrund von Strahlfäule. Ohne Behandlung kann Strahlfäule jedoch in die Tiefe des Hufes vordringen und schwere, schmerzhafte Schäden verursachen, was auch eine Lahmheit zur Folge haben kann. Eine wirksame Behandlung der Strahlfäule beim Pferd beinhaltet nicht nur die Anwendung von verschiedenen Mitteln am Huf selbst, sondern auch die Beseitigung der Ursachen. Wir erklären, was gegen Strahlfäule hilft.

Strahlfäule wirksam behandeln

Zur Behandlung von Strahlfäule gehören eine tägliche Säuberung der Hufe, eine möglichst trockene Haltung des Pferdes und verschiedene Mittel, die vom Besitzer am Huf angewendet werden. Dabei handelt es sich im Allgemeinen um Mittel gegen Bakterien und solche, die das betroffene Horn austrocknen. 

Eine wirksame Behandlung von Strahlfäule beim Pferd besteht grundsätzlich aus:

  • der lokalen Behandlung (Behandeln der betroffenen Hufe, Entfernen des losen Horns)
  • einer Verbesserung der Haltungsbedingungen (trockene Boxen, keine matschigen Paddocks)
  • je nach Ausmaß der Erkrankung der Gabe weiterer Medikamente

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Strahlfäule. Auch bei konsequenter Therapie können bis zur vollständigen Abheilung einige Wochen vergehen. Dies hängt vor allem mit dem Wachstum des betroffenen Horns zusammen. Etwa zwei Monate braucht das Pferd, um das gesamte Horn des Strahls und der Ballen durch gesundes Horn zu ersetzen. 

Leichte Strahlfäule kann der Besitzer in der Regel gut selbst behandeln. Zeigt sich keine Besserung, sollte aber ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Jodoformäther bei Strahlfäule

Bei der Behandlung von Pferden mit Strahlfäule hat sich besonders das lösliche Arzneimittel Jodoformäther bewährt. Dieses Mittel gegen Strahlfäule hat austrocknende, antibakterielle und ätzende Eigenschaften: 

  • Dadurch trocknet das durch Feuchtigkeit aufgeweichte Horn des betroffenen Hufs ab. Bakterien, die sich in dem weichen Horn angesiedelt und die Strahlfäule verursacht haben, verlieren somit ihre Lebensgrundlage.
  • Die Bakterien werden zudem durch den Jodoformäther abgetötet. 
  • Loses, weiches Horn wird bereits teilweise durch die ätzende Komponente entfernt.

Es empfiehlt sich, bei Strahlfäule Jodoformäther auf einen Wattebausch zu gegeben und die feuchte Watte mithilfe eines Hufkratzers in die erkrankte Strahlfurche zu klemmen. Der entstehende Druck unterstützt die Bildung neuen Horns und die Abheilung der Strahlfäule. Außerdem verbleibt der Jodoformäther auf diese Weise länger an der erkrankten Stelle und kann so noch effektiver gegen die Strahlfäule wirken. Die Watte sollte täglich erneuert werden.

Jodoformäther ist gesundheitsschädlich

Jodoformäther ist zurzeit nur über den Tierarzt erhältlich. Bei der Anwendung am Pferdehuf sollten wegen seiner gesundheitsschädlichen Wirkung unbedingt Handschuhe getragen und der Kontakt mit den Augen vermieden werden. 

Die Dämpfe des Jodoformäthers können zudem die Atemwege reizen. Jodoformäther schädigt durch seine ätzende Wirkung umliegendes gesundes Gewebe und sollte daher immer vorsichtig angewendet werden.

Betaisodona® bei Strahlfäule

Grundsätzlich eignet sich fast jedes Mittel mit austrocknenden Eigenschaften zur Behandlung von Strahlfäule beim Pferd. Dazu zählen Povidon-Jod-Lösungen, zum Beispiel in Form einer Betaisodona®-Lösung, die auch zur Wundbehandlung beim Menschen genutzt wird.

Betaisodona® ist für gewöhnlich in der Apotheke erhältlich, gesundheitlich unbedenklich und kann wie Jodoformäther zur Behandlung angewendet werden. 

Hufverbände mit Rivanol® ungeeignet

Rivanol® ist in Form von Tabletten, Salben und Lösungen erhältlich und wirkt antibakteriell. Diese Eigenschaft nutzt der Tierarzt gewöhnlich bei der Behandlung von Hufgeschwüren und legt einen Hufverband mit Rivanol® an. Durch einen mit Rivanol® getränkten Verband weicht das Horn auf, sodass ein Geschwür besser nach außen durchbrechen und ausgeschnitten werden kann.

Bei der Behandlung von Strahlfäule beim Pferd ist ein weiteres Aufweichen des ohnehin schon weichen, losen Horns eher nicht erwünscht. Hier steht das Abtrocknen des betroffenen Horns im Vordergrund. Hufverbände sind also zunächst nicht Mittel der Wahl.

Rivanol® kann aber als Lösung oder mithilfe einer in Wasser gelösten Tablette lokal auf die mit Strahlfäule betroffenen Bereiche gegeben werden, um Fäulnisbakterien zu bekämpfen.

Hilft Blauspray bei Strahlfäule?

Blauspray ist ein Desinfektionsmittel und findet besonders bei der Behandlung von Wunden beim Pferd Anwendung. Durch seine antibakterielle Eigenschaft beugt es einer Infektion der Wunde mit Bakterien vor und deckt die Verletzung zusätzlich ab. 

Bei Strahlfäule ist eine Wirkung gegen Bakterien zwar erwünscht, jedoch sollte das betroffene Horn möglichst nicht durch Spray oder Salben abgedeckt werden. Der dadurch herbeigeführte luftdichte Verschluss des Hufes begünstigt das Wachstum von Bakterien in den tieferen Schichten des Horns, in die das oberflächlich wirkende Blauspray nicht vordringt. Blauspray sollte daher zur Behandlung von Strahlfäule nicht verwendet werden.

Stark ätzende Mittel schaden dem Huf

Verschiedene andere, vor allem ätzend wirkende Mittel wie Wasserstoffperoxid finden bisweilen bei Strahlfäule Anwendung. Wenn der betroffene Strahl sich sehr druck- und schmerzempfindlich zeigt, sind diese Mittel jedoch mitunter zu stark und führen beim betroffenen Pferd zu Schmerzen und Gewebeschäden. 

In diesem Fall empfiehlt sich eine anfängliche Behandlung mit weniger ätzenden Mitteln wie Povidon-Jod, um den Strahl erst einmal auszutrocknen und weniger empfindlich zu machen. Sobald der Strahl etwas abgehärtet ist, kann das Pferd beispielsweise mit Jodtinkturen oder Kupersulfat behandelt werden. Diese wirken weiter austrocknend und vor allem Kupfersulfat auch antibakteriell.

Kolloidales Silber – Homöopathie bei Strahlfäule

Kolloidales Silber als Lösung wirkt gegen Bakterien und einige Pilze. Dieses homöopathische Mittel wird von Therapeuten auch zur äußerlichen Behandlung von Wunden, Entzündungen und anderen Beschwerden eingesetzt. 

Bei Strahlfäule kann es auf die betroffenen Bereiche des Hufes aufgetragen oder aufgesprüht werden. Tritt keine Besserung ein, muss die Behandlung des Pferdes mit anderen Mitteln gegen Strahlfäule ergänzt und bei Bedarf der Tierarzt hinzugezogen werden.

Hausmittel bei Strahlfäule

Mitunter werden Gemische aus Honig, oft in Verbindung mit roher Zwiebel, zur Behandlung von Strahlfäule auf den Strahl des betroffenen Hufes aufgetragen. Honig wirkt antibakteriell und auch rohe Zwiebeln enthalten Schwefelverbindungen, die Bakterien schaden. 

Dieses Hausmittel lässt sich gut bei Strahlfäule anwenden, sollte aber ebenso wie sämtliche andere Mittel nach dem sichtbaren Erfolg beurteilt werden.

Loses Horn bei Strahlfäule entfernen

Die an der Strahlfäule des Pferdes beteiligten Bakterien wachsen und vermehren sich am besten in feuchten, luftdichten Bereichen des Hufes. Indem das lose, befallene Horn entfernt wird, reduziert sich die Zahl der Bakterien in dem Huf und die darunter gelegenen Bereiche werden belüftet. Die Mittel zur Behandlung der Strahlfäule erreichen außerdem die betroffenen Stellen besser. 

Eine regelmäßige Pflege der Hufe, insbesondere durch Beschneiden mit dem Hufmesser, ist für eine wirksame Behandlung der Strahlfäule notwendig. Diese Kürzung sollte durch einen Schmied oder Tierarzt vorgenommen werden. Unsachgemäßer Umgang mit dem Hufmesser kann schnell zu Schnittverletzungen bei Mensch und Pferd führen.

Ursachen von Strahlfäule erkennen und beseitigen

Das Stehen in ständiger Feuchtigkeit hat bei Pferden oft loses, aufgeweichtes Horn zur Folge. Das Horn verliert seine Schutzfunktion und ermöglicht es Bakterien, in den Huf des Pferdes einzudringen. Besonders in matschigen Paddocks oder feuchten Boxen sind die Hufe andauernder Nässe ausgesetzt. 

Seltenes oder nicht ausreichendes Säubern und Abäppeln der Ausläufe oder Ställe erhöht zudem die Belastung der Hufe mit Bakterien und Ammoniak. Mangelnde Pflege der Hufe begünstigt in diesem Zusammenhang die Entstehung von Strahlfäule. Zur Behandlung von Strahlfäule gehört daher immer auch die Beseitigung der Ursachen.

Tipps zur Behandlung und Vorbeugung

Folgende Maßnahmen sollten die medikamentöse Behandlung von Strahlfäule ergänzen:

  • regelmäßige Pflege und Reinigung der Hufe
  • eine saubere, trockene Haltung des Pferdes (gegebenenfalls bessere oder mehr trockene Einstreu, Drainage in den Paddocks, trockene Unterstände auf nassen Wiesen etc.)
  • Regelmäßiges Abäppeln von Box, Stall und Auslauf
  • Bei schlechter Hornqualität eventuell Zufüttern von Zusatzstoffen wie Zink (nach vorheriger Absprache mit dem Tierarzt)

Mit den genannten Maßnahmen lässt sich gleichzeitig auch der Entstehung von Strahlfäule vorbeugen.

Strahlfäule beim Pferd ist nicht ansteckend

Auch wenn Strahlfäule durch Bakterien ausgelöst wird, stecken sich Pferde grundsätzlich nicht bei anderen Pferden mit der Hufkrankheit an. Fallen mehrere Pferde in einer Gruppe mit Strahlfäule auf, liegen meist ungünstige Haltungsbedingungen vor. 

Die bakterielle Infektion des Horns wird erst durch die vorangegangene Schädigung des Hufes durch zu viel Nässe möglich. Pferde mit guter Hornqualität und gesunden Hufen, die zudem optimal gehalten werden, haben meist keine Probleme mit Strahlfäule.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Nicole Kreutzfeldt

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