Überbein beim Pferd – was ist zu tun?

Überbeine kommen beim Pferd häufig vor. Eine Behandlung ist in vielen Fällen erforderlich, denn Überbeine können die Ursache für Lahmheiten darstellen.

Tierärztin untersucht Überbein bei einem Pferd © istockphoto, fotoedu

Überbeine kommen bei Pferden relativ häufig vor. Meist sind sie vorne am Bein zwischen Karpalgelenk und Fesselgelenk am Röhrbein zu finden. Aber was ist bei einem Überbein zu tun? Muss man überhaupt etwas tun? Ab wann sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden? Erfahren Sie, wann und wie ein Überbein zu behandeln ist und welche Möglichkeiten Sie selbst haben. 

Was ist ein Überbein überhaupt?

Überbeine sind knöcherne Zubildungen, die auf einen bestimmten Bereich am Knochen begrenzt sind. Sie entstehen durch eine Überreaktion der Knochenhaut (Periost) auf einen Reiz. Dieser Reiz ist entweder einmalig stark genug, eine Reaktion auszulösen – beispielsweise ein Tritt – oder er kehrt regelmäßig wieder, beispielsweise durch Fehlstellungen oder falsche Hufbearbeitung. 

Symptome eines Überbeins beim Pferd

Die Symptome eines Überbeins äußern sich meistens in einer Umfangsvermehrung, also eine Beule, die meist eher hart ist und in der Regel nicht warm oder schmerzhaft. Dies ist jedoch abhängig davon, ob das Überbein noch in der reaktiven Phase ist – also noch Umbauprozesse der Knochensubstanz stattfinden, wodurch sich Größe und Oberfläche noch ändern können – oder ob die Prozesse schon abgeklungen sind und nur die Zubildung übrig geblieben ist.

Wie diagnostiziert man ein Überbein?

Meist wird ein Überbein mithilfe eines Röntgenbildes diagnostiziert. Man erkennt die Zubildungen dort in der Regel gut und sieht auch oft die Struktur der Oberfläche, sodass man eventuell einen Rückschluss auf die Reaktionsfreudigkeit ziehen kann. 

Häufig kann man auch im Ultraschall periostale Zubildungen und Reaktionen erkennen. Aus diesen können sich später Überbeine entwickeln. 

Wo findet man Überbeine bei Pferden?

Überbeine kommen bei Pferden vor allem am Mittelfuß, also am Röhrbein, und häufiger an den Vorderbeinen als an den Hinterbeinen vor. Es gibt drei verschiedene Stellen am Röhrbein, an denen Überbeine üblicherweise auftreten: 

•    seitliche Überbeine
•    hintere Überbeine
•    tiefe Überbeine

Die genaue Lokalisation des Überbeins ist vor allem für die Notwendigkeit und Art der Therapie bedeutend.

Ursachen für Überbeine

Seitliche Überbeine sind oft traumatisch bedingt, das heißt, sie werden zum Beispiel durch Tritte verursacht. Sie befinden sich seitlich am Röhrbein, an der Vorderseite der Griffelbeine. Meist treten sie an der Innenseite der Vorderbeine auf, da sich viele Pferde beim Aufstehen selbst gegen die Beine treten.

Hintere Überbeine liegen auf der kaudalen, also der hinteren Seite des Griffelbeins am Röhrbein. Sie können den Fesselträger einengen und so zu Lahmheiten führen. Überbeine an dieser Stelle entstehen häufig durch Zug und Druck auf bestimmte Bänder, also einen wiederkehrenden Reiz. Dies wird oft durch Fehlstellungen, aber auch durch falsche Hufbearbeitung ausgelöst. 

Tiefe Überbeine sitzen bei Pferden unter den Beugesehnen, wodurch sie schwieriger zu ertasten sind. Zudem machen sie schneller Probleme, denn sie können die tiefe Beugesehne reizen. Auch andere sehnige Strukturen in diesem Bereich können durch ein tiefes Überbein gereizt und dadurch in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.

"Überbein" am Pferdekopf

Vom Überbein abzugrenzen sind die Knochenauftreibungen am Kopf, speziell am Kiefer meist junger Pferde. Diese sind strenggenommen keine Überbeine im eigentlichen Sinn, sondern werden als Knäste oder Bumps bezeichnet. 

Sie entstehen beim Zahnwechsel, wenn der bleibende Zahn schon wächst und Platz benötigt, der Milchzahn oder die Zahnkappe aber noch nicht ausgefallen ist. Meist fallen die Milchzähne von allein aus, oder aber man lässt sie, wenn es nötig ist, vom Tierarzt ziehen. Sobald der bleibende Zahn in die Maulhöhle kann, verschwinden die Bumps in der Regel von allein wieder.

Da es jedoch eine Reihe anderer Ursachen für Knochenauftreibungen am Kopf von Pferden gibt – vor allem, wenn dies zeitlich nicht mit dem Zahnwechsel oder der Lokalisation der Auftreibung zusammenpasst – sollte hierbei auf jeden Fall ein Tierarzt zurate gezogen werden.

Therapie beim Überbein – Lahmheiten vermeiden

Hat ein Pferd ein Überbein, sind die Art der Therapie und deren Notwendigkeit im Wesentlichen von der Lokalisation, der Größe und der Reaktionsfreudigkeit der knöchernen Zubildung abhängig.

Überbeine können – je nach Lokalisation – die Ursache für Lahmheiten sein. So können beispielsweise tiefe Überbeine, die direkt unter der Beugesehne liegen und eine raue Oberflächenstruktur aufweisen, die Beugesehen oder andere umliegende sehnige Strukturen reizen. Die dadurch bedingte Entzündung kann langwierige Lahmheiten mit mehr oder minder starker Ausprägung nach sich ziehen.

Wann ist eine Behandlung nötig?

Eine Behandlung von tiefen Überbeinen ist, ebenso wie bei hinteren Überbeinen, öfter nötig, da diese Formen der Überbeine die Funktionen der umliegenden Strukturen beeinträchtigen können. 

Häufig ist es jedoch ratsam, dem Pferd erstmal Zeit zu geben, damit sich die Prozesse etwas beruhigen können. Wenn möglich, zum Beispiel bei schlechter Stellung der Hufe, sollte zunächst das Grundproblem angegangen werden. 

Es gibt jedoch auch bei den hinteren und tiefen Überbeinen viele, die nach einiger Zeit völlig reaktionslos sind und auch von der Größe her kein Problem darstellen. Für diese Überbeine ist oft keine Behandlung nötig. 

Bedenken sollte man, dass auch die Therapie eines Überbeins Risiken birgt, gerade, wenn man sich im Bereich von solch sensiblen Strukturen wie dem Fesselträger oder den Beugesehnen befindet. 

Überbeine mit Salben und Blutegeln behandeln

Die einfachste und am wenigsten invasive Behandlungsmethode bei Überbeinen ist das Salben der mitunter schmerzhaften Region. Diese Methode ist besonders für nah an der Haut gelegene Überbeine geeignet. 

Wenn das Überbein noch reaktiv ist, also noch Veränderungen des Überbeins selbst stattfinden, kann mit verschiedenen Salben (zum Beispiel Kytta-Salbe® oder Salben mit DMSO oder ähnlichem) versucht werden, die Entzündung zu hemmen und die Heilung der Reizung zu fördern.

Eine ähnliche Wirkung soll mit dem Einsatz von Blutegeln erzielt werden, da sie Flüssigkeit und Entzündungsprodukte aus dem Pferdebein aufnehmen sollen. 

Operation von Überbeinen beim Pferd

Die wohl drastischste Methode, ein Überbein zu behandeln, ist, dieses in einer Operation zu entfernen. Abhängig von der Lokalisation ist dies meist gut möglich. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass ein Überbein, welches für den Operateur von den Beugesehen und Teilen des Fesseltrageapparates bedeckt ist, schwieriger zu entfernen ist als zum Beispiel ein seitliches Überbein, welches schon gut unter der Haut tastbar ist.

Dennoch sind die Ergebnisse der OP in der Regel sehr zufriedenstellend. Wenn die Reaktion der Knochenhaut abklingt und keine neues Überbein gebildet wird, zum Beispiel durch einen anhaltend wiederkehrenden Reiz der Knochenhaut, kann das Pferd somit durch eine Operation geheilt werden. 

Die Preise für eine solche OP sind von Klinik zu Klinik und natürlich vom Fall abhängig unterschiedlich. Ein Rahmen für die Kosten wird durch die GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) festgelegt.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Auch die Homöopathie bietet einige Ansätze für die Behandlung eines Überbeins bei Pferden. Zur homöopathischen Behandlung finden Traumeel®, Hekla Lava® oder Schüßler Salzen® häufig Anwendung.

Alltag mit Überbeinen

Wenn ein Pferd ein Überbein hat oder dazu neigt, sich die Beine öfters selbst anzuhauen, empfiehlt es sich, die Beine für die Arbeit mit Unterlagen zu bandagieren. Bei dieser Methode passt sich der Schutz am besten den Konturen des Pferdebeins an. Dennoch ist zum Bandagieren einige Übung nötig, damit die Bandagen nicht herunterrutschen oder Blutgefäße abschnüren.

Gamaschen können bei Pferden mit Überbein verwendet werden, sofern sie sich mit ausreichender Polsterung gut an die Kontur des Beines anpassen. Für kleine Überbeine ist dies oft noch möglich, bei mittleren oder großen Überbeinen sollte auf Bandagen zurückgegriffen werden.

Sofern das Pferd aufgrund des Überbeins nicht lahmt, kann man es auch normal reiten. Sollte sich dies jedoch zu einer Verschlimmerung führen, sodass der Bereich des Überbeins zum Beispiel warm wird oder das Überbein größer wird, sollte ein Tierarzt zurate gezogen werden, da dies für eine aktive Entzündung spricht. Meist sind die Pferde in dieser Phase zumindest druckempfindlich.

Pferdekauf: Sollte man ein Pferd mit Überbein kaufen?

Beim Kauf eines Pferdes mit Überbein sind vor allem die Lokalisation und Reaktionsfreudigkeit bedeutende Kriterien, die bei der Kaufentscheidung miteinfließen sollten. Denn diese Faktoren können, wie oben schon erklärt, zu Lahmheiten und somit einer eingeschränkten Nutzung des Pferdes führen. 

Auch sollte man die Ursache des Überbeins klären – bei einer Fehlstellung ist beispielsweise davon auszugehen, dass ein Überbein bei diesem Pferd auch nach erfolgreicher Behandlung wieder auftritt.

Aktualisiert: 30.11.2018 – Autor: Ann Christin Leitow

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