Vergiftungen bei Pferden erkennen und behandeln

Jeder Pferdebesitzer sollte in der Lage sein, eine Vergiftung bei Pferden zu erkennen und wissen, was zu tun ist, wenn ein Pferd etwas Giftiges gefressen hat.

Pferd mit Vergiftung liegt im Stroh © istockphoto, andreipugach

Noch immer ist die Annahme weit verbreitet, Pferde könnten Giftpflanzen erkennen und würden diese instinktiv nicht fressen. Dies stimmt jedoch nur zu einem kleinen Teil. Bei Wildpferden geht man tatsächlich davon aus, dass sie giftige Gräser und Kräuter bewusst verschmähen. Dieser Instinkt ist aber im Laufe der Domestikation des Pferdes, also im Zuge der Entwicklung zum Haustier, größtenteils verloren gegangen.

Die heutigen Haltungssysteme tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei, denn die dauerhafte Weidehaltung im Herdenverband ist selten geworden. So können die Fohlen nicht mehr von den älteren und erfahrenen Tieren lernen, was sie besser nicht fressen sollten. Vergiftungen bei Pferden treten also durchaus auf und jeder Pferdebesitzer sollte sein Möglichstes tun, diese zu verhindern.

Pferde gehen unterschiedlich mit Giften um

Allgemein gilt der bekannte Spruch "Die Dosis macht das Gift". Je mehr von einer Substanz aufgenommen wird, desto größer ist die Gefahr einer toxischen (giftigen) Wirkung. Dabei gilt es unbedingt zu beachten, dass Pferde, ebenso wie Menschen, unterschiedlich empfindlich reagieren, sowohl was die Aufnahme von Giftpflanzen angeht, als auch die Äußerung entsprechender Symptome.

Viele Giftpflanzen enthalten Bitterstoffe, die sie wenig schmackhaft machen. Einige Pferde werden dadurch schon abgeschreckt oder sie haben, zum Beispiel in Robusthaltung, gelernt, diese Pflanzen zu meiden.

Es gibt jedoch viele Pferde, die "wie ein Scheunendrescher" alles fressen, was ihnen unter die Nase kommt, oft auch aus Langeweile. Bei solchen Pferden besteht ein entsprechend höheres Risiko einer Vergiftung und ihre Besitzer sollten besonders aufmerksam sein.

Symptome von Vergiftungen

Die Symptome einer Vergiftung können bei Pferden je nach Gift sehr unterschiedlich ausfallen und ebenso können sie auch immer auf andere Erkrankungen hindeuten. Doch vor allem wenn mehrere solcher Anzeichen zusammen auftreten, sollte man auf jeden Fall die Möglichkeit einer Vergiftung in Betracht ziehen.

Die wichtigsten Symptome einer Vergiftung beim Pferd sind:

  • Kolik oder Durchfall
  • Atemnot
  • Ataxie (Koordinationsstörungen) und Krämpfe bis hin zu Lähmungen
  • blutiger Harn

Auch veränderte Schleimhäute, vermehrtes Schwitzen und Apathie (Teilnahmslosigkeit) können auf eine Aufnahme toxischer Substanzen hindeuten.

Mögliche Folgeschäden einer Vergiftung sind bei Pferden vor allem Leber- und Nierenversagen, da diese Organe für die Entgiftung des Körpers zuständig sind. In der Leber werden die Substanzen abgebaut und dann über die Niere ausgeschieden. Daher werden diese Organe besonders von dem Gift belastet.

Was passiert, wenn das Pferd etwas Giftiges gefressen hat?

Bei dem Verdacht einer Vergiftung ist unbedingt sofort der Tierarzt zu rufen. Nur so können im Ernstfall schwerwiegende Folgen, wie dauerhafte Organschädigungen, noch verhindert werden. Nach Möglichkeit sollte man dem Tierarzt folgende Informationen geben:

  • Welche Pflanze oder welches Gift wurde aufgenommen?
  • Wie viel wurde gefressen?
  • Wann wurde das Gift vermutlich aufgenommen?

Am besten ist es, Pflanzenteile aufzubewahren und dem Tierarzt zu zeigen, gerade wenn man sich selbst mit der Artbestimmung nicht sicher ist.

Ist man sich unsicher, was die Pflanzenart oder die Giftigkeit angeht, kann auch ein Anruf bei der Giftnotrufzentrale erste Informationen liefern. Dies ersetzt jedoch keinesfalls den Tierarzt, da man beim Giftnotruf vor allem auf Vergiftungen beim Menschen eingestellt ist.

Wie wird eine Vergiftung beim Pferd behandelt?

Sofern vorhanden, sollte einem Pferd, das Gift gefressen hat, schnellstmöglich ein Gegenmittel verabreicht werden. Mit Abführmitteln, wie etwa flüssigem Paraffin, kann gegebenenfalls dafür gesorgt werden, dass das Gift den Körper schnell wieder verlässt und möglichst wenig im Darm resorbiert wird. Da Pferde nicht erbrechen können, wirkt dies aber erst nach ein bis zwei Stunden, wenn das Gift den Magen verlassen hat.

In der Regel wird dem Pferd eine Infusion (vor allem physiologische Kochsalzlösung) gegeben, um mögliche Flüssigkeitsverluste auszugleichen und den Kreislauf zu stabilisieren.

Außerdem gilt es, die Symptome und eventuell bereits aufgetretene Schäden zu behandeln.

Vergiftungen beim Pferd vorbeugen

Natürlich ist es am besten, die Möglichkeit einer Vergiftung erst gar nicht aufkommen zu lassen. Dazu gibt es einige Regeln, die recht einfach zu beachten sind:

  • Das Pferd nicht auf unbekannten Wiesen weiden lassen.
  • Das Pferd nicht an unbekannten Sträuchern oder Bäumen festbinden oder fressen lassen.
  • Die Weide regelmäßig nach Giftpflanzen absuchen. Dabei auch auf Begrenzungen und über den Zaun ragende Sträucher achten.
  • Vor der Wahl von schattenspendenden Bäumen oder einem neuen Holzzaun und ähnlichem über mögliche Risiken informieren.

Wichtig zu bedenken ist dabei, dass es nicht ausreicht, giftige Wiesenpflanzen einfach abzumähen. Kurzschneiden regt die Pflanze erst recht zum Wachstum an. Giftpflanzen sollten daher immer mit der Wurzel entfernt werden.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Malin Held

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