Homöopathie für Hunde

Viele Erkrankungen bei Hunden lassen sich homöopathisch behandeln, auch bei Angst oder Stress können Globuli helfen. Doch die Therapieform hat ihre Grenzen.

Kranker Hund wird homöopathisch behandelt © istockphoto, humonia

Homöopathie ist eine Behandlungsmethode, die von über 200 Millionen Menschen weltweit genutzt wird. Auch bei Hunden kommt Homöopathie zunehmend zum Einsatz. Sie kann nicht nur bei körperlichen, sondern auch bei psychischen Problemen des Hundes helfen. So kann beispielsweise die Angst vor Gewitter vermindert werden oder sogar komplett verschwinden. Allerdings sollte die Behandlung möglichst von einem ausgebildeten Homöopathen begleitet werden, um die beste Wirkung zu erzielen. Wir stellen Ihnen Möglichkeiten und Grenzen der homöopathischen Behandlung von Hunden vor.

Hunde homöopathisch behandeln

Es gibt große Unterschiede in der homöopathischen Behandlung akuter und chronischer Krankheiten bei Hunden.

Akute Krankheiten bei Hunden sind einfacher zu behandeln und die Homöopathika wirken schneller.

Chronische Krankheiten können sich über Jahre aufgebaut haben und bestehen meist aus mehreren Ebenen, die mit verschiedenen homöopathischen Arzneien behandelt werden müssen. Auslöser können starke Emotionen sein, wie zum Beispiel Stress oder Trauer.

Die gesamte Krankengeschichte des Hundes muss vom Homöopathen erfragt werden. Daher dauert das Konsultieren eines homöopathisch erfahrenen Tierarztes oft über zwei Stunden.

Wann hilft Homöopathie bei Hunden?

Homöopathie wird zur Behandlung einer großen Anzahl an gesundheitlichen Problemen beim Hund genutzt. Einige Praktiker sind sogar der Meinung, Homöopathie kann unter allen Umständen hilfreich sein.

Beim Hund werden beispielsweise folgende Probleme häufig homöopathisch behandelt:

Nux vomica als Beispiel homöopathischer Behandlung von Hunden

Nux vomica kann zur Behandlung eines Hundes beispielsweise angezeigt sein bei Vergiftungen oder Verzehr von Unverträglichem, bei Reiseübelkeit, Durchfall, Verstopfungen oder Blasenentzündungen. Die gezeigten Symptome sollten aber mit anderen Charakteristiken von Nux vomica einhergehen, wie etwa: 

  • Reizbarkeit
  • Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen und Licht 
  • Verschlechterung der Symptome am Morgen sowie durch Nässe und Kälte, aber Verbesserung am Abend
  • dem Hund schmeckt besonders fettiges Essen und Dinge wie Erde und Papier 
  • er ist sehr stur 
  • er hat sich vor kurzem mental überanstrengt

Wann werden Hunde mit Tarantula behandelt?

Tarantula wird Hunden zum Beispiel in folgenden Fällen verabreicht: 

  • bei hysterischem Verhalten 
  • wenn der Hund nicht aufhören kann, rastlos herumzulaufen
  • wenn der Sexualtrieb extrem ausgebildet ist
  • bei Juckreiz der Vulva
  • bei Verstopfung mit Ängstlichkeit
  • wenn die Symptome durch frische Luft, Musik und das Reiben kranker Körperteile gebessert werden und durch Bewegung oder Lärm verschlechtert werden

Homöopathische Behandlung mit Pulsatilla

Pulsatilla kann beispielsweise bei Augen- oder anderen Entzündungen helfen, bei denen der Eiter grün, cremig und dickflüssig ist, sowie bei Problemen mit der Läufigkeit oder emotionalen Problemen wie extreme Eifersucht oder Trauer. 

Dabei sollten einige der anderen gezeigten Symptome auch zu Pulsatilla passen. Dazu gehören Symptome wie 

  • Anhänglichkeit
  • Verbesserung durch Wärme
  • Kot sieht oft unterschiedlich aus
  • Abneigung gegen fettiges Futter
  • Durstlosigkeit
  • Verlangen nach frischer Luft und danach, herumgetragen zu werden

Wann sollte man auf konventionelle Medizin zurückgreifen?

Wer seinen Hund homöopathisch behandeln möchte, sollte sich auch über die Grenzen der Homöopathie im Klaren sein. Bei Zuständen wie ernsthaften Verletzungen, starkem Blutverlust, gefährlichen Organerkrankungen wie Niereninsuffizienz und anderen Erkrankungen, die unter Umständen lebensbedrohlich sein können, sollte auf jeden Fall zunächst konventionelle Medizin angewendet werden.

Bei Bedarf kann die Heilung später immer noch mit homöopathischen Arzneien unterstützt werden.

Homöopathie stimuliert die körpereigene Heilkraft des Hundes. Ist der Körper zu schwach, um sich selbst zu heilen, ist auch die Wirksamkeit der Homöopathie eingeschränkt. Hier kann die konventionelle Medizin Leben retten! Es soll also immer sorgsam abgewogen werden, wann Homöopathie für Hunde zum Einsatz kommt und wann nicht.

Behandlung von Hunden ähnlich wie bei Menschen

Grundsätzlich gibt es keinen Unterschied in der Behandlung von Mensch und Hund, allerdings kann es bei Tieren schwierig sein, die psychische Ebene zu interpretieren. 

Es gibt keine speziellen Homöopathika für Tiere. Die Dosierungen der Mittel sind in der Veterinär- und der Human-Homöopathie gleich, da nicht nach Körpergewicht dosiert wird.

In der Regel gilt, dass hohe Potenzen, wie zum Beispiel C200, seltener verabreicht werden (beispielsweise einmal im Monat) als niedrige Potenzen wie D12, die zum Teil auch jede halbe Stunde oder sogar häufiger gegeben werden können. 

Wann darf ich meinen Hund selbst homöopathisch behandeln? 

Generell gilt, dass akute Krankheiten homöopathisch einfacher zu behandeln sind als chronische Krankheiten. Ist die akute Krankheit nicht gefährlich für den Hund, beispielsweise Durchfall nach Fressen von etwas Verdorbenem, kann man versuchen, die Heilung mit der Homöopathie zu beschleunigen und den Hund selbst behandeln. 

Dafür ist es wichtig, ein paar grundlegende Kenntnisse über die Homöopathie zu haben und sich über die zur Verfügung stehenden Mittel zu informieren, um das am besten passende auswählen zu können. Die Arzneien sind in der Apotheke erhältlich oder können per Internet bestellt werden.

Besteht der Verdacht, dass den Symptomen etwas Ernsteres zu Grunde liegt (beispielsweise kann die Ursache von vermeintlich harmlosem Husten bei Hunden auch eine Herzschwäche sein!), sollte zur Sicherheit der Rat eines Tierarztes eingeholt werden.

Bei chronischen Zuständen, beispielsweise einer Allergie, ist die homöopathische Behandlung schwieriger und sollte ausgebildeten Homöopathen überlassen werden. Wird ein Hund in solchen Fällen selbst behandelt und das falsche Mittel, die falsche Potenz oder eine unpassende Häufigkeit der Mittelgabe gewählt, können andere Symptome auftreten, die dem Homöopathen die spätere Behandlung erschweren. 

Wie werden Homöopathika bei Hunden verabreicht? 

Zur Verabreichung von homöopathischen Mitteln gibt es bei Hunden unterschiedlichste Möglichkeiten. Homöopathische Arzneien werden meist als sogenannte Globuli (kleine Kugeln aus Zucker, imprägniert mit dem Homöopathikum) verabreicht. Es gibt sie aber zum Beispiel auch als alkoholische Lösung. Die Globuli können auch in Wasser aufgelöst und dem Hund so in flüssiger Form gegeben werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Lösung gut durchgerührt wird. 

Wichtig ist, dass die Oberfläche der Globuli, beziehungsweise die Lösung, die Schleimhaut des Hundes berührt. Manche Homöopathen bevorzugen die Lösung, die direkt ins Maul des Hundes getropft werden kann. Andere geben dem Hund vorzugsweise Globuli, entweder ebenfalls direkt ins Maul des Hundes oder versteckt im Futter. 

Die Homöopathika sollten nicht in die Nähe elektromagnetischer Strahlen kommen (von Handys und Mikrowellen fernhalten). Ebenso können ätherische Öle die Wirkung der Arzneien schwächen. 

Was tun bei Überdosierung homöopathischer Mittel? 

Treten nach einer homöopathischen Mittelgabe bei einem Hund sehr starke neue Symptome auf oder werden die vorhandenen Symptome extremer, wurde das Mittel wahrscheinlich überdosiert (zu hohe Potenz und/oder zu häufige Gabe der Arznei).

Für einige Homöopathika gibt es Antidote, die deren Wirkung beenden können. Diese Gegenmittel werden allerdings selten eingesetzt, da die Symptome bei Überdosierungen oft schwach sind und nur für kurze Zeit andauern oder, bei zu starken Symptomen, die Schulmedizin zur Stabilisierung des Hundes schnell helfen kann. 

Wie finde ich einen geeigneten Homöopathen? 

Leider ist "Homöopath" in Deutschland kein geschützter Begriff. Theoretisch darf sich jeder Homöopath nennen und als solcher behandeln und beraten. Dementsprechend ist die Qualität der Homöopathie in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern etwas geringer und man sollte darauf achten, dass der ausgewählte Homöopath eine gute Ausbildung und möglichst viel Erfahrung besitzt. 

Gute Ausbildungsstätten für Tierhomöopathen sind zum Beispiel die Europäische Akademie für Veterinärhomöopathie, die Studenteninitiative für Homöopathie, die Paracelsus Schulen und viele andere Schulen, die eine persönliche und möglichst praktische Ausbildung anbieten, Wissen abprüfen und erfahrene Lehrer wählen.

Wenn die schulmedizinischen Möglichkeiten der Behandlung mitberücksichtigt werden sollen, kann ein Tierarzt mit zusätzlicher homöopathischer Ausbildung aufgesucht werden. 

Sollen auch Methoden wie Bachblüten, Akupunktur, Phytotherapie, Kinesiologie et cetera in Betracht gezogen werden, kann ein Naturheilpraktiker besucht werden, der in den gewünschten Heilmethoden ausgebildet ist. 

Was ist Homöopathie eigentlich genau?

Homöopathie ist eine Heilmethode, die den Körper stimulieren soll, sich selbst zu heilen und sowohl bei Menschen als auch bei Tieren angewandt werden kann. Wichtige Prinzipien dabei sind:

  • Behandlung von "Ähnlichem mit Ähnlichem"
  • Arzneimittelprüfung 
  • Verdünnung und Potenzierung

Die Arzneien werden meist aus Tieren, Pflanzen oder Mineralien hergestellt.

Ähnliches mit Ähnlichem heilen

Das Prinzip, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen, wurde schon von um 400 v. Chr. von Hippokrates beschrieben und von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, im späten 18. Jahrhundert wiederentdeckt.

Es besagt, dass eine Substanz, die in großen Mengen bestimmte Symptome hervorruft, in sehr kleinen Mengen verwendet werden kann, um ähnliche Symptome zu behandeln.

Beispielsweise ruft Bienengift nach einem Stich eine Rötung und Schwellung hervor. Hat ein Patient Rötungen und Schwellungen – auch aus einem anderen Grund – kann Bienengift in sehr kleinen Dosen gegeben werden, um diese Symptome zu behandeln.

Arzneimittelprüfung in der Homöopathie

Die Arzneimittelprüfung wird in der Homöopathie benötigt, um die Symptome herauszufinden, die die Arzneimittel in hohen Dosen hervorrufen – und demnach in kleinen Dosen heilen.

Den gesunden Versuchspersonen werden dabei Arzneimittel verabreicht und die von ihnen beschriebenen Symptome vermerkt, verglichen und zusammengefasst.

Verdünnung und Potenzierung

Die Verdünnung der in der Homöopathie verwendeten Arzneien ist notwendig, um die schädlichen Symptome der hohen Dosen zu vermeiden. Die Substanz wird in mehreren Schritten verdünnt. Nach jedem Schritt wird sie "potenziert". Dabei wird die Lösung einige Male geschüttelt. Die Wirkung der Substanz wird dadurch intensiviert.

Wie wirkt die Homöopathie?

Oft wird die Lösung beim Herstellungsprozess homöopathischer Mittel so stark verdünnt, dass kein Molekül der Ursprungssubstanz mehr vorhanden ist. Experimente im Labor (beispielsweise von Jäger et al.) deuten jedoch darauf hin, dass homöopathisch zubereitete Substanzen biologische Effekte hervorrufen und sich von herkömmlichem Wasser unterscheiden. Der Mechanismus der Wirkung ist bislang nicht wissenschaftlich erklärbar, es werden aber schon große Fortschritte in der Forschung gemacht.

Außerdem gibt es immer mehr Studien, die die klinischen Effekte der Homöopathie aufzeigen. Es kann allerdings schwierig sein, solche Studien durchzuführen, da jedes Tier beziehungsweise jeder Mensch individuell behandelt werden sollte und die Wahl des richtigen Mittels, der richtigen Potenz, Dosierung, Dauer und Häufigkeit der Verabreichung höchst kompliziert sein können und von Erfahrung und Können des jeweiligen Homöopathen abhängen.

Aktualisiert: 04.09.2018 – Autor: Sarah Postner

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