Kastration beim Rüden

Für die Kastration eines Rüden gibt es verschiedene Gründe. Die Operation kann beim Hund jedoch Veränderungen des Verhaltens oder des Körpers mit sich bringen.

Kastrierter Rüde © istockphoto, sanjagrujic

Die Kastration beim Rüden ist unter Hundehaltern ein häufig diskutiertes Thema. Wer sich einen eigenen Hund zulegt und diesen nicht zur Zucht verwenden möchte, der steht schließlich vor der Frage: Kastration ja oder nein? Ergibt es Sinn, einen Rüden zu kastrieren und wenn ja, wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Hat die Kastration Folgen auf den Charakter des Hundes und gibt es womöglich Alternativen zur "klassischen" chirurgischen Kastration? Im Folgenden erhalten Sie die wichtigsten Informationen und Antworten auf verschiedenste Fragen rund um die Kastration beim Rüden.

Kastrieren oder sterilisieren?

Da die Begriffe Sterilisation und Kastration häufig zu Unklarheiten führen, soll vorneweg zunächst der Unterschied zwischen den beiden Begriffen geklärt werden. Grundsätzlich kann jeder Rüde und jede Hündin kastriert oder sterilisiert werden. Hierbei handelt es sich lediglich um zwei verschiedene Arten der Operation.

Bei der Kastration des Rüden werden die Hoden entfernt und die Produktion der Spermien ist nicht mehr möglich, der Rüde wird also unfruchtbar und verliert in der Regel auch sein Interesse an läufigen Hündinnen.

Bei der Sterilisation des Rüden hingegen werden die Samenstränge, die vom Hoden zum Penis führen und für den Transport der Spermien zuständig sind, lediglich durchtrennt oder abgebunden. Die Hoden werden bei einer Sterilisation nicht entfernt, was bedeutet, dass die Hormonproduktion des Rüden nicht beeinträchtigt wird. Das heißt, dass sterilisierte Rüden weiterhin auf läufige Hündinnen reagieren, eventuell streunen oder sogar Hündinnen decken können, wobei die Hündin jedoch nicht trächtig wird, da die Spermien nicht bis zum Penis gelangen.

Bei der Sterilisation des Rüden kann es dazu kommen, dass die beiden Enden des durchtrennten Samenleiters wieder zusammenwachsen und die Spermien wieder ihren gewohnten Weg gehen können – der Rüde wird also wieder fruchtbar. Daher wird diese Art der Operation bei Rüden so gut wie nie angewandt.

Ablauf der Kastration des Rüden

Die Kastration des Rüden erfolgt in Vollnarkose, weshalb der Hund nüchtern zum Tierarzt gebracht werden muss, also etwa acht bis zwölf Stunden vor dem Eingriff kein Futter mehr bekommen darf. Bereits vor der eigentlichen Operation wird mit einer Schmerztherapie begonnen, um eventuellen Schmerzen nach Ende der Kastration vorzubeugen. 

Für die Operation wird die Haut im entsprechenden Bereich sorgfältig geschoren, gereinigt und desinfiziert. Mittig vor den Hoden erfolgt ein kleiner Schnitt, wobei durch diesen zuerst der eine Hoden vorverlagert, abgebunden und abgetrennt wird, bevor mit dem zweiten Hoden ebenso verfahren wird. Zuletzt wird die Wunde in mehreren Schichten vernäht. Je nach Erfahrung des Tierarztes dauert eine Kastration beim Rüden ohne Komplikationen etwa eine halbe Stunde. 

Nach der OP wird der Rüde während der Aufwachphase überwacht und kann bald danach wieder nach Hause. In der Regel werden für die Nachbehandlung noch Schmerzmittel für einige Tage mitgegeben.

Komplikationen sind grundsätzlich bei jeder Operation möglich. Auch bei der Kastration des Rüden kann es zu Störungen der Wundheilung, Entzündungen oder eventuellen Blutungen kommen. Ebenso ist stets ein gewisses Narkoserisiko gegeben, wobei hierbei Faktoren wie das Alter, der Gesundheitsstatus sowie die Rasse des Hundes eine Rolle spielen. 

Richtige Nachsorge für einen guten Heilungsverlauf

Nach der Kastration sollte man den Rüden ein bis zwei Tage lang schonen und nicht wieder sofort mit Artgenossen wild spielen und toben lassen, da dies für die Heilung nicht förderlich wäre. Sobald der Rüde nach der Kastration wieder zu Hause angekommen ist, darf sofort Wasser angeboten werden. Futter kann nach circa acht bis zwölf Stunden bereitgestellt werden, wobei sichergestellt werden muss, dass der Rüde dann bereits wieder ohne Probleme schlucken kann. 

Zum Schutz der Nähte gibt es verschiedene Möglichkeiten: 

  • Der klassische Plastiktrichter oder Schaumstoffkrägen in verschiedenen Ausführungen sollen den Hund davon abhalten, an der Wunde zu lecken oder zu knabbern. 
  • Wesentlich komfortabler für den Hund ist ein passender Body oder auch ein T-Shirt, die Schutz an der Operationsstelle bieten.  

In einer Nachkontrolle beim Tierarzt etwa zehn bis vierzehn Tage nach der Kastration überprüft dieser den Heilungsverlauf und wird bei dieser Gelegenheit auch die Fäden ziehen.

Was kostet eine Kastration beim Rüden?

Im Gespräch mit anderen Hundehaltern wird man feststellen, dass die Kosten für eine Kastration des Rüden von Praxis zu Praxis unterschiedlich sind. Wie viel die Operation im Endeffekt kostet, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab:

  • Art der Operationstechnik 
  • Art der Narkose (Injektionsnarkose oder Inhalationsnarkose)
  • Personal für die Operation, Überwachung der Narkose und Aufwachphase
  • Nahtmaterial, Schmerzmittel und eventuelle weitere Medikamente 
  • Nachsorge (Kontrolluntersuchung und Fäden ziehen)
  • eventuelle Komplikationen oder ein verzögerter Heilungsverlauf 

All diese Punkte summieren sich schließlich und ergeben für jede Tierarztpraxis einen individuellen Preis. 

Alternative zur chirurgischen Kastration – der "Kastrationschip"

Ist man auf der Suche nach Alternativen zur chirurgischen Kastration des Rüden, so bietet der Kastrationschip eine Möglichkeit. Diese auch als chemische Kastration bezeichnete Methode beruht auf der Implantation eines Chips unter die Haut. Dieser enthält den Wirkstoff Deslorelin, der zu einer vorübergehenden Unfruchtbarkeit von bis zu zwölf Monaten führt. Lässt die Wirkung des Chips nach, so beginnt der Rüde wieder mit der normalen Hormonproduktion.  

Hundehalter können den Chip als eine Art Testlauf vor der chirurgischen Kastration nutzen, um festzustellen, wie sich zum Beispiel das Verhalten des Rüden eventuell ändert – oder auch nicht. Da der Hund für das Einsetzen des Chips nicht in Narkose gelegt werden muss, bietet er gerade für ältere Rüden oder solche mit erhöhtem Narkoserisiko eine Alternative zur chirurgischen Kastration. 

Doch wie die meisten Medikamente ist auch der Kastrationschip nicht frei von Nebenwirkungen, zum Beispiel:

  • Schrumpfung der Hoden
  • Änderung des Stoffwechsels (Gewichtszunahme)
  • Entwicklung von weichem, flauschigen Fell ("Babyfell")
  • Nachlassen der Unfruchtbarkeit des Rüden mit abnehmender Wirkung des Chips

Kastration – ja oder nein?

Es gibt eine Vielzahl an Gründen, weshalb Hundehalter ihren Rüden kastrieren lassen möchten, wobei neben der Verhütung das Verhalten des Rüden eine große Rolle spielt. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass manche Rüden bestimmte Angewohnheiten auch nach der Operation beibehalten und keinerlei Wesensveränderung zeigen. Aggressivität zum Beispiel wird nur dann kein Thema mehr sein, wenn diese tatsächlich hormonell bedingt war und nicht etwa die Folge von Angst. 

Daneben gibt es beim Rüden einige Erkrankungen, bei denen die Kastration als Therapiemaßnahme empfohlen wird:

  • Tumore, Verletzungen, Entzündungen oder Verdrehungen des Hodens
  • Kryptorchismus (ein oder beide Hoden nicht in den Hodensack abgestiegen)
  • Erkrankungen der Prostata
  • Brüche im Leistenspalt (Inguinalhernien) oder neben dem After (Perianalhernien)
  • Tumore rund um den After (Perianaltumoren)
  • Entzündungen der Vorhaut 

Folgen der Kastration beim Rüden

Die Kastration führt zu grundlegenden Veränderungen im Körper des Rüden, was sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringen kann.

So kann es nach der Kastration zu vermehrtem Hunger, reduzierter Aktivität und in der Folge zu Gewichtszunahme beim Rüden kommen. Auch Inkontinenz und Veränderungen des Fells spielen bei einigen Rüden eine Rolle. 

Für viele Hundehalter sind Verhaltensänderungen nach der Kastration ein wichtiger Grund für den Eingriff. Diese können sich in Form von vermehrter Ausgeglichenheit, reduziertem Sexualtrieb, verbessertem Gehorsam oder geringerer Aggressivität äußern. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Kastration?

Im Gegensatz zur Hündin gibt es beim Rüden kein bestimmtes Alter, in dem idealerweise kastriert werden sollte. 

Bei Rüden tritt mit einem Alter von sechs bis zwölf Monaten die Geschlechtsreife ein und als Hundehalter ist man zu dieser Zeit stark mit dem typischen Rüdenverhalten konfrontiert. Der Rüde interessiert sich vermehrt für läufige Hündinnen, streunt, kann oftmals nicht mehr ohne Leine spazieren geführt werden oder wird im Umgang mit anderen Hunden kompliziert. Dieses Verhalten ist von Hund zu Hund unterschiedlich: Bei manchen geht es so weit, dass sie das Futter verweigern und ständig "jammern", wenn sich eine läufige Hündin in der Nachbarschaft befindet. 

Somit stellt dieser Zeitraum eine Phase dar, in der viele Hundehalter ihren Rüden kastrieren lassen. Doch auch Kastrationen zu einem früheren oder späteren Zeitpunkt sind möglich und werden in der Praxis durchgeführt.

Ob und ab wann ein Rüde kastriert wird, liegt letzten Endes im Ermessen des Hundehalters. Bei Unsicherheit sollte man einen Beratungstermin mit einem Tierarzt vereinbaren. Er kann helfen, das Pro und Contra einer Kastration beim Rüden abzuwägen und so schließlich für jeden Fall eine individuell passende Lösung zu finden.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Theresa Heimerl

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