Wenn die Hündin läufig ist

Eine Hündin wird normalerweise zweimal im Jahr läufig. Die Läufigkeit lässt sich an bestimmten Anzeichen erkennen und – wenn nötig – hormonell beeinflussen.

Läufige Hündin © istockphoto, Singh_Lens

Die Läufigkeit kommt bei gesunden Hündinnen im fruchtbaren Alter regelmäßig vor und kann einige Probleme für den Hundebesitzer darstellen. Denn die Läufigkeit, auch bekannt als "Hitze", kann nicht nur zu Veränderungen im Verhalten der Hündin führen, sondern birgt auch das Risiko einer ungewollten Trächtigkeit. Hier erfahren Sie, was Sie über den Zyklus der Hündin wissen sollten, welche Anzeichen für das Verhalten der Hündin in der Läufigkeit typisch sind und was Sie unternehmen können, um die Periode der Läufigkeit für Sie und Ihre Hündin zu erleichtern.

Läufigkeit bei Hunden – wann und wie oft?

Unter Läufigkeit versteht man allgemein das Verhalten der Paarungsbereitschaft bei geschlechtsreifen, unkastrierten Hündinnen. Im engeren Sinne geht es um die zweite Phase des Zyklus der Hündin, den sogenannten Östrus oder die Hitze. In der Hitze zeigt die Hündin eine erhöhte körperliche Aktivität – daher der Begriff der "Läufigkeit" – und wird für Rüden interessant.

Hier haben wir einige Fakten über die Läufigkeit und den Zyklus der Hündin für Sie zusammengestellt:

  • Die erste Läufigkeit einer Hündin tritt mit vier bis 18 Monaten auf. Dabei gilt: Je kleiner die Rasse, umso früher die erste Läufigkeit.
  • Die Läufigkeit fällt bei Hunden üblicherweise in den Frühling und Herbst, bei nordischen Rassen und Basenjis findet sie allerdings nur einmal jährlich statt.
  • Die Dauer des Zyklus beträgt vier bis acht Monate und ist in vier Phasen unterteilt. In der Regel liegen sieben Monate Abstand zwischen zwei Zyklen.
  • Es gibt bei Hündinnen keine Wechseljahre, das heißt: Bis ins hohe Alter werden Hündinnen läufig, zumindest solange sie allgemein gesund sind.

Verlauf des Zyklus der Hündin 

Der Zyklus einer Hündin dauert insgesamt vier bis acht Monate und lässt sich in vier Phasen aufteilen: 

  1. Der Proöstrus, auch als Vorbrunst bezeichnet, beginnt mit der ersten Blutung aus der Scheide und dauert sechs bis elf Tage. Die Hündin leckt sich üblicherweise das Blut aus der Scheide ab, somit kann diese Blutung leicht übersehen werden. Die Hündin lockt Rüden in dieser Zeit an, lässt sich aber nicht decken. Ein typisches Anzeichen der bevorstehenden Läufigkeit in dieser Phase ist die prall geschwollene Vulva. Der Proöstrus endet mit dem Anfang der Deckbereitschaft der Hündin.
  2. Der Östrus, auch Brunst, Stehphase oder Hitze genannt, ist die Phase der Deckbereitschaft. Sie dauert fünf bis neun Tage. Den Östrus können Sie dadurch erkennen, dass die Hündin bei Berührung des Bereichs um die Scheide herum die Rute zur Seite hebt. Weitere Anzeichen für diese Phase sind der gelbliche, fadenziehende Ausfluss aus der Scheide sowie die nun schlaffe, sich teigig anfühlende Vulva. In dieser Phase findet auch der Eisprung statt. Die fruchtbaren Tage bei der Hündin sind die letzten vier Tage des Östrus. 
  3. Der Metöstrus, oder die Nachbrunst, beginnt mit dem Ende der Deckbereitschaft und dauert sechzig bis achtzig Tage. In dieser Phase zeigen Rüden kein Interesse an der Hündin und die Vulva sieht normal aus.
  4. Der Anöstrus, oder die Ruhephase, schließt sich dem Metöstrus an und dauert vier Monate. Danach fängt der nächste Zyklus mit dem Proöstrus wieder an. Diese Phase ist äußerlich nicht vom Metöstrus zu unterscheiden, sondern nur durch Messung der Hormone durch den Tierarzt.

Das Verhalten einer läufigen Hündin

Folgende Anzeichen können auf die bevorstehende Läufigkeit einer Hündin hinweisen:

  • häufiges Urinieren
  • erhöhte Anhänglichkeit
  • geringere Gehorsamkeit
  • Ruhelosigkeit und erhöhte körperliche Aktivität (daher der Begriff "Läufigkeit")
  • rammeln von Personen oder Gegenständen
  • vermehrte Vokalität (die Hündin jault, jammert oder bellt)
  • eventuell vermehrte Aggressivität gegenüber Artgenossen 
  • viel Schlafen (als Ausgleich nach der erhöhten körperlichen Betätigung) 

Im Gegensatz zur Frau hat die Hündin im Zyklus keine Regelschmerzen. Wenn die Hündin also:

  • Schmerzen im unteren Bauch zeigt
  • Durchfall hat
  • sehr müde wirkt oder
  • nicht frisst

dann sollte sie umgehend von einem Tierarzt untersucht werden, da diese Anzeichen auf eine innere Erkrankung hinweisen könnten.

Stille Läufigkeit bei Hündinnen

Bei einigen Hündinnen kann eine sogenannte stille Läufigkeit vorkommen. Das heißt, dass die Hündin von der hormonellen Lage her zwar fortpflanzungsbereit ist, dabei aber keine der oben geschilderten Verhaltensänderungen zeigt. In diesem Fall können Rüden trotzdem die Hormone der Hündin wahrnehmen und zeigen Interesse an ihr. 

Wenn die Läufigkeit der Hündin also überfällig ist und sie keine Verhaltensänderungen zeigt, dann kann vom Tierarzt eine Hormonmessung durchgeführt werden, oder sie kann einem Rüden vorgestellt werden, um zu erfahren, ob es sich um eine stille Läufigkeit handelt.

Die Läufigkeit mit einer Spritze steuern

Es bestehen verschiedene Möglichkeiten, die Läufigkeit einer Hündin zu steuern. So können vom Tierarzt Hormone verabreicht werden, um die Läufigkeit zu verschieben, zu verhindern oder einzuleiten. 

Eine solche hormonelle Therapie kann zum Beispiel mit dem Präparat Deslorelin® erfolgen. Dies ist ein sogenanntes GnRH-Analogon und wird in der Reproduktionsmedizin vielfältig eingesetzt, denn je nach Dosierung und Zeitpunkt der Verabreichung können verschiedene Ziele erreicht werden. Folgende Wirkungen können mit dem Präparat erzielt werden:

  • Die erste Läufigkeit verschieben: Bei Hündinnen, die die Geschlechtsreife noch nicht erreicht haben, also im Alter von weniger als vier Monaten sind, kann Deslorelin® zur Verschiebung der ersten Läufigkeit gespritzt werden.
  • Die Läufigkeit einleiten: Wenn die Läufigkeit überfällig ist, wird der Tierarzt die Hündin als erstes gründlich untersuchen, um die Ursache für das Ausbleiben des Zyklus aufzuklären. Wenn nach der Untersuchung nichts dagegenspricht, kann die Hündin eine einmalige Spritze Deslorelin® bekommen. Sie wird dann innerhalb von fünf bis acht Tagen läufig.
  • Die Läufigkeit verhindern: Suprelorin®, das entsprechende Dauerpräprat, kann zwischen zwei Läufigkeiten als Implantat unter der Haut der Hündin platziert werden. In der Regel wird die Hündin, wie bei der einmaligen Spritze, fünf bis acht Tage nach Setzung des Implantats erst einmal läufig, danach wird die Läufigkeit aber für bis zu 400 Tage unterdrückt.

Bitte berücksichtigen Sie, dass eine Hormontherapie, um die Läufigkeit der Hündin zu verschieben, zu verhindern oder einzuleiten nur unter tierärztlicher Aufsicht erfolgen darf. Zudem ist jede hormonelle Therapie mit möglichen Nebenwirkungen verbunden. Bitte lassen Sie sich diesbezüglich vom Tierarzt  ausführlich beraten, denn nur er kann das für Ihre Hündin geeignete Präparat und die passende Behandlungsdauer auswählen.

Die zuverlässigste Methode, um die Läufigkeit einer Hündin dauerhaft zu verhindern, bleibt die Kastration. Nach der Kastration wird das Sexualverhalten der Hündin vollständig unterdrückt. Zudem wird das Brustkrebsrisiko bei einer kastrierten Hündin erheblich gesenkt.

Hygiene in der Läufigkeit

Die Läufigkeit einer Hündin geht selten ohne Blutung vonstatten und kann deshalb für den Besitzer hygienische Probleme darstellen. Dies gilt insbesondere bei Hündinnen, die den blutigen Ausfluss während des Proöstrus nicht genügend ablecken.

Um eine Verunreinigung des Fußbodens und von Gegenständen in der Wohnung zu verhindern, können sogenannte Läufigkeitshosen eingesetzt werden. Dabei sollte man aber beachten, dass solche Hosen der Hündin nur angezogen werden dürfen, wenn sie davon ungestört bleibt. Wenn das Tragen der Läufigkeitshose der Hündin eindeutig Stress bereitet, dann sollte darauf verzichtet werden. Windeln für Babys eignen sich als improvisierte Läufigkeitshose für Hündinnen, die diese tolerieren, übrigens auch sehr gut. 

Besitzer einer läufigen Hündin sollten unbedingt beachten, dass eine Läufigkeitshose lediglich Probleme bezüglich der Hygiene bewältigen kann, dass sie aber keinesfalls einen Deckschutz der läufigen Hündin gegen Rüden darstellt.

Begegnungen mit anderen Hunden in der Läufigkeit

Um eine ungewollte Trächtigkeit zu vermeiden, sollte die Hündin in der fruchtbaren Zeit von unkastrierten Rüden ferngehalten werden. Am besten führt man die Hündin stets an der Leine und warnt andere Hundebesitzer vor dem direkten Hundekontakt, dass die Hündin läufig ist. 

Aber auch vor Beginn der Hitze kann eine läufige Hündin auf Rüden so interessant wirken, dass diese sie bedrängen und Hundebegegnungen sich zu Stresssituationen entwickeln können. Es kann daher ratsam sein, die Hündin in dieser Zeit nicht ohne Leine laufen zu lassen. 

Darüber hinaus soll die Hündin sich in ihrem gewohnten Umfeld bewegen können und keiner besonders stressigen Situation ausgesetzt werden.

Die wichtigsten Fakten über die Läufigkeit bei der Hündin

  1. Eine Hündin wird frühestens nach vier und spätestens nach achtzehn Monaten das erste Mal läufig.
  2. Eine Hündin wird zweimal im Jahr läufig, in der Regel in Abstand von sieben Monaten.
  3. Die bevorstehende Läufigkeit lässt sich durch bestimmte Merkmale im Verhalten der Hündin erkennen.
  4. Die Blutung aus der Scheide findet am Anfang des Zyklus statt.
  5. Die Deckbereitschaft und die fruchtbaren Tage kommen erst nach Ende der Blutung.
  6. Der Tierarzt kann die Läufigkeit mithilfe von Hormonen steuern und sogar wegspritzen, dabei sind allerdings die möglichen Nebenwirkungen zu beachten.
  7. Probleme bezüglich der Hygiene im Haus wegen der Blutung können mithilfe von Läufigkeitshosen bewältigt werden.
  8. Um ungewollten Nachwuchs zu vermeiden, sollten Hündinnen während der fruchtbaren Tage nicht von der Leine gelassen und von unkastrierten Rüden ferngehalten werden.
Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Marie Cauzard

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