Das Pferdeauge

So sehen Pferde

Jedes Lebewesen sieht die Welt mit anderen Augen und nimmt sie dementsprechend auch anders wahr als andere Tiere. Pferde sind Fluchttiere, weswegen sie im Laufe der Jahrtausende immer ihre Umgebung aufmerksam im Blick behalten mussten. Wenn Sie verstehen können, was und wie Pferde eigentlich sehen, wird Ihnen das Reiten und der Umgang mit Ihrem Pferd erheblich leichter fallen. 

 

Der Rundumblick

Die Augen eines Pferdes sitzen seitlich am Kopf, was ihnen einen Rundumblick von fast 360 Grad ermöglicht. Dabei liegt der Schwerpunkt des Sehwinkels unten, sodass das Pferd potenzielle Gefahren am Boden schnell entdecken kann. Aus diesem Grund reagieren Pferde besonders sensibel auf Schatten, Bewegungen oder am Boden liegende Gegenstände.

 

Der tote Winkel

Pferde sehen nahezu alles, jedoch besitzen auch sie einen toten Winkel. Dieser liegt im Bereich der Nüstern und zieht sich bis zur Schweifrübe. Folglich reagieren sie ängstlich und defensiv, wenn sie spüren, dass sich etwas von hinten nähert, was sie nicht direkt einordnen können. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie sich Ihrem Pferd von der Seite nähern und nicht von hinten. 

 

Das Sehfeld

Im Gegensatz zu dem Sehfeld von uns Menschen, sieht das Pferd nur auf einem Winkel zwischen 60 und 90 Grad binokular, also dreidimensional. Den Rest sehen sie allerdings nur monokular, was bedeutet, dass sie Bilder unabhängig voneinander aufnehmen und sie im Gehirn übereinanderlegen. Dabei ist das linke Auge mit der rechten Gehirnhälfte verbunden und das rechte Auge mit der linken Gehirnhälfte. Bei der Verknüpfung kommt es allerdings zu Schwierigkeiten. Aus diesem Grund können Pferde problemlos und ohne Scheu an einem Gegenstand von der einen Seite vorbeigehen, aber sind misstrauisch auf der anderen Seite. Sie können den Gegenstand schlichtweg nicht wiedererkennen.

 

Die Angst vor der linken Seite

Forscher fanden heraus, dass Pferde besonders schreckhaft auf Dinge reagieren, die sie mit ihrem linken Auge sehen, weil sich das emotionale Gehirnzentrum rechts befindet. Dies ist nicht immer direkt mit Angst verbunden. Das Pferd ist lediglich beunruhigt, weil es den Gegenstand nicht erwartet hatte. Wissen Sie als Reiter Bescheid, können Sie sich rechtzeitig vorbereiten und darauf reagieren. 

 

Die Sehschärfe

Wenn das Pferd etwas genauer sehen möchte, muss es seinen Kopf in Richtung des Objektes drehen. Nur so können sie den Gegenstand in ihr räumliches Sichtfeld rücken und es binokular betrachten. Alles, was über einer Entfernung von 10 Metern liegt, kann das Pferd allerdings nur noch verschwommen wahrnehmen. 

 

Die Farbgebung

Pferde haben eine Farbsehschwäche, da das genaue Erkennen aller Farbtöne während der Evolution des Pferdes keine große Rolle gespielt hat. Sie nehmen Farben grundsätzlich immer etwas grauer wahr und besitzen nur zwei verschiedene Arten von Zapfen. Demzufolge sehen sie blaue und gelbe Farbtöne am besten, während sie die Warnfarbe Rot nicht erfassen können.

 

Die Nachtsicht

In der Dämmerung und auch im Dunkeln haben Pferde eine außerordentlich gute Nachtsicht, die sie als Fluchttiere aber auch brauchen. Sie haben eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut, die als Art Restlichtverstärker im Auge funktioniert. Dieses spiegelt nicht nur das Licht, das die Netzhaut bereits durchdrungen hat, sondern wirft es auch wieder zurück. Zwar haben Pferde dreimal so viele Rezeptoren auf der Netzhaut wie wir Menschen, allerdings braucht das Pferd Zeit, um sich innerhalb der Helligkeitsunterschiede umzustellen.

Aktualisiert: 07.11.2019

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