Was Sie über Impfungen beim Pferd wissen sollten

Eine Impfung kann ein Pferd vor Krankheiten schützen. Dennoch wird oft diskutiert, ob Impfungen bei Pferden sinnvoll sind, denn sie haben auch Nebenwirkungen.

Pferd erhält Impfung © istockphoto, vchal

Impfungen bei Pferden dienen der Gesundheitsvorsorge. Wenn allgemein von einer Impfung die Rede ist, ist damit eine Schutzimpfung gemeint, eine prophylaktische (also vorsorgende) Maßnahme, um die Ausbreitung von Krankheiten zu unterbinden. Darum sind einige Impfungen bei Pferden nicht nur notwendig, sondern sogar Pflicht. Um zu verstehen, wie eine Impfung wirkt, sind ein paar Kenntnisse über das Immunsystem erforderlich.

Das Immunsystem

Wie bei Menschen ist auch bei Pferden das Immunsystem die Abwehr des Körpers. Es ist in der Lage, über Abwehrzellen Krankheitserreger anzugreifen und zu beseitigen.

Dieser Mechanismus steht auf zwei Säulen: dem angeborenen Immunsystem, das immer gleich reagiert und dem adaptiven (anpassungsfähigen) Immunsystem. Dieses kann mithilfe von sogenannten Gedächtniszellen bereits bekannte Erreger wiedererkennen und reagiert dann entsprechend stärker, um einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Dieses Prinzip liegt der Wirkung einer Impfung zugrunde.

Wie funktioniert Impfen überhaupt?

Beim Impfen werden dem Pferd entweder abgetötete Erreger, beziehungsweise Teile davon, oder eine geringe Menge lebender Erreger in nicht krankmachender Dosis in den Organismus gegeben. Man spricht von Totimpfstoffen und Lebendimpfstoffen.

Das Immunsystem des Pferdes setzt sich nun mit diesem Erreger auseinander und "merkt" ihn sich. Wenn dann ein erneuter Kontakt mit dem Erreger stattfindet, zum Beispiel weil ein Virus im Pferdestall ausgebrochen ist, kann das Immunsystem sofort richtig reagieren und das geimpfte Tier wird nicht krank.

Übrigens gibt es verschiedene Impfstoffe gegen die gleichen Krankheiten, weil die Impfmittel zusätzlich zum Erreger noch Hilfsstoffe (Adjuvanzien) enthalten, die je nach Hersteller variieren. Wenn ein bestimmter Impfstoff nicht gut vertragen wird, kann es daher ratsam sein, den Tierarzt nach einem Wechsel zu einem anderen Präparat zu fragen.

Grundimmunisierung des Pferdes

Um sicherzugehen, dass das Immunsystem den Krankheitserreger nicht wieder vergisst, wird ein Pferd in regelmäßigen Abständen geimpft. Man spricht dabei von Auffrischimpfungen.

Um aber überhaupt zu erreichen, dass das Immunsystem des Pferdes entsprechend richtig und schnell reagiert, erfolgt zuerst eine sogenannte Grundimmunisierung. Sie besteht in der Regel aus zwei oder drei Impfungen in kürzerer Zeit. Der Abstand wird von einer Impfung zur nächsten immer länger und ist für jeden Impfstoff genau festgelegt.

Nach abgeschlossener Grundimmunisierung erfolgt die Auffrischung nach immer gleich langen Pausen.

Was ist bei Impfungen beim Pferd zu beachten?

Die ersten Impfungen werden schon bei Fohlen durchgeführt. Generell sollte ein Fohlen, außer in Ausnahmefällen, aber nicht vor dem sechsten Lebensmonat geimpft werden. Bis dahin ist es noch über die Antikörper der Mutter, die es über die Milch bekommt, geschützt. Solange dieser Schutz noch aktiv ist, wird das Immunsystem des Fohlens auf die Impfung nicht reagieren, da ja schon ein Schutz besteht.

Wenn die Mutterstute allerdings nicht geimpft ist und die Situation es erforderlich macht, kann das Fohlen nach ausführlicher Beratung mit dem Tierarzt auch schon ab dem vierten Monat geimpft werden.

Sowohl für Fohlen als auch für erwachsene Pferde gilt, dass nur geimpft werden darf, wenn das Pferd gesund ist. Außerdem empfiehlt es sich, das Pferd etwa zwei Wochen vor der Impfung zu entwurmen. Das Immunsystem soll sich schließlich mit der Impfung beschäftigen und darf daher nicht durch andere Krankheiten abgelenkt sein.

Welche Impfungen gibt es bei Pferden?

Die häufigsten Impfungen beim Pferd sind:

Wie oft Impfungen durchgeführt werden sollten und welche Impfungen Pflicht sind, können Sie für die wichtigsten Impfungen hier nachlesen.

Wie und wohin wird geimpft?

Alle Impfungen beim Pferd sind Injektionen, das heißt sie werden entweder unter die Haut oder in den Muskel gespritzt. Oft wird dabei die lange Halsmuskulatur unter der Mähne genommen.

Sollte sich infolge der Impfung eine Schwellung bilden, wird sie hier durch die Mähne versteckt. Umso wichtiger ist es, die Impfstellen sorgfältig zu beobachten, um eventuelle Impfreaktionen nicht zu übersehen.

Weitere mögliche Injektionsstellen sind die Schulter- und Brustmuskulatur des Pferdes sowie die Kruppenmuskulatur.

Impfstoffe für Pferde

Es gibt für Pferde inzwischen sehr viele Impfstoffe unterschiedlicher Hersteller, die sich oft nur geringfügig unterscheiden. Der behandelnde Tierarzt weiß am besten, welcher Impfstoff aktuell ist und am besten vertragen wird.

Eine gute Möglichkeit sind Kombinationsimpfstoffe. Sie wirken gleichzeitig gegen mehrere Erreger und das Pferd muss nicht unnötig oft eine Spritze erhalten. Ein Beispiel ist Equip FT® gegen Influenza und Tetanus. Der bekannteste Impfstoff gegen Herpes ist Resequin®, ein Totimpfstoff gegen Herpes und Pferdegrippe.

Nebenwirkungen von Impfungen beim Pferd

Das Risiko von Nebenwirkungen beim Impfen ist sehr gering, zumal die meisten heute beim Pferd eingesetzten Präparate Totimpfstoffe sind, die als weniger aggressiv gelten. Einige Pferde neigen dennoch zu leichten Reaktionen:

  • Gelegentlich kann es an der Injektionsstelle zu einer leichten Schwellung oder vorübergehenden Muskelverhärtung kommen.
  • Manche Pferde zeigen auch leichtes Fieber und Müdigkeit als Reaktion auf die Impfung. Das liegt daran, dass das Immunsystem den Erreger abwehrt und dadurch ähnliche Prozesse wie bei einer Erkrankung ablaufen, aber in deutlich milderer Form.
  • Selten kommt es auch zu einer Abszessbildung an der Injektionsstelle. Hier kann eventuell ein Wechsel des Impfstoffes Abhilfe schaffen.

Normalerweise sind diese Nebenwirkungen nicht schlimm und klingen spätestens nach ein paar Tagen wieder ab. Im Zweifelsfall sollte aber besser der behandelnde Tierarzt um Rat gefragt werden.

Sind bestimmte Nebenwirkungen von Impfungen bei einem Pferd bekannt, können in Absprache mit dem Tierarzt entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Neigt ein Pferd beispielsweise zu leichtem Fieber nach der Impfung, sollte bei Hitze darüber nachgedacht werden, mit der Impfung ein paar Tage zu warten. Generell spricht aber nichts dagegen, ein Pferd auch bei warmen Temperaturen zu impfen.

Reiten nach einer Impfung

In den ersten 24 bis 48 Stunden nach einer Impfung beim Pferd sollte der Stress des Tieres auf ein Minimum reduziert werden. Der Körper ist in dieser Zeit mit der Immunabwehr beschäftigt. Dies ist ein energieverbrauchender und damit für das Pferd anstrengender Prozess. Daher sollte eine zusätzliche Belastung vermieden werden.

Leichte Bewegung im Schritt ist aber durchaus erlaubt. Allgemein gilt, dass während der ersten drei Tage nur schonendes Reiten stattfinden sollte. Da jedes Pferd unterschiedlich auf eine Impfung reagiert, muss die Schonfrist individuell angepasst werden. Dabei ist auch auf äußere Bedingungen zu achten. Bei Hitze etwa ist Bewegung ohnehin mit größerer Anstrengung verbunden als bei mildem Wetter. Die Belastung muss dann entsprechend noch weiter reduziert werden.

Ab wann eine Teilnahme an Turnieren wieder möglich ist, hängt nicht nur von der Verfassung des Pferdes ab, sondern auch von den Vorgaben der FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung) zur jeweiligen Impfung.

Impfung verpasst – was nun?

Der Impfschutz eines Pferdes endet nicht abrupt, sondern läuft langsam aus. Wurde eine Impfung überzogen oder ganz verpasst, ist der Impfschutz gegebenenfalls reduziert oder sogar nicht mehr vorhanden. Das hängt vom jeweiligen Impfstoff ab und davon, wie lange die letzte Impfung her ist.

Wird der Fehler bemerkt, sollte so schnell wie möglich eine Beratung mit dem Tierarzt über das weitere Vorgehen erfolgen. Nach einem leichten Überziehen der Frist, also wenn die Pause nur etwas verlängert ist, kann eventuell zum nächstmöglichen Termin einfach nachgeimpft werden – ohne weitere Konsequenzen. Ein kleiner Spielraum ist bei den Zeitangaben des Impfstoffherstellers in der Regel eingeplant.

Wurde die Impfung dagegen ganz verpasst, kann unter Umständen eine erneute Grundimmunisierung des Pferdes erforderlich sein. Daher sollte immer auf eine möglichst genaue Einhaltung der Impftermine geachtet werden. Ideal ist es, wenn alle Pferde im Stall zur selben Zeit geimpft werden.

Kosten einer Impfung beim Pferd

Die Kosten einer Impfung können je nach Impfstoff und auch regional sehr unterschiedlich ausfallen. Eine Grundimmunisierung ist insgesamt teurer als die Auffrischungen, da die Abstände kürzer sind. Pferdebesitzer sollten mit etwa 120 Euro Impfkosten pro Jahr rechnen. Dabei kann die Wahl von Kombinationsimpfstoffen unter Umständen eine etwas günstigere Alternative darstellen.

Eine Beispielrechnung:

  • Eine Tetanusimpfung kostet im Schnitt etwa 30 Euro.
  • Resequin® gegen Herpes und Pferdeinfluenza ist mit circa 40 Euro zu veranschlagen.
  • Die Gebühr des Tierarztes für die Durchführung der Impfung liegt in der Regel bei unter 10 Euro.

Da Resequin® halbjährlich geimpft werden muss, müsste man in diesem Beispiel für die Impfung des Pferdes 120 bis 130 Euro einplanen.

Dabei ist zu bedenken, dass die jährlichen Impfkosten im Schnitt wesentlich geringer sind als die Behandlung einer der Krankheiten, gegen welche die Impfungen schützen. Steht also die Frage "Impfen – ja oder nein?" im Raum, dürfen die Kosten allein kein Grund sein, ein Pferd nicht zu impfen. Hier stehen das Wohl des Pferdes und der Schutz vor Krankheitsausbreitung an erster Stelle.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Malin Held

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