Die Pferdenase

Wie Pferde die Welt über Gerüche wahrnehmen

Pferde besitzen einen ausgezeichneten Geruchssinn, der ihnen in vielerlei Hinsicht zugutekommt. So können sie Gerüche auf sehr weite Entfernung wahrnehmen oder auch zwischen Freund und Feind unterscheiden. Wie die Pferdenase funktioniert und wobei die Fähigkeit dem Pferd des Weiteren hilft, können Sie in diesem Beitrag erfahren. 

 

Die Funktionsweise: So arbeitet das Geruchsorgan

Seinen ausgeprägten Geruchssinn hat das Pferd seinen anatomischen Voraussetzungen zu verdanken. Die Nüstern sind wendig und können somit genau feststellen, aus welcher Richtung ein Geruch stammt. Zusätzlich ist das Lungenvolumen und die Riechschleimhaut eines Pferdes sehr groß, wodurch es mehr Luft einsaugt und somit auch mehr Duftstoffe, was eine präzise Analyse ermöglicht. 

Wenn ein Pferd also Luft samt unterschiedlicher Duftstoffe über seine Nüstern einatmet, wandern diese anschließend über die Nasenhöhlen zur Riechschleimhaut. Dort werden die Duftstoffe aus der Luft selektiert und abschließend über Geruchsnerven zu den Teilen im Gehirn geleitet, die sich mit dem Riechen auseinandersetzen.

 

Das Flehmen: So riecht das Pferd genauer hin 

Sicher haben Sie schon ein mal den Vorgang des Flehmens bei einem Pferd beobachten können. Für viele sieht es so aus, als würde das Pferd lachen, allerdings steckt hier mehr dahinter: Das Pferd findet einen Geruch besonders interessant und möchte diesen noch genauer zuordnen können. 

Dabei atmet das Pferd tief ein, wirft den Kopf in die Höhe, zieht die Oberlippe nach oben und verschließt die Nüstern. Dabei kommt das sogenannte „Jacobsonsche Organ“ zum Einsatz, welches am Ende des Gaumens liegt und eine noch spezifischere Zuordnung der Duftstoffe zulässt.

 

Wie Gerüche dem Pferd nützen

Nun ist uns bekannt, wie Pferde eigentlich Gerüche aufnehmen, jedoch ist es auch wichtig zu wissen, was Pferde mit diesen Gerüchen überhaupt anfangen und wozu sie dem Pferd dienen. Im Folgenden haben wir eine kleine Auflistung zusammengestellt, die Ihnen auch dabei helfen kann, Ihr Pferd besser zu verstehen:  

  • Wiedererkennung: Jedes Tier und jeder Mensch hat einen individuellen Eigengeruch. Nähert sich dem Pferd also ein Lebewesen, nutzt es seinen Geruchssinn, um festzustellen, ob es sich um Freund oder Feind handelt. Das gilt auch für neue Gegenstände oder Orte, denn auch hier möchte das Pferd zunächst feststellen, ob es bereits damit vertraut ist. 
  • Familienzugehörigkeit: Stute und Fohlen erkennen einander an ihrem Geruch. 
  • Paarungsbereitschaft: Hengste nehmen über die Nase den Geruch von rossigen Stuten auf und wissen so, dass sie bereit für die Paarung sind. 
  • Duftmarken: Pferde setzen ihre Duftmarken durch das Hinterlassen von Pferdeäpfeln oder Urin. Andere Pferde nehmen diese wahr und reagieren entsprechend darauf. 
  • Erkennung von Bedrohung: Fremde und beängstigende Gerüche, wie beispielsweise der Geruch von Tod und Verwesung, löst im Pferd den Instinkt des Fluchttiers aus. 

 

Fazit

Gerüche sind für Pferde Informationsträger und die Intensität kann manche Pferde auch überfordern. Aus diesem Grund ist es wichtig, mit dem Pferd verständnisvoll umzugehen, auch wenn wir nicht wissen, woran die Verunsicherung oder Angst liegt – Vielleicht riecht das Pferd gerade etwas, was unsere Nase gar nicht wahrnehmen kann? Diesem sollten Sie sich immer bewusst sein. 

Bei gewissen Veränderungen, wie zum Beispiel einem Stallumzug, einer Futterumstellung oder einem neuen Herdenmitglied, sollten Sie also achtsam mit dem Pferd umgehen und es langsam auf die noch unbekannte Geruchswelt einstellen. So kann sich das Pferd stressfreier mit der neuen Situation vertraut machen.

Aktualisiert: 28.05.2021

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