Wurmkur beim Pferd

Die regelmäßige Entwurmung eines Pferdes dient der Vorbeugung von Krankheiten. Doch bei der Auswahl und Gabe der Wurmkur ist einiges zu beachten.

Pferd erhält Wurmkur © istockphoto, Zlatko Nečevski

Wie oft sollte man ein Pferd entwurmen und mit welchen Entwurmungsmitteln? Reichen Entwurmungen im Herbst und Frühjahr oder ist auch dazwischen eine Wurmkur nötig? Es existieren viele Vorschläge und Meinungen zur Entwurmung beim Pferd, doch welche die Richtige ist, ist für viele Besitzer oft nur schwer zu durchschauen. Wir geben Ihnen Tipps zum Entwurmungsplan, dem Kauf einer Wurmkur sowie zu Auswahl, Dosierung und Nebenwirkungen von Entwurmungsmitteln.

Entwurmung und Wurmkur – was ist das eigentlich?

Ein Pferd nimmt über das Futter oder den Kontakt mit anderen Tieren natürlicherweise Parasiten auf. Dies sind meist Eier oder Larven von Würmern, die sich oft im Darm des Pferdes festsetzen und dann dort ihre Entwicklung fortsetzen sowie Nachkommen produzieren.

Wenn dies nur wenige Würmer sind und von einer Art, die durch ihre Größe oder ihr Tun im Darm keine Schäden anrichten, ist der Parasitenbefall meist nicht schlimm für das Pferd. Vermehren sich die Parasiten jedoch sehr stark oder sitzen sie an Stellen im Körper des Pferdes, an denen wichtiges oder viel Gewebe zerstört wird, stellen sie ein Problem dar. Dann müssen die Parasiten bekämpft werden.

Da man meist nicht genau weiß, wie viele Parasiten in einem Pferd leben, ist es ratsam, die Würmer regelmäßig mithilfe eines Entwurmungsmittels, einer sogenannten Wurmkur, zu bekämpfen. Dieser Vorgang wird als Entwurmung bezeichnet.

Je nach Parasit gibt es entsprechende Wirkstoffe, welche die Würmer aus dem Körper des Pferdes entfernen sollen. Üblicherweise wird dem Pferd dafür eine Paste in das Maul gegeben, die über den Magen-Darm-Trakt ihre Wirkung entfaltet.

Anzeichen für Verwurmung bei Pferden

Wenn ein Pferd Probleme mit einem starken Parasitenbefall hat, kann man das oft schon an seinem Äußeren erkennen:

  • Das Fell ist meist sehr struppig, die Haare stehen ab, sind stumpf und glänzen nicht mehr.
  • Die Schweifhaare eines Pferdes mit Parasitenbefall sind oft abgebrochen und stehen in alle Richtungen, da die Parasiten oft Juckreiz in der Afterregion auslösen und sich die befallenen Pferde infolgedessen dort scheuern. Dies ist besonders häufig bei einem Oxyuris-Befall (ein bei Pferden häufiger Wurm) zu sehen, da sich diese Würmer am Anus eines Pferdes festsetzen.
  • Bei einem Befall mit Oxyuris-Würmern sind diese oft als lange weiße Fäden am Anus des Pferdes zu sehen.
  • Wenn der Wurmbefall sehr stark ist, kann das Pferd auch bei guter Futteraufnahme deutlich an Gewicht verlieren.

Zudem können Symptome wie Kolik, Durchfall und Kotwasser immer ein Hinweis auf einen Wurmbefall sein, weshalb bei den entsprechenden Anzeichen ebenfalls eine die Gabe einer Wurmkur in Betracht gezogen werden sollte.

Entwurmungsschema individuell festlegen

Grundsätzlich sollte man einen Entwurmungsplan haben, der für alle Pferde einer Gruppe gleichermaßen gilt. Hierbei ist es wichtig, dass auch das Alter und andere Merkmalen der Pferde berücksichtigt werden, da ein Jährling mit geregeltem Weidegang beispielsweise nicht das gleiche Entwurmungsschema benötigt wie ein altes Pferd im Offenstall.

In dem Entwurmungsschema werden Häufigkeit, Zeitpunkt und Auswahl des Entwurmungsmittels bestimmt.

Der Plan orientiert sich an verschiedenen Kriterien. Dazu gehören unter anderem:

  • das Entwurmungsprinzip (planmäßig oder selektiv)
  • die Größe der Gruppe
  • das Alter der Pferde in der Gruppe
  • die Jahreszeit
  • das Wetter
  • die Häufigkeit des Weidegangs

Entwurmungsprinzip: Strategische oder selektive Entwurmung?

Die zwei grundsätzlichen Arten der Entwurmung sind die strategische Entwurmung und die selektive Entwurmung des Pferdes. Die Festlegung auf eines dieser beiden Entwurmungsprinzipien ist wichtig, um ein passendes Entwurmungsschema zu erstellen. Wichtig ist, dass bei allen Pferden eines Stalles dasselbe Prinzip angewendet wird.

Strategische Entwurmung

Bei der strategischen oder planmäßigen Entwurmung werden regelmäßig alle Pferde eines Stalls gruppenweise zu festgelegten Zeitpunkten entwurmt. Hierbei ist es wichtig, dass ein sogenanntes Parasitenmonitoring stattfindet, also zumindest vor der geplanten Entwurmung festgestellt wird, welche Parasiten überhaupt vorhanden sind.

Dabei ist es das Ziel, dass die Behandlungen auf die vorhandenen Parasiten abgestimmt werden, sodass mit regelmäßigen aber dennoch wenigen Entwurmungen der größtmögliche Effekt erzielt werden kann.

Selektive Entwurmung

Bei diesem Entwurmungsprinzip werden nicht alle Pferde eines Stalls behandelt, sondern nur Pferde, die als starke Eiausscheider identifiziert worden sind.

Bei der selektiven Entwurmung ist das Ziel, Anthelminthika-Resistenzen (Resistenzen gegen Anti-Wurmmittel) begrenzt zu halten, indem man nur die starken Eiausscheider behandelt. Die Pferde, die nur wenige Strongyliden-Eier (eine bestimmte Gruppe verschiedener Wurmarten) bei der Untersuchung ausgeschieden haben, bleiben unbehandelt, sodass die hieraus entstehenden Würmer keinen Kontakt zum Anthelminthikum haben und dadurch auch keinen Druck zur Resistenzbildung haben.

Vor- und Nachteile der strategischen Entwurmung

Bei der strategischen Entwurmung ist es sehr wichtig, dass die vorhandenen Parasiten durch vorherige Untersuchungen von Kotproben der Pferde identifiziert werden, damit für die Entwurmung ein passender Wirkstoff verwendet werden kann.

Der Vorteil des strategischen Entwurmungsprinzips ist eine umfassende Behandlung aller Pferde eines Pferdestalls, wodurch alle Tiere auf dem gleichen Stand sind. Bei korrekter Durchführung wird so der größtmögliche Effekt des Wirkstoffes entfaltet.

Nachteilig ist hierbei die Resistenzgefahr zu sehen. Da auf alle Würmer ein hoher Druck ausgeübt wird, ist für diese die Resistenzentwicklung ein wichtiger Mechanismus, um das Überleben der Population zu sichern.

Selektive Entwurmung: Pro und Contra

Der Vorteil der selektiven Entwurmung liegt in dem geringeren Druck auf die Parasiten, Resistenzen zu entwickeln und in den geringeren Kosten, da nicht alle Pferde behandelt werden.

Nachteil dieses Entwurmungsprinzips ist jedoch, dass in der dafür nötigen Untersuchung viele Fehlerquellen liegen. So werden die meisten Parasiten von Pferden nicht täglich in gleicher Anzahl ausgeschieden, wodurch hier starke Ungenauigkeiten bei der Zahl der gemessenen Eier auftreten können. Zudem ist die Eiausscheidung nicht immer das entscheidende Kriterium zur Feststellung der Wurmbelastung, da einige Pferde trotz dauerhaft geringer Eiausscheidung eine sehr hohe Zahl an Würmern haben können.

Des Weiteren gibt es auch Parasiten, bei denen Pferde überhaupt keine Eier ausscheiden, wie beispielsweise bei Lungenwürmern.

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Ann Christin Leitow

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