Wolfskralle beim Hund: Funktion & Verletzungen

Ist die Wolfskralle beim Hund verletzt, etwa eingerissen, abgerissen oder abgebrochen, kann mitunter das Ziehen oder Entfernen der Kralle erforderlich sein.

Wolfskrallen an den Hinterbeinen eines Hundes © istockphoto, ppengcreative

Die Wolfskralle ist bei Hunden die erste Zehe an der Innenseite der Hinterläufe. Sie kommt nicht bei allen Hunden vor. Die Wolfskralle wird beim Hund auch Afterzehe oder Afterkralle genannt. Anatomisch übertragen auf den Fuß des Menschen entspricht die Wolfskralle dem großen Zeh. Die Daumenkralle, also die erste Zehe an den Vorderläufen beim Hund hingegen ist immer ausgebildet. Alle Hunde haben also an den Vorderpfoten fünf Zehen, an den Hinterpfoten in der Regel aber nur vier Zehen, außer die zusätzliche "rudimentäre" Wolfskralle ist bei ihnen ausgebildet.

Woher kommt die Wolfskralle?

Die Wolfskralle beim Hund entspricht der ersten Phalange (Fingerglied) des Hinterbeins. Man kann das Vorhandensein von Wolfskrallen bei manchen Hunden wissenschaftlich erklären: Das ursprüngliche "Grundmuster" einer Hand oder einer Pfote basiert auf fünf Fingern. Diese ursprünglich fünf Finger sind, je nach evolutionärem Geschehen, reduziert auf einzelne Digiti (Finger). 

So werden die Klauen bei Rindern aus den Fingern Nummer Drei und Vier, die Hufe bei Pferden lediglich aus dem dritten Finger gebildet. Der Rest der Finger bildet sich weitgehend zurück. Solche Rückbildungen durch evolutionäre Vorteile nennt man rudimentär. 

So auch beim Hund: Am Hinterlauf hat sich in der Regel der Digitus predis I oder Hallux ("großer Zeh") komplett zurückgebildet. Der erste Mittelfußknochen ist sowohl individuell als auch rassebedingt unterschiedlich reduziert, vor allem bei größeren Hunderassen kann er eine ganze Zehe tragen (Wolfskralle). Manchmal kommt also diese genetische Veranlagung doch "durch" und der Welpe hat hinten eine After- oder Wolfskralle. 

Katzen hingegen haben an der Vorderpfote immer fünf Zehen (mit Daumen und Daumenkralle), an der Hinterpfote nur vier Zehen mit vier Krallen.

Wölfe haben keine Wolfskralle

Der umgangssprachliche Begriff "Wolfskralle" soll den atavistischen Hintergrund (lat. atavus – Urahn) dieser rudimentären Zehe verdeutlichen. Allerdings wurde beim Wolf kein Vorkommen einer "Wolfskralle" beobachtet. Man kann also davon ausgehen, dass die Ausbildung einer Wolfskralle bei unserem Haushund auf einen sehr urtümlichen, schwerfälligeren Verwandten des Hundes zurückgeht, der phylogenetisch (stammesgeschichtlich) noch älter als der Wolf ist.

Wolfskralle – eine Frage der Rasse?

Die Wolfskralle kommt bei einigen Rassen besonders häufig vor, zum Beispiel bei den folgenden Rassen: 

•    Briard
•    Beauceron
•    Gos d'Atura Català
•    Afghane
•    Deutsche Dogge
•    Bracco Italiano
•    Berner Sennenhund
•    Malinois
•    Kangal 

Prinzipiell kann aber jeder Hund eine Wolfskralle haben. 

Beim Berger de Brie und Beauceron sind sie in der Regel doppelt ausgebildet (fünfte und sechste Zehe am Hinterlauf) und durch den FCI (Fédération Cynologique Internationale – kynologischer Dachverband und damit Herausgeber für Rassestandards) auch verlangt.

Dahingegen gibt der FCI derzeit beispielsweise zum Berner Sennenhund vor, dass die Wolfskrallen, sofern sie angelegt sind, operativ entfernt werden müssen. Als Ausnahme gelten Länder, in denen die operative Entfernung der Wolfskralle gesetzlich verboten ist. Dies gilt für Deutschland.

Wie ist die Wolfskralle aufgebaut?

Die Wolfskralle wird meist von einem knöchernen Anteil gestützt, der aus einer oder mehreren Knochenanlagen besteht. Sie kann entweder locker mit der Haut durch Bindegewebe verbunden sein oder aber eine echte gelenkige Verbindung zur Handwurzel aufweisen ("dicke Wolfskralle"). 

Zusätzlich kann sich zu der ersten Wolfskralle beim Embryo noch eine zweite hinzubilden (sechste Zehe), vergleichbar mit einem Fuß beim Menschen mit sechs Zehen. In diesem Fall spricht man dann von einer doppelten Wolfskralle.

Funktion der Wolfskralle

Der Hund als Fleischfresser bewegt sich "digitigrad" fort, er läuft also – im Gegensatz zu uns Menschen – nur auf seinen Zehen. Die Wolfskralle setzt aber so weit oben am Mittelfuß an, dass der Hund sie nicht zum Laufen verwenden kann – die Wolfskralle hat also keine Funktion, da sie nicht zur Fortbewegung dient. 

Im Gegenteil – die Wolfsfalle kann sogar von Nachteil sein, denn der Hund kann leicht beim Herumtollen mit ihr an Ästen, Stöckchen usw. hängenbleiben. In der Folge kann die Wolfskralle abreißen.

Wolfskrallen entfernen

Wolfskrallen zu entfernen, ist nach dem deutschen Tierschutzgesetz verboten, da laut Tierschutzgesetz §6 (1) ein Verbot für das Amputieren von Köperteilen (Rute, Kupieren der Ohren) oder Entnehmen von Organen gilt. Der Hintergrund ist der, dass einem Tier nicht ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden dürfen. 

Im Einzelfall darf von dieser Reglung abgewichen werden: Beispielsweise, wenn eine tierärztliche Indikation gegeben ist oder Hunde bei der Jagd eingesetzt werden (auch hier dürfen keine tierärztlichen Bedenken entgegenstehen). 

Eine tierärztliche Indikation zur Amputation der Wolfskralle wäre beispielsweise eine Entzündung nach einer Verletzung oder ein Einreißen beziehungsweise Abriss der Kralle oder eine Verletzung der Kralle durch ein Trauma mit oder ohne Einblutungen.

Die Wolfskralle lässt sich nicht ziehen, sie muss chirurgisch entfernt werden.

Amputation der Wolfskralle durch den Tierarzt

Definitive Gründe für die Amputation der Wolfskralle sind beispielsweise ein Tumor, eine eitrige Entzündung (Panaritum) oder Verletzungen: Hierzu muss unbedingt eine Sedierung erfolgen (leichte Narkose), da ein mit Schmerzen verbundener Eingriff bei einem Hund laut Tierschutzgesetz nicht ohne Betäubung erfolgen darf. 

Zur Amputation wird zuerst ein Hautschnitt gemacht. Bindegewebig verwachsene Wolfskrallen lassen sich leichter entfernen also solche, die eine gelenkige Verbindung aufweisen. Diese gelenkig mit dem Mittelfuß verbundenen Wolfskrallen stellen eine größere operative Herausforderung dar und sind tendenziell auch mit größeren Komplikationen verbunden.

Ist die Wolfskralle entfernt, wird die Wunde durch eine Hautnaht verschlossen.  

Wolfskralle entfernen: Kosten

Jegliche Tierarztkosten werden nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) abgerechnet: Demnach liegt der einfache Satz zur Amputation einer Wolfskralle für ältere Hunde bei etwa 17 Euro. Hinzu kommen Kosten für eine Narkose und deren Überwachung sowie verbrauchte OP-Materialen (Handschuhe, Tupfer, Nahtmaterial usw.).

Eventuell muss auch ein Röntgenbild der Vordergliedmaße angefertigt werden. Dies kann nötig sein, um andere durch das Trauma bedingte Frakturen auszuschließen und Informationen über die knöcherne Anatomie (gelenkige Verbindung oder nicht?) der Wolfskralle zu erhalten. Sprechen Sie Ihren Tierarzt auf die Kosten einer Wolfskrallenamputation an.

Verletzungen der Wolfskralle

Eine Verletzung der Wolfskralle kann für den Hund sehr schmerzhaft sein. Er reagiert beim Berühren der Verletzung mit Abwehrbewegungen, eventuell kann er sogar beißen. So kann es für den Besitzer sehr frustrierend und mitunter auch gefährlich sein, ihn zu untersuchen. Deshalb solle man sich stets auf Eigenschutz achten und eventuell einen Maulkorb verwenden. Im Zweifel sollten Sie immer einen Tierarzt aufsuchen.

Ist der Hund gut zu untersuchen und die Wolfskralle lediglich angebrochen und blutet nicht, so ist gegebenenfalls ein Verband mit etwas Jod-Salbe oder Rivanol® ausreichend. Dieser Verband sollte über Nacht die Verletzung schützen. 

Am nächsten Tag sollte die Wolfskralle erneut untersucht werden. Ist lediglich ein kleines Stück der Kralle abgebrochen, so reicht es, die Wolfskrallen zu kürzen, damit in Zukunft keine erneuten Unfälle passieren. Dennoch gilt auch hier: Im Zweifel den Tierarzt kontaktieren!

Auch das Einreißen oder Abbrechen der kompletten Wolfskralle ist möglich. 

Was tun, wenn die Wolfskralle blutet?

Blutet die eingerissene Wolfskralle sehr stark, sollte man erstmal einen provisorischen Schutzverband anlegen. Ist kein Verbandsmaterial verfügbar, sollte darauf geachtet werden, dass der Hund die eingerissene oder blutende Wolfskralle nicht beleckt. Durch das Belecken können leicht Keime der Mundflora in die verletzte Wolfskralle gelangen. Als Folge entzündet sich die Wolfskralle leicht und heilt schlechter.

Ist die Wolfskralle komplett abgerissen und blutet sehr stark, so sollte die Wunde von einem Tierarzt gereinigt und chirurgisch versorgt werden. Gegebenenfalls sind ein bis drei Nähte notwendig, um die Wunde zu verschließen. Außerdem sollte der Hund mit einem Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung versorgt und gegebenenfalls mit Antibiotika behandelt werden.

Wolfskralle entfernen nach einer Verletzung

In der Regel heilen abgebrochene oder eingerissene Hundekrallen mit der Zeit von selbst oder wachsen nach. Ist die Wolfskralle jedoch sehr tief eingerissen, muss sie eventuell durch den Tierarzt aus dem Krallenbett herausgezogen werden, sodass eine komplett neue Kralle nachwachsen kann.

Idealerweise sucht man daher im Zweifel direkt nach der Verletzung den Tierarzt auf. Er verfügt über die nötige Sachkenntnis, den Hund und die Krallenverletzung eingehend zu untersuchen, eventuell sogar unter Narkose. Während der Narkose kann dann entschieden werden, ob sogar eine Amputation der Wolfskralle durchgeführt werden muss oder ob ein Ziehen der Wolfskralle ausreicht.

Bis die Verletzung an der eingerissenen Wolfskralle wieder verheilt ist, muss der Hund gegebenenfalls einen Trichter tragen, wenn angelegte Verbände nicht halten.

Die Wolfskralle steht ab oder wächst ein

Zur Vorbeugung einer Verletzung sollte darauf geachtet werden, die Wolfskrallen regelmäßig durch Schneiden der Krallen zu kürzen, vor allem, wenn die Wolfskralle sehr weit absteht. Hierdurch lässt sich ein Einwachsen ins Gewebe verhindern. Eine eingewachsene Wolfskralle kann schmerzhaft sein.

Außerdem bieten kurze Wolfskrallen eine kleinere Angriffsfläche für Traumen, der Hund verletzt sich beim Spielen nicht so leicht und die Wolfskralle reißt nicht ab.

Quellen

  • F-W. Salomon, H. Geyer, U. Gille: Anatomie für die Tiermedizin
  • R. Nickel, A. Schummer, E. Seiferle: Lehrbuch der Anatomie der Haustiere
  • G. Beckmann, S. Beckmann: Vom Aufrechten Menschen zum Hundehalter: 500.000 Jahre Koevulution und Kulturgeschichte von Mensch und Hund
  • H. Schebitz, W. Brass: Operationen an Hund und Katze
Aktualisiert: 26.10.2018 – Autor: Malek Hallinger

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