Haarlinge beim Pferd

Haarlinge können bei Pferden Symptome wie Juckreiz und haarlose Stellen verursachen. Zu erkennen sind häufig die Eier der Parasiten im Fell des Pferdes.

Pferd mit Haarlingen © istockphoto, middelveld

Zu den häufigsten Pferdekrankheiten gehört der Befall mit Parasiten. Besonders sogenannte Ektoparasiten, die "auf dem Pferd", also in Haut und Haaren leben, sind für den Besitzer leicht zu erkennen. Zu diesen Ektoparasiten gehören auch Haarlinge, die im Gegensatz zu Stechmücken beißen und kein Blut saugen.

Ihre Eier (Nissen) kleben Haarlinge meist an die Haare im Hals- und Rückenbereich des Pferdes. Diese Eier sind von denen der Dasselfliege für Pferdebesitzer oft nur schwer zu unterscheiden. Ausgewachsene Haarlinge werden häufig mit Läusen, Milben oder Flöhen verwechselt. Hier erfahren Sie, woran Sie Haarlinge beim Pferd erkennen wie Sie die Parasiten bekämpfen können. 

Haarlinge: Ursachen und Folgen

Ursache für einen massiven Befall mit Haarlingen ist ein geschwächtes Immunsystem, das unter anderem durch Vorerkrankungen, schlechte Pflege und Haltungsbedingungen gefördert wird. 

Der Befall mit wenigen Haarlingen verläuft bei gesunden Pferden oft symptomlos. Haben sich die Haarlinge aber (aufgrund eines schwachen Immunsystems) stark vermehrt, kommt es zu Symptomen wie Juckreiz, Unruhe und Haarausfall. Durch Scheuern entstehen oft Hautläsionen, die Eintrittspforten für Bakterien und Viren darstellen und lokale Entzündungen hervorrufen können. 

Woher die Haarlinge ursprünglich stammen, lässt sich oft schwer feststellen. Die Parasiten können zum Beispiel über Heu und Stroh in den Stall eingetragen werden oder die Pferde infizieren sich beim Weidegang.

Ansteckend für Pferde, aber nicht auf Menschen übertragbar

Pferdehaarlinge, auch Werneckiella equi genannt, sind streng wirtsspezifisch, das heißt sie befallen keine andere Spezies, außer Pferden. Somit ist eine Übertragung auf den Menschen nicht zu erwarten.

Innerhalb einer Pferdegruppe sind die Parasiten jedoch ansteckend und können sich langsam ausbreiten. Selbst wenn befallene Pferde nur eine geringe oder keine Symptomatik zeigen, empfiehlt sich daher trotzdem eine Behandlung, um zu verhindern, dass immunschwache Tiere ebenfalls erkranken. Das bedeutet, dass ein gesundes Pferd Haarlinge haben kann, keine Beschwerden damit hat, aber für immunschwache Pferde ansteckend ist.

Eine Übertragung der Parasiten kann durch direkten Kontakt der Pferde untereinander oder auch indirekt über Umwege (Pferdedecke, Putzzeug) erfolgen. Es ist ratsam, alle Pferde, die mit dem erkrankten Tier direkt oder indirekt Kontakt haben, auf Haarlinge zu untersuchen und gegebenenfalls zu behandeln.

Wie erkenne ich Haarlinge beim Pferd?

Der Befall mit Haarlingen tritt meist in der zweiten Hälfte des Winters auf: Adulte (erwachsene) Parasiten kleben ihre Nissen an die kurzen Haare im Hals- und Rückenbereich eines Pferdes. Betroffen sind meistens Pferde mit dichtem Fell und Ponys. 

Scheitelt man die Haare, ist der adulte Haarling als platter, hellbrauner, ein bis vier Millimeter langer und flügelloser Parasit mit Beißwerkzeugen zu erkennen.

Unterscheidung von anderen Parasiten

Verwechslungsgefahr der Nissen des Haarlings besteht mit denen der Dasselfliege. Diese klebt ihre Eier jedoch bevorzugt zusätzlich zum Widerristbereich an die Haare der Vorderbeine, wo diese dann vom Pferd abgeleckt und heruntergeschluckt werden.

Der adulte Haarling ist abzugrenzen von Läusen, Milben und Flöhen, allesamt ebenfalls flügellose Ektoparasiten. Diese Unterscheidung kann im Zweifel nur unter dem Mikroskop durchgeführt werden. Das sind die wichtigsten Unterschiede:

  • Läuse sind stechende Parasiten und haben einen deutlich schmaleren Kopf als der Haarling. Die Symptome sowie die Therapie bei Befall sind jedoch ähnlich. 
  • Flöhe saugen Blut und sind mit auffällig langen Beinchen ausgestattet. 
  • Milben siedeln sich je nach Art in speziellen Körperregionen an und verursachen insbesondere borkige Hautveränderungen. Juckreiz und Unruhe tritt in den meisten Fällen bei allen Ektoparasiten auf.

Von welchem Parasit das Pferd befallen ist, findet der Tierarzt mittels eines sogenannten Abklatschpräparates oder Hautgeschabsels heraus, sofern mit bloßem Auge keine Differenzierung möglich ist. Dazu wird mit einem Klebestreifen ein "Abklatsch" am gescheitelten Haar genommen oder die oberste Hautschicht abgeschabt. 

Was tun gegen Haarlinge beim Pferd?

Lautet die Diagnose Haarlingsbefall, entspricht die Therapie einer Behandlung gegen Läuse. Es gibt keine spezifischen, zugelassenen Pferdemedikamente gegen Läuse, der Tierarzt muss ein Präparat einer anderen Tierart umwidmen. 

Erfolgreich bekämpfen lassen sich die Parasiten mit Pour-on-Präparaten mit dem Wirkstoff Permethrin (zum Beispiel Wellcare®) oder Waschlösungen, die Phoxim enthalten (zum Beispiel Sebacil®). Diese Mittel gegen Parasitenbefall werden auf der Haut angewendet. Durch Waschen der betroffenen Stellen mit der Lösung oder Auftragen des Produktes auf die gescheitelte Haut, rückt man den Plagegeistern zu Leibe.

Nicht alle Mittel sind geeignet

Landläufig wird häufig versucht, den Befall mit Hausmitteln wie Apfelessig oder Shampoo zu behandeln. Diese Methoden sind wenig erfolgversprechend, da weder in Essig noch in Shampoos ein Wirkstoff, der die Parasiten pharmakologisch abtötet, enthalten ist. 

Butox®, das den Wirkstoff Deltamethrin enthält, ist ein Mittel zur Bekämpfung von Haarlingen bei Rind und Schaf, eine Anwendung beim Pferd ist nicht empfohlen. Präparate für Kleintiere wie Frontline® verfügen ebenfalls nicht über den geeigneten Wirkstoff. 

Vorbeugung von Haarlingen und anderen Parasiten

Um einem Befall mit Haarlingen und anderen Ektoparasiten bei Pferden vorzubeugen, sind entsprechende Haltungsbedingungen (regelmäßiges Entmisten und luftige Ställe) sowie gute Pflege notwendig. Da Haarlinge besonders im Winter auftreten, ist es wichtig, dichtes und langes Fell regelmäßig zu bürsten. Auch das Scheren des Fells kann sinnvoll sein, um einen Befall mit Haarlingen vorzubeugen – dann ist je nach Temperatur jedoch eine Pferdedecke notwendig.

Da eine Übertragung vieler Ektoparasiten auch über Putzzeug stattfinden kann, ist es zudem sinnvoll, Bürste, Striegel und Co. nicht für mehrere Pferde zugleich zu verwenden.

Aktualisiert: 14.07.2017 – Autor: Christina Schleich

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