Wenn die Katze rollig ist

Katzen werden mehrmals im Jahr rollig. Während der Rolligkeit zeigt eine Katze meist typische Verhaltensweisen. Manchmal lassen sich auch äußere Anzeichen erkennen.

Rollige Katze © istockphoto, ondhajek

Die Rolligkeit kommt bei gesunden Katzen im fruchtbaren Alter regelmäßig vor und bringt aus Sicht mancher Besitzer oft eigenartige Verhaltensweisen der Tiere mit sich. Hier erfahren Sie Wissenswertes über den Zyklus der Katze und lernen, welche Anzeichen für das Verhalten einer rolligen Katze typisch sind. Zudem erklären wir Ihnen, was Sie unternehmen können, um die Rolligkeit auszulösen, zu verhindern oder zu beenden oder einfach, um Ihre rollige Katze zu beruhigen.

Rolligkeit bei Katzen – was ist das?

Rolligkeit bezeichnet ganz allgemein das Verhalten der Paarungsbereitschaft bei geschlechtsreifen, unkastrierten weiblichen Katzen. Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff die zwei ersten Phasen des Zyklus der Katze, die sogenannten Phasen des Proöstrus und des Östrus. 

In diesen Phasen zeigt die Katze typisches Verhalten für die Rolligkeit, wie zum Beispiel das Rollen auf dem Boden in Verbindung mit seltsamen Lautäußerungen – daher die Bezeichnung "Rolligkeit".

Wann und wie oft sind Katzen rollig?

Hier finden Sie sechs Fakten über die Rolligkeit und den Zyklus der Katze:

  • Europäische Katzen werden meistens zwischen dem sechsten und dem achten Lebensmonat das erste Mal rollig. Dabei muss ihr Körpergewicht aber mindestens zweieinhalb Kilogramm betragen.
  • Ab wann Katzen rollig werden, ist auch von der Rasse abhängig: Siamesen und Abessinier werden bereits ab dem vierten Lebensmonat das erste Mal rollig, British Shorthair und Perserkatzen dagegen in der Regel erst ab dem zwölften Lebensmonat.
  • Katzen sind saisonal polyöstrisch. Das heißt, dass sie mehrmals im Jahr rollig werden. In Westeuropa liegen die Perioden der Rolligkeit zwischen Februar und Juli. In dieser Zeit wird die Katze, wenn sie nicht gedeckt wird, zwei- bis dreimal rollig.
  • Die Rolligkeit bei Katzen dauert vier bis sieben Tage.
  • Katzen haben eine induzierte Ovulation. Das bedeutet, dass der Eisprung erst stattfindet, wenn die Katze gedeckt wird.
  • Wird die Katze trächtig und bringt Welpen zur Welt, kann sie nach der Geburt innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder rollig werden.

Verlauf des Zyklus der Katze

Die Dauer des Sexualzyklus einer Katze beträgt insgesamt vier bis acht Monate. Der Zyklus lässt sich in vier Phasen unterteilen:

  1. Der Proöstrus, auch als Vorbrunst bezeichnet, dauert ein bis zwei Tage. Während dieser Phase ist die Katze bereits attraktiv für den Kater, aber noch nicht bereit, den Deckakt zu akzeptieren. Die Katze fängt in dieser Phase an, die typischen Verhaltensweisen der Rolligkeit zu zeigen (siehe unten).
  2. Der Östrus, auch als Brunst bezeichnet, dauert vier bis sieben Tage. Die Katze zeigt während dieser Phase verstärkte Symptome der Rolligkeit und ist für den Deckakt bereit. Wenn sie gedeckt wird, kommt es zum Eisprung, wodurch der Östrus beendet wird. 
  3. Der Interöstrus ist die Phase, die dem Östrus folgt, wenn die Katze nicht gedeckt wurde. Diese Phase dauert im Durchschnitt neun Tage, kann sich aber stark verlängern oder ganz ausbleiben. Hier spielen individuelle Faktoren der Katze sowie Umfeld und Temperatur eine Rolle. So kann eine nicht gedeckte Katze im Abstand von zwei Wochen in der Sommerzeit immer wieder rollig werden, und eine andere Katze wird in der gleichen Jahresezeit nur einmal rollig. Das ist bei jeder Katze unterschiedlich. Wird die Phase des Interösterus übersprungen, sodass sich Proösterus und Österus abwechseln, spricht man von einer Dauerrolligkeit.
  4. Der Anöstrus ist die Ruhephase. Wann diese stattfindet und wie lange sie dauert, ist vom Lichteinfluss und von der Jahreszeit abhängig. In der Natur findet die Ruhephase bei westeuropäischen Katzen im Herbst und in der Winterperiode statt, also wenn die Dauer der Tageslichteinstrahlung weniger als acht Stunden beträgt. Die Ruhephase dauert üblicherweise 45 bis 160 Tage an, bis der Sexualzyklus anschließend von vorne beginnt. Dabei ist zu beachten, dass in der Wohnung gehaltenen Katzen wegen des Dauereinflusses des Kunstlichtes oft keine Ruhephase zeigen.

Verhalten der rolligen Katze

Folgende Anzeichen können auf die Rolligkeit Ihrer Katze hinweisen:

  • Appetitverlust
  • seltsame Lautäußerungen (gurrende Geräusche)
  • (auf dem Boden) Wälzen/Rollen
  • Reiben an Gegenständen
  • Strecken des Hinterns in die Luft
  • seitliches Abknicken des Schwanzes
  • vermehrtes Urinieren (Setzen von Duftmarken) sowie strengerer Geruch des Urins
  • Rastlosigkeit
  • erhöhte Anhänglichkeit

Dabei ist zu beachten, dass einige domestizierte Wohnungskatzen "still rollig" sein können. Das heißt, dass die Phasen des Proöstrus und des Östrus ohne die Symptome der Rolligkeit ablaufen. Bei einer stillen Rolligkeit bekommen die Besitzer die Rolligkeit ihrer Katze meist nicht mit.

Äußere Anzeichen der Rolligkeit erkennen

Im Gegensatz zur läufigen Hündin zeigt die rollige Katze keine Schwellung der Vulva. Dennoch gibt es manchmal äußere Anzeichen für die Rolligkeit einer Katze.

Bei einigen Katzen kommt es vor, dass aufgrund geringfügiger Blutungen im Bereich der Gebärmutter Blut aus der Scheide austritt. Da Katzen in Sachen Körperpflege sehr fleißig sind, wird es kaum möglich sein, Blut im Schambereich Ihrer Katze zu entdecken – es sei denn, die Katze ist grundsätzlich eher unsauber und putzt sich nicht oft. Diese Blutungen sind nicht der Menstruation bei der Frau gleichzusetzen und gehen daher nicht mit Schmerzen einher.

Bei einigen Katzen sind während der Rolligkeit die Zitzen angeschwollen und empfindlich – dies ist ganz normal. Sind die Zitzen aber außerhalb der Rolligkeit angeschwollen und Ihre Katze zeigt Schmerzen bei Berührung des Gesäuges, dann sollte sie zum Tierarzt gebracht werden, denn diese Symptome können auf eine Entzündung der Zitzen hinweisen.

Was tun, um die Rolligkeit zu steuern?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Rolligkeit einer Katze zu steuern. So können der Katze beispielsweise vom Tierarzt Medikamente verabreicht werden, um die Rolligkeit zu verhindern, zu beenden oder einzuleiten. Dies kann in manchen Fällen mittels einer Hormontherapie geschehen.

Grundsätzlich sollte man dabei berücksichtigen, dass eine Hormontherapie, die dazu dient, die Rolligkeit einer Katze zu steuern, nur unter tierärztliche Aufsicht erfolgen darf. Als Besitzer sollte man sich allerdings klarmachen, dass eine solche hormonelle Therapie auch Nebenwirkungen für die Katze haben kann.

Eine Rolligkeit auslösen

Das Auftreten der Rolligkeit kann hormonell herbeigeführt werden. Der Tierarzt kann der Katze Hormone der Gruppe der Gonadotropine oder GnrH-Analoga verabreichen, um den Beginn der Rolligkeit zu fördern.

Wenn die Katze trächtig werden soll, dann wird das Medikament am ersten oder am zweiten Tag der ausgelösten Rolligkeit noch einmal gespritzt, und die Katze sollte mehrmals täglich gedeckt werden, solange sie rollig ist.

Hierbei gilt: Eine hormonelle Therapie sollten Sie nur nach ausführlicher Beratung durch den Tierarzt durchführen.

Eine Rolligkeit beenden

Wenn eine Katze bereits rollig ist, jedoch keine Rolligkeit erwünscht ist, stehen verschiedene Maßnahmen zu Verfügung, um die Rolligkeit zu beenden.

Dabei ist zu beachten, dass die Rolligkeit dadurch zwar beendet wird, aber der Zyklus weitergeht. Das heißt, dass die Katze dann nicht in den Interöstrus kommt, sondern eine Scheinträchtigkeit ausgelöst wird. Die Scheinträchtigkeit hält dann 30 bis 45 Tage an.

Eine bereits angefangene Rolligkeit kann man zum Beispiel mithilfe von hormonellen Medikamenten unterdrücken. Die Katze geht dann in die Ruhephase (Anöstrus) über. Das Medikament Proligeston (Handelsname Delvosteron®), ein Progesteron-Analogon, oder auch GnRH-Analoga wie Deslorelin (Handelsname Suprelorin®) können der Katze durch den Tierarzt gespritzt werden. Hierbei ist eine Vorstellung der Katze beim Tierarzt mit ausführlicher Beratung bezüglich der Dosierung und der Behandlungsdauer unabdingbar.

Eine Rolligkeit verhindern

Die hormonelle Verhütung durch Gabe einer Tablette, also die "Pille", ist bei Katzen möglich. Das Medikament Megestrolacetat, ein Progesteron-Analogon, kann oral verabreicht werden. Das Medikament bewirkt das Ausbleiben der Rolligkeit. 

Bitte sprechen Sie bezüglich der Dosierung und der Dauer der Anwendung Ihren Tierarzt an und lassen Sie sich unbedingt über die mit der Gabe der Pille verbundenen Risiken für die Gesundheit Ihrer Katze aufklären.

Eine Kastration verhindert die Rolligkeit

Wenn ein Züchten mit der Katze nicht geplant ist, ist die Kastration oder das Sterilisieren der Katze die zuverlässigste Methode, um die Rolligkeit einer Katze dauerhaft zu verhindern. Nach der Kastration, also nach chirurgischer Entfernung der Eierstöcke, wird das Sexualverhalten der Katze vollständig unterdrückt und sie wird in Zukunft nicht mehr rollig. 

Es kann allerdings passieren, dass die Katze trotz Kastration wieder rollig wird. Dies liegt meistens daran, dass die Konzentration der Sexualhormone im Blut noch hoch ist, weil das Eierstockgewebe aus unterschiedlichen Gründen nicht vollständig entfernt wurde. In diesem Fall ist oft eine erneute Operation notwendig.

Das Sterilisieren, also das Abbinden der Eileiter ohne Entfernung der Eierstöcke, ist bei Katzen keine gängige Operation. In der Regel wird bei Katzen eine Kastration durchgeführt, also das vollständige Entfernen der Eierstöcke.

Wie Sie Ihrer Katze die Rolligkeit erleichtern

Die Symptome der Rolligkeit sind sowohl für eine Katze als auch für ihren Besitzer meist ziemlich anstrengend. In der Regel ist es eine Hilfe, die sehr kuschelbedürftige Katze viel zu streicheln, um sie zu beruhigen, und vermehrt mit ihr zu spielen.

Mittel aus der Alternativmedizin wie Schüßler Salze® werden im Zusammenhang mit der Rolligkeit bei Katzen gelegentlich erwähnt. Eine Wirkung solcher Mittel ist medizinisch nicht erwiesen. Wenn eine Erleichterung der Rolligkeit durch alternative Mitteln jedoch erwünscht wird, dann sollte dies nur nach einem Beratungsgespräch mit einem erfahrenen Heilpraktiker erfolgen.

Ungewollte Trächtigkeit vermeiden

Um eine ungewollte Trächtigkeit der Katze zu verhindern, sollte diese während der Brunst von nicht-kastrierten Katern ferngehalten werden. Freigänger sollte man in dieser Phase am besten ausschließlich in der Wohnung halten. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass es kein leichtes Unterfangen ist, eine Freigänger-Katze von heute auf morgen in der Wohnung "einzusperren".

Aber Vorsicht: Rollige Katzen sind sehr findig, wenn es darum geht, nach draußen zu gelangen oder fremde Kater ins Haus anzulocken. Halten Sie während der Trächtigkeit also auch die Fenster geschlossen.

Das Wichtigste über die rollige Katze

Im Folgenden haben wir die wichtigsten Informationen über die Rolligkeit bei Katzen für Sie zusammengefasst: 

  • Eine Katze wird je nach Rasse frühestens nach vier und spätestens nach zwölf Monaten das erste Mal rollig.
  • Eine westeuropäische Katze wird im Frühjahr und Sommer mehrmals rollig, danach folgt eine Ruhephase im Herbst und Winter.
  • Die Rolligkeit bei der Katze dauert vier bis sieben Tage.
  • Die Rolligkeit lässt sich durch bestimmte Anzeichen im Verhalten der Katze erkennen.
  • Der Eisprung der Katze erfolgt nur, wenn die Katze gedeckt wird. Der Deckakt kann durch Einführen eines Tupfers in die Scheide simuliert und somit die Rolligkeit beendet werden.
  • Die Rolligkeit kann unter tierärztlicher Aufsicht mithilfe von Medikamenten eingeleitet, verhindert oder beendet werden.
Aktualisiert: 06.07.2018 – Autor: Marie Cauzard

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