Leishmaniose bei Hunden – gefürchtete Reisekrankheit

Die Leishmaniose gehört bei Hunden zu den sogenannten Mittelmeerkrankheiten. Die Symptome der Hundekrankheit sind vielfältig, eine Heilung gibt es nicht.

Hund mit Leishmaniose © istockphoto, sanchairat

Die Leishmaniose beim Hund gehört zu den sogenannten Mittelmeerkrankheiten. Eine Ansteckungsgefahr besteht also vorrangig im Urlaub. Jedoch sind auch viele Hunde mit Leishmanien infiziert, die durch den Tierschutz importiert werden. Eine Vermittlung dieser Tiere sollte nicht leichtfertig geschehen und muss gut überlegt sein. Denn diese Hundekrankheit ist nicht heilbar und verläuft ohne eine teilweise sehr kostspielige Therapie tödlich. Wer einen Hund mit Leishmaniose aufnehmen möchte oder mit seinem Hund Urlaub in Mittelmeerstaaten wie Spanien oder Italien machen möchte, sollte sich daher vorher sehr gut informieren.

Leishmanien: Erreger der Leishmaniose

Die Gattung der Leishmanien gehört zu den Protozoen (Einzeller) und wird über bestimmte Mücken übertragen. Es gibt verschiedene Arten von Leishmanien. Der Erreger der typischen caninen Leishmaniose heißt Leishmania infantum.

Bisher gehört die Leishmaniose in Deutschland noch zu den selteneren Hundekrankheiten.

Verbreitung von Leishmaniose bei Hunden

Leishmanien sind vor allem in den Tropen und Subtropen verbreitet. Leishmania infantum kommt aber auch im Nahen Osten und im Mittelmeerraum vor, wie zum Beispiel in Rumänien, Spanien, Italien und Griechenland. Vereinzelt sind zudem Fälle aus den USA bekannt.

In Deutschland gilt die Erkrankung als Reise- und Importparasitose. Das Infektionsrisiko für einen Hund im Urlaub in einem der betroffenen Länder wird auf ungefähr 1:430 geschätzt.

Bei importierten Straßenhunden aus den Mittelmeerstaaten liegt die Infektionsrate jedoch deutlich höher: Bis zu 50 Prozent der Tiere in Anrainerstaaten werden positiv auf Leishmaniose getestet, wobei häufig noch keine Krankheitssymptome zu erkennen sind. Man spricht dann auch von inapperenten Infektionen. Hier besteht die besondere Gefahr, dass infizierte Tiere die Krankheit weiterverbreiten, weil keine entsprechenden Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Ansteckungsgefahr in Deutschland und der Schweiz?

Inzwischen sind auch in Deutschland und der Schweiz vereinzelt Fälle bekannt, in denen die Infektion mit Leishmanien autochton auftrat. Das heißt, dass die Tiere sich hier vor Ort angesteckt haben, ohne einen vorangegangenen Aufenthalt im Mittelmeerraum.

Dies ist zum einen möglich, wenn infizierte Hunde nach Deutschland gebracht und von Mücken gestochen werden, die dann die Leishmanien weiter übertragen können. Zum anderen muss im Zuge der Klimaerwärmung berücksichtigt werden, dass sich die Überträgermücke und so auch die von ihr übertragenen Leishmanien immer weiter in den Norden ausbreiten.

Übertragung der Krankheit

Der sogenannte Zwischenwirt von Leishmanien ist die Sandmücke (Phlebotomus spp.). In Amerika ist auch die Schmetterlingsmücke (Lutzomyia spp.) als potenzieller Überträger bekannt. Der Erreger vermehrt sich im Darm der Mücke und wird beim Blutsaugen auf den sogenannten Endwirt übertragen. Da bei den Mücken nur die Weibchen Blut saugen, kommen auch nur sie als Überträger infrage.

Neben Hunden können auch Menschen durch solche Mückenstiche mit Leishmanien infiziert werden. Im Gegensatz zum Hund ist die Erkrankung beim Menschen aber heilbar.

Die Vermehrung der Leishmanien im Hund erfolgt im sogenannten Retikuloendothelialen System, welches bestimmte Zellen des Immunsystems beschreibt, sowie in Milz, Leber, Knochenmark und Lymphknoten. Die infizierten Immunzellen (vor allem Monozyten und Makrophagen) im Blut werden bei einem erneuten Stich von einer Mücke wieder aufgenommen und können so weiterverbreitet werden.

Zusätzlich zu Zwischen- und Endwirt gibt es noch sogenannte Reservoirwirte. Diese tragen den Erreger in sich und können ihn auch weitergeben, erkranken aber selbst nicht. Bei der Leishmaniose sind hier vor allem Katzen, Füchse, Wölfe und Nager zu nennen.

Direkte Ansteckung bei Leishmaniose

Die Vermehrung im Zwischenwirt (der Mücke) ist für den Entwicklungszyklus der Leishmanien essenziell. Daher ist die Erkrankung nicht direkt ansteckend für andere Hunde und eine Übertragung vom Hund auf den Menschen ist demnach ebenfalls nicht möglich. Es besteht auch keine Ansteckungsgefahr bei einem Hundebiss.

Da der Erreger die weißen Blutkörperchen befällt, wäre der einzig denkbare direkte Übertragungsweg eine Bluttransfusion von einem infizierten auf einen gesunden Hund. Spenderhunde werden aber, ebenso wie der Mensch bei der Blutspende, vorher auf mögliche übertragbare Krankheiten getestet.

Allerdings kann der Erreger noch im Mutterleib einer tragenden Hündin über die Plazenta ("Mutterkuchen") auf die Welpen übertragen werden. Dabei wird jedoch häufig nicht der ganze Wurf infiziert. Bei einzelnen Tieren kann die Krankheit aber später ausbrechen. Daher sollten immer alle Nachkommen einer auf Leishmaniose positiv getesteten Hündin ebenfalls getestet werden.

Inkubationszeit: Leishmaniose teils jahrelang unbemerkt

Die Inkubationszeit, also die Zeit vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung, beträgt bei Leishmaniose in der Regel ein bis drei Monate, kann aber auch bis zu acht Jahre dauern.

Symptome der caninen Leismaniose

Leishmania infantum verursacht bei Hunden die viszerale Leishmaniose, die vorrangig die inneren Organe betrifft. Die häufigsten Symptome sind im Folgenden aufgelistet, wobei je nach Stadium der Erkrankung unterschiedliche Symptome auftreten können.

Im Anfangsstadium auftretende Symptome (sogenannter Primäraffekt) sind:

  • intermittierendes Fieber (also immer mal wieder erhöhte Körpertemperatur)
  • Schläfrigkeit (Apathie)
  • Abmagerung
  • Anämie (Blutarmut)
  • lokomotorische Störungen (Störung der Bewegungskoordination)

Später auftretende Symptome der generalisierten (chronischen) Leishmaniose sind:

  • Hyperglobulinämie (erhöhte Proteinwerte im Blut)
  • Dermatitis (Entzündung der Haut), jedoch ohne Juckreiz
  • haarlose Stellen (Alopezie), vor allem um die Augen (sogenannte Brillenbildung)
  • Krallenveränderungen
  • verkrustete Ohrränder (Hyperkeratose)

Weitere seltenere Symptome der Leishmaniose beim Hund sind:

  • Entzündung der Augen (Konjunktivitis, Uveitis)
  • Nierenentzündungen (Glomerulonephritis)
  • Bewegungsstörungen
  • Nasenbluten (Epistaxis)
  • Durchfall (Diarrhoe)

Andere Varianten der Leishmaniose

Es gibt noch andere Formen der Leishmaniose. Dazu gehören die kutane Leishmaniose (Hautleishmaniose, auch Orientbeule genannt), welche hauptsächlich durch Unterarten von Leishmania tropica verursacht wird, und die mukokutane Leishmaniose (betrifft Haut und Schleimhäute), deren Erreger Leishmania brasiliensis ist. Auch diese Erreger werden durch Unterarten der Sandmücke übertragen.

Diese Krankheitsformen sind vor allem beim Menschen bekannt, können aber auch Hunde betreffen. Da Leishmania brasiliensis nur in Mittel- und Südamerika vorkommt, spielt dieser Erreger in Europa eigentlich keine Rolle. Wie der Name Orientbeule vermuten lässt, kommt Leishmania tropica hingegen in arabischen und westasiatischen Gebieten vor, aber auch in Griechenland.

Bei beiden Krankheitsformen sind die Symptome beim Menschen, wie auch beim Hund, vor allem Läsionen (oberflächliche Verletzungen) und Geschwüre der Haut. Die Orientbeule hat eine typisch runde Form, während die mukokutane Leishmaniose bevorzugt an Übergängen zwischen Haut und Schleimhaut auftritt, also zum Beispiel an der Nase und den Augen. Als Mittelmeer- und Importkrankheit ist aber auch diese Form der Leishmaniose von geringer Bedeutung.

Verlauf der Leishmaniose beim Hund

Hat ein Hund Leishmaniose, wurde also positiv getestet, bedeutet das nicht, dass alle der genannten Symptome auftreten. Die Ausprägung der Erkrankung ist individuell unterschiedlich und hängt vor allem davon ab, wie das Immunsystem des jeweiligen Hundes auf die Infektion reagiert.

Es gibt zwei Hauptwege, welche das Immunsystem einschlagen kann. In einem Fall verläuft die Infektion in der Regel symptomlos.

Im anderen Fall kommt es dagegen zur Bildung von Antikörpern und zur Ablagerung von Immunkomplexen, also aktivierten Immunzellen, die mit Antikörpern reagiert haben und diese binden. Sie können sich in bestimmten Organen, in den Gelenken oder in den Blutgefäßen ablagern und verursachen so beispielsweise:

  • Nierenentzündungen (Glomerulonephritis)
  • Augenentzündungen (Uveitis)
  • Gelenksentzündungen (Polyarthritis)
  • Gefäßentzündungen (Vaskulitis) 
  • Blutarmut (Anämie)

Lebenserwartung mit und ohne Behandlung

Die Krankheit ist beim Hund nicht heilbar: Die Leishmanien bleiben lebenslang im Körper und können auch durch eine Langzeittherapie nicht mehr entfernt werden. Daher kommt es auch häufig zu Rezidiven, also einem erneuten Ausbruch der Erkrankung.

Mit der richtigen Therapie kann ein Hund oft trotz Leishmaniose ein relativ unbeschwertes Leben führen. Allerdings ist die Therapie sehr teuer und in schweren Fällen der generalisierten Form ist die Prognose zudem sehr schlecht.

Unbehandelt ist die Leishmaniose beim Hund immer tödlich. Die Lebenserwartung nach Ausbruch der Erkrankung beträgt ohne Therapie durchschnittlich weitere zwei bis drei Jahre. Je nachdem, wie stark die Symptome bereits ausgeprägt sind, muss daher auch in Betracht gezogen werden, den erkrankten Hund gegebenenfalls einschläfern zu lassen und so zu erlösen.

Diagnose der Leishmaniose beim Hund

Bei der Diagnostik ist es zunächst wichtig zu wissen, ob und wann der Hund zuletzt im Ausland, beziehungsweise in gefährdeten Gebieten, war. Dies erfragt der Tierarzt in der Anamnese beim Besitzer.

Das klinische Bild, also die Symptome, können einen Hinweis geben. Allerdings gibt es bei der Leishmaniose eine Vielzahl an Symptomen, die in sehr unterschiedlicher Ausprägung auftreten und zudem auch durch andere Erkrankungen verursacht werden können. Außerdem gibt es atypische Formen. Insgesamt sind nur etwa 50 Prozent der tatsächlich infizierten Hunde überhaupt klinisch auffällig.

Zur sicheren Abklärung sind Tests im Labor daher unerlässlich. Dazu gehören folgende Verfahren:

  • Titer-Bestimmung (Serologie)
  • Nachweis der Erreger-DNA (PCR)
  • Anlegen einer Erregerkultur
  • mikroskopischer Nachweis des Erregers

Die Blutwerte können weitere Hinweise liefern. Um Rezidive frühzeitig zu erkennen, sollten bei infizierten Hunden regelmäßig ein Blutbild gemacht und so die Globulin-Werte bestimmt werden.

Serologie: Messung der Antikörper im Blut

Die Methode der Wahl ist in der Regel zunächst die Serologie. Dabei wird im Blutserum der Antikörpertiter bestimmt, das ist der Gehalt der speziell gegen Leishmanien gerichteten Antikörper im Blut. Bei klinisch erkrankten Tieren beträgt die Sensitivität, also die Sicherheit mit der die Infektion tatsächlich erkannt wird, bis zu 99 Prozent.

Es besteht eine sehr geringe Fehlerwahrscheinlichkeit, dass es bei der Immunreaktion zu einer sogenannten Kreuzreaktion mit anderen Mittelmeerkrankheiten (beispielsweise Ehrlichiose, Babesiose – auch bekannt als Hundemalaria – oder Anaplasmose) kommt. In diesem Fall wäre der Antikörpertiter tatsächlich aufgrund einer dieser Erkrankungen erhöht und nicht wegen einer Infektion mit Leishmanien. Normalerweise lassen sich die Antikörper aber unterscheiden.

Ist der Test trotz Verdacht negativ, sollte er nach drei bis sechs Monaten wiederholt werden. Ein sicheres Ergebnis ist nämlich frühestens sechs bis acht Wochen nach dem Zeitpunkt der Infektion möglich. Dieser Zeitpunkt ist jedoch meistens nicht genau bekannt.

Bei Hunden, die jünger als ein Jahr sind, ist dieser Test noch nicht aussagekräftig, da die Antikörper auch von der Mutter über die Plazenta auf die Welpen übertragen werden können. Die Junghunde können dann noch bis zu einem Alter von zehn bis zwölf Monaten ein positives Testergebnis haben, obwohl sie nicht infiziert sind.

Da aber nicht nur die Antikörper, sondern auch die Leishmanien über die Plazenta übertragen werden können, sollten positiv getestete Junghunde und Nachkommen von infizierten Hündinnen auf jeden Fall noch einmal getestet werden, wenn sie älter als ein Jahr sind. Alternativ stehen bei einem akuten Verdacht auf Leishmaniose bei Welpen auch noch weitere Testmethoden zur Verfügung.

PCR und Erregerkultur bieten Gewissheit

Zur definitiven Abklärung kann eine PCR (Polymerasekettenreaktion zum Nachweis der Erreger-DNA) gemacht werden. Dafür ist eine Hautbiopsie oder ein Knochenmarks- oder Lymphknotenpunktat nötig.

Weiterhin ist das Anlegen einer Erregerkultur in Speziallaboren möglich.

Mikroskopischer Nachweis bei Hunden ohne Symptome

Eine weitere Möglichkeit ist der mikroskopische Erregernachweis. Die Probennahme aus Milz, Lymphknoten oder Knochenmark ist jedoch sehr schwierig und aufwändig. Die Sensitivität hängt außerdem maßgeblich von der Erregerdichte ab. Bei klinisch unauffälligen Hunden gilt diese Methode aber dennoch als sehr gute Alternative.

Aktualisiert: 23.05.2017 – Autor: Malin Held

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