Katzenaids – FIV bei der Katze

FIV – auch bekannt als Katzenaids – ist eine Krankheit, die das Immunsystem der Katze schwächt. Die Ansteckung erfolgt häufig durch Bissverletzungen.

Übertragung von FIV bei Katzen durch Bisse © istockphoto, j-Ero

FIV ist ein Virus, welches das Immunsystem einer Katze schwächt und zu einem ähnlichen Krankheitsbild wie AIDS bei Menschen führt – daher wird die Krankheit auch als Katzenaids bezeichnet. Wir erklären Ihnen, wie Sie die Symptome von Katzenaids erkennen. Zudem erfahren Sie hier mehr über die Übertragung und den Verlauf der Krankheit sowie über den FIV-Test und die Therapie von Katzenaids. Auch wenn Katzenaids eine schwere Katzenkrankheit ist, lassen sich FIV-Katzen mit dem entsprechenden Wissen behandeln und können oft noch einige Jahre gut leben.

Was ist Katzenaids?

Das Feline Immundefizienz-Virus (FIV) ruft bei Katzen das sogenannte "erworbene Immunschwächesyndrom" hervor, also vergleichbar mit AIDS bei Menschen. Daher wird die Erkrankung auch als "Katzenaids" bezeichnet. 

Das FI-Virus greift die Zellen des Immunsystems an und führt dazu, dass der Körper der erkrankten Katze nicht mehr in der Lage ist, sich richtig gegen Krankheiten zu schützen. Eine FIV-Katze ist somit anfälliger für weitere Katzenkrankheiten als eine gesunde Katze – man spricht dann von Sekundärerkrankungen. Häufige Sekundärerkrankungen von FIV-Katzen sind Krebs sowie Erkrankungen der Atemwege, der Haut und der Augen.

Übertragung von FIV

FIV wird über Speichel und Blut anderer Katzen übertragen. Der häufigste Weg der Übertragung ist eine Bissverletzung. Freigänger-Katzen sind besonders gefährdet, insbesondere nicht-kastrierte Kater, da bei diesen Katzen die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sie mit anderen Katzen kämpfen und sich dabei blutig beißen. Selten wird FIV auch über das Teilen von Futternäpfen oder bei der gegenseitigen Fellpflege übertragen.

Das FI-Virus ist biochemisch mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) nicht identisch, daher ist keine Übertragung auf Menschen möglich. Eine Ansteckung von Hunden oder anderen Tierarten ist ebenfalls unmöglich.

Verlauf der Erkrankung nach FIV-Infektion

Nach der Ansteckung mit dem Virus folgt eine Inkubationszeit von sechs bis acht Wochen. Erst danach kommt die Krankheit bei der infizierten Katze zum Ausbruch und es treten die ersten klinischen Symptome auf.

Die Erkrankung lässt sich in vier Phasen unterteilen:

  1. Akute Phase: beginnt circa vier Wochen nach der Infektion und dauert ungefähr vier Monate. Die Katze kann in dieser Phase leichte Symptome wie Fieber, leicht geschwollene Lymphknoten, Abgeschlagenheit und Durchfall zeigen. Die Abwehrkräfte reichen jedoch noch aus, um Erkrankungen zu bekämpfen, da nur wenige Zellen infiziert sind. In dieser Phase wird die Krankheit oft nicht bemerkt.
  2. Asymptomatische Trägerphase: kann Monate bis Jahre anhalten. Die Katze ist FIV-Träger, zeigt aber keine Symptome. Nur das Blutbild und der FIV-Schnelltest können Hinweise auf die Erkrankung geben.
  3. AIDS-ähnlicher Komplex: Die Abwehrkräfte lassen weiter nach. Das Fell der Katze sieht ungepflegt aus und sie zeigt eventuell Fieber. Verschiedene Sekundärerkrankungen kommen zum Ausbruch, zum Beispiel in Form einer Erkrankung der Atemwege oder Krebs. In diesem Stadium sieht man typischerweise Zahnfleischentzündungen, Verletzungen im Maul, auf der Haut und in den Augen. Dieses Stadium kann wenige Monate bis mehrere Jahre andauern.
  4. Endstadium: Das Immunsystem bricht zusammen. Die Katze verliert schnell an Gewicht und ist schwer an verschiedenen Sekundärerkrankungen erkrankt. Die restliche Lebenserwartung der Katze beträgt weniger als ein Jahr. Wenn sich das Allgemeinbefinden der Katze Tag für Tag und immer drastischer verändert, ist es ratsam, den Tierarzt bezüglich eines möglichen Einschläferns der Katze zu konsultieren.

Anzeichen von Katzenaids

Die Symptome von Katzenaids sind recht unspezifisch und oft auf die verschiedenen Sekundärerkrankungen zurückzuführen, die aufgrund der geschwächten Abwehrkräfte zum Ausbruch kommen. Diese Symptome können jedoch den Verdacht auf eine FIV-Infektion erregen, wenn bei einer Katze mehrere dieser Anzeichen zusammen auftreten.

Zu den möglichen Symptomen einer FIV-Infektion gehören:

  • Abgeschlagenheit
  • Gewichtsverlust
  • ungepflegtes Fell
  • geschwollene Lymphknoten
  • häufige Erkrankung der Atemwege
  • Durchfall
  • Krebs
  • Verhaltensänderungen
  • Augenveränderung
  • Zahnfleischentzündungen
  • Krämpfe
  • seltsamer Gang

Katzenaids-ähnliche Katzenkrankheiten

Nicht immer müssen die genannten Symptome auf eine FIV-Infektion hindeuten. Auch andere Katzenkrankheiten erzeugen ein ähnliches Krankheitsbild.

Das feline Leukämievirus (FeLV) ruft eine Krankheit hervor, die Katzenaids sehr ähnlich sein kann, da sie ebenfalls eine Schwächung des Immunsystems hervorruft. Die klinischen Symptome ähneln sich, aber der Tierarzt kann mithilfe eines Schnelltests sehen, ob es sich um FIV oder FeLV handelt. Etwa fünf Prozent der Katzen, die FIV haben, haben auch FeLV, da die Übertragung auf dem gleichen Weg erfolgt.

Auch die feline infektiöse Peritonis (FIP), die ebenfalls oft bei Freigänger-Katzen vorkommt, ist eine Katzenkrankheit mit einem ähnlichen klinischen Bild wie FIV. Eine an FIP erkrankte Katze zeigt ebenfalls Symptome wie Verschlechterung des Allgemeinbefindens, eine Verhaltensänderung, Krämpfe, einen seltsamen Gang und Augenveränderungen. 

Wenn Sie den Verdacht auf eine dieser Erkrankungen haben, dann bringen Sie Ihre Katze zum Tierarzt, um sie testen zu lassen. Eine genaue Diagnose lässt sich mithilfe entsprechender Labordiagnostik stellen.

Der FIV-Test bei Katzen

Der FIV-Schnelltest ist eine schnelle und zuverlässige Methode, um den Infektionsstatus einer Katze zu ermitteln, also festzustellen, ob sie mit FIV infiziert ist oder nicht. Der Schnelltest misst die Antikörper gegen das Virus. Dafür nimmt der Tierarzt der Katze Blut ab und erhält innerhalb von Minuten die Ergebnisse.

Jede Katze, die auf den FIV-Schnelltest positiv reagiert, sollte erneut mit einer weiteren labordiagnostischen Untersuchung getestet werden. Erst nachdem beide Tests positiv ausgefallen sind, kann der Tierarzt die Diagnose "FIV-positiv" stellen.

Wann ist ein FIV-Test nötig?

Es wird empfohlen, jede Katze, die Freigang hat, einmal im Jahr auf FIV zu testen, da sie sich leicht bei anderen Katzen anstecken kann. Unbedingt getestet werden muss eine Katze, die:

  • sich mit einer anderen Katze blutig gebissen hat (beachten Sie dabei, dass der Test erst vier Wochen nach der Infektion aussagekräftig ist – gehen Sie also erst einen Monat nach dem Unglücksfall zum Tierarzt)
  • die oben beschriebenen Symptome von FIV zeigt

Junge Katzen sollten erst ab einem Alter von zehn Wochen getestet werden, da bei jüngeren Katzenbabys eventuell noch Antikörper des Muttertieres im Blut vorhanden sind, die zu sogenannten falsch-positiven, also verfälschten, Ergebnissen führen können. 

Behandlung von Katzenaids

Wenn eine Katze FIV-positiv ist, dann darf sie nur noch in der Wohnung gehalten werden, ohne weitere Katzen im Haushalt. Denn erstens stellt sie eine hohe Infektionsgefahr für Artgenossen dar und zweitens ist ihr Immunsystem nicht mehr in der Lage, alle gesundheitlichen Gefahren der Außenwelt zu bewältigen.

FIV ist nicht heilbar, mit der richtigen Therapie kann eine erkrankte Katze aber bis zum Endstadium gut leben. Ziele der Therapie von Katzenaids sind die Unterstützung der Abwehrkräfte, die Verlangsamung der Vermehrung des Virus (eine Eliminierung ist jedoch nicht möglich) sowie die Behandlung der Sekundärerkrankungen.

Medikamente zur Therapie von Katzenaids

Die Anwendung von Interferon kann helfen, die Zerstörung der Abwehrzellen durch das FIV-Virus zu verlangsamen und somit den Zustand der FIV-Katze zu verbessern. Interferon ist eine körpereigene Substanz, die dafür zuständig ist, virale Erkrankungen zu bekämpfen. Medikamente wie Virbagen Omega 5® enthalten felines Interferon und können vom Tierarzt zur Behandlung von FIV eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern und die Lebenserwartung der Katze zu verlängern. Einige Medikamente aus der Humanmedizin, wie zum Beispiel Azidothymidin (AZT), können ebenfalls vom Tierarzt verschrieben werden. 

Sogenannte Immunmodulatoren wie Zylexis® werden von Tierärzten bei der Therapie von Katzenaids ebenfalls oft eingesetzt. Zylexis® unterstützt die allgemeine Immunabwehr und hilft somit, Sekundärerkrankungen vorzubeugen, insbesondere Erkrankungen der Atemwege, die bei FIV-Katzen oft auftreten. Die Wirkung von Zylexis® tritt zwei Tage nach der Injektion ein und hält bis zu zehn Tage an. 

Die Gabe von Cortison soll bei FIV-Katzen vermieden werden, da es immunsuppressiv wirkt, also das Immunsystem unterdrückt, und damit die Bemühungen um die Stärkung der Abwehrkräfte unwirksam machen würde.

Bitte beachten Sie stets, dass es sich bei Katzenaids um eine schwere virale Erkrankung handelt, die viele Sekundärkrankheiten mit sich bringt. Es gilt immer: Bei schweren Krankheiten nehmen Sie bitte keine eigenen Behandlungsversuche mit Hausmitteln oder Homöopathie ohne Rücksprache mit Ihrem Tierarzt vor.

Impfungen bei FIV 

Es gibt keine Impfung gegen FIV. Allerdings ist es wichtig, dass FIV-Katzen regelmäßig ihre Pflichtimpfungen bekommen, da sie aufgrund ihres schlechten Immunsystems viel anfälliger für andere Katzenkrankheiten sind als gesunde Katzen.

Ernährung von FIV-Katzen

Gerade bei immungeschwächten Katzen ist eine gute Ernährung mit hochwertigem Futter wichtig, um den Bedarf an Mineralstoffen sowie an Vitaminen abzudecken. Leider ist dies bei den meisten Futtermarken aus dem Supermarkt nicht gewährleistet. Am besten kaufen Sie daher hochwertiges Futter von bekannten Marken oder direkt beim Tierarzt.

Da kranke Katzen schlecht fressen, ist es ratsam, ihre Ernährung zu optimieren, indem man das Futter zum Beispiel mit gekochtem Hühnerfleisch, Rindfleisch oder rohem Rinderherz schmackhafter macht. Zudem enthält Rinderherz viele Stoffe, die auch unterstützend auf das Immunsystem wirken.

Zudem können Sie das Immunsystem Ihrer FIV-Katze unterstützen, indem Sie ihr Vitamine zufüttern. Dies sollte allerdings nur in Absprache mit dem Tierarzt hinsichtlich der Zusammensetzung und der Dosierung geschehen.

Zusammenfassung: Fakten über FIV

Im Folgenden haben wir die wichtigsten Infos über FIV bei Katzen noch einmal für Sie zusammengefasst:

  • FIV wird über Speichel und Blut übertragen, daher besteht ein hohes Infektionsrisiko für Freigänger-Katzen.
  • Katzenaids ist für Menschen und Hunde nicht ansteckend.
  • FIV kommt erst nach einer Inkubationszeit von sechs bis acht Wochen zum Ausbruch.
  • Der FIV-Schnelltest ist erst vier Wochen nach der Infektion aussagekräftig.
  • Eine FIV-positive Katze muss einzeln in der Wohnung gehalten werden.
  • Das Immunsystem einer FIV-Katze muss mit der richtigen Therapie und Ernährung gestärkt werden.
  • Sekundärerkrankungen müssen behandelt werden.
  • Eine FIV-Katze muss regelmäßig ihre Pflichtimpfungen bekommen.
  • Ab dem Endstadium liegt die Lebenserwartung einer FIV-Katze bei unter einem Jahr.
Aktualisiert: 02.10.2017 – Autor: Marie Cauzard

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